Sanhedrin 48

Kapitel 48

א מאי לאו באותן הנשבעין ולא משלמין דהוה ליה כמחול לך
1 Dies gilt ja wahrscheinlich von einem Eide des Beklagten, was also einem Verzichte gleicht!? –
ב לא באותן הנשבעין ונוטלין דהוה ליה כאתן לך
2 Nein, von einem Eide des Klägers, was einem Zugeständnisse gleicht. –
ג והא תנא ליה רישא
3 [Vom Zugeständnisse] wird es ja schon im Anfangsatze gelehrt!? –
ד תנא תולה בדעת אחרים ותנא תולה בדעת עצמו
4 Er lehrt es von Fällen, in denen [das Vertrauen] andere betrifft, und von Fällen, in denen [das Vertrauen] ihn selbst betrifft.
ה וצריכא דאי תנא תולה בדעת אחרים בהא קאמר ר' מאיר דמצי הדר ביה משום דלא גמר ומקני דאמר מי יימר דמזכי ליה אבל תולה בדעת עצמו אימא מודי להו לרבנן
5 Und beides ist nötig. Würde er es nur von dem Falle gelehrt haben, in dem [das Vertrauen] andere betrifft, [so könnte man glauben,] nur da sei R. Meír der Ansicht, daß er zurücktreten kann, weil er keinen endgültigen Verzicht leistet, denn er denkt, wer sagt, daß sie zu seinen Gunsten entscheiden werden, während er in einem Falle, wo das Vertrauen ihn selbst betrifft, den Rabbanan beipflichte.
ו ואי אשמעינן בהא בהא קאמרי רבנן אבל בההיא אימא מודו ליה רבנן לר' מאיר צריכא
6 Und würde er es nur von diesem Falle gelehrt haben, [so könnte man glauben,] nur in diesem Falle vertreten die Rabbanan ihre Ansicht, während sie in jenem Falle R. Meír beipflichten. Daher ist beides nötig.
ז אמר ריש לקיש מחלוקת לפני גמר דין אבל לאחר גמר דין דברי הכל אין יכול לחזור בו ור' יוחנן אמר לאחר גמר דין מחלוקת
7 Reš Laqiš sagte, der Streit bestehe nur über den Fall, wenn dies vor Schluß der Verhandlung erfolgt, wenn aber nach Schluß der Verhandlung, so stimmen alle überein, daß er nicht mehr zurücktreten könne; R. Joḥanan aber sagte, der Streit bestehe über den Fall, wenn nach Schluß der Verhandlung.
ח איבעיא להו לאחר גמר דין מחלוקת אבל לפני גמר דין דברי הכל יכול לחזור בו או דילמא בין בזו ובין בזו מחלוקת
8 Sie fragten: Besteht der Streit nur über den Fall, wenn nach Schluß der Verhandlung, wenn aber vor Schluß der Verhandlung, stimmen alle überein, daß er zurücktreten kann, oder besteht der Streit über beides? –
ט ת"ש דאמר רבא קיבל עליו קרוב או פסול לפני גמר דין יכול לחזור בו לאחר גמר דין אין יכול לחזור בו
9 Komm und höre: Raba sagte, wer einen Verwandten oder einen Unzulässigen anerkannt hat, könne vor Schluß der Verhandlung zurücktreten, nicht aber nach Schluß der Verhandlung.
י אי אמרת בשלמא לאחר גמר דין מחלוקת אבל לפני גמר דין ד"ה יכול לחזור בו רבא דאמר כרבי יוחנן ואליבא דרבנן אלא אי אמרת בין בזו בין בזו מחלוקת רבא דאמר כמאן
10 Einleuchtend ist dies nun, wenn du sagst, der Streit bestehe über den Fall, wenn nach Schluß der Verhandlung, wenn aber vor Schluß der Verhandlung, stimmen alle überein, daß er zurücktreten kann, Raba ist demnach der Ansicht R. Joḥanans, nach den Rabbanan; wessen Ansicht ist aber Raba, wenn du sagst, der Streit bestehe über beides!?
יא אלא לאו ש"מ לאחר גמר דין מחלוקת ש"מ
11 Hieraus ist also zu schließen, daß der Streit über den Fall besteht, wenn es nach der Verhandlung erfolgt. Schließe hieraus.
יב שלח ליה רב נחמן בר רב (חסדא) לרב נחמן בר יעקב ילמדנו רבינו לפני גמר דין מחלוקת או לאחר גמר דין מחלוקת והלכה כדברי מי שלח ליה לאחר גמר דין מחלוקת והלכה כדברי חכמים
12 R. Naḥman b. R. Ḥisda ließ R. Naḥman b. Ja͑qob sagen: Lehre uns der Meister, ob der Streit über den Fall besteht, wenn vor Schluß der Verhandlung, oder wenn nach Schluß der Verhandlung, und nach wem die Halakha zu entscheiden ist? Er ließ ihm antworten: Der Streit besteht über den Fall, wenn nach Schluß der Verhandlung, und die Halakha ist nach den Weisen zu entscheiden.
יג רב אשי אמר הכי שלח ליה באתן לך מחלוקת או במחול לך מחלוקת והלכה כדברי מי שלח ליה באתן לך מחלוקת והלכה כדברי חכמים
13 R. Aši sagte, er ließ wie folgt fragen: Besteht der Streit über das Zugeständnis oder über den Verzicht, und nach wem ist die Halakha zu entscheiden. Und er ließ ihm antworten: Der Streit besteht über das Zugeständnis, und die Halakha ist nach den Weisen zu entscheiden.
יד בסורא מתני הכי בפומבדיתא מתני הכי א"ר חנינא בר שלמיה שלחו ליה מבי רב לשמואל ילמדנו רבינו לפני גמר דין וקנו מידו מאי שלח להו אין לאחר קניין כלום:
14 So lehrten sie es in Sura, in Pumbeditha lehrten sie es wie folgt: R. Ḥanina b. Šelemja sagte: Aus der Schule Rabhs ließen sie Šemuél fragen: Lehre uns der Meister, wie es denn sei, wenn es vor Schluß der Verhandlung erfolgt ist, aber er vollständigen Verzicht geleistet hat? Dieser ließ ihnen antworten: Nach der Verzichtleistung gibt es kein [Zurücktreten] mehr.
טו <big><strong>מתני׳</strong></big> ואלו הן הפסולין המשחק בקובי' והמלוה בריבית ומפריחי יונים וסוחרי שביעית
15 <b>F</b><small>OLGENDE SIND UNZULÄSSIG</small>: G<small>LÜCKSSPIELER</small>, W<small>UCHERER, DIE</small> T<small>AUBEN FLIEGEN LASSEN, UND DIE MIT</small> [E<small>RZEUGNISSEN</small>] <small>DES</small> S<small>IEBENTJAHRES HANDELN</small>.
טז אמר רבי שמעון בתחילה היו קורין אותן אוספי שביעית משרבו האנסין חזרו לקרותן סוחרי שביעית
16 R. Š<small>IMO͑N SAGTE</small>: F<small>RÜHER NANNTE MAN SIE</small> S<small>IEBENTJAHRSFRUCHT</small>-S<small>AMMLER, ALS ABER DIE</small> Z<small>WINGHERREN SICH MEHRTEN, BENANNTE MAN SIE</small> S<small>IEBENTJAHRSFRUCHT</small>-H<small>ÄNDLER</small>.
יז א"ר יהודה אימתי בזמן שאין להן אומנות אלא הוא אבל יש להן אומנות שלא הוא כשרין:
17 R. J<small>EHUDA SAGTE</small>: N<small>UR DANN, WENN SIE WEITER KEINEN ANDEREN</small> B<small>ERUF HABEN, HABEN SIE ABER NOCH EINEN ANDEREN</small> B<small>ERUF, SO SIND SIE ZULÄSSIG</small>.
יח <big><strong>גמ׳</strong></big> משחק בקוביא מאי קא עביד אמר רמי בר חמא משום דהוה אסמכתא ואסמכתא לא קניא
18 GEMARA. Was [Verbotenes] tut denn der Glücksspieler!? Rami b. Ḥama erwiderte: Weil [beim Spiele] nur eine Zusage erfolgt, und eine Zusage ist nicht bindend.
יט רב ששת אמר כל כי האי גוונא לאו אסמכתא היא אלא לפי שאין עסוקין ביישובו של עולם
19 R. Šešeth sagte: Solches ist keine Zusage, sie sind vielmehr deshalb [unzulässig], weil sie sich nicht mit dem Aufbau der Welt befassen. –
כ מאי בינייהו איכא בינייהו דגמר אומנותא אחריתי
20 Welcher Unterschied besteht zwischen ihnen? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, wenn er noch einen anderen Beruf gelernt hat. –
כא (ותנן) א"ר יהודה אימתי בזמן שאין להן אומנות אלא הוא אבל יש להן אומנות שלא הוא (הרי זה) כשרים אלמא טעמא דמתניתין משום יישובו של עולם הוא קשיא לרמי בר חמא
21 Wir haben gelernt: R. Jehuda sagte: Nur dann, wenn sie weiter keinen anderen Beruf haben, haben sie aber noch einen anderen Beruf, so sind sie zulässig. Demnach ist der Grund unserer Mišna: wegen des Aufbaues der Welt; dies ist also ein Einwand gegen Rami b. Ḥama!?
כב וכי תימא פליגי רבנן עליה דר' יהודה והא"ר יהושע בן לוי כל מקום שא"ר יהודה
22 Wolltest du entgegnen, die Rabbanan streiten gegen R. Jehuda, so sagte ja R. Jehošua͑ b. Levi, daß überall, wo R. Jehuda in einer Mišna