Megillah 55

Kapitel 55

א ולא ברכתי לפני כהן ולא אכלתי מבהמה שלא הורמו מתנותיה
1 nie habe ich [bei der Mahlzeit] den Segen früher als der Priester gesprochen, und nie habe ich von einem Tiere gegessen, von dem nicht die Priestergaben entrichtet worden sind.
ב דא"ר יצחק א"ר יוחנן אסור לאכול מבהמה שלא הורמו מתנותיה ואמר ר' יצחק כל האוכל מבהמה שלא הורמו מתנותיה כאילו אוכל טבלים ולית הלכתא כוותיה
2 R. Jiçḥaq sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Es ist verboten, von einem Tiere zu essen, von dem die Priester gaben nicht entrichtet worden sind. Ferner sagte R. Jiçḥaq: Wenn jemand von einem Tiere ißt, von dem die Priestergaben nicht entrichtet worden sind, so ist es ebenso, als hätte er Unverzehntetes gegessen. –
ג ולא ברכתי לפני כהן
3 «Nie habe ich den Segen früher als der Priester gesprochen.»
ד למימרא דמעליותא היא והא א"ר יוחנן כל תלמיד חכם שמברך לפניו אפילו כ"ג עם הארץ אותו ת"ח חייב מיתה שנאמר (משלי ח, לו) כל משנאי אהבו מות אל תקרי משנאי אלא משניאי
4 Demnach ist dies lobenswert, dagegen sagte R. Joḥanan, daß, wenn selbst der Hochpriester früher als der Schriftgelehrte den Segen spricht, dieser Schriftgelehrte den Tod verdiene, denn es heißt: <i>die mich hassen, wollen den Tod</i>, und man lese nicht: <i>die mich hassen</i>, sondern: <i>die mich verhaßt machen</i>!? –
ה כי קאמר איהו בשוין
5 Er sagte dies von dem Falle, wenn sie beide gleich sind.
ו שאלו תלמידיו את רבי נחוניא בן הקנה במה הארכת ימים אמר להם מימי לא נתכבדתי בקלון חברי ולא עלתה על מטתי קללת חברי וותרן בממוני הייתי
6 Seine Schüler fragten R. Neḥunja b. Haqana: Wodurch hast du dein langes Leben? Er erwiderte ihnen: Nie im Leben habe ich mich durch die Schande meines Nächsten beehrt, nie kam auf mein Lager der Fluch meines Nächsten, und freigebig war ich mit meinem Gelde.
ז לא נתכבדתי בקלון חברי כי הא דרב הונא דרי מרא אכתפיה אתא רב חנא בר חנילאי וקא דרי מיניה א"ל אי רגילת דדרית במאתיך דרי ואי לא אתייקורי אנא בזילותא דידך לא ניחא לי
7 «Nie habe ich mich durch die Schande meines Nächsten beehrt.» So trug R. Hona einst eine Schaufel auf der Schulter, da kam R. Ḥana b. Ḥanilaj und nahm sie ihm ab. Jener sprach zu ihm: Pflegst du eine solche auch in deiner Stadt zu tragen, so trage sie, wenn aber nicht, so will ich nicht meine Würde durch deine Entwürdigung wahren.
ח ולא עלתה על מטתי קללת חברי כי הא דמר זוטרא כי הוה סליק לפורייה אמר שרי ליה לכל מאן דצערן
8 «Nie kam der Fluch meines Nächsten auf mein Lager.» So pflegte Mar Zuṭra, wenn er zu Bett ging, zu sagen: Vergeben sei jedem, der mir zuleide tat.
ט וותרן בממוני הייתי דאמר מר איוב וותרן בממוניה הוה שהיה מניח פרוטה לחנוני מממוניה
9 «Freigebig war ich mit meinem Gelde.» Der Meister sagte nämlich: Ijob war freigebig mit seinem Gelde, denn er ließ dem Krämer eine Peruṭa von seinem Gelde zurück.
י שאל ר"ע את רבי נחוניא הגדול (אמר לו) במה הארכת ימים אתו גווזי וקא מחו ליה סליק יתיב ארישא דדיקלא א"ל רבי אם נאמר (במדבר כח, ד) כבש למה נאמר אחד אמר להו צורבא מדרבנן הוא שבקוהו
10 R. A͑qiba fragte R. Neḥunja den Großen: Wodurch hast du dein langes Leben? Da kamen die Eunuchen und wollten ihn schlagen, und er flüchtete sich auf die Spitze einer Dattelpalme.
