Nedarim 98

Kapitel 98

א כמאן מצלינן על קצירי ועל מריעי [כמאן כר' יוסי] מדאמר קצירי ומריעי שמע מינה קצירי קצירי ממש מריעי רבנן:
1 Nach wessen Ansicht beten wir für die Siechen und die Kranken? Wenn er von Siechen und Kranken spricht, so sind unter ‘Siechen’ die wirklich Kranken und unter ‘Kranken’ die Gelehrten zu verstehen.
ב ומותר בעבה: מתני' דלא כבבלאי דאמר ר' זירא בבלאי טפשאי דאכלי לחמא בלחמא
2 U<small>ND DIE DICKE ERLAUBT</small>. Unsere Mišna stimmt nicht mit den Babyloniern überein, denn R. Zera sagte: die törichten Babylonier essen Brot mit Brot.
ג א"ר חסדא דמשאיל להון להלין נקדני דהוצל הדין דייסא היכין מעלי למיכלה דחיטי בלחמא דחיטי ודשערי בלחמא דשערי או דלמא דחיטי בדשערי ודשערי בדחיטי
3 R. Ḥisda sagte: Man sollte die Feinschmecker von Huçal fragen, wie man den Brei am besten esse: den aus Weizen zum Weizenbrote und den aus Gerste zum Gerstenbrote, oder den aus Weizen zum Gersten-[brote] und den aus Gerste zum Weizen[brote].
ד רבא אכליה בחסיסי רבה בר רב הונא אשכחי' לרב הונא דקאכיל דייסא באצבעתיה אמ' ליה אמאי קאכיל מר בידיה א"ל הכי אמר רב דייסא באצבעתא בסים וכל דכן בתרתין וכל דכן בתלת
4 Raba aß es mit [Brei aus] gerösteten Körnern. Einst traf Rabba b. R. Hona R. Hona Brei mit den Fingern essen; da sprach er zu ihm: Weshalb ißt der Meister mit der Hand? Dieser erwiderte: Folgendes sagte Rabh: Brei schmeckt mit dem Finger, besser mit zwei, und um so besser mit drei.
ה אמר ליה רב לחייא בריה וכן אמר ליה רב הונא לרבה בריה מזמנים לך למיכל דייסא עד פרסה למיכל בישרא דתורא עד תלתא פרסין אמר ליה רב לחייא בריה וכן א"ל רב הונא לרבה בריה כל מידעם לא תפלוט קמיה רבך לבר מן קרא ודייסא שהן דומין לפתילתא של אבר ואפילו קמי שבור מלכא פלוט
5 Rabh sprach zu seinem Sohne Ḥija, und ebenso sprach R. Hona zu seinem Sohne Rabba: Lädt man dich zum Essen von Brei, [so gehe] bis zu einer Parasange, wenn zum Essen von Rindfleisch, [so gehe] bis drei Parasangen. Rabh sprach zu seinem Sohne Ḥija, und ebenso sprach R. Hona zu seinem Sohne Rabba: Nichts spucke vor deinem Lehreraus, außer Kürbisund Brei, weil sie einem [flüssigen] Bleistrahlegleichen, und sogar vor dem Könige Sapor spucke sie aus.
ו רבי יוסי ורבי יהודה חד אכיל דייסא באצבעתיה וחד אכיל בהוצא א"ל דאכיל בהוצא לדאכיל באצבעתיה עד מתי אתה מאכילני צואתך אמר ליה דאכיל באצבעתיה לדאכיל בהוצא עד מתי אתה מאכילני רוקך
6 Von R. Jose und R. Jehuda aß einer den Brei mit dem Finger und einer mit einem Stäbchen. Da sprach der, der ihn mit einem Stäbchen aß, zu dem, der ihn mit dem Finger aß: Wie lange noch wirst du mich deinen Schmutzessen lassen? Hierauf sprach der, der ihn mit dem Finger aß, zu dem, der ihn mit dem Stäbchen aß: Wie lange noch wirst du mich deinen Speichelessen lassen?
ז רבי יהודה ורבי שמעון אייתו לקמייהו בלוספיין רבי יהודה אכל ר' שמעון לא אכל א"ל רבי יהודה מאי טעמא לא אכיל מר אמר ליה ר' שמעון אלו אין יוצאין מבני מעים כל עיקר אמר ליה רבי יהודה כ"ש שנסמוך עליהן למחר
7 Einst setzte man R. Jehuda und R. Šimo͑n Beluphsi-Feigenvor; R. Jehuda aß sie und R. Šimo͑n aß sie nicht. Da sprach R. Jehuda zu ihm: Weshalb ißt der Meister nicht? R. Šimo͑n erwiderte: Diese kommen nicht ganz aus den Därmen. Hierauf sprach R. Jehuda zu ihm: Um so mehr können wir uns auf sie morgen verlassen.
ח רבי יהודה הוה יתיב קמיה דר' טרפון אמר ליה רבי טרפון היום פניך צהובין אמר ליה אמש יצאו עבדיך לשדה והביאו לנו תרדין ואכלנום בלא מלח ואם אכלנום במלח כל שכן שהיו פנינו צהובין
8 Einst saß R. Jehuda vor R. Tryphon, und R. Tryphon sprach zu ihm: Dein Gesicht glänzt heute. Dieser erwiderte: Gestern gingen deine Knechte aufs Feld und brachten uns Mangold, den wir ohne Salz aßen, und hätten wir ihn mit Salz gegessen, so würden unsere Gesichter noch mehr geglänzt haben.
ט אמרה ההיא מטרוניתא לרבי יהודה מורה ורוי אמר לה הימנותא בידא דההיא איתתא אי טעימנא אלא קידושא ואבדלתא וארבעה כסי דפסחא וחוגרני צידעי מן הפסח עד העצרת אלא (קהלת ח, א) חכמת אדם תאיר פניו
9 Einst sprach eine Matrone zu R. Jehuda: Lehrer und Säufer!? Da sprach er zu ihr: Meine Treue in der Hand dieser Frau, wenn ich etwas gekostet habe außer dem Weih[becher], dem Becher des Unterscheidungssegensund den vier Bechern am Pesaḥfeste, [wegen welcher] ich mir vom Pesaḥfeste bis zum Wochenfeste die Schläfenverbinde, aber:<i>die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Angesicht.</i>
י אמר לי' ההוא צדוקי לרבי יהודה פניך דומין אי כמלוי רבית אי כמגדלי חזירין א"ל ביהודאי תרוייהו אסירן אלא עשרים וארבעה בית הכסא אית לי מן ביתא עד בי מדרשא וכל שעה ושעה אני נכנס לכל אחד ואחד
10 Ein Minäer sprach zu R. Jehuda: Dein Gesicht sieht aus wie das der Wucherer oder Schweinezüchter. Dieser erwiderte: Bei Juden ist beides verboten, aber vom Hause bis zum Lehrhause habe ich vierundzwanzig Aborte, und jede Stunde gehe ich in einen.
יא ר' יהודה כד אזיל לבי מדרשא שקיל גולפא על כתפיה אמר גדולה מלאכה שמכבדת את בעליה רבי שמעון שקיל צנא על כתפיה אמר גדולה מלאכה שמכבדת את בעליה
11 Wenn R. Jehuda ins Lehrhaus ging, nahm er einen Krug auf die Schulterund sprach: Bedeutend ist das Handwerk, daß es seinen Meister ehrt. R. Šimo͑n nahm einen Korb auf die Schulterund sprach: Bedeutend ist das Handwerk, daß es seinen Meister ehrt.
יב דביתהו דרבי יהודה נפקת נקטת עמרא עבדה גלימא דהוטבי כד נפקת לשוקא מיכסיא ביה וכד נפיק רבי יהודה לצלויי הוה מיכסי ומצלי וכד מיכסי ביה הוה מברך ברוך שעטני מעיל
12 Die Frau R. Jehudas ging fort und holte Wolle, woraus sie einen bunten Mantelfertigte; wenn sie auf die Straße ging, hüllte sie sich darin, und wenn R. Jehuda beten ging, hüllte er sich darin und betete, und beim Anlegen desselben sprach er folgenden Segen: Gepriesen sei er, der mich in einen Mantel hüllt.
יג זימנא חדא גזר רבן שמעון בן גמליאל תעניתא ר' יהודה לא אתא לבי תעניתא אמרין ליה לא אית ליה כסויא שדר ליה גלימא ולא קביל
13 Einst ordnete R. Šimo͑n b. Gamliél ein Fasten an, und R. Jehuda kam nicht zum Fasten[gebete]; da sprachen sie zu ihm: Er hat kein Kleid. Hierauf sandte er ihm ein Kleid, dieser aber nahm es nicht an,