Kiddushin 126

Kapitel 126

א על מנת שישתוק אבא אימא סיפא מת הבן מלמדין את האב לומר שאינו רוצה אמאי והא שתיק אלא אמר לה על מנת שלא ימחה אבא
1 Wollte man sagen, daß der Vater schweigen werde, wieso heißt es im Schlußsatze, wenn der Sohn stirbt, belehre man den Vater zu sagen, er sei nicht einverstanden, er hat ja geschwiegen!? — Vielmehr, wenn er zu ihr sagt: mit der Bedingung, daß mein Vater es nicht verbieten werde. —
ב רישא בחד טעמא ומציעתא וסיפא בחד טעמא א"ר ינאי אין אמר ריש לקיש ש"מ לדרבי ינאי דחקינן ומוקמינן מתני' בתרי טעמא ואליבא דחד תנא ולא מוקמינן בתרי תנאי ובחד טעמא
2 Der Anfangsatz von diesem Falle und der Schlußsatz von jenem anderen Falle!? R. Jannaj erwiderte: Allerdings. Reš Laqiš sagte: Aus der Erklärung R. Jannajs ist zu entnehmen, daß man notgedrungen eine Lehre auf zwei Fälle beziehe, jedoch nach einem Autor, nicht aber auf einen Fall nach zwei Autoren.
ג רב יוסף בר אמי אמר לעולם חד טעמא הוא ומאי על מנת שירצה אבא ע"מ שלא ימחה אבא מכאן ועד שלשים יום
3 R. Joseph b. Ami erklärte: Tatsächlich handelt es sich um denselben Fall, denn unter ‘mit der Bedingung, daß mein Vater einverstanden sein wird’, ist zu verstehen, wenn er es von jetzt bis nach dreißig Tagen nicht verbieten werde.
ד <big><strong>מתני׳</strong></big> קדשתי את בתי ואיני יודע למי קידשתיה ובא אחד ואמר אני קידשתיה נאמן זה אמר אני קידשתיה וזה אמר אני קידשתיה שניהם נותנים גט ואם רצו אחד נותן גט ואחד כונס
4 <b>W</b><small>ENN JEMAND SAGT, ER HABE EINEM SEINE</small> T<small>OCHTER ANGETRAUT, WISSE ABER NICHT, WEM ER SIE ANGETRAUT HAT, UND EINER KOMMT UND SAGT, ER HABE SIE SICH ANGETRAUT, SO IST ER GLAUBHAFT</small>. W<small>ENN EINER SAGT, ER HABE SIE SICH ANGETRAUT, UND EIN ANDERER SAGT, ER HABE SIE SICH ANGETRAUT, SO MÜSSEN BEIDE IHR EINEN</small> S<small>CHEIDEBRIEF GEBEN; WENN SIE WOLLEN, GEBE IHR EINER EINEN</small> S<small>CHEIDEBRIEF UND DER ANDERE HEIRATE SIE</small>.
ה <big><strong>גמ׳</strong></big> אמר רב נאמן ליתן גט ואין נאמן לכנוס נאמן ליתן גט אין אדם חוטא ולא לו ואין נאמן לכנוס אימא יצרו תוקפו
5 GEMARA. Rabh sagte: Er ist glaubhaft, um ihr einen Scheidebrief zu geben, nicht aber ist er glaubhaft, um sie zu heiraten. Er ist glaubhaft, um ihr einen Scheidebrief zu geben, da niemand sündigt, ohne etwas davon zu haben; er ist nicht glaubhaft, um sie zu heiraten, weil vielleicht sein Trieb sich seiner bemächtigt hat.
ו רב אסי אמר אף נאמן לכנוס ומודה רב אסי באומרת נתקדשתי ואיני יודעת למי נתקדשתי ובא אחד ואמר קידשתיה שאין נאמן לכנוס
6 R. Asi sagte: Er ist auch glaubhaft, um sie zu heiraten. R. Asi pflichtet jedoch bei, daß, wenn sie sagt, sie sei einem angetraut worden, wisse aber nicht, wem sie angetraut worden ist, und jemand kommt und sagt, er habe sie sich angetraut, er nicht glaubhaft sei, um sie zu heiraten. —
ז תנן רצו אחד נותן גט ואחד כונס תיובתא דרב אמר לך רב שאני התם דכיון דאיכא אחר בהדיה אירתותי מירתת
7 Wir haben gelernt: Wenn sie wollen, gebe ihr einer einen Scheidebrief und der andere heirate sie. Dies ist eine Widerlegung Rabhs!? — Rabh kann dir erwidern: anders ist es hierbei, da noch jemand mit ihm vorhanden ist, so fürchtet er.
