Ketubot 98

Kapitel 98

א דאפילו בתו חובה הוא דליכא הא מצוה איכא
1 daß auch hinsichtlich der Tochternur keine Pflicht besteht, wohl aber ein Gebot.
ב ואיבעית אימא ר' יהודה והכי קאמר האב אינו חייב במזונות בתו וכל שכן לבנו הא מצוה בבנו איכא וקל וחומר לבנות והא דקתני בתו הא קא משמע לן דאפילו בתו חובה ליכא
2 Wenn du willst, sage ich: R. Jehuda, denn [die Mišna] ist wie folgt zu verstehen: der Vater ist zur Ernährung seiner Tochter nicht verpflichtet; dies gilt auch von einem Sohne, jedoch besteht hinsichtlich des Sohnes ein Gebot, und um so mehr hinsichtlich der Tochter. Er spricht nur deshalb von einer Tochter, um zu lehren, daß auch hinsichtlich der Tochter keine Pflicht besteht.
ג ואיבעית אימא ר' יוחנן בן ברוקא והכי קאמר אינו חייב במזונות בתו והוא הדין לבנו והוא הדין דאפילו מצוה נמי ליכא ואיידי דבנות לאחר מיתת אביהן חובה תנא נמי אינו חייב
3 Und wenn du willst, sage ich: R. Joḥanan b. Beroqa, denn [die Mišna] ist wie folgt zu verstehen: [Der Vater] ist zur Ernährung seiner Tochter nicht verpflichtet, und dies gilt auch von einem Sohne. Dies ist nicht einmal Gebot, und nur deshalb lehrt er ‘nicht verpflichtet’, weil nach dem Tode des Vaters hinsichtlich der Töchter eine Pflicht besteht.
ד אמר רבי אילעא אמר ריש לקיש משום רבי יהודה בר חנינא באושא התקינו שיהא אדם זן את בניו ואת בנותיו כשהן קטנים איבעיא להו הלכתא כוותיה או אין הלכתא כוותיה תא שמע כי הוה אתו לקמיה דרב יהודה אמר להו יארוד ילדה ואבני מתא שדיא
4 R. Ilea͑ sagte: Reš Laqiš sagte im Namen des R. Jehuda b. Ḥanina: In U͑ša ordnete man an, seine unmündigen Söhne und Töchter zu ernähren. – Ist die Halakha wie er oder ist die Halakha nicht wie er? – Komm und höre: Wenn manzu R. Jehuda kam, sprach er zu ihnen: Der Drachegebiert und wälztauf die Stadtbewohner ab.
ה כי הוה אתו לקמיה דרב חסדא אמר להו כפו ליה אסיתא בצבורא וליקום ולימא עורבא בעי בניה וההוא גברא לא בעי בניה ועורבא בעי בניה והכתיב (תהלים קמז, ט) לבני עורב אשר יקראו לא קשיא הא בחיורי הא באוכמי
5 Wenn man zu R. Ḥisda kam, sprach er: Stülpt ihm vor der Gemeinde einen Mörser um, und er steige auf diesen und spreche: Der Rabe verlangt nach seinen Kindern, ich aber verlangte nicht nach meinen Kindern. – Verlangt denn der Rabe nach seinen Kindern, es heißt ja:<i>den jungen Raben, die da rufen</i>!? Das ist kein Einwand; das eine gilt von weißen und das andere von schwarzen.
ו כי הוה אתי לקמיה דרבא אמר ליה ניחא לך דמיתזני בניך מצדקה
6 Wenn jemand vor Raba kam, sprach er zu ihm: Ist es dir lieb, daß deine Kinder von Almosen unterhalten werden!?
ז ולא אמרן אלא דלא אמיד אבל אמיד כפינן ליה על כרחיה כי הא דרבא כפייה לרב נתן בר אמי ואפיק מיניה ד' מאה זוזי לצדקה
7 Dies nur dann, wenn er unvermögend ist, ist er aber vermögend, so zwinge man ihn gegen seinen Willen. So zwang einst Raba den R. Nathan b. Ami und nahm ihm vierhundert Zuz für Almosen ab.
ח אמר רבי אילעא אמר ריש לקיש באושא התקינו הכותב כל נכסיו לבניו הוא ואשתו נזונים מהם
8 R. Ilea͑ sagte im Namen des Reš Laqiš: In Uša ordnete man an, daß, wenn jemand seine gesamten Güter seinen Söhnen verschrieben hat, er und seine Frau von diesen zu ernähren sind.
ט מתקיף לה רבי זירא ואיתימא רבי שמואל בר נחמני גדולה מזו אמרו אלמנתו נזונת מנכסיו הוא ואשתו מיבעיא
9 R. Zera, nach anderen R. Šemuél b. Naḥmani, wandte ein: In einem noch weitergehenden Falle sagten sie, seine Witwe sei von seinen Gütern zu ernähren, um wieviel mehr er selber und seine Frau!?
י דשלח רבין באיגרתיה מי שמת והניח אלמנה ובת אלמנתו ניזונת מנכסיו נישאת הבת אלמנתו ניזונת מנכסיו
10 Rabin sandte nämlich in einem Briefe: Wenn jemand gestorben ist und eine Witwe und eine Tochter hinterlassen hat, so ist die Witwe von seinen Gütern zu ernähren; verheiratet sich die Tochter, so istdie Witwe von seinen Gütern zu ernähren.
יא מתה הבת אמר רבי יהודה בן אחותו של רבי יוסי בר חנינא על ידי היה מעשה ואמרו אלמנתו ניזונת מנכסיו הוא ואשתו מיבעיא
11 [Hinsichtlich des Falles], wenn die Tochter stirbt, sagte R. Jehuda, Schwesterssohn des R. Jose b. Ḥanina, er habe einen solchen vorgebracht, und man entschied, die Witwe sei von seinen Güternzu ernähren. Um wieviel mehr er selber und seine Frau!? –
יב מהו דתימא התם הוא דליכא דטרח אבל הכא נטרח לדידיה ולדידה קא משמע לן
12 Man könnte glauben, nur da, wo niemand vorhandenist, der für sie sorgt, hierbei aber sorge er für sichund sie, so lehrt er uns. –
יג איבעיא להו הלכתא כוותיה או לית הלכתא כוותיה ת"ש דרבי חנינא ור' יונתן הוו קיימי אתא ההוא גברא גחין ונשקיה לר' יונתן אכרעיה אמר ליה ר' חנינא מאי האי א"ל כותב נכסיו לבניו הוא
13 Ist die Halakha wie er oder ist die Halakha nicht wie er? – Komm und höre: Einst standen R. Ḥanina und R. Jonathan beisammen, da kam ein Mann heran, der sich bückte und R. Jonathan den Fuß küßte. Als R. Ḥanina ihn fragte, was dies bedeute, erwiderte er: Dieser verschrieb seine Güter seinen Söhnen