Sanhedrin 131

Kapitel 131

א אל תתחיל בי שחרית הוא ראש חודש הוא מוצאי שבת הוא
1 Oder: beginne nicht mit mir, jetzt ist frühmorgens, heute ist Neumond, heute ist Šabbathausgang.
ב תנו רבנן (ויקרא יט, כו) לא תנחשו ולא תעוננו כגון אלו המנחשים בחולדה בעופות ובדגים:
2 Die Rabbanan lehrten: <i>Ihr sollt nicht zeichendeuten noch Zauberei treiben</i>; das sind zum Beispiel diejenigen, die durch Wiesel, Vögel und Fische zeichendeuten.
ג <big><strong>מתני׳</strong></big> המחלל את השבת בדבר שחייבין על זדונו כרת ועל שגגתו חטאת:
3 <b>W</b><small>ER DEN</small> Š<small>ABBATH ENTWEIHT; IN EINEM</small> F<small>ALLE, WENN MAN BEI</small> V<small>ORSATZ DER</small> A<small>USROTTUNGSSTRAFE VERFÄLLT UND BEI</small> V<small>ERSEHEN EIN</small> S<small>ÜNDOPFER DARBRINGEN MUSS</small>.
ד <big><strong>גמ׳</strong></big> מכלל דאיכא מידי דחילול שבת הוי ואין חייבין לא על שגגתו חטאת ולא על זדונו כרת מאי
4 GEMARA. Demnach gibt es Fälle von Šabbathentweihung, derentwegen man bei Versehen kein Sündopfer darzubringen braucht und bei Vorsatz nicht der Ausrottungsstrafe verfällt; welche sind es? —
ה היא תחומין ואליבא דרבי עקיבא הבערה ואליבא דר' יוסי:
5 Das [Gesetz vom] Šabbathgebiete nach R. A͑qiba und das Feueranzünden nach R. Jose.
ו <big><strong>מתני׳</strong></big> המקלל אביו ואמו אינו חייב עד שיקללם בשם קללם בכנוי ר' מאיר מחייב וחכמים פוטרין:
6 <b>W</b><small>ER</small> V<small>ATER UND</small> M<small>UTTER FLUCHT, IST NUR DANN SCHULDIG, WENN ER IHNEN BEIM</small> G<small>OTTESNAMEN FLUCHT; FLUCHTE ER IHNEN BEI EINER</small> U<small>MSCHREIBUNG</small> [<small>DES</small> G<small>OTTESNAMENS</small>]<small>, SO IST ER NACH</small> R. M<small>EI͑R SCHULDIG UND NACH DEN</small> W<small>EISEN FREI</small>.
ז <big><strong>גמ׳</strong></big> מאן חכמים ר' מנחם בר' יוסי הוא דתניא ר' מנחם בר' יוסי אומר (ויקרא כד, טז) בנקבו שם יומת מה ת"ל שם לימד על מקלל אביו ואמו שאינו חייב עד שיקללם בשם
7 GEMARA. Wer sind die Weisen? — Es ist R. Menaḥem b. R. Jose, denn es wird gelehrt: <i>Wenn er den Gottesnamen lästert, soll er getötet werden</i>; was bedeutet hier [das Wort] <i>Gottesnamen</i>? Dies lehrt, daß, wer Vater und Mutter flucht, nur dann schuldig sei, wenn er ihnen beim Gottesnamen flucht.
ח תנו רבנן איש מה ת"ל (ויקרא כ, ב) איש איש לרבות בת טומטום ואנדרוגינוס
8 Die Rabbanan lehrten: <i>Mann</i>, wozu heißt es: <i>jeder Mann</i>? Dies schließt die Frau, einen Geschlechtslosen und einen Zwitter ein.
