Kiddushin 119

Kapitel 119

א ובא אחר ואמר לה הרי את מקודשת לי מעכשיו ולאחר עשרה ימים מראשון ומאחרון צריכה גט מאמצעי אינה צריכה גט
1 und darauf ein dritter kommt und zu ihr sagt: sei mir von jetzt ab nach zehn Tagen angetraut, vom ersten und vom letzten eines Scheidebriefes und vom mittelsten keines Scheidebriefes.
ב מה נפשך אי תנאה הואי דקמא קידושי דהנך לאו קידושי אי חזרה הואי דבתרא קידושי דהנך לאו קידושי
2 Wie du es nimmst: ist dies eine Bedingung, so ist die Antrauung des ersten gültig und die Antrauungen der anderen sind ungültig, und ist dies ein Rücktritt, so ist die Antrauung des letzten gültig und die Antrauungen der anderen sind ungültig. —
ג פשיטא מהו דתימא האי לישנא משמע תנאה ומשמע חזרה ותיבעי גיטא מכל חד וחד קמ"ל
3 Selbstverständlich!? — Man könnte glauben, diese Wendung könne als Bedingung und als Rücktritt aufgefaßt werden und sie benötige eines Scheidebriefes von jedem, so lehrt er uns.
ד עולא אמר רבי יוחנן אפי' מאה תופסין בה וכן אמר ר' אסי אמר רבי יוחנן אפילו מאה תופסין בה אמר ליה רב משרשיא בריה דרב אמי לר' אסי אסברה לך טעמא דרבי יוחנן שוו נפשיה כי שרגא דליבני דכל חד וחד רוחא לחבריה שבק
4 U͑la aber sagte im Namen R. Joḥanans, auch hundert erfassen sie. Ebenso sagte R. Asi im Namen R. Joḥanans, auch hundert erfassen sie. R. Mešaršeja, Sohn des R. Ami, sprach zu R. Asi: Ich will dir den Grund R. Joḥanans erklären: hierbei verhält es sich wie bei einer Reihe von Ziegelsteinen, bei der jeder Raum für den anderen zurückläßt.
ה מתיב רב חנינא מהיום ולאחר מיתה גט ואינו גט ואם מת חולצת ולא מתייבמת
5 R. Ḥanina wandte ein: [Sagte er:] von heute ab nach meinem Tode, so ist die Scheidung gültig und nicht gültig; stirbt er, so ist an ihr die Ḥaliça zu vollziehen und nicht die Schwager ehe.
ו בשלמא לרב מסייעא ליה לשמואל נמי הא מני רבנן היא ואנן דאמרי כרבי
6 Dies ist für Rabh eine Stütze, und auch nach Šemuél ist zu erklären, hier sei die Ansicht der Rabbanan vertreten, während er der Ansicht Rabbis ist;
ז אלא לר' יוחנן דאמר שיורא הוי כל גיטא דמשייר בה ולא כלום הוא יבומי מייבם
7 nach R. Joḥanan aber, welcher sagt, dies sei eine Zurücklassung, sollte doch, da eine Scheidung, von der etwas zurückbleibt, nichtig ist, auch die Schwagerehe zulässig sein!?
ח אמר רבא גט להוציא ומיתה להוציא מה ששייר גט גמרתו מיתה אמר ליה אביי מי דמי גט מוציאה מרשות יבם מיתה מכנסה לרשות יבם
8 Raba erwiderte: Der Scheidebrief befreit sie und der Tod befreit sie, was der Scheidebrief zurückläßt, ergänzt der Tod. Abajje sprach zu ihm: Es ist ja nicht gleich: der Scheidebrief bringt sie aus der Gewalt des Eheschwagers, der Tod aber bringt sie in die Gewalt des Eheschwagers!?
ט אלא אמר אביי התם טעמא מאי גזירה משום מהיום אם מתי הרי זה גט
9 Vielmehr, erklärte Abajje, aus dem Grunde, weil [die Wendung] ‘von heute ab, wenn ich sterbe’ berücksichtigt wird; die Scheidung ist dann gültig. —
י ונגזור מהיום אם מתי דתחלוץ אטו מהיום ולאחר מיתה אם אתה אומר חולצת מתייבמת
10 Sollte sie doch bei [der Wendung] ‘von heute ab, wenn ich sterbe’ der Ḥaliça benötigen mit Rücksicht auf [die Wendung] ‘von heute nach meinem Tode’!? — Wenn du sagen wolltest, sie benötige der Ḥaliça, so könnte an ihr auch die Schwagerehe vollzogen werden. —
יא הכא נמי אם אתה אומר חולצת מתייבמת תתייבם ואין בכך כלום חששא דרבנן הוא
11 Auch in jenem Falle kann ja, da du sagst, sie benötige der Ḥaliça, an ihr auch die Schwagerehe vollzogen werden!? — Mag an ihr die Schwagerehe vollzogen werden; dabei ist nichts, da dies nur eine rabbanitische Berücksichtigung ist.
