Kiddushin 26

Kapitel 26

א מי כתיב ופרצו פרצו כתיב
1 Es heißt ja nicht: und sie breiten sich aus, sondern: sie breiten sich aus.
ב הדור יתבי וקאמרי הא דתנן האשה שהביאה חטאתה ומתה יביאו יורשין עולתה אמר רב יהודה אמר שמואל והוא שהפרישתה מחיים אבל לא הפרישתה מחיים לא
2 Hierauf fuhren sie fort und sprachen: wir haben gelernt, wenn eine Frau ihr Sündopfer dargebracht hat und gestorben ist, müssen ihre Erben ihr Brandopfer bringen. Hierzu sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls, dies nur, wenn sie es bereits bei Lebzeiten abgesondert hat, nicht aber, wenn sie es nicht bei Lebzeiten abgesondert hat;
ג אלמא קסבר שיעבודא לאו דאורייתא אמר רב אסי א"ר יוחנן אע"ג שלא הפרישה מחיים אלמא קסבר שיעבודא הוה דאורייתא
3 er ist demnach der Ansicht, die Haftbarkeit sei nicht aus der Tora. R. Asi aber sagte im Namen R. Joḥanans, auch wenn sie es nicht bei Lebzeiten abgesondert hat; er ist demnach der Ansicht, die Haftbarkeit sei aus der Tora. –
ד והא פליגי בה חדא זימנא דרב ושמואל דאמרי תרוייהו מלוה על פה אינה גובה מן היורשין ולא מן הלקוחות ור' יוחנן ור"ל דאמרי תרוייהו מלוה על פה גובה בין מן היורשין בין מן הלקוחות
4 Hierüber streiten sie ja bereits einmal!? Rabh und Šemuél sagen beide, ein mündliches Darlehen könne von den Erben eingefordert werden, nicht aber von den Käufern; R. Joḥanan und Reš Laqiš sagen beide, ein mündliches Darlehen könne sowohl von den Erben als auch von den Käufern eingefordert werden. –
ה צריכא דאי איתמר בהא בהך קאמר שמואל משום דלא מלוה כתובה בתורה היא אבל בהך אימא מודה להו לרבי יוחנן ולר"ל
5 Beides ist nötig. Würde nur dies gelehrt worden sein, so könnte man glauben, Šemuél vertrete seine Ansicht nur hierbei, weil das Darlehen nicht in der Tora geschrieben ist, da aber pflichte er R. Joḥanan und Reš Laqiš bei.
ו ואי אשמעינן בהא בהא קאמר ר' יוחנן דמלוה כתובה בתורה ככתובה בשטר דמיא אבל בהך אימא מודה ליה לשמואל צריכא
6 Und würde er nur jenes gelehrt haben, so könnte man glauben, R. Joḥanan vertrete seine Ansicht nur da, weil ein in der Tora geschriebenes Darlehen einem Darlehen auf einen Schuldschein gleicht, dort aber pflichte er Šemuél bei. Daher ist beides nötig.
ז אמר רב פפא הילכתא מלוה על פה גובה מן היורשין ואינו גובה מן הלקוחות גובה מן היורשין שיעבודא דאורייתא ואינו גובה מן הלקוחות דלית ליה קלא :
7 R. Papa sagte: Die Halakha ist, ein mündliches Darlehen ist von den Erben einzufordern, nicht aber von den Käufern. Es ist von den Erben einzufordern, weil die Haftbarkeit aus der Tora ist, und es ist nicht von den Käufern einzufordern, weil es nicht bekannt ist.
