Ketubot 210

Kapitel 210

א אפילו צדיק גמור ולוקח שוחד אינו נפטר מן העולם בלא טירוף דעת
1 selbst ein vollkommener Gerechter, wenn er Bestechung nimmt, scheidet nicht aus der Welt ohne Sinnesverwirrung.
ב כי אתא רב דימי אמר דרש רב נחמן בר כהן מאי דכתיב (משלי כט, ד) מלך במשפט יעמיד ארץ ואיש תרומות יהרסנה אם דומה דיין למלך שאינו צריך לכלום יעמיד ארץ ואם דומה לכהן שמחזר על הגרנות יהרסנה
2 Als R. Dimi kam, sagte er, R. Naḥman b. Kahan habe vorgetragen: Es heißt:<i>ein König erhält das Land durch Gerechtigkeit; wer Abgaben erhebt, zerstört es.</i> Gleicht der Richter einem Könige, der nichts braucht, so erhält er das Land, gleicht er aber einem Priester, der durch die Tennenstreift, so zerstört er es.
ג אמר רבה בר רב שילא האי דיינא דשאיל שאילתא פסול למידן דינא ולא אמרן אלא דלית ליה לאושולי אבל אית ליה לאושולי לית לן בה
3 Raba b. R. Šila sagte: Ein Richter, der Sachen zu leihen pflegt, ist zum Rechtsprechen unzulässig. Dies nur dann, wenn er nichts zu verleihen hat, wenn er aber auch zu verleihen hat, so ist nichts dabei. –
ד איני והא רבא שאיל שאילתא מדבי בר מריון אע"ג דלא שיילי מיניה התם לאחשובינהו הוא דבעי
4 Dem ist ja aber nicht so, Raba lieh ja von den Leuten des Bar Marjon, obgleich sie nichts von ihm liehen!? – Er wollte sie damit nur beehren.
ה אמר רבא מאי טעמא דשוחדא כיון דקביל ליה שוחדא מיניה איקרבא ליה דעתיה לגביה והוי כגופיה ואין אדם רואה חובה לעצמו מאי שוחד שהוא חד א"ר פפא לא לידון איניש דינא למאן דרחים ליה ולא למאן דסני ליה דרחים ליה לא חזי ליה חובה דסני ליה לא חזי ליה זכותא
5 Raba sagte: Was ist bei der Bestechungzu berücksichtigen? Wer von jemand Bestechung annimmt, dessen Sinn nähert sich diesem, sodaß er ihm selber gleicht, und niemand sieht sein eigenes Unrecht. – Was heißt ‘Bestechung’? – Was zusammensticht. R. Papa sagte: Man spreche dem nicht Recht, den man liebt, noch dem, den man haßt; man sieht weder das Unrecht dessen, den man liebt, noch das Recht dessen, den man haßt.
ו אמר אביי האי צורבא מרבנן דמרחמין ליה בני מתא לאו משום דמעלי טפי אלא משום דלא מוכח להו במילי דשמיא
6 Abajje sagte: Lieben die Einwohner der Stadt einen Gelehrten, so geschieht dies nicht, weil er besser ist, sondern deshalb, weil er sie nicht zurechtweist in göttlichen Angelegenheiten.
ז אמר רבא מריש הוה אמינא הני בני מחוזא כולהו רחמו לי כיון דהואי דיינא אמינא מינייהו סנו לי ומינייהו רחמו לי כיון דחזאי דמאן דמיחייב ליה האידנא קא זכי למחר אמינא אם מרחם כולהו רחמו לי אי מסנו כולהו סנו לי
7 Raba sagte: Anfangs glaubte ich, die Einwohner von Maḥoza lieben mich alle; als ich Richter wurde, glaubte ich, manche hassen mich und manche lieben mich; nachdem ich aber beobachtete, daß, wer heute verliert, morgen gewinnt, sagte ich mir: lieben sie, so lieben mich alle, und hassen sie, so hassen mich alle.
