Sanhedrin 169

Kapitel 169

א ורבי שמעון האמר כל מלאכה שאינה צריכה לגופה פטור עליה
1 und R. Šimo͑n ist der Ansicht, man sei wegen der unbezweckten Arbeit frei.
ב בעו מיניה מרב ששת בן מהו שיעשה שליח לאביו להכותו ולקללו
2 Man fragte R. Šešeth: Darf ein Sohn als [Gerichts]diener fungieren, um seinen Vater zu geißeln oder gegen ihn den [Bann]fluch auszusprechen?
ג א"ל ואחר מי התירו אלא כבוד שמים עדיף הכא נמי כבוד שמים עדיף
3 Dieser erwiderte: Wer hat dies denn einem Fremden erlaubt? Vielmehr geht die Ehrung Gottes vor, ebenso geht auch hierbei die Ehrung Gottes vor.
ד מיתיבי ומה מי שמצוה להכותו מצוה שלא להכותו מי שאינו מצוה להכותו אינו דין שמצוה שלא להכותו
4 Man wandte ein: Wenn es dem, dem es ihn zu schlagen geboten ist, ihn nicht zu schlagen geboten ist, um wieviel mehr ist es dem, dem es ihn zu schlagen nicht geboten ist, ihn nicht zu schlagen geboten.
ה מאי לאו אידי ואידי במקום מצוה הא בבנו הא באחר
5 Beides wohl in dem Falle, wenn [das Schlagen] vorgeschrieben ist, nur handelt eines von einem Sohne und eines von einem Fremden!? –
ו לא אידי ואידי לא שנא בנו ולא שנא אחר ולא קשיא כאן במקום מצוה כאן שלא במקום מצוה
6 Nein, in beiden Fällen ist es einerlei, ob es ein Sohn ist oder ein Fremder, dennoch ist hier nichts einzuwenden, denn eines gilt von dem Falle, wenn [das Schlagen] Gebot ist, und eines gilt von dem Falle, wenn es kein Gebot ist,
ז והכי קתני ומה במקום מצוה שמצוה להכותו מצוה שלא להכותו שלא במקום מצוה שאינו מצוה להכותו אינו דין שמצוה שלא להכותו
7 und zwar meint er es wie folgt: wenn in einem Falle eines Gebotes, wo es ihn zu schlagen geboten ist, ihn nicht zu schlagen geboten ist, um wieviel mehr ist es in einem Falle, wo es kein Gebot ist, wo es ihn zu schlagen nicht geboten ist, ihn nicht zu schlagen geboten. –
ח תא שמע היוצא ליהרג ובא בנו והכהו וקיללו חייב בא אחר והכהו וקיללו פטור והוינן בה מאי שנא בנו ומאי שנא אחר ואמר רב חסדא במסרבין בו לצאת ואינו יוצא
8 Komm und höre: Wenn jemand zur Hinrichtung hinausgeführt wird, und sein Sohn kommt und ihn schlägt oder ihm flucht, so ist er strafbar; wenn aber ein Fremder kommt und ihn schlägt oder ihm flucht, so ist er frei. Dagegen wandten wir ein, womit denn ein Fremder anders sei als ein Sohn, und R. Ḥisda erklärte, wenn man ihn [zum Hinrichtungsplatz] hinauszugehen drängt, und er nicht gehen will!? –
ט רב ששת מוקי לה בשאין מסרבין בו לצאת
9 R. Šešeth bezieht dies nicht auf den Fall, wenn man ihn [zum Hinrichtungsplatz] hinauszugehen drängt. – Demnach sollte auch ein Fremder [strafbar sein]!? –
י אי הכי אחר נמי אחר גברא קטילא הוא
10 Für einen Fremden gilt er als toter Mann. –
יא והאמר רב ששת ביישו ישן ומת חייב הכא במאי עסקינן בשהכהו הכאה שאין בה שוה פרוטה
11 R. Šešeth sagte ja aber, wer einen Schlafenden beschändet und er stirbt, sei strafbar!? – Hier handelt es sich um den Fall, wenn der Schlag keine Peruṭa wert ist. –
יב והאמר רבי אמי אמר ר' יוחנן הכהו הכאה שאין בה שוה פרוטה לוקה מאי פטור דקאמר פטור מממון
12 Aber R. Ami sagte ja im Namen R. Joḥanans, wenn er ihm einen Schlag versetzt hat, der keine Peruṭa wert ist, werde er dieserhalb gegeißelt!? – Unter ‘frei’ ist zu verstehen, frei von einer Geldbuße. –
יג מכלל דבנו חייב בממון אלא בדינו הכא נמי בדינו
13 Demnach wäre auch bei einem Sohne zu erklären, er sei zu einer Geldbuße verpflichtet!? Du mußt also erklären: peinlich [strafbar], ebenso auch hierbei: peinlich [straffrei]. –
יד אלא אחר היינו טעמא דפטור דאמר קרא (שמות כב, כז) ונשיא בעמך לא תאור בעושה מעשה עמך
14 Vielmehr, ein Fremder ist aus folgendem Grunde frei; die Schrift sagt: <i>einem Fürsten in deinem Volke sollst du nicht flachen</i>, nur wenn er nach den Werken deines Volkes handelt. –
טו התינח קללה הכאה מנלן דמקשינן הכאה לקללה
15 Erklärlich ist dies hinsichtlich des Fluchens, woher dies vom Schlagen? – Wir vergleichen das Schlagen mit dem Fluchen.–
טז אי הכי בנו נמי כדאמר רב פינחס בשעשה תשובה הכא נמי בשעשה תשובה
16 Demnach sollte dies auch von einem Sohne gelten!? – Wie R. Pinḥas erklärt hat, wenn er Buße getan hat, ebenso auch hierbei, wenn er Buße getan hat.
יז אי הכי אחר נמי אמר רב מרי בעמך במקוים שבעמך
17 Demnach sollte dies auch von einem Fremden gelten!? R. Mari erwiderte: <i>In deinem Volke</i>, wenn er in deinem Volke leben kann. –
יח אי הכי בנו נמי
18 Demnach sollte dies auch von seinem Sohne gelten!? –