ט אשר יקלל את אביו ואת אמו אין לי אלא אביו ואמו אביו שלא אמו אמו שלא אביו מניין ת"ל אביו ואמו קילל דמיו בו אביו קילל אמו קילל דברי רבי יאשיה
9 <i>Der fluchen wird seinem Vater und seiner Mutter</i>; ich weiß dies also nur von Vater und Mutter, woher dies vom Vater ohne Mutter und von der Mutter ohne Vater? Es heißt: <i>seinem Vater und seiner Mutter fluchte er, Blutschuld lastet auf ihm</i>; seinem Vater fluchte er, seiner Mutter fluchte er — so R. Jošija.
י רבי יונתן אומר משמע שניהן כאחד ומשמע אחד בפני עצמו עד שיפרוט לך הכתוב יחדיו
10 R. Jonathan sagte: [In solchen Fällen] sind sowohl beide zusammen als auch jeder besonders zu verstehen, es sei denn, daß die Schrift ausdrücklich ‘zusammen’ sagt.
יא מות יומת בסקילה אתה אומר בסקילה או אינו אלא באחת מכל מיתות האמורות בתורה נאמר כאן דמיו בו ונאמר להלן (ויקרא כ, יא) דמיהם בם מה להלן בסקילה אף כאן בסקילה
11 <i>Soll getötet werden</i>, durch Steinigung. Du sagst, durch Steinigung, vielleicht ist dem nicht so, sondern durch irgend eine aller anderen in der Tora genannten Todesarten? Hier heißt es: <i>Blutschuld lastet auf ihm</i>, und dort heißt es, <i>Blutschuld lastet auf ihnen</i>, wie dort durch Steinigung, ebenso auch hier durch Steinigung.
יב עונש שמענו אזהרה מניין ת"ל (שמות כב, כז) אלהים לא תקלל וגו' אם היה אביו דיין הרי הוא בכלל אלהים לא תקלל ואם היה אביו נשיא הרי הוא בכלל (שמות כב, כז) ונשיא בעמך לא תאור
12 Wir wissen also die Strafe, wo ist das Verbot zu finden? Es heißt: <i>Gott</i> <i>sollst du nicht fluchen &amp;c.</i>; ist sein Vater Richter, so ist er einbegriffen unter: <i>Gott sollst du nicht fluchen</i>, ist sein Vater Fürst, so ist er einbegriffen unter: <i>und einem Fürsten in deinem Volke sollst du nicht fluchen</i>.
יג אינו לא דיין ולא נשיא מניין אמרת הרי אתה דן בנין אב משניהן לא ראי נשיא כראי דיין ולא ראי דיין כראי נשיא
13 Woher dies von dem Falle, wenn er weder Richter noch Fürst ist? Ich will dir sagen: von diesen beiden ist eine Hauptnorm zu entnehmen. Die Eigenheit des Fürsten gleicht nicht der Eigenheit des Richters und die Eigenheit des Richters gleicht nicht der Eigenheit des Fürsten.
יד לא ראי דיין כראי נשיא שהרי דיין אתה מצווה על הוראתו כראי נשיא שאי אתה מצווה על הוראתו ולא ראי נשיא כראי דיין שהנשיא אתה מצווה על המראתו כראי דיין שאי אתה מצווה על המראתו
14 Die Eigenheit des Richters gleicht nicht der Eigenheit des Fürsten, denn man ist verpflichtet, auf die Entscheidung des Richters zu hören, und man ist nicht verpflichtet, auf die Entscheidung des Fürsten zu hören; die Eigenheit des Fürsten gleicht nicht der Eigenheit des Richters, denn die Widersetzlichkeit gegen den Fürsten ist verboten, und die Widersetzlichkeit gegen den Richter ist nicht verboten;
טו הצד השוה שבהם שהן בעמך ואתה מוזהר על קללתן אף אני אביא אביך שבעמך ואתה מוזהר על קללתו
15 das Gemeinsame bei beiden ist: sie gehören zu deinem Volke und es ist dir verboten, ihnen zu fluchen, somit ist auch der Vater einbegriffen, denn auch er gehört zu deinem Volke und es ist dir verboten, ihm zu fluchen. —
