Nazir 73

Kapitel 73

א בשלמא לדידי דאמינא משום דהיתר מצטרף לאיסור כגון דנפישי חולין אלא לדידך דאמרת משום דאיכא כזית בכדי אכילת פרס כי נפישי חולין מאי הוי
1 Allerdings ist nach meiner Erklärung, weil das Erlaubte mit dem Verbotenen vereinigt wird, dies auf den Fall zu beziehen, wenn das Profane mehrist, nach deiner Erklärung aber, weil während der Dauer des Essens eines Peras ein olivengroßes Quantum vorhanden ist, ist ja nichts dabei, daß das Profane mehr ist!?
ב אמר ליה הנח לתרומה בזמן הזה דרבנן
2 Dieser erwiderte: Laß die Hebe, die in der Jetztzeit nur rabbanitisch [zu entrichten]ist.
ג אמר ליה אביי ממאי דהאי משרת להיתר מצטרף לאיסור הוא דאתא דילמא ליתן טעם כעיקר הוא דאתא
3 Abajje sprach zu ihm: Woher, daß [das Wort] <i>Aufgeweichtes</i> darauf deutet, daß das Erlaubte mit dem Verbotenen vereinigt werde, vielleicht deutet es darauf, daß der Geschmack der Sacheselbst gleiche!? –
ד ולאביי מעיקרא קא קשיא ליה מאי דקאמר רב דימי וקא מותיב ליה כל הלין תיובתא הדר אמר ליה ליתן טעם כעיקר
4 Abajje erhob zuerst gegen die Lehre R. Dimisall jene Einwendungen, und nachher sagt er, dies deute vielleicht darauf, daß der Geschmack der Sache selbst gleiche!? –
ה בתר דשני ליה אמר ליה דילמא ליתן טעם כעיקר הוא דאתא
5 Nachdem jener ihm erwidert hatte, sprach er zu ihm: vielleicht deutet es darauf, daß der Geschmack der Sache selbst gleiche.
ו לכדתניא משרת ליתן טעם כעיקר שאם שרה ענבים במים ויש בהן טעם יין חייב ומכאן אתה דן כל איסורין שבתורה
6 Es wird nämlich gelehrt: <i>Aufgeweichtes,</i> dies besagt, daß der Geschmack der Sache selbst gleiche, wenn nämlich [ein Nazir] Trauben in Wasser geweicht und es den Geschmack von Wein hat, so ist er [wegen des Genusses] schuldig. Hiervon kannst du auf alle Verbote der Tora schließen;
ז ומה נזיר שאין איסורו איסור עולם ואין איסורו איסור הנאה ויש היתר לאיסורו עשה בו טעם כעיקר כלאי הכרם שאיסורן איסור עולם ואיסורן איסור הנייה ואין היתר לאיסורן אינו דין שיעשה בו טעם כעיקר
7 wenn beim Nazir, bei dem das Verbot nicht bleibend ist, sich nicht auf die Nutznießung erstrecktund aufgehoben werdenkann, der Geschmack der Sache gleicht, um wieviel mehr gleicht der Geschmack der Sache [beim Verbote] der Mischsaat, das ein ewiges ist, sich auch auf die Nutznießung erstreckt und nicht aufgehoben werden kann.
ח והוא הדין לערלה בשתים
8 Und in zwei Hinsichten gilt dies auch vom Ungeweihten.
ט אמר ליה ההוא מרבנן רבי אבהו כי קאמר לר' עקיבא הי ר' עקיבא אילימא רבי עקיבא דהכא דתנן רבי עקיבא אומר אפילו שרה פיתו ביין ויש בו כדי לצרף כזית חייב וממאי דילמא הוא דאיכא כזית בעינא
9 Dieser erwiderte: Hier ist die Ansicht der Rabbanan vertreten, während R. Abahu es nach R. A͑qibalehrte. – Welche [Lehre] R. A͑qibas [ist hier gemeint]; wollte man sagen, folgende Lehre: R. A͑qiba sagt, selbst wenn [der Nazir] nur sein Brot in Wein eintaucht und eine Olive vereinigt werden kann, sei er schuldig. Vielleicht aber ist es erforderlich, daß [vom Weine allein] eine Olive vorhanden ist!?
י וכ"ת מאי למימרא לאפוקי מת"ק דאמר עד שישתה רביעית יין
10 Wolltest du erwidern, dies zu lehren sei nicht nötig, so schließt dies die Ansicht des ersten Autors aus, welcher sagt, nur wenn er ein Viertel[log] Wein getrunkenhat. –
יא אלא רבי עקיבא דברייתא דתניא רבי עקיבא אומר נזיר ששרה פתו ביין ואכל כזית מפת ומיין חייב
11 Vielmehr, es ist [die Lehre] R. A͑qibas in der folgenden Barajtha: R. A͑qiba sagt, wenn ein Nazir sein Brot in Wein eingetaucht und vom Brote und vom Weine zusammen eine Olive gegessen hat, sei er schuldig.
יב אמר ליה רב אחא בריה דרב אויא לרב אשי לרבי עקיבא דקא מוקים ליה להאי וכל משרת להיתר מצטרף לאיסור ליתן טעם כעיקר מנ"ל יליף מבשר בחלב לאו טעם בעלמא הוא ואסור הכא נמי לא שנא
12 R. Aḥa, Sohn des R. Ivja, sprach zu R. Aši: Woher folgert R. A͑qiba, der aus [dem Worte] <i>nichts Aufgeweichtes</i> entnimmt, daß das Erlaubte mit dem Verbotenen vereinigt werde, daß der Geschmack der Sache selbst gleiche? – Er folgert dies [vom Verbote] des Fleisches mit Milch; hierbei handelt es sich nur um den Geschmack, und es ist verboten, ebenso auch sonst. –
יג ורבנן מבשר בחלב לא גמרינן דחידוש הוא
13 Und die Rabbanan!? – [Vom Verbote] des Fleisches mit Milch ist nichts zu folgern, denn dieses ist ein Novum. –
יד מאי חידושיה אילימא דהאי לחודיה והאי לחודיה שרי ובהדי הדדי אסור כלאים נמי האי לחודיה שרי והאי לחודיה שרי ובהדי הדדי אסור
14 Wieso ist es ein Novum; wollte man sagen, weil dieses allein und jenes allein erlaubt ist, zusammen aber verboten, so ist dies ja auch bei derMischsaat der Fall, die eine allein und die andere allein ist erlaubt, zusammen aber verboten!? –
טו אלא דאי תרו ליה כולי יומא בחלבא שרי ומבשיל ליה בשולי אסור
15 Vielmehr, läßt man [das Fleisch] den ganzen Tag in Milch weichen, so ist es erlaubt, gekocht aber ist es verboten. –
טז ורבי עקיבא נמי בשר בחלב חידוש הוא אלא
16 Und R. A͑qiba, [das Verbot von] Fleisch mit Milch ist ja ein Novum!? –