ח ת"ר (שמות כג, ח) ושוחד לא תקח אינו צריך לומר שוחד ממון אלא אפילו שוחד דברים נמי אסור מדלא כתיב בצע לא תקח היכי דמי שוחד דברים
8 Die Rabbanan lehrten:<i>Bestechung sollst du nicht nehmen;</i> dies braucht von einer Bestechung durch Geld nicht gesagt zu werden, aber auch eine Bestechung durch Worte ist verboten, da es nicht heißt: Gewinn sollst du nicht nehmen. – Was heißt Bestechung durch Worte? –
ט כי הא דשמואל הוה עבר במברא אתא ההוא גברא יהיב ליה ידיה אמר ליה מאי עבידתיך אמר ליה דינא אית לי א"ל פסילנא לך לדינא
9 Wie in folgendem Falle. Einst fuhr Šemuél auf einer Fähre, und ein Mann kam heran und reichte ihm die Hand. – Als er ihn nach seinem Vorhaben fragte, erwiderte er, er habe einen Prozeß. Da sprach er: Ich bin für dich als Richter unzulässig.
י אמימר הוה יתיב וקא דאין דינא פרח גדפא ארישיה אתא ההוא גברא שקליה א"ל מאי עבידתיך א"ל דינא אית לי אמר ליה פסילנא לך לדינא מר עוקבא הוה שדי רוקא קמיה אתא ההוא גברא כסייה א"ל מאי עבידתיך א"ל דינא אית לי א"ל פסילנא לך לדינא
10 Einst saß Amemar beim Rechtsprechen, und ein Vogel flog ihm auf den Kopf. Da kam ein Mann heran und nahm ihn fort. Als er ihn nach seinem Vorhaben fragte, erwiderte er, er habe einen Prozeß. Da sprach er: Ich bin für dich als Richter unzulässig. Einst spuckte Mar U͑qaba vor sich aus, und ein Mann kam heran und bedeckte [den Speichel]. Als er ihn nach seinem Vorhaben fragte, erwiderte er ihm, er habe einen Prozeß. Da sprach er: Ich bin für dich als Richter unzulässig.
יא ר' ישמעאל בר' יוסי הוה רגיל אריסיה דהוה מייתי ליה כל מעלי שבתא כנתא דפירי יומא חד אייתי ליה בה' בשבתא א"ל מאי שנא האידנא א"ל דינא אית לי ואמינא אגב אורחי אייתי ליה למר לא קביל מיניה א"ל פסילנא לך לדינא
11 Der Gartenpächter des R. Jišma͑él b. R. Jose pflegte ihm an jedem Vorabend des Šabbaths einen Korb Früchte zu bringen; einst brachte er ihn ihm am Donnerstag, und als er ihn fragte, weshalb heute anders als sonst, erwiderte er: Ich habe einen Prozeß, und brachte sie nebenbei für den Meister mit. Dieser aber nahm sie nicht an und sprach zu ihm: Ich bin für dich als Richter unzulässig.
יב אותיב זוזא דרבנן וקדיינין ליה בהדי דקאזיל ואתי אמר אי בעי טעין הכי ואי בעי טעין הכי אמר תיפח נפשם של מקבלי שוחד ומה אני שלא נטלתי ואם נטלתי שלי נטלתי כך מקבלי שוחד על אחת כמה וכמה:
12 Hierauf setzte er ein Paar Jünger ein, die über seine Angelegenheit verhandelten. Während er auf und ab ging, sprach er [vor sich:] Wollte er, könnte er dies vorbringen; wollte er, könnte er jenes vorbringen. Hierauf sprach er: Daß doch den Bestechung Nehmenden der Geist schwinde! Wenn es mir, der ich nichts genommen habe, und wenn ich genommen hätte, meines genommen haben würde, soergeht, um wieviel mehr denen, die Bestechung nehmen.
