Kiddushin 108

Kapitel 108

א תרי תנאי נינהו ואליבא דר' יהודה
1 Zwei Tannaím streiten über die Ansicht R. Jehudas.
ב אמר עולא משמיה דבר פדא אומר היה ר"מ הקדש במזיד מתחלל בשוגג אין מתחלל ולא אמרו בשוגג מתחלל אלא לענין קרבן בלבד וכי מאחר דאין מתחלל קרבן במאי מחייב
2 U͑la sagte im Namen Bar Padas: R. Meír ist der Ansicht, das Geheiligte werde vorsätzlich entweiht und versehentlich nicht entweiht, und nur hinsichtlich des Opfers sagten sie, daß es versehentlich entweiht werde. — Wieso ist er, wenn es nicht entweiht wird, zu einem Opfer verpflichtet!? —
ג אלא כי אתא רבין פריש משמיה דבר פדא אומר היה ר"מ הקדש במזיד מתחלל בשוגג אין מתחלל ולא אמרו בשוגג מתחלל אלא לענין אכילה בלבד
3 Vielmehr, als Rabin kam, erklärte er im Namen Bar Padas: R. Meír ist der Ansicht, das Geheiligte werde vorsätzlich entweiht und versehentlich nicht entweiht, und nur hinsichtlich der Verzehrung sagten sie, daß es versehentlich entweiht werde.
ד אמר רב נחמן אמר רב אדא בר אהבה הלכה כר"מ במעשר הואיל וסתם לן תנא כותיה והלכה כר' יהודה בהקדש הואיל וסתם לן תנא כותיה
4 R. Naḥman sagte im Namen des R. Ada b. Ahaba: Die Halakha ist beim [zweiten] Zehnten wie R. Meír, weil der Autor nach seiner Ansicht anonym lehrt, und beim Geheiligten wie R. Jehuda, weil der Autor nach seiner Ansicht anonym lehrt. — Wo dies wie R. Meír beim Zehnten? —
ה כר"מ במעשר מאי היא דתנן כרם רבעי ב"ש אומרים אין לו חומש ואין לו ביעור וב"ה אומרים יש לו
5 Wir haben gelernt: Beim vierjährigen Weinberge gibt es, wie die Schule Šammajs sagt, kein Fünftel und keine Fortschaffung; die Schule Hillels sagt, es gebe wohl.
ו ב"ש אומרים יש לו פרט ויש לו עוללות וב"ה אומרים כולו לגת
6 Die Schule Šammajs sagt, bei diesem gebe es Abfall und Traubennachlese; die Schule Hillels sagt, alles in die Kelter.
ז מ"ט דב"ה גמרי (ויקרא יט, כד) קודש (ויקרא כז, לב) קודש ממעשר מה מעשר יש לו חומש ויש לו ביעור אף כרם רבעי יש לו חומש ויש לו ביעור וב"ש לא גמרי קודש קודש ממעשר
7 Was ist der Grund der Schule Hillels? Sie folgert es durch [das Wort] <i>heilig</i> vom Zehnten, wie es beim Zehnten das Fünftel und die Fortschaffung gibt, ebenso gibt es beim vierjährigen Weinberge das Fünftel und die Fortschaffung. Die Schule Šammajs aber folgert nicht durch [das Wort] <i>heilig</i> vom Zehnten.
