Kiddushin 25

Kapitel 25

א כי אמרה לא נמי הוו קידושין אמאי והא קאמרה לא אלא לאו רצתה דאמרה אין לא רצתה דאישתיקה משתקה ושמע מינה שתיקה דלאחר מתן מעות ולא כלום היא
1 wenn sie ‘nein’ sagt, so wäre ja demnach im ersten Falle die Antrauung gültig, auch wenn sie ‘nein’ sagt; wieso denn, sie sagte ja ‘nein’!? Wahrscheinlich heißt ‘wünscht’, wenn sie ‘ja’ sagt, und nicht wünscht, wenn sie schweigt; somit ist hieraus zu entnehmen, daß das Schweigen nach der Übergabe des Geldes nichts sei.
ב קשו בה בפום נהרא משמיה דרב הונא בריה דרב יהושע מי דמי התם בתורת פקדון יהבינהו ניהלה סברה אי שדינא להו ומיתברי מחייבנא בהו הכא בתורת קדושין יהבינהו ניהלה ואי איתא דלא ניחא לה לישדינהו
2 In Pum Nahara wandten sie dagegen im Namen R. Honas, des Sohnes R. Jehošua͑s, folgendes ein: Es ist ja nicht gleich; da gab er es ihr zur Verwahrung, und sie dachte, sie sei, wenn sie es fortwirft und es zerbricht, ersatzpflichtig, hierbei aber gab er es ihr zur Antrauung, und wenn sie es nicht wünschte, so sollte sie es fortwerfen!?
ג פריך רב אחאי אטו כולהו נשי דינא גמירי ה"נ סברה אי שדינא להו ומיתברי מיתחייבנא באחריותייהו שלחה רב אחא בר רב לקמיה דרבינא כה"ג מאי שלח ליה אנן לא שמיע לן הא דרב הונא בריה דרב יהושע אתון דשמיע לכו חושו לה
3 R. Aḥaj entgegnete: Sind denn alle Frauen im Gesetze kundig; auch hierbei dachte sie, wenn sie es fortwirft und es zerbricht, sei sie ersatzpflichtig. R. Aḥa b. Rabh ließ Rabina fragen: Wie verhält es sich in einem solchen Falle? Dieser ließ ihm erwidern: Wir haben den [Einwand] R. Honas, des Sohnes R. Jehošua͑s, nicht gehört; ihr, die ihr ihn gehört habt, berücksichtiget ihn.
ד ההיא איתתא דהוה קא מזבנה וורשכי אתא ההוא גברא חטף וורשכא מינה אמרה ליה הבה ניהלי אמר לה אי יהיבנא ליך מיקדשת לי שקלתיה ואישתיקה ואמר ר"נ יכולה למימר אין שקלי ודידי שקלי
4 Einst verkaufte eine Frau Gürtel, da kam ein Mann und entriß ihr einen Gürtel. Sie sprach zu ihm: Gib ihn mir zurück. Er entgegnete: Willst du, wenn ich ihn dir zurückgebe, mir angetraut sein? Sodann nahm sie ihn schweigend zurück. Hierauf entschied R. Naḥman: Sie kann sagen, sie habe zwar von ihm etwas erhalten, jedoch das ihrige.
ה איתיביה רבא לר"נ קידשה בגזל ובחמס ובגניבה או שחטף סלע מידה וקדשה מקודשת התם בדשדיך
5 Raba wandte gegen R. Naḥman ein: Wenn er sie sich mit Geraubtem, Geplündertem oder Gestohlenem angetraut hat, oder wenn er ihr einen Sela͑ aus der Hand gerissen und sie sich damit angetraut hat, so ist sie ihm angetraut!? – Dies, wenn er um sie geworben hat. –
ו ומנא תימרא דשני לן בין שדיך ודלא שדיך דתניא אמר לה כנסי סלע זו שאני חייב ליכי וחזר ואמר לה התקדשי לי בו בשעת מתן מעות רצתה מקודשת לא רצתה אינה מקודשת לאחר מתן מעות אפילו רצתה אינה מקודשת
6 Woher entnimmst du, daß zu unterscheiden sei, ob er um sie geworben oder nicht geworben hat? – Es wird gelehrt: Wenn er zu ihr gesagt hat: nimm diesen Sela͑, den ich dir schulde, und darauf: sei mir damit angetraut, so ist sie, wenn es beim Geben des Geldes erfolgt ist, wenn sie es wünscht, ihm angetraut, und wenn sie es nicht wünscht, ihm nicht angetraut, wenn aber nach dem Geben des Geldes, so ist sie, auch wenn sie es wünscht, ihm nicht angetraut.
ז מאי רצתה ומאי לא רצתה אילימא רצתה דאמרה אין לא רצתה דאמרה לא הא אישתיקה הוו קידושין ונתני מקודשת סתם כי התם
7 Was heißt ‘wünscht’ und was heißt ‘nicht wünscht’: wollte man sagen, ‘wünscht’ heiße, wenn sie ‘ja’ sagt, und ‘nicht wünscht’ heiße, wenn sie ‘nein’ sagt, so sollte er doch, wenn demnach die Antrauung gültig ist, falls sie geschwiegen hat, schlechthin lehren, sie sei angetraut, wie in jenem Falle.
