Kiddushin 48

Kapitel 48

א שן דחלב כתב רחמנא עין ואי כתב רחמנא עין ה"א מה עין שנברא עמו אף כל שנברא עמו אבל שן לא צריכא
1 selbst einen Milchzahn, daher schrieb er auch Auge. Und würde der Allbarmherzig« nur Auge geschrieben haben, so könnte man glauben, wie das Auge mit ihm erschaffen worden ist, ebenso alles andere, was mit ihm erschaffen worden ist, nicht aber ein Zahn. Daher ist beides nötig. –
ב ואימא (שמות כא, כ) כי יכה כלל שן ועין פרט כלל ופרט אין בכלל אלא מה שבפרט שן ועין אין מידי אחרינא לא
2 Vielleicht aber [ist wie folgt auszulegen:] <i>wenn jemand ausschlägt</i>, generell, <i>einen Zahn oder ein Auge</i>, speziell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so enthält die Generalisierung nur das speziell Genannte: nur Zahn und Auge, anderes aber nicht!? –
ג (שמות כא, כו) לחפשי ישלחנו חזר וכלל כלל ופרט וכלל אי אתה דן אלא כעין הפרט מה הפרט מפורש מום שבגלוי ואינן חוזרים אף כל מומין שבגלוי ואינן חוזרין
3 [Die Worte] <i>zur Freiheit entlasse er ihn</i>, sind eine abermalige Generalisierung, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung und wiederum eine Generalisierung folgt, so richte man sich nach dem Speziellen: wie das Spezielle ein sichtbares Gebrechen ist und [das Glied] nicht zurückkehrt, ebenso jedes andere sichtbare Gebrechen, wobei [das Glied] nicht zurückkehrt. –
ד אי מה הפרט מפורש מומין שבגלוי ובטל ממלאכתו ואינו חוזר אף כל מומין שבגלוי ואינו חוזר ובטל ממלאכתו אלמה תניא תלש בזקנו ודילדל בו עצם עבד יוצא בהם לחירות לחפשי ישלחנו ריבויא הוא
4 Sollte doch, wie das Spezielle ein sichtbares Gebrechen ist, ihn von der Arbeit zurückhält, wobei [das Glied] nicht wiederkehrt, dies nur von Gebrechen gelten, die sichtbar sind, ihn von der Arbeit zurückhalten und [das Glied] nicht zurückkehrt, während gelehrt wird, wenn er den Sklaven am Barte gezerrt und einen Knochen gelockert hat, gehe er dieserhalb frei aus!? – [Die Worte] <i>zur Freiheit entlasse er ihn</i> sind einschließend. –
ה ואי ריבויא הוא אפי' הכהו על ידו וצמתה וסופה לחזור נמי אלמה תניא הכהו על ידו וצמתה וסופה לחזור אין עבד יוצא בה לחירות א"כ שן ועין מאי אהני ליה
5 Wenn sie einschließend sind, so sollte es auch von dem Falle gelten, wenn er ihm auf die Hand geschlagen hat und sie verdorrt ist, später aber heilt, während gelehrt wird, wenn er [seinen Sklaven] auf die Hand geschlagen hat und sie verdorrt ist, später aber heilt, gehe er dieserhalb nicht frei aus!? – Welche Bedeutung hätten demnach [die Worte] <i>Zahn</i> und <i>Auge</i>.
ו ת"ר בכולם עבד יוצא בהם לחירות וצריך גט שחרור דברי ר"ש ר"מ אומר אינו צריך ר"א אומר צריך ר' טרפון אומר אינו צריך ר"ע אומר צריך
6 Die Rabbanan lehrten: Wegen all dieser geht ein Sklave frei aus und benötigt eines Freilassungsbriefes – so R. Šimo͑n. R. Meír sagt, er benötige dessen nicht; R. Elie͑zer sagt, er benötige dessen; R. Tryphon sagt, er benötige dessen nicht; R. A͑qiba sagt, er benötige dessen.