ח וקונה את עצמה בגט ובמיתת הבעל : בשלמא גט דכתיב (דברים כד, א) וכתב לה ספר כריתות
8 S<small>IE EIGNET SICH SELBST AN DURCH</small> S<small>CHEIDEBRIEF UND</small> T<small>OD IHRES</small> E<small>HEMANNES.</small> Allerdings durch einen Scheidebrief, denn es heißt: <i>er schreibe ihr einen Scheidebrief,</i>
ט אלא מיתת הבעל מנלן סברא הוא הוא אסרה והוא שרתה
9 woher dies aber vom Tode ihres Ehemannes? – Dies ist einleuchtend: er hat sie verboten gemacht, und er macht sie auch erlaubt. –
י והא עריות דאסר להו ולא שרי להו אלא מדאמר רחמנא יבמה שאין לה בנים אסורה הא יש לה בנים מותרת
10 Beim Inzestgesetze ist er es ja, der sie verboten macht, und er macht sie nicht erlaubt!? – Vielmehr, die Tora sagt, die Eheschwägerin, die keine Kinder hat, sei verboten, demnach ist sie erlaubt, wenn sie Kinder hat. –
יא ודילמא אין לה בנים אסורה לעלמא ושריא ליבם ויש לה בנים לכולי עלמא נמי אסורה אלא מדאמר רחמנא אלמנה לכה"ג אסורה הא לכהן הדיוט שריא
11 Vielleicht ist sie, wenn sie keine Kinder hat, anderen verboten und dem Eheschwager erlaubt, und wenn sie Kinder hat, allen verboten!? – Vielmehr, da die Tora sagt, eine Witwe sei dem Hochpriester verboten, so ist sie wohl einem gemeinen Priester erlaubt. –
יב ודילמא לכה"ג בלאו לכולי עלמא בעשה האי עשה מאי עבידתיה אי דאהניא מיתת הבעל תישתרי לגמרי אי דלא אהניא מיתת הבעל תוקמה במילתא קמייתא
12 Vielleicht übertritt der Hochpriester ein Verbot, während jeder andere ein Gebot übertritt!? – Was soll hierbei das Gebot: ist der Tod des Ehemannes von Wirkung, so ist sie vollständig erlaubt, und ist der Tod des Ehemannes nicht von Wirkung, so verbleibt sie in ihrem Zustande. –
יג אלמה לא אפיקתה ממיתה ואוקימתה על עשה מידי דהוה אפסולי המוקדשים
13 Weshalb denn nicht, sie ist der Todesstrafe enthoben und unterliegt nur einem Gebote!? Ebenso verhält es sich bei untauglich gewordenen Opfertieren;
יד דמעיקרא אית בהו מעילה ואסירי בגיזה ועבודה פרקינהו מעילה לית בהו בגיזה ועבודה אסירי
14 vorher hat bei ihnen das Verbot der Veruntreuung Geltung und sie sind zur Schur und zur Arbeit verboten, sobald man sie aber ausgelöst hat, begeht man an ihnen keine Veruntreuung mehr, doch sind sie zur Schur und zur Arbeit verboten. –
טו אלא מדאמר קרא (דברים כ, ז) פן ימות במלחמה ואיש אחר יקחנה מתקיף לה רב שישא בריה דרב אידי אימא מאן אחר יבם
15 Vielmehr, die Schrift sagt: <i>er könnte im Kriege den Tod finden und ein anderer sie nehmen,</i> R. Šiša, Sohn des R. Idi, wandte ein: Vielleicht ist unter ‘anderer’ der Eheschwager zu verstehen!?
טז א"ר אשי ב' תשובות בדבר חדא דיבם לא איקרי אחר ועוד כתיב (דברים כד, ג) ושנאה האיש האחרון וכתב לה ספר כריתות או כי ימות האיש האחרון ואיתקש מיתה לגירושין מה גירושין שריא וגומרת אף מיתה שריא וגומרת :
16 R. Aši entgegnete: Dagegen ist zweierlei zu erwidern: erstens heißt der Eheschwager nicht ‘anderer’, und zweitens heißt es: <i>und der andere Mann sie haßt und ihr einen Scheidebrief schreibt, oder wenn der andere Mann stirbt,</i> womit das Sterben mit der Scheidung verglichen wird: wie die Scheidung sie vollständig erlaubt macht, ebenso macht der Tod sie vollständig erlaubt.
יז והיבמה נקנית בביאה כו' : בביאה מנלן אמר קרא
17 D<small>IE</small> E<small>HESCHWÄGERIN WIRD ANGEEIGNET DURCH</small> B<small>EISCHLAF</small> &amp;<small>C</small>. Woher dies vom Beischlafe? –