Kiddushin 49

Kapitel 49

א יתרת וחתכה עבד יוצא בהן לחירות אמר רב הונא והוא שנספרת על גב היד:
1 Wenn der Sklave einen Überfinger hatte und er ihn ihm abgeschnitten hat, so geht er dieserhalb frei aus. R. Ḥisda sagte: Nur dann, wenn er an der Handfläche mitgezählt wurde.
ב סבי דנזוניא לא אתו לפירקיה דרב חסדא אמר ליה לרב המנונא זיל צנעינהו אזל אמר להו מאי טעמא לא אתו רבנן לפירקא אמרו ליה אמאי ניתי דבעינן מיניה מילתא ולא פשט לן אמר להו מי בעיתו מינאי מידי ולא פשיטנא לכו
2 Die Alten von Nezonja kamen nicht zum Vortrage R. Ḥisdas; da sprach er zu R. Hamnuna: Geh und laß sie verborgen bleiben. Da ging er hin und sprach zu ihnen: Weshalb sind die Rabbanan nicht zum Vortrage gekommen? Diese erwiderten: Wozu sollten wir hingehen, wenn wir ihn etwas fragen, entscheidet er es uns nicht. Jener sprach: Habt ihr etwa mich etwas gefragt und ich es euch nicht entschieden?
ג בעו מיניה עבד שסרסו רבו בבצים מהו כמום שבגלוי דמי או לא לא הוה בידיה אמרו לו מה שמך אמר להו המנונא אמרו ליה לאו המנונא אלא קרנונא
3 Da fragten sie ihn: Wie ist es, wenn der Herr seinem Sklaven die Hoden kastriert hat: gilt dies als sichtbares Gebrechen oder nicht? Er wußte es nicht. Da sprachen sie zu ihm: Wie heißt du? – Hamnuna. Sie erwiderten: Nicht Hamnuna, sondern Qarnuna.
ד אתא לקמיה דרב חסדא א"ל מתניתא בעו מינך דתנן עשרים וארבעה ראשי אברים שבאדם כולם אין מטמאין משום מחיה
4 Als er hierauf zu R. Ḥisda kam, sprach dieser zu ihm: Sie fragten dich eine Mišna, denn wir haben gelernt: Vierundzwanzig Gliederspitzen am Menschen sind durch eine Fleischwunde nicht verunreinigungsfähig,
ה ואלו הם ראשי אצבעות ידים ורגלים וראשי אזנים וראש החוטם וראש הגוייה וראשי דדים שבאשה רבי יהודה אומר אף שבאיש ותני עלה בכולם עבד יוצא בהם לחירות רבי אומר אף הסירוס בן עזאי אומר אף הלשון
5 und zwar: die Fingerspitzen der Hände und der Füße, die Ohrenspitzen, die Nasenspitze, die Spitze des Gliedes und die Brustwarzen der Frau; R. Jehuda sagt, auch die des Mannes. Hierzu wird gelehrt: Wegen all dieser geht ein Sklave frei aus; Rabbi sagt, auch wegen der Kastration; Ben A͑zaj sagt, auch wegen der Zunge.
ו אמר מר רבי אומר אף הסירוס סירוס דמאי אילימא סירוס דגיד היינו גוייה אלא לאו סירוס דביצים
6 (Der Meister sagte:) Rabbi sagt, auch wegen der Kastration. Welche Kastration, wollte man sagen, die Kastration des Gliedes, so ist dies ja dasselbe, was [Spitze des] Gliedes; doch wohl die Kastration der Hoden.
ז רבי אומר אף הסירוס ורבי לשון לא ורמינהו הרי מי שהיה מזה ונתזה הזאה על פיו רבי אומר היזה וחכמים אומרים לא היזה
7 «Rabbi sagt, auch wegen der Kastration.» Gilt dies denn nach Rabbi nicht von der Zunge, ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wenn bei der Besprengung der Spritzer auf seinen Mund gekommen ist, so ist die Besprengung, wie Rabbi sagt, gültig, und wie die Weisen sagen, ungültig.