ז המכריעים לפני חכמים אומרים נראין דברי ר"ט בשן ועין שהתורה זכתה לו ודברי ר"ע בשאר אברים הואיל וקנס חכמים הוא קנס הוא קראי קא דרשינן אלא הואיל ומדרש חכמים הוא
7 Die vor den Weisen Entscheidenden sagten: Die Worte R. Tryphons sind einleuchtend hinsichtlich eines Zahnes und eines Auges, da die Tora es ihm zugesprochen hat, und die Worte R. A͑qibas hinsichtlich anderer Organe, weil es eine von den Weisen angeordnete Buße ist. – Wieso eine Buße, dies wird ja aus den Schriftversen deduziert!? – Vielmehr, weil es eine Auslegung der Weisen ist. –
ח מ"ט דר"ש יליף שילוח שילוח מאשה מה אשה בשטר אף עבד נמי בשטר ור"מ אי כתב חפשי לבסוף כדקאמרת השתא דכתב לחפשי ישלחנו הוה ליה חפשי מעיקרא
8 Was ist der Grund R. Šimo͑ns? – Er folgert aus [dem Worte] <i>entlassen</i>, das auch bei der Ehefrau gebraucht wird; wie die Ehefrau durch Urkunde, ebenso der Sklave durch Urkunde. – Und R. Meír!? – Wenn es <i>zur Freiheit</i> nachher hieße, so würdest du recht haben, es heißt aber: <i>zur Freiheit entlasse er ihn</i>, demnach ist er schon vorher frei.
ט ת"ר הכהו על עינו וסמאה על אזנו וחרשה עבד יוצא בהן לחירות נגד עינו ואינו רואה כנגד אזנו ואינו שומע אין עבד יוצא בהן לחירות אמר רב שמן לרב אשי למימרא דקלא לאו כלום הוא
9 Die Rabbanan lehrten: Wenn er seinen Sklaven auf das Auge geschlagen und es blind, auf das Ohr und es taub gemacht hat, so geht er dieserhalb frei aus; wenn aber gegen das Auge und er nicht sehen, gegen das Ohr und er nicht hören kann, so geht er dieserhalb nicht frei aus. R. Šamen sprach zu R. Aši: Demnach ist der Schall nichts,
י והתני רמי בר יחזקאל תרנגול שהושיט ראשו לאויר כלי זכוכית ותקע בו ושברו משלם נזק שלם ואמר רב יוסף אמרי בי רב סוס שצנף וחמור שנער ושברו כלים בתוך הבית משלמים חצי נזק
10 und [dem widersprechend] lehrte Rami b. Jeḥezqel, wenn ein Hahn den Kopf in ein Glasgefäß gesteckt, hineingekräht hat und es dadurch zerbrochen ist, sei der ganze Schaden zu ersetzen. Ferner sagte R. Joseph, in der Schule Rabhs sei gelehrt worden, wenn ein Pferd durch das Wiehern oder ein Esel durch das Schreien Gefäße im Hause zerbrochen hat, sei die Hälfte des Schadens zu ersetzen!?
יא א"ל שאני אדם דכיון דבר דעת הוא איהו מיבעית נפשיה כדתניא המבעית את חבירו פטור מדיני אדם וחייב בדיני שמים כיצד תקע באזנו וחרשו פטור אחזהו ותקע באזנו וחרשו חייב
11 Dieser erwiderte: Anders verhält es sich bei einem Menschen; da er vernünftig ist, so hat er selber das Erschrecken verschuldet. So wird auch gelehrt: Wenn jemand seinen Nächsten erschreckt, so ist er dem menschlichen Gerichte gegenüber frei und dem himmlischen Gerichte gegenüber schuldig; und zwar: wenn er ihm ins Ohr hineingeblasen und ihn taub gemacht hat, so ist er frei, wenn er ihn angefaßt, ins Ohr hineingeblasen und ihn taub gemacht hat, so ist er schuldig.
