Nazir 116

Kapitel 116

א דלא אתי עשה ודחי את ל"ת ועשה לילף מכהן דדחי
1 ein Gebot nicht ein Verbot und Gebot verdränge, und nach deiner Auffassung sollte doch vom [aussätzigen] Priester gefolgert werden, daß es wohl [beide] verdränge!?
ב אלא מכהן לא ילפינן מה לכהן שכן לאו שאינו שוה בכל נזיר מכהן נמי לא יליף שכן לאו שאינו שוה בכל
2 Vielmehr ist vom Priester nicht zu folgern, da es sich bei einem Priester um ein Verbot handelt, das nicht für jeden anderen gilt, ebenso ist auch hinsichtlich des Nazirs nicht vom Priester zu folgern, da es ein Verbot ist, das nicht für jeden anderen gilt. –
ג ומאן דמוקים להאי ראשו בנזיר למה לי זקנו
3 Wozu ist nach demjenigen, der [das Wort] <i>sein Haupt</i> auf den Nazir bezieht, [das Wort] <i>seinen Bart</i> nötig? –
ד מיבעי ליה לכדתניא זקנו מה ת"ל לפי שנאמר ופאת זקנם לא יגלחו יכול אף כהן מצורע כן ת"ל זקנו
4 Wegen der folgenden Lehre: <i>Seinen</i> <i>Bart;</i> was lehrt dies? Da es heißt: <i>die Ecke ihres Bartes sollen sie nicht scheren,</i> so könnte man glauben, dies gelte auch von einem aussätzigen Priester, so heißt es <i>seinen Bart.</i> –
ה ומנלן דבתער דתניא ופאת זקנם לא יגלחו יכול אף גילחו במספרים יהא חייב ת"ל ולא תשחית אי לא תשחית יכול ליקטן במלקט וברהיטני חייב
5 Woher, daß mit einem Schermesser? – Es wird gelehrt: <i>Die Ecke ihres Bartes sollen sie nicht scheren;</i> man könnte glauben, er sei schuldig, auch wenn er ihn mit einer Schere geschoren hat, so heißt es:<i>sollst du nicht zerstören.</i> Aus [dem Worte] <i>zerstören</i> könnte man entnehmen, man sei schuldig, auch wenn man ihn mit einer Zange oder einer Feile entfernt hat,
ו ת"ל ופאת זקנם לא יגלחו איזו גילוח שיש בו השחתה הוי אומר זה תער
6 so heißt es: <i>die Ecke ihres Bartes sollen sie nicht scheren,</i> und ein Zerstören erfolgt beim Scheren nur dann, wenn es mit einem Schermesser geschieht. –
ז ומאן דמפיק ליה להאי ראשו ללאו גרידא למה לי למיכתב ראשו ולמה לי למיכתב זקנו
7 Wozu heißt es nach demjenigen, der aus [dem Worte] <i>sein Haupt</i> hinsichtlich eines Verbotes allein folgert, sowohl <i>sein Haupt</i> als auch <i>seinen Bart,</i>
ח משמע למידחי לאו גרידא ומשמע למידחי ל"ת ועשה הילכך שקול הוא ויבואו שניהן
8 aus jenem ist ja sowohl die Verdrängung eines Verbotes allein als auch die Verdrängung eines Verbotes und Gebotes zu entnehmen, denn da sie gleichwertig sind, ist aus ihnen beides zu entnehmen!? –
ט כהן מנזיר לא יליף שכן ישנו בשאלה נזיר מכהן לא יליף שכן לאו שאינו שוה בכל ובעלמא לא ילפינן מינייהו משום דאיכא למיפרך כדאמרן:
9 Hinsichtlich des Priesters ist nicht vom Nazir zu folgern, weil bei diesem die Auflösung möglich ist, und hinsichtlich des Nazirs ist nicht vom Priester zu folgern, weil es bei diesem ein Verbot ist, das nicht für jeden anderen gilt. Und auch sonst ist von diesen nicht zu folgern, weil zu erwidern ist, wie wir eben erwidert haben.
י אמר רב מיקל אדם כל גופו בתער מיתיבי המעביר בית השחי ובית הערוה הרי זה לוקה
10 Rabh sagte: man darf seinen ganzen Körper mit einem Schermesser enthaaren. Man wandte ein: Wer das Haar der Achselhöhle und an der Scham entfernt, erhält Geißelhiebe!? –
יא הא בתער הא במספרים והא רב נמי בתער קאמר כעין תער
11 Das eine mit einem Schermesser und das andere mit einer Schere. – Rabh spricht ja ebenfalls von einem Schermesser!? – Wie mit einem Schermesser.
יב אמר רבי חייא בר אבא אמר רבי יוחנן המעביר בית השחי ובית הערוה לוקה מיתיבי העברת שיער אינה מדברי תורה אלא מדברי סופרים מאי לוקה נמי דקאמר מדרבנן
12 R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Wer das Haar der Achselhöhle und das Haar an der Scham entfernt, erhält Geißelhiebe. Man wandte ein: Die Entfernung des Haaresist nicht nach der Tora, sondern nur rabbanitisch [verboten]!? – Auch die Geißelhiebe, wovon er spricht, sind rabbanitisch.