Kiddushin 44

Kapitel 44

א אילו נאמר אזנו בדלת הייתי אומר ידקור כנגד אזנו בדלת דלת אין אזנו לא ואזן לא והכתיב (שמות כא, ו) ורצע אדוניו את אזנו במרצע
1 Würde es geheißen haben: <i>[am] Ohre in die Tür</i>, so könnte man glauben, er durchbohre die Tür an seinem Ohre, nur die Tür und nicht das Ohr. – Wieso nicht auch das Ohr, es heißt ja: <i>der Herr durchbohre sein Ohr mit einem Pfriemen</i>!? –
ב אלא הייתי אומר ירצענה לאזן מאבראי ויניחנה על הדלת וידקור כנגד אזנו בדלת תלמוד לומר באזנו ובדלת הא כיצד דוקר והולך עד שמגיע אצל דלת
2 Vielmehr, man könnte glauben, er durchbohre das Ohr anderwärts, lege es dann an die Tür und durchbohre die Tür am Ohre, daher heißt es: <i>durch sein Ohr in die Tür</i>. Wie mache er es? Er bohre soweit, bis er in die Tür dringt.
ג דלת שומע אני בין עקורה בין שאינה עקורה ת"ל מזוזה מה מזוזה מעומד אף דלת נמי מעומד
3 Aus [dem Worte] <i>Tür</i> könnte man entnehmen, einerlei ob sie abgehängt ist oder nicht, daher heißt es <i>Pfosten</i>, wie der Pfosten stehend ist, ebenso auch die Tür, wenn sie stehend ist.
ד רבן יוחנן בן זכאי היה דורש את המקרא הזה כמין חומר מה נשתנה אזן מכל אברים שבגוף אמר הקב"ה אזן ששמעה קולי על הר סיני בשעה שאמרתי (ויקרא כה, נה) כי לי בני ישראל עבדים ולא עבדים לעבדים והלך זה וקנה אדון לעצמו ירצע
4 R. Joḥanan b. Zakkaj legte diesen Schriftvers wie eine Perle aus: Womit ist das Ohr anders als alle anderen Glieder des Körpers? Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: das Ohr hat am Berge Sinaj meine Stimme gehört, als ich sagte: <i>denn mir sollen die Kinder Jisraél Sklaven sein</i>, nicht aber Sklaven von Sklaven; daher soll [das Ohr dessen] durchbohrt werden, der hinging und einen Herrn über sich kaufte.
ה ור"ש ב"ר היה דורש את המקרא הזה כמין חומר מה נשתנה דלת ומזוזה מכל כלים שבבית אמר הקב"ה דלת ומזוזה שהיו עדים במצרים בשעה שפסחתי על המשקוף ועל שתי המזוזות ואמרתי כי לי בני ישראל עבדים ולא עבדים לעבדים והוצאתים מעבדות לחירות והלך זה וקנה אדון לעצמו ירצע בפניהם:
5 Auch R. Šimo͑n b. Rabbi legte diesen Schriftvers wie eine Perle aus: Womit sind Tür und Pfosten anders als alle anderen Gegenstände im Hause? Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Tür und Pfosten waren in Miçrajim Zeugen, wie ich die Oberschwelle und beide Pfosten übersprang, und ich sagte: <i>denn mir sollen die Kinder Jisraél Sklaven sein</i>, nicht aber Sklaven von Sklaven; ich führte sie aus der Sklaverei zur Freiheit, dieser aber ging hin und kaufte einen Herrn über sich, daher soll er vor ihnen angebohrt werden.
ו <big><strong>מתני׳</strong></big> עבד כנעני נקנה בכסף ובשטר ובחזקהוקונה את עצמו בכסף על ידי אחרים ובשטר על ידי עצמו דברי רבי מאיר וחכמים אומרים בכסף ע"י עצמו ובשטר ע"י אחרים ובלבד שיהא הכסף משל אחרים:
6 <b>D</b><small>ER KENAA͑NITISCHE</small> S<small>KLAVE WIRD ANGEEIGNET DURCH</small> G<small>ELD</small>, U<small>RKUNDE UND</small> B<small>ESITZNAHME, UND EIGNET SICH SELBST AN DURCH</small> G<small>ELD, DAS ANDERE</small> [<small>ZAHLEN</small>], <small>UND DURCH</small> U<small>RKUNDE, DIE ER SELBER</small> [<small>EMPFÄNGT</small>] – <small>SO</small> R. M<small>EÍR; DIE</small> W<small>EISEN SAGEN, DURCH</small> G<small>ELD, DAS ER SELBER</small> [<small>ZAHLT</small>], <small>UND DURCH</small> U<small>RKUNDE, DIE ANDERE</small> [<small>EMPFANGEN</small>], <small>NUR MUSS ES DAS</small> G<small>ELD ANDERER</small> <small>SEIN</small>.
ז <big><strong>גמ׳</strong></big> מנלן דכתיב (ויקרא כה, מו) והתנחלתם אותם לבניכם אחריכם לרשת אחוזה הקישן הכתוב לשדה אחוזה מה שדה אחוזה נקנה בכסף בשטר ובחזקה אף עבד כנעני נקנה בכסף בשטר ובחזקה
7 GEMARA. Woher dies? – Es heißt: <i>ihr sollt sie euren Söhnen nach euch vererben zum Erbbesitze</i>; die Schrift hat sie mit dem Erbbesitzfelde verglichen: wie das Erbbesitzfeld durch Geld, Urkunde und Besitznahme angeeignet wird, ebenso wird auch der kenaa͑nitische Sklave durch Geld, Urkunde und Besitznahme angeeignet.
ח אי מה שדה אחוזה חוזרת לבעלים ביובל אף עבד כנעני חוזר לבעלים ביובל תלמוד לומר (ויקרא כה, מו) לעולם בהם תעבודו
8 [Man könnte folgern:] wie das Erbbesitzfeld im Jobeljahre zum Eigentümer zurückkehrt, ebenso kehre auch der kenaa͑nitische Sklave im Jobeljahre zum Eigentümer zurück, so heißt es: <i>ewig behaltet sie als Knechte</i>.
ט תנא אף בחליפין ותנא דידן מילתא דליתא במטלטלין קתני מילתא דאיתא במטלטלין לא קתני
9 Es wird gelehrt: Auch durch Tausch. Unser Autor aber lehrt nur das, was bei Mobilien keine Geltung hat, was aber auch bei Mobilien Geltung hat, lehrt er nicht.
י אמר שמואל עבד כנעני נקנה במשיכה כיצד תקפו ובא אצלו קנאו קראו ובא אצלו לא קנאו
10 Šemuél sagte: Ein kenaa͑nitischer Sklave wird durch das Ansichziehen erworben, und zwar: wenn [der Herr] ihn ruft und er herankommt, so erwirbt er ihn nicht, wenn er ihn anfaßt und er herankommt, so erwirbt er ihn. –
יא בשלמא לתנא דידן מילתא דאיתא במטלטלי לא קתני דליתא במטלטלי קתני אלא לתנא ברא ניתני משיכה כי קתני מילתא דאיתא בין במקרקעי בין במטלטלי משיכה דבמטלטלי איתא במקרקעי ליתא לא קתני
11 Allerdings lehrt unser Autor nicht das, was auch bei Mobilien Geltung hat, sondern nur das, was bei Mobilien keine Geltung hat, der Autor der Barajtha aber sollte doch auch das Ansichziehen lehren!? – Er lehrt nur das, was sowohl bei Immobilien als auch bei Mobilien Geltung hat, das Ansichziehen aber hat nur bei Mobilien Geltung, nicht aber bei Immobilien; daher lehrt er es nicht.
יב כיצד תקפו ובא אצלו קנאו קראו ובא אצלו לא קנאו וקראו לא והתניא כיצד במסירה אחזה בטלפה בשערה באוכף שעליה בשליף שעליה בפרומביא שבפיה ובזוג שבצוארה קנאה
12 «Und zwar: wenn [der Herr] ihn anfaßt und er herankommt, so erwirbt er ihn, wenn er ihn ruft und er herankommt, so erwirbt er ihn nicht.» Etwa nicht in dem Falle, wenn er ihn ruft, es wird ja gelehrt: Durch Übergabe: wenn er es am Fuße, am Haare, am Sattel, den es auf hat, am Futtersacke, den es auf hat, an der Kandare, die es im Maule hat, oder an der Schelle, die es am Halse hat, anfaßt, so erwirbt er es.