יב ת"ר הכהו על עינו וכהתה על שינו ונדדה אם יכול להשתמש בהן עכשיו אין עבד יוצא בהן לחירות ואם לאו עבד יוצא בהן לחירות תניא אידך הרי שהיתה עינו כהויה וסמאה שינו נדודה והפילה אם יכול להשתמש בהן כבר עבד יוצא בהן לחירות ואם לאו אין עבד יוצא בהן לחירות
12 Die Rabbanan lehrten: Wenn er seinem Sklaven aufs Auge geschlagen und es geschwächt, auf den Zahn und ihn gelockert hat, so geht er, wenn er sich zur Zeit deren bedienen kann, dieserhalb nicht frei aus, wenn aber nicht, so geht er frei aus. Ein Anderes lehrt: Wenn das Auge des Sklaven geschwächt war und er es geblendet hat, wenn sein Zahn locker war und er ihn ausgeschlagen hat, so geht er, wenn er sich vorher deren bedienen konnte, dieserhalb frei aus, wenn aber nicht, so geht er dieserhalb nicht frei aus.
יג וצריכא דאי אשמועינן הך קמייתא משום דמעיקרא נהורא בריא והשתא נהורא כחישא אבל הכא דמעיקרא נמי נהורא כחישא אימא לא
13 Und [beide Lehren] sind nötig. Würde er nur die erste gelehrt haben, so könnte man glauben, weil vorher das Gesicht gut war, nachher aber geschwächt ist, nicht aber in jenem Falle, wenn es schon vorher geschwächt war.
יד ואי אשמועינן הא משום דסמיא לגמרי אבל התם דלא סמיא לגמרי אימא לא צריכא
14 Und würde er nur die andere gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er ihn vollständig blind gemacht hat, nicht aber im anderen Falle, wo er ihn nicht vollständig blind gemacht hat. Daher sind beide nötig.
טו תנו רבנן הרי שהיה רבו רופא ואמר לו לכחול לו עינו וסמאה לחתור לו שינו והפילה שיחק באדון ויצא לחירות רשב"ג אומר (שמות כא, כו) ושחתה עד שיתכוין לשחתה
15 Die Rabbanan lehrten: Wenn sein Dienstherr Arzt ist und [der Sklave] ihn bittet, ihm das Auge zu schminken, und dieser es blind macht, ihm einen Zahn zu bohren, und dieser ihn ihm ausbricht, so lacht er seinen Herrn aus und geht frei aus. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt: <i>und er es zerstört</i>, nur wenn er es zu zerstören beabsichtigt hat. –
טז ורבנן האי ושחתה מאי עבדי ליה מיבעי להו לכדתניא ר"א אומר הרי שהושיט ידו למעי שפחתו וסימא עובר שבמעיה פטור מ"ט דאמר קרא ושחתה עד שיכוין לשחתה
16 Wofür verwenden die Rabbanan [das Wort] <i>zerstört</i>? – Sie verwenden es für folgende Lehre: R. Elie͑zer sagte: Wenn er seine Hand in den Leib seiner Magd gesteckt und die Geburt in ihrem Leibe blind gemacht hat, so ist er frei, denn die Schrift sagt: <i>und es zerstört</i>, nur wenn er es zu zerstören beabsichtigt hat. –
יז ואידך מושחת שחתה נפקא ואידך שחת שחתה לא דריש
17 Und jener!? – Dies geht hervor aus: <i>und es</i> <i>zerstört.</i> – Und der andere!? – Er legt [das Wort] <i>es zerstört</i> nicht aus.
יח א"ר ששת הרי שהיתה עינו סמויה וחטטה עבד יוצא בהן לחירות מ"ט מחוסר אבר הוא
18 R. Šešeth sagte: Wenn das Auge seines Sklaven blind war und er es ausgestochen hat, so geht er frei aus, denn ihm fehlt nun das Glied.
יט ותנא תונא תמות וזכרות בבהמה ואין תמות וזכרות בעופות
19 Folgender Autor lehrt dasselbe: Es gibt Gebrechenlosigkeit und Männlichkeit beim Vieh, nicht aber gibt es Gebrechenlosigkeit und Männlichkeit beim Geflügel.
כ יכול יבשה גפה נקטעה רגלה נחטטה עינה ת"ל מן העוף ולא כל העוף
20 Man könnte glauben, auch wenn ein Flügel verdorrt, ein Fuß abgehauen oder ein Auge ausgestochen ist, so heißt es: <i>vom Geflügel</i>, nicht aber jedes Geflügel.
כא א"ר חייא בר אשי אמר רב היתה לו
21 R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: