Sanhedrin 145

Kapitel 145

א <big><strong>מתני׳</strong></big> ואלו הן שמצילין אותן בנפשן הרודף אחר חבירו להרגו ואחר הזכר ואחר הנערה המאורסה אבל הרודף אחר בהמה והמחלל את השבת ועובד עבודת כוכבים אין מצילין אותן בנפשן:
1 <b>F</b><small>OLGENDE HALTE</small><small>MAN MIT IHREM</small> L<small>EBEN ZURÜCK</small>: <small>WER JEMAND VERFOLGT</small>, <small>UM IHN ZU TÖTEN</small>, <small>UND WER EINE MÄNNLICHE</small> P<small>ERSON ODER EIN VERLOBTES</small> M<small>ÄDCHEN VERFOLGT</small>. W<small>ER ABER EINEM</small> T<small>IERE NACHLÄUFT</small>, <small>ODER IM</small> B<small>EGRIFF IST</small>, <small>DEN</small> Š<small>ABBATH ZU ENTWEIHEN ODER</small> G<small>ÖTZENDIENST ZU TREIBEN</small>, <small>DEN DARF MAN NICHT DURCH SEIN</small> L<small>EBEN ZURÜCKHALTEN</small>.
ב <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר מניין לרודף אחר חבירו להרגו שניתן להצילו בנפשו ת"ל (ויקרא יט, טז) לא תעמוד על דם רעך והא להכי הוא דאתא האי מיבעי ליה לכדתניא מניין לרואה את חבירו שהוא טובע בנהר או חיה גוררתו או לסטין באין עליו שהוא חייב להצילו ת"ל לא תעמוד על דם רעך אין ה"נ
2 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Woher, daß man den, der seinen Genossen verfolgt, um ihn zu töten, mit seinem Leben zurückhalten dürfe? Es heißt: <i>du sollst nicht neben dem Blute deines Nächsten stehen</i>. – Deutet denn dieser Schriftvers hierauf, er ist ja für folgende Lehre zu verwenden: Woher, daß, wenn jemand seinen Nächsten in einem Flusse ertrinken sieht, oder daß ein wildes Tier ihn wegschleppt, oder daß Räuber ihn überfallen, er verpflichtet ist, ihn zu retten? Es heißt: <i>du sollst nicht neben dem Blute deines Nächsten stehen</i>!? – Dem ist auch so. –
ג ואלא ניתן להצילו בנפשו מנלן אתיא בקל וחומר מנערה המאורסה מה נערה המאורסה שלא בא אלא לפוגמה אמרה תורה ניתן להצילה בנפשו רודף אחר חבירו להרגו על אחת כמה וכמה
3 Woher nun, daß man einen mit seinem Leben zurückhalten dürfe? – Man folgere dies [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere, von der Verlobten: wenn die Tora von der Verlobten, wenn jemand sie nur bemakeln will, gesagt hat, daß man sie mit seinem Leben rette, um wieviel mehr gilt dies von dem, der seinen Nächsten verfolgt, um ihn zu töten. –
ד וכי עונשין מן הדין דבי רבי תנא הקישא הוא (דברים כב, כו) כי כאשר יקום איש על רעהו ורצחו נפש וכי מה למדנו מרוצח
4 Kann denn eine Strafe durch einen Schluß [vom Leichteren auf das Schwerere] gefolgert werden!? – In der Schule Rabbis wurde gelehrt, dies sei durch eine Vergleichung zu folgern: <i>Dies ist ebenso, wie wenn einer seinen Nächsten überfällt und ermordet</i>; was soll hierbei der Vergleich mit dem Morde?
ה מעתה הרי זה בא ללמד ונמצא למד מקיש רוצח לנערה המאורסה מה נערה המאורסה ניתן להצילה בנפשו אף רוצח ניתן להצילו בנפשו
5 Was lehren sollte, lernt auch. Man vergleiche den Mord mit [der Notzucht] einer Verlobten: wie man die Verlobte mit dem Leben [des Notzüchters] rette, ebenso rette man den [Überfallenen mit dem Leben des] Mörders. –
ו ונערה מאורסה גופה מנלן כדתנא דבי ר' ישמעאל דתנא דבי רבי ישמעאל (דברים כב, כז) ואין מושיע לה הא יש מושיע לה בכל דבר שיכול להושיע
6 Woher dies von der Verlobten selber? – Nach einer Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: <i>Ohne daß ihr jemand zuhilfe gekommen ist</i>, wenn ihr aber jemand zu Hilfe kommen will, so tue er dies, wodurch er nur kann.