ח תניא כוותיה דרב אסי קידשתי את בתי ואיני יודע למי קידשתיה ובא אחד ואמר קידשתיה אף נאמן לכנוס כנסה ובא אחר ואמר אני קדשתיה לא כל הימנו לאוסרה עליו
8 Übereinstimmend mit R. Asi wird gelehrt: [Wenn jemand sagt.] er habe einem seine Tochter angetraut, wisse aber nicht, wem er sie angetraut hat, und einer kommt und sagt, er habe sie sich angetraut, so ist er glaubhaft, auch um sie zu heiraten. Wenn er sie geheiratet hat und ein anderer kommt und sagt, er habe sie sich angetraut, so ist er nicht glaubhaft, sie jenem verboten zu machen.
ט האשה שאמרה נתקדשתי ואיני יודעת למי נתקדשתי ובא אחד ואמר אני קידשתי אין נאמן לכנוס מפני שהיא מחפה עליו
9 Wenn eine Frau sagt, sie sei einem angetraut worden, wisse aber nicht, wem sie angetraut worden ist, und jemand kommt und sagt, er habe sie sich angetraut, so ist er nicht glaubhaft, um sie zu heiraten, weil sie ihn schützt.
י איבעיא להו מהו לסקול על ידו רב אמר אין סוקלין ורב אסי אמר סוקלין
10 Sie fragten: Ist sie durch ihn zu steinigen? Rabh sagt, man steinige sie nicht; R. Asi sagt, man steinige sie.
יא רב אמר אין סוקלין כי הימניה רחמנא לאב לאיסורא לקטלא לא הימניה רב אסי אמר סוקלין לכולה מילתיה הימניה רחמנא לאב אמר רב אסי ומודינא באומרת נתקדשתי שאין סוקלים
11 Rabh sagt, man steinige sie nicht, denn der Allbarmherzige hat den Vater nur hinsichtlich des Verbotes als glaubhaft erachtet, hinsichtlich der Hinrichtung aber hat er ihn nicht als glaubhaft erachtet. R. Asi sagt, man steinige sie, denn der Allbarmherzige hat den Vater in jeder Hinsicht als glaubhaft erachtet. R. Asi sagte: Ich gebe zu, daß, wenn sie sagt, sie sei einem angetraut worden, man sie nicht steinige.
יב ואמר רב אסי הני שמעתתא דידי מרפסן איגרי השתא ומה במקום שאם בא לכנוס כונס אמרת סוקלים מקום שאם בא לכנוס אין כונס אינו דין שסוקלין
12 Ferner sagte R. Asi: Meine Lehren brechen Dächer ein; wenn man sie in dem Falle steinige, wo derjenige, der sie heiraten will, dies darf, um wieviel mehr sollte man sie in dem Falle steinigen, wo derjenige, der sie heiraten will, dies nicht darf.
יג ולא היא לאב הימניה רחמנא לדידה לא הימנה
13 Dies ist aber nichts. Den Vater hat der Allbarmherzige als glaubhaft erachtet, sie hat er nicht als glaubhaft erachtet.
יד ורב חסדא אמר אחד זה ואחד זה אין סוקלין ואזדא רב חסדא לטעמיה דאמר רב חסדא בני זה בן תשע שנים ויום אחד בתי זו בת ג' שנים ויום אחד נאמן לקרבן אבל לא למכות ולא לעונשין
14 R. Ḥisda aber sagte: Sowohl in diesem Falle als auch in jenem Falle steinige man sie. R. Ḥisda vertritt hierbei seine Ansicht, denn R. Ḥisda sagte: [Sagt jemand:] dieser mein Sohn ist neun Jahre und einen Tag alt, diese meine Tochter ist drei Jahre und einen Tag alt, so ist er glaubhaft hinsichtlich des Opfers, nicht aber hinsichtlich der Geißelung noch hinsichtlich der Strafbarkeit.
טו תניא כוותיה דרב חסדא בני זה בן י"ג שנה ויום אחד בתי זו בת י"ב שנה ויום אחד
15 Übereinstimmend mit R. Ḥisda wird gelehrt: [Sagt jemand:] dieser mein Sohn ist dreizehn Jahre und einen Tag alt, diese meine Tochter ist zwölf Jahre und einen Tag alt,