ח מאי לאו על לשונו לא על שפתיו על שפתיו פשיטא מהו דתימא זימנא דחלים שפתיה קמ"ל
8 Wahrscheinlich doch auf seine Zunge!? – Nein, auf seine Lippen. Von den Lippen ist es ja selbstverständlich!? – Man könnte glauben, es kommt ja vor, daß er die Lippen schließt, so lehrt er uns. –
ט והתניא על לשונו ועוד תניא ושניטל רוב הלשון רבי אומר רוב המדבר שבלשונו
9 Es wird ja aber gelehrt: auf seine Zunge!? Ferner wird gelehrt: wenn der größere Teil der Zunge fehlt; Rabbi sagt, der größere sprechende Teil der Zunge!? –
י אלא רבי אומר סירוס ולא מיבעיא לשון בן עזאי אמר לשון אבל סירוס לא ומאי אף אקמייתא אי הכי נקדמה דבן עזאי ברישא
10 Vielmehr: Rabbi sagt, wegen der Kastration, und um so mehr wegen der Zunge; Ben A͑zaj sagt, wegen der Zunge, nicht aber wegen der Kastration. – Wieso [sagt er:] auch!? – Dies bezieht sich auf das Vorangehende. – Demnach sollte er doch die Ansicht Ben A͑zajs zuerst lehren!? –
יא תנא שמעה לדרבי וקבעה ושמעה לדבן עזאי ותני ומשנה לא זזה ממקומה
11 Der Autor hörte zuerst die Ansicht Rabbis und legte sie fest, nachher die des Ben A͑zaj und fügte sie hinzu, ohne aber am [Wortlaute] der Lehre zu rütteln.
יב אמר עולא הכל מודים בלשון לענין טומאה דגלוי הוא אצל השרץ מ"ט (ויקרא טו, ה) אשר יגע בו אמר רחמנא והאי נמי בר נגיעה הוא
12 U͑la sagte: Alle stimmen überein, daß hinsichtlich der Unreinheit durch ein Kriechtier die Zunge als sichtbar gilt, denn der Allbarmherzige sagt: <i>den er berührt</i>, und auch diese ist berührbar,
יג לענין טבילה כטמון דמי מ"ט (ויקרא טו, יג) ורחץ בשרו במים אמר רחמנא מה בשרו מאבראי אף כל מאבראי
13 und daß sie hinsichtlich des Untertauchens als verborgen gilt, denn der Allbarmherzige sagt: <i>er wasche seinen Leib in Wasser</i>, wie sein Leib äußerlich ist, ebenso auch alles, was äußerlich ist;
יד לא נחלקו אלא לענין הזאה רבי מדמי לה לטומאה ורבנן מדמו לה לטבילה
14 sie streiten nur über die Besprengung. Rabbi vergleicht sie mit der Verunreinigung und die Rabbanan vergleichen sie mit dem Untertauchen.
טו ותרוייהו בהאי קרא קמיפלגי (במדבר יט, יט) והזה הטהור על הטמא וגו' רבי סבר והזה הטהור על הטמא ביום השלישי וביום השביעי וחטאו
15 Sie streiten beide über folgenden Schriftvers: <i>der Reine sprenge auf den Unreinen &amp;c</i>. Rabbi erklärt: <i>der Reine sprenge auf den Unreinen am dritten Tage und am siebenten Tage und reinige ihn</i>;
טז רבנן סברי וחטאו ביום השביעי וכבס בגדיו ורחץ במים
16 die Rabbanan aber erklären: <i>und reinige ihn am siebenten Tage, und er wasche seine Kleider und bade sich im Wasser</i>. –
יז ורבנן נמי נדמייה לטומאה טהרה מטהרה הוה ליה למילף ורבי נדמייה לטבילה וכבס בגדיו הפסיק הענין
17 Sollten auch die Rabbanan sie mit der Unreinheit vergleichen!? – Die Reinigung ist mit der Reinigung zu vergleichen. – Sollte auch Rabbi sie mit dem Untertauchen vergleichen!? – [Die Worte] <i>er wasche seine Kleider</i> unterbrechen den Zusammenhang. –
יח וסבר רבי לענין טבילה כטמון דמי והאמר רבין אמר רב אדא אמר רבי יצחק מעשה בשפחה של בית רבי שטבלה ועלתה ונמצא עצם בין שיניה והצריכה רבי טבילה אחרת
18 Ist Rabbi denn der Ansicht, daß sie hinsichtlich des Untertauchens dem Verborgenen gleiche, Rabin erzählte ja im Namen R. Adas im Namen R. Jiçḥaqs, daß einst eine Magd aus dem Hause Rabbis, als sie aus dem Tauchbade heraufstieg, einen Knochen zwischen den Zähnen fand, und Rabbi sie eines abermaligen Untertauchens benötigte!? –
יט נהי דביאת מים לא בעינן מקום הראוי לבוא בו מים בעינן
19 Zugegeben, daß das Wasser nicht heranzukommen braucht, aber immerhin muß die Stelle zum Herankommen des Wassers frei sein.
כ כדרבי זירא דאמר רבי זירא כל הראוי לבילה אין בילה מעכבת בו ושאינו ראוי לבילה בילה מעכבת בו
20 Dies nach R. Zera, denn R. Zera sagte: Was zum Umrühren geeignet ist, ist vom Umrühren nicht abhängig, und was zum Umrühren nicht geeignet ist, ist vom Umrühren abhängig.