Kiddushin 120

Kapitel 120

א מאי בינייהו איכא בינייהו שנתקרע הגט או שאבד לרב הונא הוי גט לרב יהודה לא הוי גט
1 Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn der Scheidebrief zerrissen worden oder abhanden gekommen ist; nach R. Hona ist die Scheidung gültig, nach R. Jehuda ist die Scheidung ungültig.
ב וצריכא דאי אשמעינן גבי קידושין בהא קאמר רב הונא משום דלקרובה קאתי אבל גירושין דלרחקה קאתי אימא מודי ליה לרב יהודה
2 Und beides ist nötig. Würde er es nur von der Antrauung gelehrt haben, so könnte man glauben, nur hierbei erkläre R. Hona so, weil es zur Näherung erfolgt, bei der Scheidung aber, die zur Entfernung erfolgt, pflichte er R. Jehuda bei.
ג ואי איתמר בהך בהך קאמר רב הונא משום דאיהו לא כסיף ליה למתבעה אבל הכא דאיהי כסיפא לה למיתבעיה אימא מודי ליה לרב יהודה צריכא
3 Und würde er es nur da gelehrt haben, so könnte man glauben, nur da erkläre R. Hona so, weil er sich nicht geniert, sie zu mahnen, hierbei aber, wobei sie sich geniert, ihn zu mahnen, pflichte er R. Jehuda bei. Daher ist beides nötig.
ד מיתיבי הרי זה גיטך ע"מ שתתני לי מאתים זוז אע"פ שנתקרע הגט או שאבד הרי זו מגורשת לאחר לא תנשא עד שתתן
4 Man wandte ein: [Sagt jemand:] da ist dein Scheidebrief mit der Bedingung, daß du mir zweihundert Zuz gibst, so ist sie, selbst wenn der Scheidebrief zerrissen worden oder abhanden gekommen ist, geschieden, jedoch darf sie, bis sie sie ihm gegeben hat, einen anderen nicht heiraten.
ה ועוד תניא אמר לה הרי זה גיטך ע"מ שתתני לי מאתים זוז ומת נתנה אין זקוקה ליבם לא נתנה זקוקה ליבם רשב"ג אומר נותנת לאחיו או לאביו או לאחד מן הקרובים
5 Ferner wird gelehrt: Wenn er zu ihr sagt: da ist dein Scheidebrief mit der Bedingung, daß du mir zweihundert Zuz gibst, und darauf stirbt, so ist sie, wenn sie sie ihm gegeben hat, an den Eheschwager nicht gebunden, und wenn sie sie ihm nicht gegeben hat, an den Eheschwager gebunden. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, sie gebe sie seinem Bruder, seinem Vater oder einem seiner Verwandten.
ו עד כאן לא פליגי אלא דמר סבר לי ולא ליורשיי ומר סבר אפי' ליורשיי דכולי עלמא מיהא תנאה הוי תיובתא דרב יהודה
6 Sie streiten nur insofern, indem der eine erklärt: mir, nicht aber meinen Erben, und der andere erklärt: mir, auch meinen Erben; alle stimmen jedoch überein, daß es nur eine Bedingung sei. Dies ist eine Widerlegung des R. Jehuda!? —
ז אמר לך רב יהודה הא מני רבי היא דאמר רב הונא אמר רבי כל האומר ע"מ כאומר מעכשיו דמי ופליגי רבנן עליה ואנא דאמרי כרבנן
7 R. Jehuda kann dir erwidern: hier ist die Ansicht Rabbis vertreten. R. Hona sagte im Namen Rabbis, wenn jemand ‘mit der Bedingung’ sagt, sei es ebenso, als würde er ‘von jetzt ab’ sagen; die Rabbanan aber streiten gegen ihn, und ich bin der Ansicht der Rabbanan.
