Pesachim 12

Kapitel 12

א שהרי משה עומד בפסח ראשון ומזהיר על הפסח שני שנאמר (במדבר ט, ב) ויעשו בני ישראל את הפסח במועדו וכתיב (במדבר ט, ו) ויהי אנשים אשר היו טמאים לנפש אדם
1 Moše lehrte während des ersten Pesaḥfestes über das zweitePesaḥfest, denn es heißt:<i>es waren aber Männer vorhanden, die leichenunrein waren</i>. –
ב ור' שמעון בן גמליאל אמר לך איידי דאיירי במילי דפסחא מסיק להו לכל מילי דפסחא
2 Und R. Šimo͑n b.Gamliél!? – Er kann dir erwidern: da er sich mit dem Pesaḥfeste befaßte, lehrte er auch alles, was damit zusammenhängt. –
ג מאי טעמא דרשב"ג שהרי משה עומד בראש החדש ומזהיר על הפסח שנאמר (שמות יב, ב) החדש הזה לכם ראש חדשים וכתיב דברו אל כל עדת ישראל לאמר בעשור לחדש הזה ויקחו להם איש שה לבית אבות וגו'
3 Was ist der Grund des R. Šimo͑n b.Gamliél? – Moše lehrte am Neumond über das Pesaḥfest, denn es heißt:<i>dieser Monat soll für euch an der Spitze der Monate stehen</i>, und darauf folgt: <i>sprechet zu der ganzen Gemeinde Jisraél folgendermaßen: Am zehnten dieses Monats soll sich ein jeder ein Lamm verschaffen, für jede einzelne Familie &amp;c</i>. –
ד ממאי דבריש ירחא קאי דילמא בארבעה בירחא או בחמשה בירחא קאי
4 Woher, daß es am Neumond war, vielleicht am vierten oder fünften des Monats!?
ה אלא אמר רבה בר שימי משמיה דרבינא מהכא (במדבר ט, א) וידבר י"י אל משה במדבר סיני בשנה השנית בחדש הראשון וכתיב (במדבר ט, ב) ויעשו בני ישראל את הפסח במועדו הכא נמי ממאי דבריש ירחא קאי דילמא בארבעה בירחא או בחמשה בירחא קאי
5 Vielmehr, erklärte R. Šimi b.Aši im Namen Rabinas, aus folgendem:<i>da sprach der Herr zu Moše in der Wüste Sinaj im zweiten Jahre, im ersten Monat</i>, und darauf folgt:<i>die Kinder Jisraél sollen das Pesaḥfest zur festgesetzten Zeit feiern</i>. – Woher, daß dies am Neumond war, vielleicht erst am vierten oder am fünften des Monats!?
ו אמר רב נחמן בר יצחק אתיא מדבר ממדבר כתיב הכא (במדבר א, א) במדבר סיני וכתיב התם (במדבר א, א) וידבר י"י אל משה במדבר סיני באהל מועד באחד לחדש השני מה להלן בראש חדש אף כאן בראש חדש
6 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Dies ist aus [dem Worte] <i>Wüste</i> zu entnehmen; hier heißt es: <i>in der Wüste Sinaj</i>, und dortheißt es: <i>da sprach der Herr zu Moše in der Wüste Sinaj, im Offenbarungszelte, am ersten des zweiten Monats</i>; wie dort am Neumond, ebenso hier am Neumond. –
ז וניכתוב ברישא דחדש ראשון והדר ניכתוב דחדש שני אמר רב מנשיא בר תחליפא משמיה דרב זאת אומרת אין מוקדם ומאוחר בתורה
7 Sollte er doch zuerst [das Ereignis] des ersten Monats und nachher das des zweiten Monatsaufgezeichnet haben!? R. Menasja b. Taḥlipha erwiderte im Namen Rabhs: Dies besagt, daß es in der Tora kein Früher oder Später gebe.
ח אמר רב פפא לא אמרן אלא בתרי ענייני אבל בחד עניינא מאי דמוקדם מוקדם ומאי דמאוחר מאוחר דאי לא תימא הכי כלל ופרט אין בכלל אלא מה שבפרט דילמא פרט וכלל הוא
8 R. Papa sagte: Dies gilt nur von zwei verschiedenen Themen, bei einem Thema aber gilt das, was früher steht, als früher, und das, was später steht, als später. Wieso gilt es, wolltest du nicht so sagen, [als Regel,] daß, wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, die Generalisierung nur das enthalte, was die Spezialisierung nennt, vielleicht hat die Generalisierung der Spezialisierung zu folgen!?
ט ותו פרט וכלל נעשה כלל מוסף על הפרט דילמא כלל ופרט הוא
9 Und wieso gilt es ferner [als Regel], daß, wenn auf eine Spezialisierung eine Generalisierung folgt, die Generalisierung eine Hinzufügung zur Spezialisierung sei, vielleicht hat die Spezialisierung der Generalisierung zu folgen!? –
י אי הכי אפילו בתרי ענייני נמי הניחא למאן דאמר כלל ופרט המרוחקין זה מזה אין דנין אותו בכלל ופרט שפיר אלא למאן דאמר דנין מאי איכא למימר
10 Demnach sollte dies auch bei zwei Themen gelten!? Allerdings stimmt dies nach demjenigen, welcher sagt, daß, wenn die Generalisierung und die Spezialisierung von einander entfernt sind, man [die Regel] von Generalisierung und Spezialisierung nicht anwende, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, man wende sie wohl an!? –
יא אפילו למ"ד דנין הני מילי בחד עניינא אבל בתרי ענייני אין דנין:
11 Auch nach demjenigen, welcher sagt, man wende sie an, gilt dies nur von einem Thema, bei zwei Themen aber wende man sie nicht an.
יב אמר רב יהודה אמר רב הבודק צריך שיבטל מאי טעמא אי נימא משום פירורין הא לא חשיבי
12 R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Der Durchsuchende muß [das Gesäuerte] aufgeben. – Aus welchem Grunde: wollte man sagen, wegen der Brocken, so sind sie ja wertlos,
יג וכי תימא כיון דמינטר להו אגב ביתיה חשיבי והתניא סופי תאנים ומשמר שדהו מפני ענבים סופי ענבים ומשמר שדהו מפני מקשאות ומפני מדלעות
13 und wenn du entgegnest, sie haben dadurch einen Wert, weil sie in der Wohnung mitverwahrt werden, so wird ja gelehrt, daß, wenn auf einem wegen der Weintrauben bewachten Felde sich Reste von Feigenbefinden oder auf einem wegen der Gurken und Kürbisse bewachten Felde sich Reste von Weintraubenbefinden, sie,
יד בזמן שבעל הבית מקפיד עליהן אסורין משום גזל וחייבין במעשר בזמן שאין בעל הבית מקפיד עליהן מותרין משום גזל ופטורין משום מעשר
14 wenn der Eigentümer auf sie achtet, [Fremden] als Raub verboten und zehntpflichtig seien, und wenn der Eigentümer auf sie nicht achtet, nicht als Raub verboten und zehntfrei seien!?
טו אמר רבא גזירה שמא ימצא גלוסקא יפה ודעתיה עילויה וכי משכחת ליה לבטליה
15 Raba erwiderte: Mit Rücksicht darauf, er könnte eine gute Semmel finden, auf die er noch achtet. – Er kann sie ja dann aufgeben, erst wenn er sie findet!? –
טז דילמא משכחת ליה לבתר איסורא ולאו ברשותיה קיימא ולא מצי מבטיל דא"ר אלעזר שני דברים אינן ברשותו של אדם ועשאן הכתוב כאילו ברשותו ואלו הן בור ברשות הרבים וחמץ משש שעות ולמעלה
16 Vielleicht findet er sie nach dem [Inkrafttreten des] Verbotes, wo sie nicht mehr in seinem Besitze ist und er sie nicht aufgeben kann. R. Elea͑zar sagte nämlich: Zwei Dinge sind nicht im Besitze des Menschen, und die Schrift machte [ihn verantwortlich], als wären sie in seinem Besitze, und zwar: eine Grube auf öffentlichem Gebieteund Gesäuertes von der sechsten Stunde ab. –
יז וניבטליה בארבע וניבטליה בחמש כיון דלאו זמן איסורא הוא ולאו זמן ביעורא הוא דילמא פשע ולא מבטל ליה
17 Soll er es doch in der vierten oder fünften Stundeaufgeben!? – Da dann weder die Zeit des Verbotes noch die der Fortschaffung ist, so könnte er eine Fahrlässigkeit begehen und es nicht aufgeben. –