ח וב"ה אומרים כמעשר כמאן סבירא להו אי כר' יהודה אמאי כולו לגת האמר מעשר ממון הדיוט הוא אלא לאו כר"מ
8 Wessen Ansicht ist nun die Schule Hillels, die es mit dem Zehnten vergleicht: wenn der des R. Jehuda, wieso kommt alles in die Kelter, dieser sagt ja, der Zehnt sei Eigentum des Gemeinen, doch wohl der des R. Meír. —
ט כר' יהודה בהקדש מאי היא דתנן שילח ביד פיקח ונזכר עד שלא הגיע אצל חנווני חנווני מעל לכשיוציא
9 Wo dies wie R. Jehuda beim Geheiligten? — Wir haben gelernt: Wenn er es durch einen Vollsinnigen geschickt und bevor dieser zum Krämer kam, sich erinnert hat, so hat der Krämer, wenn er es ausgegeben hat, die Veruntreuung begangen. —
י וכר' יהודה במעשר מי לא תנן והתנן הפודה מעשר שני שלו מוסיף עליו חמישיתו בין משלו בין שניתן לו במתנה מני אילימא ר"מ היא מי מצי יהיב ליה במתנה והאמר מעשר ממון גבוה הוא אלא לאו ר' יהודה
10 Gibt es denn nicht eine Lehre nach R. Jehuda beim Zehnten, wir haben ja gelernt, wer seinen zweiten Zehnten auslöst, müsse ein Fünftel hinzufügen, einerlei ob seinen Ertrag oder Geschenktes. Nach wessen Ansicht: wenn nach R. Meír, wieso kann er verschenkt werden, dieser sagt ja, er sei Eigentum Gottes; doch wohl nach R. Jehuda!? —
יא לא לעולם ר"מ והכא במאי עסקינן כגון דיהיב ניהליה בטיבליה וקסבר מתנות שלא הורמו כמי שלא הורמו דמיין
11 Nein, tatsächlich nach R. Meír, und hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er ihm das Unverzehntete gegeben hat, und er ist der Ansicht, Priestergaben, die nicht abgehoben sind, gelten nicht als abgehoben. —
יב ת"ש הפודה נטע רבעי שלו מוסיף עליו חמישיתו בין משלו בין שניתן לו במתנה מני אילימא ר"מ מי מצי יהיב ליה והא גמרי ' קודש קודש ממעשר אלא לאו ר' יהודה
12 Komm und höre: Wer seinen vierjährigen Weinberg auslöst, füge das Fünftel hinzu, einerlei ob seinen Ertrag oder Geschenktes. Nach wessen Ansicht: wenn nach R. Meír, wieso können solche [Früchte] verschenkt werden, er folgert ja durch [das Wort] <i>heilig</i> vom Zehnten; doch wohl nach R. Jehuda!? —
יג לעולם ר"מ והכא במאי עסקינן כגון דיהיב כשהוא סמדר ודלא כר' יוסי דאמר סמדר אסור מפני שהוא פרי
13 Nein, tatsächlich nach R. Meír, und hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er sie als Knospenansatz erhalten hat, gegen die Ansicht R. Joses, welcher sagt, der Knospenansatz sei verboten, weil er als Frucht gilt. —
יד ת"ש משך הימנו מעשר בסלע ולא הספיק לפדותו עד שעמד בשתים נותן סלע ומשתכר בסלע ומעשר שני שלו מני אילימא ר"מ אמאי משתכר בסלע (ויקרא כז, כג) ונתן את הכסף וקם לו אמר רחמנא אלא לאו ר' יהודה
14 Komm und höre: Wenn jemand den [zweiten] Zehnten zum Preise eines Sela͑ an sich gezogen und dieser, bevor er ihn eingelöst hat, auf zwei gestiegen ist, so zahle er nur einen Sela͑, sodaß er einen Sela͑ verdient, denn der zweite Zehnt ist sein. Nach wessen Ansicht: wenn nach R. Meír, wieso verdient er einen Sela͑, der Allbarmherzige sagt ja: <i>er gebe das Geld</i> <i>und soll es erstehen</i>; doch wohl nach R. Jehuda!? —
טו לעולם ר' יהודה והכא חד סתמא והכא תרי סתמי
15 Tatsächlich nach R. Jehuda, aber nach dessen Ansicht gibt es nur eine anonyme Lehre, nach der [des R. Meír] aber zwei. —
טז ואי סתמא דוקא מה לי חד סתמא מה לי תרי סתמי אמר רב נחמן בר יצחק הלכה כר' מאיר הואיל ותנן בבחירתא כוותיה
16 Wenn die Anonymität entscheidend ist, so ist es ja einerlei, ob sie einmal vorkommt oder zweimal vorkommt!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Die Halakha ist wie R. Meír, weil in der Beḥirta nach ihm gelehrt wird.