Sanhedrin 113

Kapitel 113

א דכתיב (בראשית ו, יא) ותשחת הארץ לפני האלהים ותנא דבי רבי ישמעאל בכל מקום שנא' השחתה אינו אלא דבר ערוה ועבודת כוכבים דבר ערוה שנא' (בראשית ו, יב) כי השחית כל בשר את דרכו עבודת כוכבים דכתיב (דברים ד, טז) פן תשחיתון ועשיתם וגו'
1 denn es heißt: <i>die Erde aber war verderbt vor dem Angesichte Gottes</i>, und in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt, daß überall, wo von einem Verderb gesprochen wird, Unzucht und Götzendienst zu verstehen sei. Unzucht, denn es heißt: <i>denn alles Fleisch hatte seinen Wandel verderbt</i>; Götzendienst, denn es heißt: <i>daß ihr nicht verderbt handelt und verfertigt &amp;c</i>. —
ב ואידך אורחייהו דקא מגלי
2 Und jener!? — Er erzählt nur von ihrer Ausartung.
ג שפיכות דמים דכתיב (בראשית ט, ו) שופך דם האדם וגו' ואידך קטלייהו הוא דקמגלי
3 Blutvergießen, denn es heißt: <i>wer Menschenblut vergießt &amp;c</i>. — Und jener!? — Er sagt nur, daß darauf die Todesstrafe gesetzt sei.
ד גזל דכתיב (בראשית ט, ג) כירק עשב נתתי לכם את כל וא"ר לוי כירק עשב ולא כירק גנה ואידך ההוא למישרי בשר הוא דאתא
4 Raub, denn es heißt: <i>wie das grüne Kraut gebe ich euch alles</i>, und hierzu sagte R. Levi: wie das grüne Kraut, nicht aber wie das Gartenkraut. — Und jener!? — Dies besagt nur, daß ihnen [der Genuß] des Fleisches erlaubt wurde. —
ה אבר מן החי דכתיב (בראשית ט, ד) אך בשר בנפשו דמו לא תאכלו ואידך ההוא למישרי שרצים הוא דאתא
5 Der Genuß eines Gliedes von einem lebenden Tiere, denn es heißt: <i>nur Fleisch, das noch sein Leben, sein Blut, in sich hat, dürft ihr nicht essen</i>. — Und jener!? — Dies besagt nur, daß ihnen die Kriechtiere erlaubt wurden.
ו סירוס דכתיב (בראשית ט, ז) שרצו בארץ ורבו בה ואידך לברכה בעלמא
6 Die Kastration, denn es heißt: <i>regt euch auf der Erde und mehret euch auf ihr</i>, — Und jener? — Dies ist nur ein Segen.
ז כלאים דכתיב (בראשית ו, כ) מהעוף למינהו ואידך ההוא לצותא בעלמא
7 Die Mischung, denn es heißt: <i>von den Vögeln, je nach ihrer Art</i>. — Und jener!? — Dies nur wegen der Paarung.
ח אמר רב יוסף אמרי בי רב על שלש מצות בן נח נהרג: גש"ר סימן: על גילוי עריות ועל שפיכות דמים ועל ברכת השם
8 R. Joseph sagte: Wegen dreier Vergehen ist ein Noaḥide hinzurichten: wegen der Unzucht, wegen des Blutvergießens und wegen der Gotteslästerung.
ט מתקיף לה רב ששת בשלמא שפיכות דמים דכתיב (בראשית ט, ו) שופך דם האדם וגו' אלא הנך מנא להו
9 R. Šešeth wandte ein: Allerdings wegen des Blutvergießens, denn es heißt: <i>wer Menschenblut vergießt &amp;c.</i>, woher aber weiß er es von den anderen;
י אי גמר משפיכות דמים אפילו כולהו נמי אי משום דאיתרבאי מאיש איש עבודת כוכבים נמי איתרבי מאיש איש
10 folgert er es vom Blutvergießen, so sollte er es auch wegen aller übrigen, und sind sie in [den Worten] <i>jeder Mann</i> einbegriffen, so sollten sie auch hinsichtlich des Götzendienstes in [den Worten] <i>jeder Mann</i> einbegriffen sein!?
יא אלא אמר רב ששת אמרי בי רב על ארבע מצות בן נח נהרג
11 Vielmehr, sagte R. Šešeth, in der Schule Rabhs sagten sie, ein Noaḥide sei wegen vier Vergehen hinzurichten. —
יב ועל עבודת כוכבים בן נח נהרג והתניא בעבודת כוכבים דברים שב"ד של ישראל ממיתין עליהן בן נח מוזהר עליהן אזהרה אין מיתה לא אמר רב נחמן בר יצחק אזהרה שלהן זו היא מיתתן
12 Ist denn ein Noaḥide wegen des Götzendienstes hinzurichten, hinsichtlich des Götzendienstes wird ja gelehrt, daß Handlungen, derentwegen ein jisraélitisches Gericht hinrichten läßt, einem Noaḥiden verboten sind; nur verboten sind sie ihm, hinzurichten ist er aber nicht!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Das Verbot ist für sie die Todesstrafe.