ז גופא מניין לרואה את חברו שהוא טובע בנהר או חיה גוררתו או לסטין באין עליו שהוא חייב להצילו ת"ל לא תעמוד על דם רעך והא מהכא נפקא מהתם נפקא אבדת גופו מניין ת"ל והשבותו לו
7 Der Text. Woher, daß wenn jemand seinen Nächsten in einem Flusse ertrinken sieht, oder daß ein wildes Tier ihn wegschleppt, oder daß Räuber ihn überfallen, er verpflichtet ist, ihn zu retten? Es heißt: <i>du sollst nicht neben dem Blute deines Nächsten stehen</i>. Wird dies denn hieraus entnommen, dies wird ja aus folgendem entnommen: Woher dies vom Verluste seiner Person? Es heißt: <i>und sollst ihm zurückgeben</i>!? –
ח אי מהתם הוה אמינא ה"מ בנפשיה אבל מיטרח ומיגר אגורי אימא לא קמ"ל
8 Hieraus könnte man nur entnehmen, daß man dies persönlich tue, nicht aber, daß man sich bemühe und andere herbeischaffe, so lehrt er uns.
ט תנו רבנן אחד הרודף אחר חבירו להרגו ואחר הזכר ואחר נערה המאורסה ואחר חייבי מיתות ב"ד ואחר חייבי כריתות מצילין אותן בנפשו אלמנה לכהן גדול גרושה וחלוצה לכהן הדיוט אין מצילין אותן בנפשו
9 Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand seinen Nächsten verfolgt, um ihn zu töten, oder eine männliche Person, oder ein verlobtes Mädchen, oder [eine Frau, und auf die Beschlafung der Tod] durch das Gericht oder die Ausrottungsstrafe gesetzt ist, so halte man ihn mit seinem Leben zurück. Verfolgt ein Hochpriester eine Witwe, oder ein gewöhnlicher Priester eine Geschiedene oder Ḥaluça, so halte man ihn nicht mit seinem Leben zurück.
י נעבדה בה עבירה אין מצילין אותה בנפשו יש לה מושיע אין מצילין אותה בנפשו רבי יהודה אומר אף האומרת הניחו לו שלא יהרגנה
10 Ist die Sünde mit ihr bereits verübt worden, so rette man sie nicht mit seinem Leben; ist jemand vorhanden, der ihr zuhilfe kommen wird, so rette man sie nicht mit seinem Leben. R. Jehuda sagt, auch wenn sie ruft: laßt ihn, damit er mich nicht töte. –
יא מנה"מ אמר קרא (דברים כב, כו) ולנערה לא תעשה דבר אין לנערה חטא מות נער זה זכור נערה זו נערה המאורסה חטא אלו חייבי כריתות מות אלו חייבי מיתות ב"ד
11 Woher dies? – Die Schrift sagt: <i>dem Mädchen aber soll man nichts tan, denn das Mädchen hat keine todeswürdige Sünde begangen</i>; [die Schreibart] <i>Knabe</i> deutet auf eine männliche Person, [die Lesart] <i>Mädchen</i> deutet auf ein verlobtes Mädchen, <i>Sünde</i> deutet auf mit der Ausrottungsstrafe belegte Beschlafungen, <i>todeswürdige</i> deutet auf mit dem Tode durch das Gericht belegte Beschlafungen. –
יב כל הני למה לי צריכי דאי כתב רחמנא נער משום דלאו אורחיה אבל נערה דאורחה אימא לא
12 Wozu dies alles? – Dies ist nötig. Würde der Allbarmherzige es nur von einem Knaben geschrieben haben, [so könnte man glauben,] weil [die Beschlafung] desselben widernatürlich ist, nicht aber gelte dies bei einem Mädchen, bei dem dies natürlich ist.
יג ואי כתב רחמנא נערה משום דקא פגים לה אבל נער דלא קא פגים ליה אימא לא
13 Würde der Allbarmherzige es nur von einem Mädchen geschrieben haben, [so könnte man glauben,] weil es bemakelt wird, nicht aber bei einem Knaben, der nicht bemakelt wird.
יד ואי כתב רחמנא הני
14 Würde der Allbarmherzige es nur von diesen geschrieben haben,