ח גופא אמר רב הונא אמר רבי כל האומר ע"מ כאומר מעכשיו דמי אמר רבי זירא כי הוינן בבבל הוה אמרינן הא דאמר רב הונא אמר רבי כל האומר על מנת כאומר מעכשיו דמי פליגי רבנן עליה
8 Der Text. R. Hona sagte im Namen Rabbis: Wenn jemand ‘mit der Bedingung’ sagt, so ist es ebenso, als würde er ‘von jetzt ab’ sagen. R. Zera sagte: Als wir in Babylonien waren, sagten wir: R. Hona sagte im Namen Rabbis, wenn jemand ‘mit der Bedingung’ sagt, sei es ebenso, als würde er ‘von jetzt ab’ sagen; die Rabbanan aber streiten gegen ihn.
ט כי סלקי להתם אשכחיה לרבי אסי דיתיב וקאמר לה משמיה דרבי יוחנן הכל מודים באומר על מנת כאומר מעכשיו דמי לא נחלקו אלא מהיום ולאחר מיתה
9 Als ich dort hinaufkam, traf ich R. Asi sitzen und im Namen R. Joḥanans vortragen: Alle stimmen überein, wenn jemand ‘mit der Bedingung’ sagt, sei es ebenso, als würde er ‘von jetzt ab’ sagen, sie streiten nur über [die Wendung] ‘von heute ab nach meinem Tode’.
י והתניא מהיום ולאחר מיתה גט ואינו גט דברי חכמים רבי אומר כזה גט
10 Es wird auch gelehrt: [Sagt er:] von heute ab nach meinem Tode, so ist die Scheidung gültig und nicht gültig — so die Weisen; R. Jehuda sagt, diese Scheidung sei gültig. —
יא ולרב יהודה דאמר בעל מנת נמי פליגי אדמיפלגי במהיום ולאחר מיתה ניפלגי בעל מנת
11 Weshalb streiten sie nach R. Jehuda, welcher sagt, ihr Streit bestehe auch über [die Wendung] ‘mit der Bedingung’, über [die Wendung] ‘von heute ab, nach meinem Tode’, sollten sie doch über [die Wendung] ‘mit der Bedingung’ streiten!? —
יב להודיעך כח דרבי דמהיום ולאחר מיתה נמי הרי זה גט וניפלגי בעל מנת להודיעך כח דרבנן כח דהיתירא עדיף
12 Um die Ansicht Rabbis hervorzuheben, daß, selbst wenn er ‘von heute ab, nach meinem Tode’ sagt, der Scheidebrief gültig sei. — Sollten sie doch über [die Wendung] ‘mit der Bedingung’ streiten, um die Ansicht der Rabbanan hervorzuheben!? — Die erleichternde Ansicht ist bedeutender.
יג על מנת שאתן לך מכאן וכו' פשיטא מהו דתימא לאו תנאה הוא ולזרוזיה קאמר קמ"ל
13 M<small>IT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH DIR VON JETZT &amp;C. GEBE</small>. Selbstverständlich!? — Man könnte glauben, dies sei keine Bedingung, und nur um sie anzuspornen, sagte er es, so lehrt er uns.
יד על מנת שיש לי מאתים זוז וכו' וניחוש שמא יש לו ועוד תניא חיישינן שמא יש לו
14 M<small>IT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH ZWEIHUNDERT</small> Z<small>UZ HABE &amp;C</small>. Sollte doch berücksichtigt werden, vielleicht hat er sie!? Ferner wird gelehrt, man berücksichtige, vielleicht hat er sie!? —
טו לא קשיא הא בקידושי ודאי הא בקידושי ספק
15 Das ist kein Einwand; in dem einen Falle ist die Antrauung entschieden gültig, im anderen ist die Antrauung zweifelhaft.
טז ע"מ שאראך מאתים זוז וכו' תנא לא נתכונה אלא לראות משלו ואם הראה לה על השלחן אינה מקודשת פשיטא לא צריכא דאע"ג דנקט דמי בעיסקא
16 M<small>IT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH DIR ZWEIHUNDERT</small> Z<small>UZ ZEIGEN WERDE &amp;C</small>. Es wird gelehrt: Sie wollte nur seines sehen. Z<small>EIGT ER SIE IHR AUF DEM</small> [W<small>ECHSEL</small>]<small>TISCHE, SO IST SIE IHM NICHT ANGETRAUT</small>. Selbstverständlich!? — Auch in dem Falle, wenn er mit dem Gelde Geschäfte macht.
