Sanhedrin 10

Kapitel 10

א על שם חכמתו דכתיב (משלי ז, ד) אמור לחכמה אחותי את
1 wegen seiner Weisheit, denn es heißt: <i>sprich zur</i> <i>Weisheit: du bist meine Schwester</i>. –
ב יתיר בכורות אל יתיר מאי טעמא אילימא משום דלא חכים הא קא אמרינן דחכים טובא אלא משום דלא בקיע במומי
2 «Soll er Erstgeborene erlauben? – Dies soll er nicht.» Aus welchem Grunde, wollte man sagen, weil er nicht weise genug war, so sagten wir ja, daß er sehr weise war!? – Weil er in den Gebrechen nicht kundig war. –
ג והאמר רב שמונה עשר חדשים גדלתי אצל רועה בהמה לידע איזה מום קבוע ואיזה מום עובר אלא לחלק לו כבוד לרבה בר חנה
3 Aber Rabh sagte ja, er habe achtzehn Monate bei einem Viehhirten verbracht, um zu lernen, welches ein bleibendes und welches ein vorübergehendes Gebrechen sei!? – Vielmehr, um Rabba b. Ḥana Ehrung zu erweisen.
ד ואיבעית אימא משום הא גופיה דרב בקיע במומי טפי ושרי מומי דלא ידעי אינשי ואמרי כי האי גוונא שרא רב ואתו למשרי מום עובר
4 Wenn du aber willst, sage ich: eben deshalb, Rabh war in den Gebrechen sehr kundig, somit würde er Gebrechen erlaubt haben, von denen die Leute keine Kenntnis haben, und indem sie gesagt haben würden, Rabh habe so etwas erlaubt, würden sie auch vorübergehende Gebrechen erlaubt haben. – «Soll er rituelle Entscheidungen treffen? –
ה יורה יורה אי גמיר רשותא למה לי למישקל משום מעשה שהיה
5 Er soll dies.» Wozu brauchte er, wenn er gelernt hatte, der Autorisation!? – Wegen jenes Ereignisses.
ו דתניא פעם אחת הלך רבי למקום אחד וראה בני אדם שמגבלין עיסותיהם בטומאה אמר להם מפני מה אתם מגבלין עיסותיכם בטומאה אמרו לו תלמיד אחד בא לכאן והורה לנו מי בצעים אין מכשירין והוא מי ביצים דרש להו ואינהו סבור מי בצעים קאמר
6 Es wird nämlich gelehrt: Einst ging Rabbi nach einer Ortschaft und beobachtete, daß da die Leute den Teig in Unreinheit kneteten, da sprach er zu ihnen: Weshalb knetet ihr den Teig in Unreinheit? Diese erwiderten: Ein Jünger kam hierher und lehrte uns, Sumpfwasser mache nicht verunreinigungsfähig. Er lehrte es nämlich von Eiern, sie aber glaubten, er lehre es vom Sumpfwasser.
ז וטעו נמי בהא מי קרמיון ומי פיגה פסולין מפני שהן מי (בצעים) ואינהו סבור מדלגבי חטאת פסילי אכשורי נמי לא מכשרי ולא היא התם לענין חטאת בעינן מים חיים הכא אכשורי כל דהו מכשרי
7 Ferner irrten sie auch durch folgende Lehre: Das Wasser des Qirmejon und des Piga sind [für das Entsündigungswasser] unbrauchbar, weil sie Sumpfwasser sind. Sie folgerten, wenn [das Sumpfwasser] für das Entsündigungswasser unbrauchbar ist, sei es auch nicht verunreinigungsfähig; dem ist aber nicht so, für die Entsündigung muß es lebendiges Wasser sein, was solches nicht ist, während hierbei alles verunreinigungsfähig macht.
ח תנא באותה שעה גזרו תלמיד אל יורה אלא אם כן נוטל רשות מרבו
8 Es wird gelehrt: Damals ordneten sie an, daß ein Jünger nur dann rituelle Entscheidungen treffen dürfe, wenn er Autorisation von seinem Lehrer erhalten hat.
