Kiddushin 104

Kapitel 104

א והא מתניתין דגזל דידה וקאמר רב אינה מקודשת לא קשיא הא דשדיך הא דלא שדיך
1 Auch unsere Mišna spricht ja von Geraubtem, das ihr gehört, und Rabh sagt, sie sei ihm nicht angetraut!? — Dies ist kein Einwand; das eine, wenn er um sie geworben hat, das andere, wenn er nicht um sie geworben hat.
ב ההיא איתתא דהוה קא משיא כרעא במשיכלא דמיא אתא ההוא גברא חטף זוזי מחבריה ושדא לה אמר לה מיקדשת לי אתא ההוא גברא לקמיה דרבא אמר לית דחש להא דר' שמעון דאמר סתם גזילה יאוש בעלים הוי
2 Einst wusch eine Frau den Fuß in einem Becken Wasser und ein Mann kam heran, entriß seinem Nächsten einen Zuz, warf ihn ihr zu und sprach zu ihr: sei mir angetraut. Als dieser Mann hierauf zu Raba kam, sprach er: Niemand berücksichtigt die Ansicht R. Šimo͑ns, welcher sagt, beim Raube erfolge gewöhnlich eine Desperation des Eigentümers.
ג ההוא אריסא דקדיש במוזא דשמכי אתא לקמיה דרבא אמר ליה מאן אחלך והני מילי במוזא אבל כישא מצי אמר ליה אנא שקלי כישא שקיל את כישא כישא כי כישא
3 Einst vollzog ein Teilpächter die Antrauung mit einem Haufen Zwiebeln. Als er hierauf zu Raba kam, sprach dieser zu ihm: Wer hat es dir geschenkt? Dies gilt nur von einem Haufen, wenn aber mit einem Bündel, so kann er sagen: ich habe ein Bündel genommen, nimm auch du ein Bündel; ein Bündel wie das andere.
ד ההוא סרסיא דקדיש בפרומא דשיכרא אתא מריה דשיכרא אשכחיה אמר ליה אמאי לא תיתיב מהאי חריפא אתא לקמיה דרבא אמר לא אמרו כלך אצל יפות אלא לענין תרומה בלבד
4 Einst vollzog ein Brauer die Antrauung mit einem Kruge Met; da kam der Eigentümer des Mets heran und sprach zu ihm: Weshalb nimmst du nicht vom kräftigeren? Als er darauf zu Raba kam, sprach er zu ihm: Der Hinweis auf das Bessere gilt nur bei der Hebe.
ה דתניא כיצד אמרו תורם שלא מדעת תרומתו תרומה הרי שירד לתוך שדה חבירו וליקט ותרם שלא ברשות אם חושש משום גזל אין תרומתו תרומה ואם לאו תרומתו תרומה
5 Es wird nämlich gelehrt: Von welchem Falle sagten sie, die Absonderung der Hebe ohne Wissen [des Eigentümers] sei gültig? Wenn jemand sich unbefugt in das Feld eines anderen begibt und da [Früchte] einsammelt und die Hebe absondert, so ist die Absonderung der Hebe, wenn [der Eigentümer] es übel nimmt und als Raub betrachtet, ungültig, wenn aber nicht, gültig.
ו ומנין היה יודע אם חושש משום גזל אם לאו הרי שבא בעל הבית ומצאו ואמר לו כלך אצל יפות אם נמצאו יפות מהם תרומתו תרומה ואם לאו אין תרומתו תרומה היו הבעלים מלקטים ומוסיפים בין כך ובין כך תרומתו תרומה
6 Woher kann er wissen, ob [der Eigentümer] dies übel nimmt und es als Raub betrachtet oder nicht? Wenn der Eigentümer, als er herankam und ihn traf, zu ihm sprach: du solltest zu den besseren [Früchten] gehen, so ist, wenn bessere vorhanden sind, die Absonderung gültig, wenn aber nicht, ungültig; wenn aber der Eigentümer selbst sammelt und hinzufügt, so ist die Hebe auf jeden Fall gültig.
ז אבל הכא משום כיסופא הוא דעבד ואינה מקודשת
7 Hierbei aber sagte er es nur aus Gêne, und sie ist nicht angetraut.
ח <big><strong>מתני׳</strong></big> המקדש בחלקו בין קדשי קדשים בין קדשים קלים אינה מקודשת במעשר שני בין שוגג בין מזיד לא קידש דברי רבי מאיר רבי יהודה אומר בשוגג לא קידש במזיד קידש
8 <b>W</b><small>ENN</small> [<small>EIN</small> P<small>RIESTER SICH EINE</small> F<small>RAU</small>]<small> MIT SEINEM</small> A<small>NTEILE</small> <small>ANTRAUT, EINERLEI OB VON</small> H<small>OCHHEILIGEM ODER</small> M<small>INDERHEILIGEM</small>, <small>SO IST SIE IHM NICHT ANGETRAUT</small>. W<small>ENN</small> [<small>EIN</small> G<small>EMEINER</small>] <small>MIT DEM ZWEITEN</small> Z<small>EHNTEN, EINERLEI OB VERSEHENTLICH ODER VORSÄTZLICH, SO HAT ER SIE SICH NICHT ANGETRAUT — SO</small> R. M<small>EÍR;</small> R. J<small>EHUDA SAGT, VERSEHENTLICH HABE ER SIE SICH NICHT ANGETRAUT, VORSÄTZLICH</small> <small>HABE ER SIE SICH ANGETRAUT</small>.