יא א"ל אחד מיוחד שבעדרו
11 Hierauf fragte er ihn: Meister, wozu heißt es <i>das eine</i>, wenn es schon <i>Lamm</i> heißt?
יב א"ל מימי לא קבלתי מתנות ולא עמדתי על מדותי וותרן בממוני הייתי
12 Da sprach jener: Laßt ihn, er ist Gelehrter. Hierauf erwiderte er: Das einzigste in der Herde. Alsdann sprach er: Nie im Leben habe ich Geschenke angenommen, nie bestand ich auf meinem Rechte, und ich war freigebig mit meinem Gelde.
יג לא קבלתי מתנות כי הא דר' אלעזר כי הוו משדרי ליה מתנות מבי נשיאה לא הוה שקיל כי הוה מזמני ליה לא הוה אזיל אמר להו לא ניחא לכו דאחיה דכתיב (משלי טו, כז) שונא מתנות יחיה ר' זירא כי הוו משדרי ליה מבי נשיאה לא הוה שקיל כי הוה מזמני ליה אזיל אמר אתייקורי דמתייקרי בי
13 «Nie habe ich Geschenke angenommen.» So pflegte R. Elea͑zar, wenn man ihm aus dem Hause des Fürsten Geschenke brachte, diese nicht anzunehmen, und wenn man ihn einlud, nicht hinzugehen, indem er erwiderte: Ist es euch unangenehm, daß ich lebe!? Es heißt nämlich: <i>wer Geschenke haßt, wird leben</i>. R. Zera pflegte, wenn man ihm aus dem Hause des Fürsten Geschenke brachte, diese nicht anzunehmen, wenn man ihn aber einlud, ging er hin, indem er sagte, sie fühlen sich durch ihn beehrt.
יד ולא עמדתי על מדותי דאמר רבא כל המעביר על מדותיו מעבירין ממנו כל פשעיו שנאמר (מיכה ז, יח) נושא עון ועובר על פשע למי נושא עון למי שעובר על פשע
14 «Ich bestand nicht auf meinem Rechte.» Raba sagte nämlich, wer Unbill übergeht, dem übergehe man all seine Sünden, denn es heißt: <i>er vergibt die Sünde und übersieht die Schuld</i>. Wem vergibt er die Sünde? Dem, der die Schuld übersieht.
טו שאל רבי את ר' יהושע בן קרחה במה הארכת ימים א"ל קצת בחיי אמר לו רבי תורה היא וללמוד אני צריך א"ל מימי לא נסתכלתי בדמות אדם רשע דאמר ר' יוחנן אסור לאדם להסתכל בצלם דמות אדם רשע שנאמר (מלכים ב ג, יד) לולא פני יהושפט מלך יהודה אני נושא אם אביט אליך ואם אראך
15 Rabbi fragte R. Jehošua͑ b. Qorḥa: Wodurch hast du dein langes Leben? Dieser entgegnete: Ist dir mein Leben zum Überdrusse!? Jener erwiderte: Meister, es soll eine Belehrung sein; ich will lernen. Darauf erwiderte er: Nie im Leben habe ich in das Gesicht eines Frevlers geschaut. R. Joḥanan sagte nämlich: Es ist verboten, die Gesichtsform eines Frevlers anzuschauen, denn es heißt: <i>wenn ich nicht auf Jehošaphaṭ, den König von Jehuda, Rücksicht nähme, so würde ich auf dich nicht blicken, noch dich anschauen</i>.
טז ר"א אמר עיניו כהות שנאמר (בראשית כז, א) ויהי כי זקן יצחק ותכהין עיניו מראות משום דאסתכל בעשו הרשע
16 R. Elea͑zar sagt, seine Augen werden stumpf, denn es heißt:<i>als Jiçḥaq alt geworden war, da wurden seine Augen stumpf</i>; weil er nämlich auf den gottlosen E͑sav schaute. –
יז והא גרמא ליה והאמר ר' יצחק לעולם אל תהי קללת הדיוט קלה בעיניך שהרי אבימלך קלל את שרה ונתקיים בזרעה שנאמר (בראשית כ, טז) הנה הוא לך כסות עינים אל תקרי כסות אלא כסיית עינים
17 War dies denn die Ursache, R. Jiçḥaq sagte ja, der Fluch eines Gemeinen sei niemals geringschätzig in deinen Augen, denn Abimelekh verfluchte Sara und es ging an ihren Kindern in Erfüllung, wie es heißt: <i>dies soll dir eine Augendecke sein</i>, und man lese nicht <i>Augendecke</i>, sondern <i>Augenverdeckung</i>!? –
יח הא והא גרמא ליה רבא אמר מהכא (משלי יח, ה) שאת פני רשע לא טוב
18 Dies und jenes haben es veranlaßt. Raba entnimmt dies hieraus: <i>Es ist nicht gut, das Gesicht des Gottlosen zu achten</i>.