ט תנחום בריה דרבי אמי איקלע לחתר דרש להו מותר ללתות חיטין בפסח אמרו לו לאו ר' מני דמן צור איכא הכא ותניא תלמיד אל יורה הלכה במקום רבו אלא אם כן היה רחוק ממנו שלש פרסאות כנגד מחנה ישראל אמר להו לאו אדעתאי
9 Tanḥum, Sohn des R. Ami, kam einst nach Ḥathar und trug da vor, es sei erlaubt, am Pesaḥfeste Weizen anzufeuchten. Sie sprachen zu ihm: R. Mani aus Çor ist ja hier anwesend, und es wird gelehrt, ein Schüler dürfe in der Ortschaft seines Lehrers keine Entscheidungen treffen, sondern nur in einer Entfernung von drei Parasangen, entsprechend dem Lager Jisraéls! Dieser erwiderte: Ich wußte es nicht.
י רבי חייא חזייה לההוא גברא דהוה קאי בבית הקברות אמר ליה לאו בן איש פלוני כהן אתה אמר ליה אין אבוה דההוא גברא גבה עינים הוה נתן עיניו בגרושה וחיללו
10 Einst bemerkte R. Ḥija jemand auf einem Begräbnisplatze stehen, da sprach er zu ihm: Bist du etwa nicht ein Sohn jenes Priesters? Dieser erwiderte: Jawohl, aber mein Vater folgte seinen Augen und heiratete eine Geschiedene, wodurch er [seine Priesterschaft] entweiht hat.
יא פשיטא לפלגא הא קאמר דמהני על תנאי מאי תא שמע דאמר ליה רבי יוחנן לרב שמן הרי אתה ברשותינו עד שתבא אצלנו
11 Selbstverständlich ist die teilweise Autorisation gültig, wie wir bereits gesagt haben, wie verhält es sich aber mit der bedingungsweisen? – Komm und höre: R. Joḥanan sprach zu R. Šamen: Du sollst unsere Autorisation haben, bis du zu uns zurückkehrst.
יב גופא אמר שמואל ב' שדנו דיניהם דין אלא שנקרא ב"ד חצוף יתיב רב נחמן וקאמר להא שמעתא איתיביה רבא לרב נחמן אפילו שנים מזכין או שנים מחייבין ואחד אומר איני יודע יוסיפו הדיינין ואי איתא להוו כשנים שדנו
12 Der Text. Šemuél sagte: Wenn zwei Recht gesprochen haben, so ist ihr Urteil gültig, nur heißt es ein anmaßendes Gericht. R. Naḥman saß und trug diese Lehre vor, da wandte Raba gegen R. Naḥman ein: Wenn ihn zwei für schuldig oder für unschuldig erklären und einer sich seines Urteils enthält, so müssen die Richter vermehrt werden; wenn dem nun so wäre, so sollte es ebenso sein, als hätten zwei Recht gesprochen!? –
יג שאני התם דמעיקרא אדעתא דתלתא יתיבי הכא לאו אדעתא דתלתא יתיבי
13 Anders ist es da, wo sie von vornherein mit drei rechneten, während sie hierbei von vornherein nicht mit drei rechneten.
יד איתיביה רבן שמעון בן גמליאל אומר הדין בשלשה ופשרה בשנים ויפה כח פשרה מכח הדין ששנים שדנו בעלי דינין יכולין לחזור בהן ושנים שעשו פשרה אין בעלי דינין יכולין לחזור בהן
14 Er wandte gegen ihn ein: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Zur Entscheidung sind drei und zum Vergleiche sind zwei [Richter] erforderlich. Der Vergleich hat mehr Rechtskraft als die Entscheidung, denn wenn zwei eine Entscheidung getroffen haben, so können die Parteien zurücktreten, wenn aber zwei einen Vergleich getroffen haben, so können die Parteien nicht mehr zurücktreten.