ח אלא רצתה דאמרה אין לא רצתה דאישתיקה וקא תני דאינה מקודשת מאי טעמא יכולה למימר אין שקלי ודידי שקלי
8 Vielmehr heißt ‘wünscht’, wenn sie ‘ja’ sagt, und ‘nicht wünscht’, wenn sie schweigt, und er lehrt, daß sie nicht geschieden sei; doch wohl aus dem Grunde, weil sie sagen kann, sie habe zwar etwas erhalten, jedoch das ihrige.
ט ואלא קשיא הך דקדשה בגזל ובחמס ובגניבה או שחטף סלע מידה וקדשה מקודשת אלא לאו שמע מינה הא דשדיך הא דלא שדיך
9 Nun widerspricht dem ja die Lehre, daß, wenn er sie sich mit Geraubtem, Geplündertem oder Gestohlenem angetraut hat, oder wenn er ihr einen Sela͑ aus der Hand gerissen und sie sich damit angetraut hat, sie ihm angetraut sei!? Wahrscheinlich gilt das eine, wenn er um sie geworben hat, und das andere, wenn er um sie nicht geworben hat.
י כי נח נפשיה דרב אסי עיילו רבנן לנקוטינהו לשמעתתיה א"ל ההוא מרבנן ור' יעקב שמיה הכי א"ר אסי א"ר מני כשם שאין אשה נקנית בפחות מש"פ כך אין קרקע נקנית בפחות מש"פ אמרו ליה והתניא אע"פ שאין אשה נקנית בפחות משוה פרוטה קרקע נקנית בפחות מש"פ
10 Als R. Asi gestorben war, traten die Jünger ein, um seine Lehren zu sammeln. Da sprach einer von den Jüngern, namens R. Ja͑qob: Folgendes sagte R. Asi im Namen R. Manis: Wie eine Frau nicht durch weniger als eine Peruṭa angeeignet wird, so wird auch ein Grundstück nicht durch weniger als eine Peruṭa angeeignet. Sie entgegneten ihm: Es wird ja gelehrt, obgleich eine Frau durch weniger als eine Peruṭa nicht angeeignet wird, werde ein Grundstück auch durch weniger als eine Peruṭa angeeignet!?
יא א"ל כי תניא ההיא בחליפין דתניא קונין בכלי ואע"פ שאין בו שוה פרוטה
11 Er erwiderte ihnen: Diese Lehre spricht von [der Aneignung durch] Tausch, hinsichtlich welcher gelehrt wird, daß man vermittelst eines Gerätes erwerben könne, selbst wenn es keine Peruṭa wert ist.
יב הדר יתבי וקאמרי הא דאמר רב יהודה אמר שמואל כל שאינו יודע בטיב גיטין וקדושין לא יהא לו עסק עמהן אמר ר' אסי אמר רבי יוחנן וקשין לעולם יותר מדור המבול שנאמר (הושע ד, ב) אלה וכחש ורצוח וגנוב ונאוף פרצו ודמים בדמים נגעו
12 Hierauf fuhren sie fort und sprachen: R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, wenn jemand in den Vorschriften über Scheidung und Antrauung nicht kundig ist, befasse er sich damit nicht. Hierzu sagte R. Asi im Namen R. Joḥanans: Solche sind für die Welt schlimmer als das Zeitalter der Sintflut, denn es heißt: <i>schwören und lügen, morden und stehlen und ehebrechen, sie breiten sich aus, und Blut an Blut reihen sie</i>. –
יג מאי משמע כדמתרגם רב יוסף מולדין בנין מנשי חבריהון חובין על חובין מוסיפין
13 Wieso geht dies hieraus hervor? – Nach der Verdolmetschung R. Josephs: sie zeugen Kinder von den Frauen ihrer Genossen und Schuld über Schuld häufen sie.
יד וכתיב (הושע ד, ג) על כן תאבל הארץ ואמלל כל יושב בה בחית השדה ובעוף השמים וגם דגי הים יאספו וגו' ואילו בדור המבול לא נגזרה גזירה על דגים שבים שנאמר (בראשית ז, כב) מכל אשר בחרבה מתו ולא דגים שבים ואילו הכא אפילו דגים שבים
14 Hierauf folgt: <i>darum trauert das Land und es verschmachten die Bewohner darin; die Tiere des Feldes und die Vögel des Himmels, selbst die Fische des Meeres werden dahingerafft &amp;c.</i> Während im Zeitalter der Sintflut über die Fische des Meeres die Strafe nicht verhängt worden war, wie es heißt: <i>von allem, was auf dem Trocknen war, starb,</i> nicht aber die Fische des Meeres, wird sie hierbei auch über die Fische des Meeres verhängt. –
טו ואימא עד דעביד לכולהו לא סלקא דעתך דכתיב (ירמיהו כג, י) כי מפני אלה אבלה הארץ
15 Vielleicht nur dann, wenn er alles getan hat!? – Dies ist nicht einleuchtend, denn es heißt: <i>denn wegen des Schwörens trauert das Land</i>. –
טז ואימא אלה לחוד והנך לחודיהון
16 Vielleicht wegen des Schwörens allein und wegen aller anderen allein!? –