ט ובהקדש במזיד קידש ובשוגג לא קידש דברי ר' מאיר רבי יהודה אומר בשוגג קידש במזיד לא קידש
9 W<small>ENN MIT</small> G<small>EHEILIGTEM, SO HAT ER SIE SICH, FALLS VORSÄTZLICH, ANGETRAUT, FALLS VERSEHENTLICH, NICHT ANGETRAUT — SO</small> R. M<small>EÍR;</small> R. J<small>EHUDA SAGT, VERSEHENTLICH HABE ER SIE SICH ANGETRAUT, VORSÄTZLICH HABE ER SIE SICH NICHT ANGETRAUT</small>.
י <big><strong>גמ׳</strong></big> נימא מתניתין דלא כרבי יוסי הגלילי דתניא (ויקרא ה, כא) ומעלה מעל בה' לרבות קדשים קלים שהן ממונו דברי ר' יוסי הגלילי
10 GEMARA. Es wäre anzunehmen, daß unsere Mišna nicht die Ansicht R. Jose des Galiläers vertritt, denn es wird gelehrt: <i>Und an dem Herrn eine Veruntreuung begeht</i>; dies schließt das Minderheilige ein, das Eigentum [des Priesters] ist — so R. Jose der Galiläer. —
יא אפי' תימא ר' יוסי הגלילי כי קאמר ר' יוסי הגלילי מחיים אבל לאחר שחיטה לא מאי טעמא כי קא זכו משלחן גבוה קא זכו
11 Du kannst auch sagen, sie vertrete die Ansicht R. Jose des Galiläers, denn R. Jose der Galiläer sagt es nur von Lebendem, nicht aber von Geschlachtetem, weil sie es vom Tisch Gottes erwerben.
יב דיקא נמי דקתני המקדש בחלקו בין קדשי קדשים ובין קדשים קלים לא קידש ש"מ
12 Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt: wenn [ein Priester sich eine Frau] mit seinem Anteile antraut, einerlei ob von Hochheiligem oder von Minderheiligem, so hat er sie sich nicht angetraut. Schließe hieraus.
יג תנו רבנן לאחר פטירתו של ר' מאיר אמר להם רבי יהודה לתלמידיו אל יכנסו תלמידי רבי מאיר לכאן מפני שקנתרנים הם ולא ללמוד תורה הם באים אלא לקפחני בהלכות הם באים דחק סומכוס ונכנס אמר להם כך שנה לי ר' מאיר המקדש בחלקו בין קדשי קדשים ובין קדשים קלים לא קידש
13 Die Rabbanan lehrten: Nach dem Hinscheiden R. Meírs sprach R. Jehuda zu seinen Schülern: Die Schüler R. Meírs sollen hier nicht eintreten, denn diese sind streitsüchtig und kommen nicht, um die Tora zu lernen, sondern um mich mit Halakhoth niederzukämpfen. Symmachos aber drängte sich vor und trat ein. Da sprach er: R. Meír lehrte mich wie folgt: wenn [ein Priester sich eine Frau] mit seinem Anteile antraut, einerlei ob von Hochheiligem oder von Minderheiligem, so hat er sie sich nicht angetraut.
יד כעס ר' יהודה עליהם אמר להם לא כך אמרתי לכם אל יכנסו מתלמידי ר"מ לכאן מפני שקנתרנים הם ולא ללמוד תורה הם באים אלא לקפחני בהלכות הם באים וכי אשה בעזרה מנין
14 Da geriet R. Jehuda in Zorn und sprach zu ihnen: Habe ich euch etwa nicht gesagt, daß niemand von den Schülern R. Meírs hier eintrete, weil sie streitsüchtig sind und nicht kommen, um die Tora zu lernen, sondern um mich mit Halakhoth niederzukämpfen!? Wie kommt eine Frau in den Tempelhof!?
טו אמר ר' יוסי יאמרו מאיר שכב יהודה כעס יוסי שתק דברי תורה מה תהא עליה וכי אין אדם עשוי לקבל קידושין לבתו בעזרה ואין אשה עשויה לעשות לה שליח לקבל קידושיה בעזרה ועוד דחקה ונכנסה מאי
15 R. Jose sprach: Nun wird man sagen: Meír ist tot, Jehuda zürnt, und Jose schweigt; was soll nun aus der Tora werden!? Kann etwa nicht jemand die Antrauung für seine Tochter im Tempelhofe in Empfang nehmen, oder kann eine Frau nicht einen Bevollmächtigten bestellen, für sie ihre Antrauung im Tempelhofe in Empfang zu nehmen!? Und wie ist es ferner, wenn sie sich hineingedrängt und doch eingetreten ist!?
טז תניא ר' יהודה אומר מקודשת ר' יוסי אומר אינה מקודשת אמר ר' יוחנן שניהם מקרא אחד דרשו (במדבר יח, ט) וזה יהיה לך מקדש הקדשים מן האש ר' יהודה סבר לך ולכל צרכיך ור' יוסי סבר כאש מה אש לאכילה אף הוא נמי לאכילה
16 Es wird gelehrt: R. Jehuda sagt, sie sei ihm angetraut; R. Jose sagt, sie sei ihm nicht angetraut. R. Joḥanan sagte: Beide entnehmen sie es aus ein und demselben Schriftverse: <i>Folgendes soll dir vom Hochheiligen gehören, vom Feuer</i>; R. Jehuda erklärt: <i>dir</i>, für all deine Bedürfnisse, und R. Jose erklärt: gleich dem Feuer, wie dem Feuer zur Verzehrung, ebenso auch dir zur Verzehrung.
יז אמר ר' יוחנן
17 R. Joḥanan sagte,