Sanhedrin 47

Kapitel 47

א בעדים פסולין ודיינין כשרין מיגו דפסלי עדים פסלי נמי דייני סיפא בדיינין פסולין ועדים כשרין דמיגו דפסלי דיינין פסלי נמי עדים
1 von unzulässigen Zeugen und zulässigen Richtern, und da er den Beweis für die Unzulässigkeit der Zeugen erbracht hat, so kann er auch die Richter als unzulässig ablehnen; und der Schlußsatz spricht von unzulässigen Richtern und zulässigen Zeugen, und da er den Beweis für die Unzulässigkeit der Richter erbracht hat, so kann er auch die Zeugen als unzulässig ablehnen.
ב מתקיף לה רבא בשלמא מיגו דפסלי עדים פסלי נמי דייני איכא בי דינא אחרינא אלא מיגו דפסלי דייני פסלי נמי עדים והא עדים תו ליכא
2 Raba wandte ein: Einleuchtend ist es, daß er, wenn er den Beweis für die Unzulässigkeit der Zeugen erbringt, auch die Richter als unzulässig ablehnen kann, denn es gibt ja noch andere Gerichte, wieso aber kann er, wenn er den Beweis für die Unzulässigkeit der Richter erbringt, auch die Zeugen als unzulässig ablehnen, es sind ja weiter keine Zeugen vorhanden!? –
ג לא צריכא דאיכא כת אחרת
3 In dem Falle, wenn noch eine Partie Zeugen vorhanden ist. –
ד הא ליכא כת אחרת מאי הכי נמי דלא מצי פסלי היינו דרב דימי
4 Wenn aber keine andere Partie vorhanden ist, so kann er sie nicht ablehnen, und dies ist ja die Ansicht R. Dimis!? –
ה איכא בינייהו מיגו דמר סבר אמרינן מיגו ומר סבר לא אמרינן מיגו
5 Sie streiten, ob man das ‘da’ berücksichtige; einer ist der Ansicht, man berücksichtige es, und einer ist der Ansicht, man berücksichtige es nicht.
ו גופא אמר ר"ל פה קדוש יאמר דבר זה תני עדו
6 Der Text. Reš Laqiš sagte: Ein heiliger Mund sollte dies gesagt haben!? Man lese: den Zeugen.
ז איני והאמר עולא הרואה את ר"ל בבית המדרש כאילו עוקר הרים וטוחנן זה בזה
7 Dem ist ja aber nicht so, U͑la sagte ja, wenn man Reš Laqiš im Lehrhause sah, [glaubte man,] er entwurzle Berge und zermalme sie aneinander!?
ח אמר רבינא והלא כל הרואה ר"מ בבית המדרש כאילו עוקר הרי הרים וטוחנן זה בזה
8 Rabina erwiderte: Wenn man aber R. Meír im Lehrhause sah, [glaubte man,] er entwurzle Berge über Berge und zermalme sie aneinander.
ט הכי קאמר בא וראה כמה מחבבין זה את זה
9 Er meinte es vielmehr wie folgt: komm und sieh, wie sehr sie einander schätzten.
י כי הא דיתיב רבי וקאמר אסור להטמין את הצונן אמר לפניו ר' ישמעאל בר' יוסי אבא התיר להטמין את הצונן א"ל כבר הורה זקן
10 So saß einst Rabbi und lehrte, man dürfe [am Šabbath] nichts kaltstellen; da sprach R. Jišma͑él b. Jose vor ihm: Mein Vater erlaubte das Kaltstellen. Hierauf sprach jener: Ein Greis hat dies bereits entschieden.
יא אמר רב פפא בא וראה כמה מחבבין זה את זה דאילו רבי יוסי קיים היה כפוף ויושב לפני רבי דהא ר' ישמעאל בר' יוסי ממלא מקום אבותיו הוה והיה כפוף ויושב לפני רבי וקא אמר כבר הורה זקן
11 R. Papa sprach: Komm und sieh, wie sehr sie einander schätzten, als R. Jose noch lebte, saß er vor Rabbi gebückt, denn R. Jišma͑él b. Jose war Amtsnachfolger seiner Vorfahren und saß vor Rabbi gebückt, dennoch sagte dieser über ihn: ein Greis hat es bereits entschieden.