יט בשעת פטירתו א"ל [רבי] ברכני א"ל יהי רצון שתגיע לחצי ימי ולכולהו לא אמר לו הבאים אחריך בהמה ירעו
19 Beim Verabschieden sprach er zu ihm: Segne mich! Dieser sprach: Möge es der Wille [Gottes] sein, daß du die Hälfte meines Alters erreichest – Das ganze nicht!? Dieser erwiderte: Sollen etwa deine Nachfahren das Vieh weiden!?
כ אבוה בר איהי ומנימן בר איהי חד אמר תיתי לי דלא אסתכלי בכותי וחד אמר תיתי לי דלא עבדי שותפות בהדי כותי
20 Von Abuha b. Ihi und Minjamin b. Ihi bat der eine, es möge ihm zugute kommen, daß er nie einen Nichtjuden angeschaut hat, und der andere bat, es möge ihm zugute kommen, daß er sich nie mit einem Nichtjuden assoziiert hat.
כא שאלו תלמידיו את ר' זירא במה הארכת ימים אמר להם מימי לא הקפדתי בתוך ביתי ולא צעדתי בפני מי שגדול ממני ולא הרהרתי במבואות המטונפות ולא הלכתי ד"א בלא תורה ובלא תפילין ולא ישנתי בבית המדרש לא שינת קבע ולא שינת עראי ולא ששתי בתקלת חבירי ולא קראתי לחבירי (בחניכתו) ואמרי לה (בחכינתו):
21 Seine Schüler fragten R. Zera: Wodurch hast du dein langes Leben? Er erwiderte ihnen: Nie im Leben war ich unduldsam in meinem Hause, nie bin ich einem bedeutenderen als ich vorangeschritten, nie habe ich in schmutzigen Durchgängen [über Worte der Tora] nachgedacht, nie ging ich vier Ellen ohne Tora und ohne Tephillin, nie schlief ich im Lehrhause, ob einen regelmäßigen oder einen gelegentlichen Schlaf, nie freute ich mich beim Straucheln meines Nächsten, und nie nannte ich jemand bei seinem Spitznamen; manche lesen: Schimpfnamen.
כב <big><strong>מתני׳</strong></big> ועוד א"ר יהודה בית הכנסת שחרב אין מספידין בתוכו ואין מפשילין בתוכו חבלים ואין פורשין לתוכו מצודות ואין שוטחין על גגו פירות ואין עושין אותו קפנדריא
22 <b>F</b><small>ERNER SAGTE</small> R. J<small>EHUDA</small>: I<small>N EINEM</small> B<small>ETHAUSE</small>, <small>DAS ZERSTÖRT WORDEN IST</small>, <small>VERANSTALTE MAN KEINE</small> T<small>OTENKLAGE</small>, <small>DREHE MAN KEINE</small> S<small>TRIKKE</small>, <small>SPANNE MAN KEINE</small> N<small>ETZE</small>; <small>AUF DEM</small> D<small>ACHE SCHICHTE MAN KEINE</small> F<small>RÜCHTE UND MAN BENUTZE ES NICHT ALS</small> D<small>URCHGANG</small>,
כג שנאמר (ויקרא כו, לא) והשמותי את מקדשכם קדושתן אף כשהן שוממין
23 <small>DENN ES HEISST</small>: <i>ich werde eure Heiligtümer verwüsten</i><small>, DIE HEILIGKEIT HAFTET IHNEN AN, AUCH WENN SIE VERWÜSTET SIND</small>.
כד עלו בו עשבים לא יתלוש מפני עגמת נפש:
24 S<small>IND DA</small> G<small>RÄSER EMPORGEWACHSEN</small>, <small>SO REISSE MAN SIE NICHT AUS</small>, <small>UM</small> W<small>EHMUT ZU ERREGEN</small>.
כה <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר בתי כנסיות אין נוהגין בהן קלות ראש אין אוכלין בהן ואין שותין בהן
25 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Man benehme sich in Bethäusern nicht würdelos; man esse da nicht, trinke da nicht,