Sanhedrin 176

Kapitel 176

א בן סורר ומורה שרצו אביו ואמו למחול לו מוחלין לו
1 wenn die Eltern eines mißratenen und widerspenstigen Sohnes ihm verzeihen wollen, so können sie dies;
ב זקן ממרא שרצו בית דינו למחול לו מוחלין לו וכשבאתי אצל חבירי שבדרום על שנים הודו לי על זקן ממרא לא הודו לי כדי שלא ירבו מחלוקת בישראל תיובתא
2 und wenn das Gericht dem sich auflehnenden Gelehrten verzeihen will, so steht es ihm frei. Als ich zu meinen Genossen im Süden kam, pflichteten sie mir hinsichtlich zweier bei, nicht aber hinsichtlich des sich auflehnenden Gelehrten, damit sich keine Streitigkeiten in Jisraél mehren!? – Dies ist eine Widerlegung.
ג תניא אמר רבי יוסי מתחילה לא היו מרבין מחלוקת בישראל אלא בית דין של שבעים ואחד יושבין בלשכת הגזית ושני בתי דינין של עשרים ושלשה אחד יושב על פתח הר הבית ואחד יושב על פתח העזרה ושאר בתי דינין של עשרים ושלשה יושבין בכל עיירות ישראל
3 Es wird gelehrt: R. Jose sagte: Anfangs gab es nicht viel Streitigkeiten in Jisraél, vielmehr saß das große Gericht von einundsiebzig [Richtern] in der Quaderhalle, und von den beiden Gerichten von je dreiundzwanzig [Richtern] saß eines am Eingange des Tempelberges und eines am Eingange des Vorhofs; außerdem saßen in allen Städten Jisraéls Gerichte von je dreiundzwanzig [Richtern].
ד הוצרך הדבר לשאול שואלין מבית דין שבעירן אם שמעו אמרו להן ואם לאו באין לזה שסמוך לעירן אם שמעו אמרו להם ואם לאו באין לזה שעל פתח הר הבית אם שמעו אמרו להם ואם לאו באין לזה שעל פתח העזרה
4 Hatte jemand eine Frage, so wandte er sich an das Gericht seiner Stadt; wenn diese darüber etwas gehört hatten, sagten sie es ihm, wenn aber nicht, so wandten sie sich an das Gericht der benachbarten Stadt. Hatten diese darüber etwas gehört, so sagten sie es, wenn aber nicht, so wandten sie sich an das Gericht am Eingange des Tempelberges. Hatten diese darüber etwas gehört, so sagten sie es, wenn aber nicht, so wandten sie sich an das Gericht am Eingange des Vorhofs.
ה ואומר כך דרשתי וכך דרשו חבירי כך למדתי וכך למדו חבירי אם שמעו אמרו להם ואם לאו אלו ואלו באין ללשכת הגזית ששם יושבין מתמיד של שחר עד תמיד של בין הערבים
5 Sodann sprach er: So erkläre ich es, und so erklären es meine Kollegen; so lehre ich, und so lehren meine Kollegen. Wenn diese darüber etwas gehört hatten, so sagten sie es, wenn aber nicht, so gingen sie alle zusammen nach der Quaderhalle, woselbst [die Richter] vom beständigen Morgenopfer bis zum beständigen Abendopfer saßen,
ו ובשבתות ובימים טובים יושבין בחיל נשאלה שאלה בפניהם אם שמעו אמרו להם ואם לאו עומדין למנין רבו המטמאים טמאו רבו המטהרין טהרו
6 an Šabbathen und Feiertagen saßen sie im Ḥel, und die Frage wurde ihnen vorgetragen. Hatten sie darüber etwas gehört, so sagten sie es, wenn aber nicht, so traten sie zur Abstimmung; stimmte die Mehrheit für unrein, so wurde es als unrein erklärt, stimmte die Mehrheit für rein, so wurde es als rein erklärt.
ז משרבו תלמידי שמאי והלל שלא שמשו כל צרכן רבו מחלוקת בישראל ונעשית תורה כשתי תורות
7 Seitdem sich aber die Schüler Šammajs und Hillels mehrten, die nicht genügend famuliert hatten, mehrte sich Streit in Jisraél, und die Tora ist wie zwei Toroth geworden.
ח משם כותבין ושולחין בכל מקומות כל מי שהוא חכם ושפל ברך ודעת הבריות נוחה הימנו יהא דיין בעירו משם מעלין אותו להר הבית משם לעזרה משם ללשכת הגזית
8 Von da aus sandten sie schriftliche Mitteilung nach allen Orten: Wer weise und bescheiden ist, und mit dem die Leute zufrieden sind, kann Richter in seiner Stadt sein; von da avancierte er [als Richter am Gerichte] des Tempelberges, von dort nach dem Tempelhofe und von dort nach der Quaderhalle.
ט שלחו מתם איזהו בן העולם הבא ענוותן ושפל ברך שייף עייל שייף ונפיק וגריס באורייתא תדירא ולא מחזיק טיבותא לנפשיה יהבו ביה רבנן עינייהון ברב עולא בר אבא:
9 Von dort sandten sie: Der zukünftigen Welt teilhaftig ist, wer demütig und bescheiden ist; der sich bückt beim Hineingehen und sich bückt beim Herauskommen und sich stets mit der Tora befaßt, ohne sich dies zugute zu tun. Da richteten die Rabbanan ihre Augen auf R. U͑la b. Abba.
י חזר לעירו ושנה: ת"ר אינו חייב עד שיעשה כהוראתו או שיורה לאחרים ויעשו כהוראתו
10 W<small>ENN ER NACH SEINER</small> S<small>TADT HEIMKEHRT UND WEITER SO LEHRT</small>. Die Rabbanan lehrten: Er ist nur dann schuldig, wenn er nach seiner Entscheidung verfährt oder anderen entscheidet und diese nach seiner Entscheidung verfahren. –
יא בשלמא יורה לאחרים ויעשו כהוראתו מעיקרא לאו בר קטלא הוא והשתא בר קטלא הוא אלא שיעשה כהוראתו מעיקרא נמי בר קטלא הוא התינח היכא דאורי בחלב ודם דמעיקרא לאו בר קטלא הוא והשתא בר קטלא הוא אלא היכא דאורי בחייבי מיתות ב"ד מעיקרא נמי בר קטלא הוא
11 Einleuchtend ist dies in dem Falle, wenn er anderen entscheidet und sie nach seiner Entscheidung verfahren, denn vorher war [auf seine Handlung] nicht die Todesstrafe gesetzt, nachher aber ist darauf die Todesstrafe gesetzt, wenn aber er selber nach seiner Entscheidung verfährt, war ja schon vorher [auf seine Handlung] die Todesstrafe gesetzt!? Allerdings bei einer Fett und Blut betreffenden Entscheidung, denn vorher war auf seine Handlung nicht die Todesstrafe gesetzt, nachher aber wohl; bei einer Todesstrafsachen betreffenden Handlung aber war ja von vornherein auf seine Handlung die Todesstrafe gesetzt!? –
יב מעיקרא בעי התראה השתא לא בעי התראה
12 Vorher war eine Warnung erforderlich, nachher ist keine Warnung erforderlich. –
יג מסית דלא בעי התראה מאי איכא למימר מעיקרא אי אמר טעמא מקבלינן מיניה השתא אי אמר טעמא לא מקבלינן מיניה:
13 Wie ist es aber beim Verführer zu erklären, bei dem auch vorher keine Warnung erforderlich war!? – Vorher mußte man, wenn er etwas zu seiner Verteidigung vorbrachte, darauf Rücksicht nehmen, nachher aber nicht.
יד <big><strong>מתני׳</strong></big> חומר בדברי סופרים מבדברי תורה האומר אין תפילין כדי לעבור על ד"ת פטור חמש טוטפות להוסיף על דברי סופרים חייב:
14 <b>S</b><small>TRENGER IST ES BEI DEN</small> W<small>ORTEN DER</small> S<small>CHRIFTKUNDIGEN ALS BEI DEN</small> W<small>ORTEN DER</small> T<small>ORA</small>: <small>WENN JEMAND SAGT</small>, <small>ES GEBE KEINE</small> T<small>EPHILLINPFLICHT</small>, <small>UM DIE</small> W<small>ORTE DER</small> T<small>ORA ZU ÜBERTRETEN</small>, <small>SO IST ER FREI</small>, [<small>WENN ER ABER SAGT</small>:] <small>ES SEIEN FÜNF</small> G<small>EHÄUSE</small><small>ERFORDERLICH</small>, <small>UM ZU DEN</small> W<small>ORTEN DER</small> S<small>CHRIFTKUNDIGEN</small><small>HINZUZUFÜGEN</small>, <small>SO IST ER SCHULDIG</small>.
טו <big><strong>גמ׳</strong></big> אמר ר' אלעזר אמר ר' אושעיא אינו חייב אלא על דבר שעיקרו מדברי תורה ופירושו מדברי סופרים ויש בו להוסיף ואם הוסיף גורע ואין לנו אלא תפילין אליבא דרבי יהודה
15 GEMARA. R. Elea͑zar sagte im Namen R. Oša͑jas: Er ist nur wegen eines Gesetzes strafbar, das sich hauptsächlich in der Schrift befindet, von den Schriftkundigen ausgelegt wird und man dazu hinzufügen kann, es aber durch die Hinzufügung vermindert. Wir kennen in dieser Hinsicht nur das Gesetz von den Tephillin nach R. Jehuda. –
טז והאיכא לולב דעיקרו מדברי תורה ופירושו מדברי סופרים ויש בו להוסיף ואם הוסיף גורע
16 Dies ist ja aber auch beim Feststrauße der Fall: das Gesetz selbst befindet sich in der Tora, die Erklärung aber ist von den Schriftkundigen, auch gibt es bei diesem eine Hinzufügung, durch die man es vermindert!? –
יז בלולב מאי סבירא לן אי סבירא לן דלולב אין צריך אגד האי לחודיה קאי והאי לחודיה קאי ואי סבירא לן דצריך אגד גרוע ועומד הוא
17 Nach welcher Ansicht: wenn nach der Ansicht, der Feststrauß brauche nicht zusammengebunden zu sein, so sind ja [die Arten] von einander getrennt, und wenn nach der Ansicht, der Feststrauß müsse zusammengebunden sein, so war er von vornherein untauglich. –
יח והאיכא ציצית דעיקרו מדברי תורה ופירושו מדברי סופרים ויש בו להוסיף ואם הוסיף גורע
18 Dies ist ja aber bei den Çiçith der Fall: das Gesetz selbst befindet sich in der Tora, die Erklärung ist von den Schriftkundigen, auch gibt es bei diesen eine Hinzufügung, durch die man es vermindert!? –
יט בציצית מאי סבירא לן אי סבירא לן דקשר העליון לאו דאורייתא האי לחודיה קאי והאי לחודיה קאי ואי סבירא לן
19 Nach welcher Ansicht: wenn nach der Ansicht, der obere Knoten sei keine Bestimmung der Tora, so sind sie ja von einander getrennt, und wenn nach der Ansicht,