יב א"ר אושעיא מאי דכתיב (זכריה יא, ז) ואקח לי (את) שני מקלות לאחד קראתי נועם ולאחד קראתי חובלים נועם אלו ת"ח שבארץ ישראל שמנעימין זה לזה בהלכה חובלים אלו ת"ח שבבבל שמחבלים זה לזה בהלכה
12 R. Osa͑ja sagte: Es heißt: <i>da nahm ich mir zwei Stäbe, den einen nannte ich Milde und den anderen nannte ich Verletzung</i>. Milde, das sind die Schriftgelehrten im Jisraéllande, die bei [der Erörterung] der Halakha milde gegen einander sind; Verletzung, das sind die Schriftgelehrten in Babylonien, die bei [der Erörterung] der Halakha einander verletzen.
יג (זכריה יא, יג) ויאמר (אלי) אלה [שני] בני היצהר העומדים וגו' ושנים זיתים עליה יצהר אמר רבי יצחק אלו ת"ח שבא"י שנוחין זה לזה בהלכה כשמן זית ושנים זיתים עליה אלו ת"ח שבבבל שמרורין זה לזה בהלכה כזית
13 <i>Da sprach er zu mir: Das sind die beiden Söhne des mit Öl [Gesalbten], die da stehen &amp;c. Öl</i>, das sind, wie R. Jiçḥaq erklärte, die Schriftgelehrten im Jisraéllande, die sanft zu einander sind, wie das Olivenöl. <i>Und daneben zwei Olivenbäume</i>, das sind die Schriftgelehrten in Babylonien, die bei [der Erörterung] der Halakha einander verbittern wie eine Olive.
יד (זכריה ה, ט) ואשא עיני וארא והנה שתים נשים יוצאות ורוח בכנפיהם ולהנה כנפים ככנפי החסידה ותשאנה האיפה בין השמים ובין הארץ ואומר אל המלאך הדובר בי אנה המה מוליכות את האיפה ויאמר אלי לבנות לה בית בארץ שנער א"ר יוחנן משום רבי שמעון בן יוחי זו חנופה וגסות הרוח שירדו לבבל
14 <i>Ich erhob meine Augen und sah zwei Weiber hervorkommen, und der Wind blies in ihre Flügel, sie hatten nämlich Flügel wie die Storchenflügel, und sie hoben das Epha zwischen Himmel und Erde empor. Da fragte ich den Engel, der mit mir redete: Wohin bringen sie das Epha? Er antwortete mir: Um ihr</i> <i>eine Wohnung im Lande Šinea͑r zu bereiten</i>. R. Joḥanan erklärte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Das sind die Heuchelei und der Hochmut, die sich in Babel niederließen. –
טו וגסות הרוח לבבל נחית והאמר מר עשרה קבין גסות ירדו לעולם תשעה נטלה עילם ואחת כל העולם כולו
15 Ließ sich denn der Hochmut in Babel nieder, der Meister sagte ja, daß von den zehn Kab Hochmut, der über die Welt kam, neun E͑lam und einen die ganze Welt erhielt!? –
טז אין לבבל נחית ואישתרבובי דאישתרבב לעילם דיקא נמי דכתיב לבנות לה בית בארץ שנער ש"מ
16 Allerdings, zuerst ließ er sich in Babel nieder, und allmählich breitete er sich über E͑lam aus. Dies ist ja auch zu beweisen, denn es heißt: <i>um ihr</i> <i>eine Wohnung im Lande Šinea͑r zu bauen</i>; schließe hieraus. –
יז והאמר מר סימן לגסות הרוח עניות ועניות לבבל נחית מאי עניות עניות תורה דכתיב (שיר השירים ח, ח) אחות לנו קטנה ושדים אין לה אמר ר' יוחנן זו עילם שזכתה ללמוד ולא זכתה ללמד
17 Der Meister sagte ja aber, Armut sei ein Zeichen des Hochmutes, und die Armut ließ sich ja in Babel nieder!? – Unter Armut ist die Armut in der Tora zu verstehen, denn es heißt: <i>wir haben eine kleine Schwester, noch ohne Brüste</i>, und R. Joḥanan erklärte, dies sei E͑lam, dem es beschieden war zu lernen, nicht aber zu lehren. –
יח מאי בבל א"ר יוחנן בלולה במקרא בלולה במשנה בלולה בתלמוד (איכה ג, ו) במחשכים הושיבני כמתי עולם אמר ר' ירמיה זה תלמודה של בבל:
18 Was bedeutet [der Name] Babel? R. Joḥanan erwiderte: Vermengt [balul] mit der Schrift, vermengt mit der Mišna und vermengt mit dem Talmud. <i>Er hat mich in Finsternis versetzt, wie ewig Tote</i>, R. Jirmeja erklärte, daß sei die babylonische Lehrweise.
יט <big><strong>מתני׳</strong></big> אמר לו נאמן עלי אבא נאמן עלי אביך נאמנים עלי שלשה רועי בקר ר"מ אומר יכול לחזור בו וחכמים אומרים אינו יכול לחזור בו
19 <b>S</b><small>AGTE EINER</small>: <small>MEIN</small> V<small>ATER IST MIR GLAUBWÜRDIG, DEIN</small> V<small>ATER IST MIR GLAUBWÜRDIG, JENE DREI</small> H<small>IRTEN SIND MIR GLAUBWÜRDIG</small>, <small>SO KANN ER, WIE</small> R. M<small>EÍR SAGT, ZURÜCKTRETEN; DIE</small> W<small>EISEN SAGEN, ER KÖNNE NICHT MEHR ZURÜCKTRETEN</small>.
כ היה חייב לחבירו שבועה ואמר לו דור לי בחיי ראשך ר"מ אומר יכול לחזור בו וחכ"א אין יכול לחזור בו:
20 W<small>ENN JEMAND SEINEM</small> N<small>ÄCHSTEN EINEN</small> E<small>ID SCHULDET, UND DIESER ZU IHM SAGT: BETEURE ES MIR BEI DEINEM</small> L<small>EBEN</small>, <small>SO KANN ER, WIE</small> R. M<small>EÍR SAGT, ZURÜCKTRETEN; DIE</small> W<small>EISEN SAGEN, ER KÖNNE NICHT MEHR ZURÜCKTRETEN</small>.
כא <big><strong>גמ׳</strong></big> אמר רב דימי בריה דרב נחמן בריה דרב יוסף כגון דקבליה עליה בחד
21 GEMARA. R. Dimi, Sohn des R. Neḥemja, des Sohnes R. Josephs, erklärte: Wenn er ihn als einen anerkannt hat.
כב אמר רב יהודה אמר שמואל מחלוקת במחול לך אבל באתן לך דברי הכל יכול לחזור בו ורבי יוחנן אמר באתן לך מחלוקת
22 R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Der Streit besteht nur über einen Verzicht, bei einem Zugeständnisse aber stimmen alle überein, daß er zurücktreten kann. R. Joḥanan aber sagte, der Streit bestehe über ein Zugeständnis.
כג איבעיא להו באתן לך מחלוקת אבל במחול לך דברי הכל אין יכול לחזור בו או דילמא בין בזו ובין בזו מחלוקת
23 Sie fragten: Besteht der Streit nur über ein Zugeständnis, während bei einem Verzichte alle übereinstimmen, daß er nicht mehr zurücktreten kann, oder besteht der Streit über beides? –
כד תא שמע דאמר רבא מחלוקת באתן לך אבל במחול לך דברי הכל אין יכול לחזור בו
24 Komm und höre: Raba sagte, der Streit bestehe nur über ein Zugeständnis, während bei einem Verzichte alle übereinstimmen, daß er nicht mehr zurücktreten kann.
כה אי אמרת בשלמא באתן לך מחלוקת אבל במחול לך דברי הכל אין יכול לחזור בו רבא דאמר כרבי יוחנן אלא אי אמרת בין בזו ובין בזו מחלוקת רבא דאמר כמאן
25 Einleuchtend ist es nun, wenn du sagst, der Streit bestehe nur über ein Zugeständnis, während bei einem Verzichte alle übereinstimmen, daß er nicht mehr zurücktreten kann, denn Raba ist demnach der Ansicht R. Joḥanans; wessen Ansicht ist aber Raba, wenn du sagst, der Streit bestehe über beides!? –
כו רבא טעמא דנפשיה קאמר
26 Raba hat seine eigene Ansicht.
כז איתיביה רב אחא בר תחליפא לרבא היה חייב לחבירו שבועה ואמר לו דור לי בחיי ראשך רבי מאיר אומר יכול לחזור בו וחכמים אומרים אין יכול לחזור בו
27 R. Aḥa b. Taḥlipha wandte gegen Raba ein: Wenn jemand seinem Nächsten einen Eid schuldet, und dieser zu ihm sagt: beteure es mir bei deinem Leben, so kann er, wie R. Meír sagt, zurücktreten; die Weisen sagen, er könne nicht mehr zurücktreten.