יג כיצד במשיכה קורא לה והיא באה או שהכישה במקל ורצתה לפניו כיון שעקרה יד ורגל קנאה רבי אסי ואמרי לה ר' אחא אומר עד שתהלך לפניו מלא קומתה
13 Durch das Ansichziehen: wenn er es ruft und es herankommt, oder wenn er es mit einem Stocke antreibt und es vor ihm läuft, so erwirbt er es, sobald es einen Vorder- und einen Hinterfuß in Bewegung gesetzt hat. R. Asi, manche sagen, R. Aḥa, sagt, wenn es die Strecke in seiner Größe vor ihm gegangen ist. –
יד אמרי בהמה אדעתא דמרה אזלה עבד אדעתיה דנפשיה קאזיל אמר רב אשי עבד קטן כבהמה דמי
14 Ich will dir sagen, ein Vieh geht nach dem Willen des Herrn, ein Sklave aber geht nach seinem eigenen Willen. R. Aši sagte: Ein minderjähriger Sklave gleicht einem Vieh.
טו תנו רבנן כיצד בחזקה התיר לו מנעלו או הוליך כליו אחריו לבית המרחץ הפשיטו הרחיצו סכו גרדו הלבישו הנעילו הגביהו קנאו אמר ר' שמעון לא תהא חזקה גדולה מהגבהה שהגבהה קונה בכל מקום מאי קאמר
15 Die Rabbanan lehrten: Durch Besitznahme auf folgende Weise: wenn er ihm den Schuh löst, seine Sachen nach dem Badehaus trägt, ihn auszieht, wäscht, schmiert, frottiert, anzieht und anschuht, oder wenn er ihn hochhebt, so hat er ihn geeignet. R.Šimo͑n sagte: Die Besitznahme ist nicht wirksamer als das Hochheben, denn durch das Hochheben erwirbt man immer. – Wie meint er es?
טז אמר רב אשי הגביהו הוא לרבו קנאו הגביהו רבו לו לא קנאו אמר רבי שמעון לא תהא חזקה גדולה מהגבהה שהגבהה קונה בכל מקום
16 R. Aši erwiderte: Wenn er den Herrn hochhebt, hat er ihn geeignet, wenn der Herr ihn hochhebt, hat er ihn nicht geeignet; hierzu sagte R. Šimo͑n, die Besitznahme sei nicht wirksamer als das Hochheben, denn durch das Hochheben erwerbe man immer. –
יז השתא דאמרת הגביהו הוא לרבו קנאו אלא מעתה שפחה כנענית תקנה בביאה כי קאמרינן זה נהנה וזה מצטער הכא זה נהנה וזה נהנה הוא
17 Sollte doch, da du nun sagst, wenn er den Herrn hochhebt, habe er ihn geeignet, eine kenaa͑nitische Sklavin durch den Beischlaf an geeignet werden!? – Wir sagen dies nur von dem Falle, wenn der eine die Annehmlichkeit und der andere die Qual at, hierbei aber haben ja beide einen Genuß. –
יח שלא כדרכה מאי איכא למימר אמר רב אחיי [בר אדא] דמן אחא מאן לימא לן דלאו הנאה אית להו לתרוייהו ועוד משכבי אשה כתיב הקישה הכתוב כדרכה לשלא כדרכה
18 Wie ist es aber hinsichtlich des Falles zu erklären, wenn der Beischlaf auf widernatürliche Weise erfolgt!? R. Aḥaj aus Aḥa erwiderte: Wer sagt uns, daß auch dann nicht beide einen Genuß haben!? Ferner heißt es ja: <i>wie man ein Weib beschläft</i>, womit die Schrift den widernatürlichen Beischlaf mit dem natürlichen vergleicht.
יט ר' יהודה הנדואה גר שאין לו יורשין הוה חלש על מר זוטרא לשיולי ביה חזייה דתקיף ליה עלמא טובא אמר ליה לעבדיה שלוף לי מסנאי ואמטינהו לביתא איכא דאמרי גדול הוה
19 R. Jehuda der Inder war ein Proselyt, der keine Erben hatte, und als er erkrankte und Mar Zuṭra ihn besuchte, merkte dieser, daß es mit ihm sehr schlecht stand. Da sprach er zu seinem Sklaven: Zieh mir die Schuhe ab und bringe sie mir nach Hause. Manche sagen, es war ein erwachsener,