Niddah 99

Kapitel 99

א רבי מאיר היא דתניא היה רבי מאיר אומר מה ת"ל (דברים כא, ה) על פיהם יהיה כל ריב וכל נגע וכי מה ענין ריבים אצל נגעים מקיש ריבים לנגעים מה נגעים ביום דכתיב (ויקרא יג, יד) וביום הראות בו אף ריבים ביום
1 Dies nach R. Meír, denn es wird gelehrt: R. Meír sagte: Es heißt:<i>nach ihrem Ausspruche soll über jeden Streit und über jeden Aussatz entschieden werden</i>; welche Gemeinschaft haben Streitigkeiten und der Aussatz miteinander? Vielmehr werden Streitigkeiten mit dem Aussatze verglichen: wie der Aussatz nur am Tage [zu untersuchen] ist, wie es heißt:<i>am Tage, an dem er erscheint</i>, ebenso sind Streitigkeiten nur am Tage [zu schlichten];
ב ומה נגעים שלא בסומא דכתיב (ויקרא יג, יב) לכל מראה עיני הכהן אף ריבים שלא בסומא ומקיש נגעים לריבים מה ריבים שלא בקרובים אף נגעים שלא בקרובים
2 und wie ferner der Aussatz nicht durch Blinde [zu untersuchen ist], denn es heißt:<i>wo auch die Augen des Priesters hinsehen</i>, ebenso sind Streitigkeiten nicht durch Blinde [zu schlichten]. Ferner wird der Aussatz mit den Streitigkeiten verglichen: wie Streitigkeiten nicht durch Verwandte [zu schlichten sind], ebenso ist der Aussatz nicht durch Verwandte [zu untersuchen].
ג אי מה ריבים בשלשה אף נגעים בשלשה ודין הוא ממונו בשלשה גופו לא כ"ש ת"ל (ויקרא יג, ב) והובא אל אהרן הכהן או אל אחד מבניו הכהנים הא למדת שאפילו כהן אחד רואה את הנגעים
3 Demnach sollten doch, wie bei [der Schlichtung von] Streitigkeiten drei [Personen] erforderlich sind, auch bei [der Untersuchung des] Aussatzes drei erforderlich sein!? Dies wäre auch durch einen Schluß zu folgern: wenn Geldangelegenheiten durch drei, um wieviel mehr gilt dies von seinem Körper. Daher heißt es:<i>so ist es zu Ahron dem Priester zu bringen, oder zu einem seiner Söhne, der Priester</i>; du lernst also, daß auch ein einzelner Priester den Aussatz untersuchen darf.
ד ההוא סמיא דהוה בשבבותיה דרבי יוחנן דהוה קדיין דינא ולא קאמר ליה ולא מידי היכי עביד הכי והאמר רבי יוחנן הלכה כסתם משנה
4 In der Nachbarschaft R. Joḥanans wohnte ein Blinder, der Recht zu sprechen pflegte, und er sagte nichts dagegen. – Wieso aber tat er dies, R. Joḥanan selbst sagte ja, die Halakha sei wie die anonyme Mišna,
ה ותנן כל הכשר לדון כשר להעיד ויש כשר להעיד ואין כשר לדון ואמרינן לאתויי מאי ואמר רבי יוחנן לאתויי סומא באחת מעיניו
5 und eine solche lehrt: Wer als Richter zulässig ist, ist als Zeuge zulässig, mancher aber ist als Zeuge zulässig, nicht aber als Richter zulässig. Und auf unsere Frage, was dies einschließe, erwiderte R. Joḥanan, dies schließe den auf einem Auge Blinden ein!? –
ו רבי יוחנן סתמא אחרינא אשכח דתנן דיני ממונות דנין ביום וגומרין בלילה
6 R. Joḥanan fand eine andere anonyme Lehre: Es wird nämlich gelehrt: Verhandlungen über Geldsachen werden am Tage geführt und können nachts abgeschlossen werden. –
ז ומאי אולמיה דהאי סתמא מהאי סתמא איבעית אימא סתמא דרבים עדיף ואיבעית אימא משום דקתני לה גבי הלכתא דדיני
7 Wodurch ist diese anonyme Lehre zuverlässiger als jene anonyme Lehre? – Wenn du willst, sage ich: eine anonyme Lehre, die die Ansicht einer Mehrheit vertritt, ist bedeutender, und wenn du willst, sage ich: weil diese bei den Lehren von der Rechtsprechunggelehrt wird.