יג ר' ישמעאל בר אלישע אייתי ליה ההוא גברא ראשית הגז אמר ליה מהיכא את א"ל מדוך פלן ומהתם להכא לא הוה כהן למיתבא ליה א"ל דינא אית לי ואמינא אגב אורחאי אייתי ליה למר א"ל פסילנא לך לדינא לא קביל מיניה
13 Einst brachte jemand R. Jišma͑él b. Eliša͑ die Erstlingsschur, und als dieser ihn fragte, woher er sei, erwiderte er, er sei aus jenem Orte. – Und von dort bis hier war kein Priester, sie ihm zu geben? Jener erwiderte: Ich habe einen Prozeß, und brachte sie nebenbei für den Meister mit. Da sprach er: Ich bin für dich als Richter unzulässig. Und er nahm sie von ihm nicht an.
יד אותיב ליה זוגא דרבנן וקדייני ליה בהדי דקאזיל ואתי אמר אי בעי טעין הכי ואי בעי טעין הכי אמר תיפח נפשם של מקבלי שוחד ומה אני שלא נטלתי ואם נטלתי שלי נטלתי כך מקבלי שוחד על אחת כמה וכמה:
14 Hierauf setzte er ein PaarJünger ein, die über seine Angelegenheit verhandelten. Während er auf und ab ging, sprach er [vor sich]: Wollte er, könnte er dies vorbringen; wollte er, könnte er jenes vorbringen. Hierauf sprach er: Daß doch den Bestechung Nehmenden der Geist schwinde! Wenn es mir, der ich nichts genommen habe, und wenn ich genommen hätte, meines genommen haben würde, so ergeht, um wieviel mehr denen, die Bestechung nehmen.
טו רב ענן אייתי ליה ההוא גברא כנתא דגילדני דבי גילי א"ל מאי עבידתיך א"ל דינא אית לי לא קביל מיניה א"ל פסילנא לך לדינא
15 Einst brachte jemand R. A͑nan einen Korb kleiner Schilffische, und als er ihn nach seinem Vorhaben fragte, erwiderte er, er habe einen Prozeß. Dieser aber nahm sie nicht an und sprach zu ihm: Ich bin für dich als Richter unzulässig.
טז אמר ליה דינא דמר לא בעינא קבולי לקביל מר דלא למנען מר מאקרובי בכורים דתניא (מלכים ב ד, מב) ואיש בא מבעל שלישה ויבא לאיש האלהים לחם בכורים עשרים לחם שעורים וכרמל בצקלונו וכי אלישע אוכל בכורים הוה אלא לומר לך כל המביא דורון לתלמיד חכם כאילו מקריב בכורים
16 Jener erwiderte: Ich verlange nun nicht, daß der Meister meinen Prozeß entscheide, aber immerhin möge er sie annehmen und mich nicht an der Darbringung der Erstlingehindern. Es wird nämlich gelehrt:<i>Und ein Mann kam aus Baa͑l Šališa und brachte dem Gottesmanne Brot von Erstlingsfrucht nicht, zwanzig Gerstenbrote und frische Ähren in seiner Tasche;</i> war etwa Eliša͑ Erstlinge zu essenberechtigt? Dies besagt vielmehr, daß wenn jemand einem Gelehrten ein Geschenk bringt, es ebenso sei, als würde er die Erstlinge darbringen.
יז אמר ליה קבולי לא בעינן דאיקביל השתא דאמרת לי טעמא מקבילנא שדריה לקמיה דרב נחמן שלח ליה נידייניה מר להאי גברא דאנא ענן פסילנא ליה לדינא אמר מדשלח לי הכי שמע מינה קריביה הוא הוה קאים דינא דיתמי קמיה אמר
17 Da sprach er: Ich wollte sie nicht annehmen, da du es mir aber begründest, nehme ich sie an. Hierauf sandte er ihn zu R. Naḥman und ließ ihm mitteilen: Möge der Meister den Prozeß dieses Mannes entscheiden, denn ich, A͑nan, bin für ihn als Richter unzulässig. Dieser glaubte, er sei, da er ihm dies mitteilen ließ, sein Verwandter. Er hatte gerade einen Prozeß von Waisen vor, jedoch dachte er: