Sanhedrin 45

Kapitel 45

א מתני׳ <big><strong>דיני</strong></big> ממונות בשלשה זה בורר לו אחד וזה בורר לו אחד ושניהן בוררין להן עוד אחד דברי ר"מ וחכמים אומרים שני דיינין בוררין להן עוד אחד
1 <b>G</b>ELDANGELEGENHEITEN <small>WERDEN VOR DREI</small> [R<small>ICHTERN</small>] <small>VERHANDELT</small>: <small>DIESER</small> <small>WÄHLT EINEN, JENER WÄHLT EINEN ANDEREN UND BEIDE ZUSAMMEN WÄHLEN NOCH EINEN – SO</small> R. M<small>EÍR; DIE WEISEN SAGEN, DIE BEIDEN</small> R<small>ICHTER WÄHLEN DEN</small> D<small>RITTEN</small>.
ב זה פוסל דיינו של זה וזה פוסל דיינו של זה דברי ר' מאיר וחכמים אומרים אימתי בזמן שמביא עליהן ראיה שהן קרובין או פסולין אבל אם היו כשרין או מומחין מפי בית דין אינו יכול לפוסלן
2 D<small>IESER KANN DEN VON JENEM GEWÄHLTEN</small> R<small>IGHTER ALS UNZULÄSSIG ABLEHNEN, UND JENER KANN DEN VON DIESEM GEWÄHLTEN</small> R<small>ICHTER ALS UNZULÄSSIG ABLEHNEN – SO</small> R. M<small>EÍR</small>. D<small>IE</small> W<small>EISEN SAGEN, NUR DANN, WENN ER DEN</small> B<small>EWEIS ERBRINGT, DASS ER VERWANDT ODER UNZULÄSSIG IST, WENN ER ABER ZULÄSSIG ODER AUTORISIERT IST, SO KANN ER IHN NICHT ABLEHNEN</small>.
ג זה פוסל עדיו של זה וזה פוסל עדיו של זה דברי רבי מאיר וחכמים אומרים אימתי בזמן שמביא עליהן ראיה שהן קרובין או פסולין אבל אם היו כשרין אינו יכול לפוסלן:
3 D<small>IESER KANN DIE</small> Z<small>EUGEN VON JENEM ALS UNZULÄSSIG ABLEHNEN, UND JENER KANN DIE</small> Z<small>EUGEN VON DIESEM ALS UNZULÄSSIG ABLEHNEN – SO</small> R. M<small>EÍR</small>. D<small>IE</small> W<small>EISEN SAGEN, NUR DANN, WENN ER DEN</small> B<small>EWEIS ERBRINGT, DASS SIE VERWANDT ODER UNZULÄSSIG SIND, WENN SIE ABER ZULÄSSIG SIND, SO KANN ER SIE NICHT ABLEHNEN</small>.
ד <big><strong>גמ׳</strong></big> מאי זה בורר לו אחד וזה בורר לו אחד בתלתא סגי
4 GEMARA. Wozu wählt dieser einen und jener einen, drei [Richter] genügen ja!? –
ה הכי קאמר כשזה בורר לו ב"ד אחד וזה בורר לו ב"ד אחד שניהן בוררין להן עוד אחד
5 Er meint es wie folgt: wenn einer dieses Gerichtskollegium wählt, der andere aber ein anderes Gerichtskollegium, so wählen beide zusammen ein anderes. –
ו ואפילו לוה מצי מעכב והאמר ר' אלעזר לא שנו אלא מלוה אבל לוה כופין אותו ודן בעירו
6 Demnach ist auch der Schuldner abzulehnen berechtigt, dagegen sagt ja R. Elea͑zar, daß dies nur vom Gläubiger gelte, während man den Schuldner zwingen könne, vor dem Gerichte seiner Stadt zu erscheinen!? –
ז כדאמר רבי יוחנן בערכאות שבסוריא שנו הכא נמי בערכאות שבסוריא שנו אבל מומחין לא
7 Wie R. Joḥanan erklärt hat, sie lehren es von den Gerichtsämtern in Syrien, ebenso lehrten sie es auch hier von den Gerichtsämtern in Syrien; dies gilt aber nicht von autorisierten Richtern.
ח רב פפא אמר אפילו תימא מומחין כגון בי דינא דרב הונא ודרב חסדא דקאמר ליה מי קא מטרחנא לך
8 R. Papa erklärte: Du kannst auch sagen, von autorisierten Richtern, jedoch von solchen, wie R. Hona und R. Ḥisda; er kann nämlich sagen, dies mache ihm keine Mühe. –
ט תנן וחכ"א שני דיינין בוררין להן עוד אחד ואי ס"ד כדקאמרינן ב"ד בית דין בתר דפסלי להו אזלו ובררו להו בי דינא אחריני
9 Wir haben gelernt: Die Weisen sagen, die beiden Richter wählen noch einen dritten. Wieso kann nun, wenn du sagst, [das Wählen beziehe sich auf] das Gerichtskollegium, das Gerichtskollegium, nachdem es abgelehnt wurde, ein anderes Gerichtskollegium wählen!?
י ועוד מאי זה בורר לו אחד וזה בורר לו אחד
10 Und wieso heißt es ferner, dieser wähle einen und jener wähle einen anderen!? –
יא אלא ה"ק כשזה בורר לו דיין אחד וזה בורר לו דיין אחד שניהן בוררין להן עוד אחד
11 Vielmehr meint er es wie folgt: dieser wähle einen Richter, jener wähle einen anderen Richter und beide zusammen wählen noch einen. – Weshalb verfahren sie so? –
יב מאי שנא דעבדי הכי אמרי במערבא משמיה דר' זירא מתוך שזה בורר לו דיין אחד וזה בורר לו דיין אחד ושניהן בוררין להן עוד אחד יצא הדין לאמיתו:
12 Im Westen erklärten sie im Namen R. Zeras: dadurch, daß dieser einen wählt, jener einen anderen und beide zusammen einen dritten, geht ein gerechtes Urteil hervor.
יג וחכמים אומרים כו': נימא בדרב יהודה אמר רב קמיפלגי
13 D<small>IE</small> W<small>EISEN SAGEN &amp;C</small>. Es ist anzunehmen, daß sie über die Lehre des R. Jehuda im Namen Rabhs streiten.
יד דאמר רב יהודה אמר רב אין העדים חותמין על השטר אלא א"כ יודעין מי חותם עמהן רבי מאיר לית ליה דרב יהודה אמר רב ורבנן אית להו דרב יהודה אמר רב
14 R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs, Zeugen unterschreiben einen Schein nur dann, wenn sie wissen, wer mit ihnen unterschreibt. R. Meír hält nichts von der Lehre des R. Jehuda im Namen Rabhs, und die Rabbanan halten wohl von der Lehre des R. Jehuda im Namen Rabhs. –
טו לא דכולי עלמא אית להו דרב יהודה אמר רב ודעת הדיינין כ"ע לא פליגי דבעינן כי פליגי דעת בעלי דינין ר"מ סבר דעת בעלי דינין נמי בעינן ורבנן סברי דעת הדיינין בעינן דעת בעלי דינין לא בעינן
15 Nein, alle halten sie von der Lehre des R. Jehuda im Namen Rabhs, und alle sind der Ansicht, die Übereinstimmung der Richter sei erforderlich, sie streiten vielmehr, ob auch die Übereinstimmung der Prozeßführenden erforderlich sei; R. Meír ist der Ansicht, auch die Übereinstimmung der Prozeßführenden sei erforderlich, und die Rabbanan sind der Ansicht, nur die Übereinstimmung der Richter sei erforderlich, nicht aber die Übereinstimmung der Prozeßführenden.
טז גופא אמר רב יהודה אמר רב אין העדים חותמין על השטר כו' תניא נמי הכי כך היו נקיי הדעת שבירושלים עושין לא היו חותמין על השטר אלא א"כ יודעין מי חותם עמהן ולא היו יושבין בדין אלא א"כ יודעין מי יושב עמהן ולא היו נכנסין בסעודה אלא אם כן יודעין מי מיסב עמהן:
16 Der Text. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Zeugen unterschreiben einen Schein nur dann &amp;c. Ebenso wird auch gelehrt: Folgendes war die Gepflogenheit der Sittenreinen in Jerušalem: sie unterschrieben einen Schein nur dann, wenn sie wußten, wer mit ihnen unterschreibt, sie setzten sich zu Gericht nur dann, wenn sie wußten, wer mit ihnen sitzt, und sie setzten sich zur Tafel nur dann, wenn sie wußten, wer mit ihnen speist.
יז זה פוסל דיינו כו': כל כמיניה דפסיל דייני
17 D<small>IESER KANN &amp;C</small>. R<small>ICHTER ALS UNZULÄSSIG ABLEHNEN</small>. Sollte jeder ohne weiteres Richter ablehnen können!?
יח א"ר יוחנן בערכאות שבסוריא שנו אבל מומחים לא
18 R. Joḥanan erwiderte: Sie lehrten dies von den Gerichtsämtern in Syrien, autorisierte Richter aber nicht. –
יט הא מדקתני סיפא וחכ"א אימתי בזמן שמביא ראיה שהן קרובין או פסולין אבל אם היו כשרין או מומחין מפי ב"ד אינו יכול לפוסלן מכלל דר' מאיר מומחין נמי קאמר
19 Wenn er aber im Schlußsatze lehrt, die Weisen sagen, nur dann, wenn er den Beweis erbringt, daß sie verwandt oder unzulässig sind, wenn sie aber zulässig oder vom Gerichte autorisiert sind, könne er sie nicht ablehnen, so ist ja zu entnehmen, daß R. Meír auch von autorisierten spreche!? –
כ ה"ק אבל אם היו כשרין נעשו כמומחין מפי ב"ד ואינו יכול לפוסלן
20 Er meint es wie folgt: wenn sie aber zulässig sind, so ist es ebenso als wären sie vom Gerichte autorisiert, und er kann sie nicht ablehnen. –
כא ת"ש אמרו לו לר"מ לא כל הימנו שפוסל דיין שמומחה לרבים
21 Komm und höre: Sie sprachen zu R. Meír: Es kann nicht jeder ohne weiteres einen für das Publikum autorisierten Richter ablehnen!? –
כב אימא לא כל הימנו שפוסל דיין שהמחוהו רבים עליהם
22 Lies: es kann nicht jeder ohne weiteres einen Richter ablehnen, den das Volk anerkannt hat.
כג תניא נמי הכי לעולם פוסל והולך עד שיקבל עליו ב"ד שמומחה לרבים דברי ר"מ
23 Desgleichen wird auch gelehrt: Er kann mit der Ablehnung fortfahren, bis er endlich ein für das Volk autorisiertes Gericht anerkennen muß – so R. Meír. –
כד והא עדים כמומחין דמי ואמר ר"מ זה פוסל עדיו של זה וזה פוסל עדיו של זה
24 Aber Zeugen gelten ja als autorisiert, dennoch sagt R. Meír, dieser könne die Zeugen von jenem und jener die Zeugen von diesem ablehnen!? –
כה הא איתמר עלה אמר ריש לקיש פה קדוש יאמר דבר זה תני עדו
25 Hierzu wurde ja gelehrt: Reš Laqiš sprach: Ein heiliger Mund sollte dies gesagt haben!? Man lese: den Zeugen. –
כו עדו למאי אילימא לממון רחמנא פסליה אי לשבועה הימוני מהימן כבי תרי
26 Was sollte der [einzelne] Zeuge erwirken, wollte man sagen: eine Verurteilung, so hat ihn ja der Allbarmherzige abgelehnt, wollte man sagen, einen Eid, so ist er ja diesbezüglich ebenso glaubwürdig wie zwei!? –
כז לעולם לממון לא צריכא דקבליה עליה כבי תרי
27 Tatsächlich eine Verurteilung, jedoch in dem Falle, wenn er ihn [zuerst] wie zwei [Zeugen] anerkannt hatte. –
כח מאי קמ"ל דמצי הדר ביה תנינא אמר לו נאמן עלי אבא נאמן עלי אביך נאמנין עלי ג' רועי בקר ר"מ אומר יכול לחזור בו וחכ"א אינו יכול לחזור בו
28 Er lehrt uns somit, daß er zurücktreten kann, und dies haben wir ja bereits gelernt!? Sagt einer: mein Vater ist mir glaubwürdig, oder: dein Vater ist mir glaubwürdig, oder: die drei Rinderhirten sind mir glaubwürdige, so kann er später, wie R. Meír sagt, zurücktreten; die Weisen sagen, er könne nicht zurücktreten.