ח <big><strong>מתני׳</strong></big> כל שחייב במעשרות מטמא טומאת אוכלין ויש שמטמא טומאת אוכלין ואינו חייב במעשרות
8 <b>W</b><small>AS ZEHNTPFLICHTIG IST, IST ALS</small> S<small>PEISE VERUNREINIGUNGSFÄHIG, MANCHES ABER IST ALS</small> S<small>PEISE VERUNREINIGUNGSFÄHIG, JEDOCH NICHT ZEHNTPFLICHTIG</small>.
ט <big><strong>גמ׳</strong></big> לאתויי מאי לאתויי בשר ודגים וביצים
9 GEMARA. Was schließt dies ein? – Dies schließt Fleisch, Fische und Eier ein.
י <big><strong>מתני׳</strong></big> כל שחייב בפאה חייב במעשרות ויש שחייב במעשרות ואינו חייב בפאה
10 <b>W</b><small>AS ECKENLASSPFLICHTIG</small><small>IST, IST ZEHNTPFLICHTIG, MANCHES ABER IST ZEHNTPFLICHTIG, JEDOCH NICHT ECKENLASSPFLICHTIG</small>.
יא <big><strong>גמ׳</strong></big> לאתויי מאי לאתויי תאנה וירק שאינו חייב בפאה דתנן כלל אמרו בפאה כל שהוא אוכל ונשמר וגידולו מן הארץ ולקיטתו כאחד ומכניסו לקיום חייב בפאה
11 GEMARA. Was schließt dies ein? – Dies schließt Feigen und Grünkraut ein, die nicht eckenlaßpflichtig sind. Wir haben nämlich gelernt: Folgende Regel sagten sie beim Eckenlasse: alles, was eine Speise ist, verwahrt wird, seine Nahrung vom Boden zieht, mit einem Male geerntet wird und zur Aufbewahrung eingebracht wird, ist eckenlaßpflichtig.
יב אוכל למעוטי ספיחי סטים וקוצה ונשמר למעוטי הפקר וגידולו מן הארץ למעוטי כמהים ופטריות ולקיטתו כאחד למעוטי תאנה ומכניסו לקיום למעוטי ירק
12 Eine Speise, ausgenommen der Nachwuchs von Waid und Saflor; verwahrt wird, ausgenommen Freigut; seine Nahrung vom Boden zieht, ausgenommen Schwämme und Pilze; mit einem Male geerntet wird, ausgenommen Feigen; zur Aufbewahrung eingebracht wird, ausgenommen Grünkraut.
יג ואילו גבי מעשר תנן כל שהוא אוכל ונשמר וגידולו מן הארץ חייב במעשרות ואילו לקיטתו כאחד ומכניסו לקיום לא קתני
13 Vom Zehnten aber haben wir gelernt: Alles, was eine Speise ist, verwahrt wird und seine Nahrung vom Boden zieht, ist zehntpflichtig. Er lehrt aber nicht: mit einem Male geerntet wird und zur Aufbewahrung eingebracht wird.
יד אם היו בהם שומים ובצלין חייבין דתנן מלבנות בצלים שבין הירק ר' יוסי אומר פאה מכל אחת ואחת וחכ"א מאחת על הכל
14 Befinden sich darunter Knoblauch und Zwiebeln, so sind sie pflichtig, denn wir haben gelernt: Von den Zwiebelbeeten zwischen dem Grünkraut ist der Eckenlaß, wie R. Jose sagt, von jedem besonders, und wie die Weisen sagen, von einem für alle [zu lassen].
טו אמר רבה בר בר חנה א"ר יוחנן עולשין שזרען מתחילה לבהמה ונמלך עליהן לאדם
15 Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn man Endivien von vornherein für das Vieh gesäthat, später sich aber überlegt und sie für Menschen verwenden will,