יג רב הונא ורב יהודה וכולהו תלמידי דרב אמרי על שבע מצות בן נח נהרג גלי רחמנא בחדא והוא הדין לכולהו
13 R. Hona, R. Jehuda und alle Schüler Rabhs sagten, ein Noaḥide sei wegen aller sieben Vergehen hinzurichten, denn der Allbarmherzige offenbarte dies bei einem, und dasselbe gilt auch von allen übrigen. —
יד ועל הגזל בן נח נהרג והתניא על הגזל גנב וגזל וכן יפת תואר וכן כיוצא בהן כותי בכותי וכותי בישראל אסור וישראל בכותי מותר ואם איתא ניתני חייב
14 Ist denn ein Noaḥide wegen des Raubes hinzurichten, hinsichtlich des Raubes wird ja gelehrt, daß Diebstahl, Raub, [der Raub] einer Schönen und alles gleiche einem Nichtjuden gegenüber einem Nichtjuden und einem Nichtjuden gegenüber einem Jisraéliten verboten und einem Jisraéliten gegenüber einem Nichtjuden erlaubt sei; wenn dem nun so wäre, so sollte es ja heißen, er sei strafbar!? —
טו משום דקבעי למיתני סיפא ישראל בכותי מותר תנא רישא אסור
15 Da er im Schlußsatze lehren will, einem Jisraéliten gegenüber einem Nichtjuden sei es erlaubt, so lehrt er im Anfangsatze, es sei verboten. —
טז והא כל היכא דאית ליה חיובא מיתנא קתני דקתני רישא על שפיכות דמים כותי בכותי וכותי בישראל חייב ישראל בכותי פטור
16 Aber in Fällen, wo die Handlung strafbar ist, wird dies ja gelehrt, denn im Anfangsatze lehrt er: das Blutvergießen ist bei einem Nichtjuden gegenüber einem Nichtjuden und bei einem Nichtjuden gegenüber einem Jisraéliten strafbar, und bei einem Jisraéliten gegenüber einem Nichtjuden straffrei!? —
יז התם היכי ליתני ליתני אסור ומותר והתניא כותי ורועי בהמה דקה לא מעלין ולא מורידין
17 Wie sollte er da anders lehren: wenn etwa ‘verboten’, beziehungsweise ‘erlaubt’, so wird ja gelehrt, daß man Nichtjuden und Kleinvieh-Hirten weder heraufziehe noch hinabstoße. —
יח כיוצא בו בגזל מאי היא אמר רב אחא בר יעקב לא נצרכה אלא לפועל בכרם
18 Was heißt beim Raube ‘alles gleiche’? R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Dies bezieht sich auf einen Arbeiter in einem Weinberge. —
יט פועל בכרם אימת אי בשעת גמר מלאכה התירא הוא אי לאו בשעת גמר מלאכה גזל מעליא הוא
19 Bei welcher Gelegenheit: ist er da beschäftigt, so ist es ja erlaubt, ist er da nicht beschäftigt, so ist es ja wirklicher Raub!?
כ אלא אמר רב פפא לא נצרכה אלא לפחות משוה פרוטה אי הכי כותי בישראל אסור הא בר מחילה הוא נהי דבתר הכי מחיל ליה צערא בשעתיה מי לית ליה
20 Vielmehr, erklärte R. Papa, dies bezieht sich auf eine Sache, die weniger als eine Peruṭa wert ist. — Wieso ist es demnach einem Nichtjuden gegenüber einem Jisraéliten verboten, er verzichtet ja darauf!? — Zugegeben, daß er nachher verzichtet, bei [der Beraubung] aber ärgert er sich doch. —
כא כותי בכותי כיוצא בהן כיון דלאו בני מחילה נינהו גזל מעליא הוא
21 Wieso gilt dies auch von einem Nichtjuden, ein solcher kann ja nicht verzichten, somit ist es ja wirklicher Raub!?
כב אלא אמר רב אחא בריה דרב איקא לא נצרכה אלא לכובש שכר שכיר כותי בכותי וכותי בישראל אסור ישראל בכותי מותר
22 Vielmehr, erklärte R. Aḥa, Sohn des R. Iqa, dies bezieht sich auf den Fall, wenn man den Lohn eines Mietlings zurückhält; einem Nichtjuden gegenüber einem Nichtjuden und einem Nichtjuden gegenüber einem Jisraéliten ist es verboten, einem Jisraéliten gegenüber einem Nichtjuden ist es erlaubt. —
כג כיוצא ביפת תואר מאי היא כי אתא רב דימי א"ר אלעזר א"ר חנינא בן נח שייחד שפחה לעבדו ובא עליה נהרג עליה
23 Was heißt beim [Raube einer] Schönen ‘alles gleiche’? — Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Elea͑zars im Namen R. Ḥaninas: Wenn ein Noaḥide für seinen Sklaven eine Magd bestimmt hat und sie beschläft, so ist er dieserhalb hinzurichten.
כד כיוצא בו דשפיכות דמים לא תניא אמר אביי אי משכחת דתניא רבי יונתן בן שאול היא דתניא רבי יונתן בן שאול אומר רודף אחר חבירו להורגו ויכול להצילו באחד מאבריו ולא הציל
24 Was beim Blutvergießen ‘alles gleiche’ heißt, wird nicht gelehrt. Abajje sagte: Sollte sich eine Lehre finden, so ist es die des R. Jonathan b. Šaúl, denn es wird gelehrt: R. Jonathan b. Šaúl sagte: Wenn jemand von einem verfolgt wurde und sich durch [das Zielen auf] eines seiner Glieder retten konnte, und dies nicht getan hat,