יב <big><strong>מתני׳</strong></big> האומר לאשה הרי את מקודשת לי על מנת שאתן לך מאתים זוז הרי זו מקודשת והוא יתן על מנת שאתן לך מכאן ועד ל' יום נתן לה בתוך שלשים מקודשת ואם לאו אינה מקודשת
12 <b>S</b><small>AGT JEMAND ZU EINER</small> F<small>RAU: SEI MIR ANGETRAUT</small> <small>MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH DIR ZWEIHUNDERT</small> Z<small>UZ GEBE, SO IST SIE IHM ANGETRAUT, UND ER GEBE SIE IHR; WENN ABER: MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH SIE DIR VON JETZT BIS DREISSIG</small> T<small>AGEN GEBE, SO IST SIE IHM, WENN ER SIE INNERHALB DREISSIG</small> T<small>AGEN GEGEBEN HAT, ANGETRAUT, WENN ABER NICHT, NICHT ANGETRAUT</small>.
יג ע"מ שיש לי מאתים זוז הרי זו מקודשת ויש לו על מנת שאראך מאתים זוז הרי זו מקודשת ויראה לה ואם הראה על השלחן אינה מקודשת
13 S<small>AGTE ER: MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH ZWEIHUNDERT</small> Z<small>UZ HABE, SO IST SIE IHM, WENN ER SIE HAT, ANGETRAUT; WENN: MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH DIR ZWEIHUNDERT</small> Z<small>UZ ZEIGEN WERDE, SO IST SIE IHM ANGETRAUT, UND ER ZEIGE SIE IHR; ZEIGT ER SIE IHR AUF DEM</small> [W<small>ECHSEL</small>]<small>-TISCHE</small>, <small>SO IST SIE IHM NICHT ANGETRAUT</small>.
יד <big><strong>גמ׳</strong></big> איתמר רב הונא אמר והוא יתן רב יהודה אמר לכשיתן רב הונא אמר והוא יתן תנאה הוי מקיים תנאה ואזיל רב יהודה אמר לכשיתן לכי יהיב הוו קידושי השתא מיהא לא הוו קידושי
14 GEMARA. Es wurde gelehrt: R. Hona erklärte: Er soll ihr geben, R. Jehuda erklärte: Wenn er ihr gibt. R. Hona erklärt: er soll ihr geben, denn dies ist eine Bedingung, die er dann erfüllt; R. Jehuda erklärt: wenn er ihr gibt, denn die Antrauung erfolgt erst dann, wenn er sie ihr gibt, vorher aber erfolgt keine Antrauung. —
טו מאי בינייהו איכא בינייהו שפשטה ידה וקבלה קידושין מאחר לרב הונא לא הוו קידושי לרב יהודה הוו קידושי
15 Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn sie die Hand ausgestreckt und die Antrauung von einem anderen in Empfang genommen hat; nach R. Hona ist diese Antrauung nicht gültig, nach R. Jehuda aber ist diese Antrauung gültig.
טז ותנן נמי גבי גיטין כי האי גוונא האומר לאשה הרי זה גיטך על מנת שתתני לי מאתים זוז הרי זו מגורשת והיא תתן איתמר רב הונא אמר והיא תתן רב יהודה אמר לכשתתן רב הונא אמר והיא תתן תנאה הוי מקיימא תנאה ואזלה רב יהודה אמר לכשתתן לכי יהיבה ליה הוא דהוי גט השתא מיהא לא הוי גט
16 Desgleichen wird auch bei der Scheidung gelehrt: Wenn jemand zu einer Frau sagt: da hast du deinen Scheidebrief mit der Bedingung, daß du mir zweihundert Zuz gibst, so ist sie geschieden, und sie gebe sie ihm. Hierzu wurde gelehrt: R. Hona erklärte: Sie soll ihm geben. R. Jehuda erklärte: Wenn sie ihm gibt. R. Hona erklärt: sie soll ihm geben, denn dies ist eine Bedingung, die sie dann erfüllt; R. Jehuda erklärt: wenn sie ihm gibt, denn die Scheidung erfolgt erst dann, wenn sie sie ihm gibt, vorher aber erfolgt keine Scheidung. —