טז מה להצד השוה שבהן שכן גדולתן גרמה להן
16 Aber das Gemeinsame bei ihnen ist ja, daß ihre Würde dies veranlaßt!? —
יז ת"ל (ויקרא יט, יד) לא תקלל חרש באומללים שבעמך הכתוב מדבר
17 Es heißt: <i>du sollst keinem Tauben fluchen</i>; die Schrift spricht also auch von den Armseligen in deinem Volke.
יח מה לחרש שכן חרישתו גרמה לו
18 [Wollte man erwidern:] beim Tauben veranlasse dies seine Taubheit,
יט נשיא ודיין יוכיחו מה לנשיא ודיין שכן גדולתן גרמה להן חרש יוכיח
19 so beweisen Fürst und Richter das Entgegengesetzte, [und wollte man erwidern:] beim Fürsten und beim Richter veranlasse dies ihre Würde, so beweist der Taube [das Entgegengesetzte].
כ וחזר הדין לא ראי זה כראי זה ולא ראי זה כראי זה הצד השוה שבהן שהן בעמך ואתה מוזהר על קללתן אף אני אביא אביך שבעמך ואתה מוזהר על קללתו
20 Die Replikation wiederholt sich: die Eigenheit des einen gleicht nicht der Eigenheit des anderen und die Eigenheit des anderen gleicht nicht der Eigenheit des einen; das Gemeinsame bei ihnen ist, daß sie zu deinem Volke gehören und es dir verboten ist, ihnen zu fluchen, somit schließe man auch den Vater ein, der ebenfalls zu deinem Volke gehört und dem zu fluchen dir verboten ist. —
כא מה לצד השוה שבהן שכן משונין
21 Vielleicht ist aber das Gemeinsame bei ihnen, daß sie anders sind [als jeder andere]!? —
כב אלא א"כ נכתוב קרא או אלהים וחרש או נשיא וחרש אלהים למה לי אם אינו ענין לגופו תנהו ענין לאביו
22 Die Schrift könnte dies ja lehren entweder von Gott und einem Tauben oder von einem Fürsten und einem Tauben, wozu heißt es nun ‘Gott’? Da dies an und für sich nicht nötig ist, so beziehe man es auf [das Fluchen eines] Vaters. —
כג הניחא למאן דאמר אלהים חול אלא למאן דאמר קודש מאי איכא למימר
23 Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, ‘Gott’ sei hier profan, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, es sei heilig!?
כד דתניא אלהים חול דברי רבי ישמעאל רבי עקיבא אומר אלהים קודש ותניא רבי אליעזר בן יעקב אומר אזהרה למברך את השם מניין תלמוד לומר אלהים לא תקלל
24 Es wird nämlich gelehrt: Das [Wort] ‘Gott’ ist profan — so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, es sei heilig. Ferner wird gelehrt: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: Wo finden wir das Verbot, dem Namen Gottes zu fluchen? Es heißt: <i>Gott sollst du nicht fluchen</i>.
כה למ"ד אלהים חול גמר קודש מחול למ"ד אלהים קודש גמרינן חול מקודש
25 Einleuchtend ist es also nach demjenigen, welcher sagt, ‘Gott’ sei profan, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, es sei heilig!? — Derjenige, nach dem ‘Gott’ profan ist, folgert dies vom Profanen auf das Heilige,
כו בשלמא למ"ד אלהים חול גמר קודש מחול אלא למ"ד אלהים קודש גמר חול מקודש דילמא אקודש אזהר אחול לא אזהר
26 und derjenige, nach dem ‘Gott’ heilig ist, folgert dies vom Heiligen auf das Profane. — Allerdings kann man nach demjenigen, welcher sagt, ‘Gott’ sei profan, dies vom Profanen auf das Heilige folgern, wieso aber kann man nach demjenigen, welcher sagt, ‘Gott’ sei heilig, vom Heiligen auf das Profane folgern, vielleicht erstreckt sich das Verbot nur auf das Heilige und nicht auf das Profane? —
כז א"כ לכתוב קרא לא תקל
27 Es könnte ja teqal heißen,