יז <big><strong>מתני׳</strong></big> על מנת שיש לי בית כור עפר הרי זו מקודשת ויש לו על מנת שיש לי במקום פלוני אם יש לו באותו מקום מקודשת ואם לאו אינה מקודשת על מנת שאראך בית כור עפר הרי זו מקודשת ויראנה ואם הראה בבקעה אינה מקודשת
17 <b>S</b><small>AGT ER:</small>]<small> MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH EINE</small> K<small>ORFLÄCHE</small> A<small>CKERLAND HABE, SO IST SIE IHM, WENN ER SIE HAT, ANGETRAUT; WENN ABER: MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH SIE AN JENER</small> S<small>TELLE HABE, SO IST SIE IHM, WENN ER SIE AN JENER</small> S<small>TELLE HAT, ANGETRAUT, WENN ABER NICHT, NICHT ANGETRAUT</small>. [S<small>AGT ER:</small>]<small> MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH DIR EINE</small> K<small>ORFLÄCHE</small> A<small>CKERLAND ZEIGEN WERDE, SO IST SIE IHM ANGETRAUT, UND ER ZEIGE SIE IHR; ZEIGTE ER SIE IHR IN EINER</small> E<small>BENE</small>, <small>SO IST SIE IHM NICHT ANGETRAUT</small>.
יח <big><strong>גמ׳</strong></big> וניחוש שמא יש לו ועוד תניא חיישינן שמא יש לו ל"ק הא בקידושי ודאי הא בקידושי ספק
18 GEMARA. Sollte doch berücksichtigt werden, vielleicht hat er sie!? Ferner wird gelehrt, man berücksichtige, vielleicht hat er sie!? — Das ist kein Einwand; in dem einen Falle ist die Antrauung entschieden gültig, im anderen ist die Antrauung zweifelhaft. —
יט למה לי למיתנא גבי ארעא ולמה לי למיתנא גבי זוזי צריכא דאי אשמעינן גבי זוזי משום דעבידי אינשי דמצנעי אבל ארעא אימא אי דאית ליה ארעא קלא אית ליה קמ"ל
19 Wozu braucht dies von einem Grundstücke besonders und vom Gelde besonders gelehrt zu werden!? — Dies ist nötig. Würde er es nur vom Gelde gelehrt haben, so könnte man glauben, weil manche es heimlich verwahren, von Grundstücken aber ist dies bekannt, so lehrt er uns.
כ על מנת שיש לי במקום פלוני אם יש לו וכו' פשיטא מהו דתימא אמר לה מאי נפקא לך מינה אנא טרחנא ומייתינא קמשמע לן
20 M<small>IT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH SIE AN JENER</small> S<small>TELLE HABE</small>, <small>SO IST SIE, WENN ER SIE AN JENER</small> S<small>TELLE HAT &amp;C</small>. Selbstverständlich!? — Man könnte glauben, er könne zu ihr sagen: was geht dies dich an, ich will mich bemühen und [das Getreide] einbringen, so lehrt er uns.
כא על מנת שאראך בית כור עפר תאנא לא נתכוונה זו אלא לראות משלו ואם הראה בבקעה אינה מקודשת פשיטא לא צריכא דנקיט בדיסתורא
21 M<small>IT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS ICH DIR EINE</small> K<small>ORFLÄCHE</small> A<small>CKERLAND ZEIGEN WERDE</small>. Es wird gelehrt: Sie wollte nur seines sehen. Z<small>EIGTE ER SIE IHR IN EINER</small> E<small>BENE, SO IST SIE IHM NICHT ANGETRAUT</small>. Selbstverständlich!? — In dem Falle, wenn er sie in Pacht hat.
כב גבי הקדש תנן
22 Vom Geheiligten haben wir gelernt: