Sanhedrin 170

Kapitel 170

א מידי דהוה לאחר מיתה
1 Ebenso verhält es sich ja auch nach seinem Tode. –
ב מאי הוה עלה אמר רבה בר רב הונא וכן תנא דבי רבי ישמעאל לכל אין הבן נעשה שליח לאביו להכותו ולקללו חוץ ממסית שהרי אמרה תורה (דברים יג, ט) לא תחמול ולא תכסה עליו:
2 Wie bleibt es damit? Rabba b. R. Hona sagte, und ebenso wurde es in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: In keinem Falle kann ein Sohn [Gerichts]diener werden, um seinen Vater zu geißeln oder über ihn den [Bann]fluch auszusprechen, ausgenommen der Verführer [zum Götzendienste], denn die Tora sagt: <i>du sollst seiner nicht schonen, noch seine Schuld verheimlichen</i>.
ג <big><strong>מתני׳</strong></big> המכה אביו ואמו אינו חייב עד שיעשה בהן חבורה זה חומר במקלל מבמכה שהמקלל לאחר מיתה חייב והמכה לאחר מיתה פטור:
3 <b>W</b><small>ER</small> V<small>ATER UND</small> M<small>UTTER SCHLÄGT</small>, <small>IST NUR DANN STRAFBAR</small>, <small>WENN ER IHNEN EINE</small> V<small>ERLETZUNG BEIGEBRACHT HAT</small>. I<small>N FOLGENDEM IST DAS</small> F<small>LUCHEN SCHWERER ALS DAS</small> S<small>CHLAGEN</small>: <small>WER IHNEN NACH DEM</small> T<small>ODE FLUCHT</small>, <small>IST STRAFBAR</small>, <small>WER SIE ABER NACH DEM</small> T<small>ODE SCHLÄGT</small>, <small>IST STRAFFREI</small>.
ד <big><strong>גמ'</strong></big> ת"ר (ויקרא כ, ט) אביו ואמו קלל לאחר מיתה שיכול הואיל וחייב במכה וחייב במקלל מה מכה אינו חייב אלא מחיים אף המקלל אינו חייב אלא מחיים
4 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: <i>Seinem Vater und seiner Mutter hat er geflucht</i>, nach dem Tode. Man könnte nämlich folgern: man ist wegen des Schlagens strafbar und man ist wegen des Fluchens strafbar, wie man wegen des Schlagens nur dann strafbar ist, wenn sie leben, ebenso sei man wegen des Fluchens nur dann strafbar, wenn sie leben.
ה ועוד ק"ו ומה מכה שעשה בו שלא בעמך כבעמך לא חייב בו לאחר מיתה מקלל שלא עשה בו שלא בעמך כבעמך אינו דין שלא חייב בו לאחר מיתה
5 Ferner wäre [ein Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn das Schlagen, wobei jeder in deinem Volke als Volksgenosse gilt, nach dem Tode nicht strafbar ist, um wieviel weniger ist das Fluchen, wobei nicht jeder in deinem Volke als Volksgenosse gilt, nach dem Tode strafbar.
ו ת"ל אביו ואמו קלל לאחר מיתה
6 Daher heißt es: <i>seinem Vater und seiner Mutter hat er geflucht</i>, nach dem Tode. –
ז הניחא לר' יונתן דמייתר ליה קרא אביו ואמו אלא לר' יאשיה מאי איכא למימר
7 Einleuchtend ist dies nach R. Jonathan, nach welchem der Schriftvers: <i>seinem Vater und seiner Mutter</i>, überflüssig ist, wie ist es aber nach R. Jošija zu erklären!?
ח דתניא (ויקרא כ, ב) איש איש מה ת"ל איש איש לרבות בת טומטום ואנדרוגינוס אשר יקלל את אביו ואת אמו אין לי אלא אביו ואמו אביו שלא אמו אמו שלא אביו מניין ת"ל אביו ואמו קלל אביו קלל אמו קלל דברי ר' יאשיה
8 Es wird nämlich gelehrt: <i>Mann</i>, wozu heißt es: <i>jeder Mann</i>? Dies schließt die Frau, einen Geschlechtslosen und einen Zwitter ein. <i>Der fluchen wird seinem Vater und seiner Mutter</i>; ich weiß dies also nur von Vater und Mutter, woher dies vom Vater ohne Mutter und von der Mutter ohne Vater? Es heißt: <i>seinem Vater und seiner Mutter fluchte er</i>, seinem Vater fluchte er, seiner Mutter fluchte er – so R. Jošija.
ט ר' יונתן אומר משמע שניהן כאחד ומשמע אחד ואחד בפני עצמו עד שיפרט לך הכתוב יחדיו
9 R. Jonathan sagte: [In solchen Fällen] sind sowohl beide zusammen, als auch jeder besonders zu verstehen, es sei denn, daß die Schrift ausdrücklich ‘zusammen’ sagt.
י מנא ליה נפקא ליה מומקלל אביו ואמו מות יומת
10 Woher weiß er es nun? – Er folgert dies aus: <i>wer Vater und Mutter flucht, soll sterben</i>. – Und jener!? –
יא ואידך ההוא מיבעי ליה לרבות בת טומטום ואנדרוגינוס
11 Hieraus, daß eine Frau, ein Geschlechtsloser und ein Zwitter einbegriffen sind. –
יב ותיפוק ליה מאיש איש דברה תורה כלשון בני אדם
12 Dies geht ja hervor schon aus [den Worten] <i>jeder Mann</i>!? – Die Tora gebraucht die übliche Redeweise der Menschen. –
יג וליתני חומר במכה מבמקלל שהמכה עשה בו שלא בעמך כבעמך משא"כ במקלל קסבר מקשינן הכאה לקללה
13 Sollte er doch auch vom Schlagen lehren, es sei strenger als das Fluchen, denn beim Schlagen gilt jeder in deinem Volkeals Volksgenosse, was beim Fluchen nicht der Fall ist!? – Er ist der Ansicht, man vergleiche das Schlagen mit dem Fluchen.
יד לימא הני תנאי כהני תנאי דתני חדא כותי אתה מצווה על הכאתו ואי אתה מצווה על קללתו ותניא אידך אי אתה מצווה לא על קללתו ולא על הכאתו
14 Es ist anzunehmen, daß diese Tannaím [denselben Streit führen] wie die folgenden Tannaím. Eines lehrt nämlich, der Samaritaner sei im Verbote des Schlagens einbegriffen, nicht aber im Verbote des Fluchens, dagegen lehrt ein Andres, er sei einbegriffen weder im Verbote des Fluchens noch im Verbote des Schlagens.
טו סברוה דכולי עלמא כותים גירי אמת הן מאי לאו בהא קמיפלגי דמר סבר מקשינן הכאה לקללה ומר סבר לא מקשינן הכאה לקללה
15 Sie glaubten, alle seien der Ansicht, die Samaritaner seien wahrhafte Proselyten, somit besteht ihr Streit in folgendem: nach der einen Ansicht vergleiche man das Schlagen mit dem Fluchen und nach der anderen Ansicht vergleiche man nicht das Schlagen mit dem Fluchen. –
טז לא דכ"ע לא מקשינן הכאה לקללה והכא בהא קמיפלגי מר סבר כותים גירי אמת הן ומר סבר כותים גירי אריות הן
16 Nein, alle sind der Ansicht, man vergleiche nicht das Schlagen mit dem Fluchen, vielmehr besteht ihr Streit in folgendem: nach der einen Ansicht sind die Samaritaner wahrhafte Proselyten und nach der andren Ansicht sind die Samaritaner Löwenproselyten. –
יז אי הכי היינו דקתני עלה ושורו כישראל אלא שמע מינה בהיקישא פליגי ש"מ:
17 Wieso wird demnach gelehrt, daß sein Ochs als der eines Jisraéliten gelte!? – Vielmehr ist hieraus zu schließen, daß ihr Streit über die Vergleichung bestehe. Schließe hieraus.
יח <big><strong>מתני'</strong></big> הגונב נפש מישראל אינו חייב עד שיכניסנו לרשותו רבי יהודה אומר עד שיכניסנו לרשותו וישתמש בו שנאמר (דברים כד, ז) והתעמר בו ומכרו הגונב את בנו רבי ישמעאל בנו של ר' יוחנן בן ברוקה מחייב וחכמים פוטרין גנב מי שחציו עבד וחציו בן חורין ר' יהודה מחייב וחכמים פוטרין:
18 <b>W</b><small>ER EINE JISRAÉLITISCHE</small> P<small>ERSON STIEHLT</small>, <small>IST ERST DANN STRAFBAR</small>, <small>WENN ER SIE IN SEINEN</small> B<small>ESITZ GEBRACHT HAT</small>; R. J<small>EHUDA SAGT</small>, <small>WENN ER SIE IN SEINEN</small> B<small>ESITZ GEBRACHT UND SICH IHRER BEDIENT HAT</small>, <small>DENN ES HEISST</small>: <i>und ihn knechtet oder verkauft</i>. W<small>ER SEINEN EIGENEN</small> S<small>OHN STIEHLT IST NACH</small> R. J<small>IŠMA͑ÉL</small>, <small>DEM</small> S<small>OHNE DES</small> R. J<small>OḤANAN B</small>. B<small>EROQA</small>, <small>STRAFBAR</small>, <small>UND NACH DEN</small> W<small>EISEN FREI</small>. W<small>ER EINEN</small> H<small>ALBSKLAVEN STIEHLT IST NACH</small> R. J<small>EHUDA STRAFBAR UND NACH DEN</small> W<small>EISEN FREI</small>.
יט <big><strong>גמ׳</strong></big> ותנא קמא לא בעי עימור א"ר אחא בריה דרבא עימור פחות משוה פרוטה איכא בינייהו
19 GEMARA. Ist denn nach dem ersten Tanna die Knechtung nicht erforderlich? R. Aḥa, Sohn des Raba, erwiderte: Sie streiten über einen Dienst, der weniger als eine Peruṭa wert ist.
כ בעי ר' ירמיה גנבו ומכרו ישן מהו מכר אשה לעוברה מהו יש דרך עימור בכך או אין דרך עימור בכך
20 R. Jirmeja fragte: Wie ist es, wenn er einen Schlafenden gestohlen und verkauft hat; wie ist es, wenn er eine [schwangere] Frau [gestohlen] und das Kind verkauft hat; gilt dies als Knechtung oder gilt dies nicht als Knechtung? –
כא ותיפוק ליה דליכא עימור כלל לא צריכא ישן דזגא עליה אשה דאוקמא באפי זיקא דרך עימור בכך או אין דרך עימור בכך מאי תיקו
21 Es sollte doch schon der Umstand entscheidend sein, daß hierbei gar keine Knechtung erfolgt!? – In dem Falle, wenn er sich auf ihn gestützt hat, oder wenn er die Frau vor einen Windzug gestellt hat; gilt dies als Knechtung oder gilt dies nicht als Knechtung? – Dies bleibt unentschieden.
כב ת"ר (דברים כד, ז) כי ימצא איש גונב נפש מאחיו אין לי אלא איש שגנב אשה מניין ת"ל וגונב איש
22 Die Rabbanan lehrten: <i>Wenn ein Mann dabei angetroffen wird, daß er einen von seinen Brüdern stiehlt</i>; ich weiß dies nur von dem Falle, wenn ein Mann stiehlt, woher dies von einer Frau? Es heißt: <i>wer einen Mann stiehlt</i>.
כג אין לי אלא איש שגנב בין אשה ובין איש ואשה שגנבה איש אשה שגנבה אשה מניין ת"ל ומת הגנב ההוא מכל מקום
23 Ich weiß dies von den Fällen, wenn ein Mann eine Frau oder einen Mann gestohlen hat, oder eine Frau einen Mann, woher dies von dem Falle, wenn eine Frau eine Frau gestohlen hat? Es heißt: <i>so soll der Dieb getötet werden</i>, in jedem Falle.
כד תניא אידך כי ימצא איש גונב נפש מאחיו אחד הגונב את האיש ואחד הגונב את האשה ואחד גר ואחד עבד משוחרר וקטן חייב גנבו ולא מכרו מכרו ועדיין ישנו ברשותו פטור מכרו לאביו או לאחיו או לאחד מן הקרובים חייב הגונב את העבדים פטור
24 Ein Anderes lehrt: <i>Wenn ein Mann dabei angetroffen wird, daß er einen von seinen Brüdern stiehlt</i>; er ist strafbar, einerlei ob er einen Mann gestohlen hat oder eine Frau oder einen Proselyten oder einen freigelassenen Sklaven oder einen Minderjährigen. Hat er ihn gestohlen, aber nicht verkauft, oder auch verkauft, aber [der Gestohlene] befindet sich noch in seinem Gebiete, so ist er straffrei. Hat er ihn an seinen Vater oder an seinen Bruder oder an jemand von seinen Verwandten verkauft, so ist er strafbar. Wer Sklaven stiehlt, ist straffrei.