Sanhedrin 52

Kapitel 52

א אמרו ליה משירייתך היכא אמר הדרו בי אמרו ליה אם כן אחוכי קא מחייכת בן נקבוהו בעקביו ותלאוהו בזנבי סוסיהם והיו מגררין אותו על הקוצים ועל הברקנין
1 Jene fragten ihn: Wo sind deine Leute? Da erwiderte er: Sie traten zurück. Da sprachen sie: Du verspottest ihn also! Hierauf durchlochten sie ihm die Fersen, banden ihn an die Schwänze ihrer Pferde und schleiften ihn über Dornen und Stacheln.
ב אמר רבי אלעזר שבנא בעל הנאה היה כתיב הכא (ישעיהו כב, טו) לך בא אל הסוכן הזה וכתיב התם (מלכים א א, ב) ותהי לו סוכנת
2 R. Elea͑zar sagte: Šebhna war ein Lüstling, denn über ihn heißt es: <i>auf, gehe zu diesem Verwalter</i>, und dort heißt es: <i>sie war ihm eine Verwalterin</i>.
ג (ואומר) (תהלים יא, ג) כי השתות יהרסון צדיק מה פעל רב יהודה ורב עינא חד אמר אילו חזקיה וסיעתו נהרסים צדיק מה פעל וחד אמר אילו בית המקדש יהרס צדיק מה פעל ועולא אמר אילו מחשבותיו של אותו רשע אינן נהרסות צדיק מה פעל
3 Es heißt: <i>wenn die Grundpfeiler eingerissen werden, was hat der Gerechte getan</i>. R. Jehuda und R. E͑na [streiten hierüber]: Einer erklärt: Wenn Ḥizqija und seine Partei niedergerissen werden, was hat der Gerechte getan? Und einer erklärt: Wenn der Tempel niedergerissen wird, was hat der Gerechte getan? U͑la erklärte: Wenn die Gedanken jenes Frevlers nicht niedergerissen wurden, was hat der Gerechte getan? –
ד בשלמא למאן דאמר אילו מחשבותיו של אותו רשע היינו דכתיב כי השתות יהרסון
4 Erklärlich ist der Vers: <i>wenn die Grundpfeiler [šathoth] niedergerissen werden</i>,
ה ולמ"ד בית המקדש נמי דתנן אבן היתה שם מימות נביאים הראשונים ושתייה היתה נקראת
5 nach demjenigen, der erklärt: wenn die Gedanken jenes Frevlers nicht niedergerissen wurden, wie dies aus dem Wortlaute hervorgeht, denn es heißt: <i>David nahm sich [vajašeth] diese Worte zu Herzen</i>. Auch nach demjenigen, der ihn auf den Tempel bezieht, denn wir haben gelernt, daß sich seit den Tagen der ersten Propheten [im Tempel] ein Stein befunden hatte, der ‘Grundstein’ [šethija] genannt wurde.
ו אלא למ"ד חזקיה וסיעתו היכא אשכחן צדיקי דאיקרו שתות
6 Wo finden wir aber, nach demjenigen, der ihn auf Ḥizqija und seine Partei bezieht, daß die Frommen mit ‘šathoth’ bezeichnet werden!? –
ז דכתיב (שמואל א ב, ח) כי לה' מצוקי ארץ וישת עליהם תבל ואיבעית אימא מהכא (ישעיהו כח, כט) הפליא עצה הגדיל תושיה
7 Es heißt: <i>denn des Herrn sind der Erde Säulen, und er setzte auf sie [vajašeth] das Weltall</i>. Wenn du willst, entnehme ich es hieraus: <i>er hegt wunderbaren Plan, eine hohe Einsicht [tušija]</i>.
ח א"ר חנן למה נקרא שמה תושיה מפני שהיא מתשת כחו של אדם דבר אחר תושיה שניתנה בחשאי מפני השטן דבר אחר תושיה דברים של תוהו שהעולם משותת עליהם
8 R. Ḥanan sagte: Weshalb wird [die Tora] ‘tušija’ [Einsicht] genannt? Weil sie die Kraft des Menschen schwächt [matešeth]. Eine andere Erklärung: Tušija, weil sie heimlich [ḥašaj] verliehen wurde, wegen des Satans. Eine andere Erklärung: Tušija, etwas abstraktes, worauf die Welt gestützt ist [tohu-šutath].
ט אמר עולא מחשבה מועלת אפילו לד"ת שנאמר (איוב ה, יב) מפר מחשבות ערומים ולא תעשינה ידיהם תושיה
9 U͑la sagte: [Andere] Gedanken beeinträchtigen das Studium der Tora, denn es heißt: <i>er vereitelt die Gedanken der Listigen, ihre Hände schaffen nichts Einsichtiges</i>.
י אמר רבה אם עסוקין לשמה אינה מועלת שנאמר (משלי יט, כא) רבות מחשבות בלב איש ועצת ה' היא תקום עצה שיש בה דבר ה' היא תקום לעולם:
10 Rabba sagte: Betreffen sie [die Tora] selbst, so beeinträchtigen sie es nicht, denn es heißt: <i>viele Gedanken sind in eines Menschen Herzen, aber der Ratschluß des Herrn, der wird bestehen</i>; der Ratschluß, der das Wort Gottes betrifft, bleibt bestehen.
יא אמר ר' יהודה אימתי: א"ר אבהו א"ר אלעזר הלכה כרבי יהודה
11 R. J<small>EHUDA SAGTE</small>: N<small>UR DANN</small>. R. Abahu sagte im Namen R. Elea͑zars: Die Halakha ist wie R. Jehuda.
יב וא"ר אבהו אמר רבי אלעזר כולן צריכין הכרזה בבית דין
12 Ferner sagte R. Abahu im Namen R. Elea͑zars: Diese alle sind bei Gericht bekannt zu machen.
יג רועה פליגי בה רב אחא ורבינא חד אמר בעי הכרזה וחד אמר לא בעי הכרזה
13 Über den Hirten streiten R. Aḥa und Rabina; einer sagt, er benötige der Bekanntmachung, und einer sagt, er benötige nicht der Bekanntmachung. –
יד בשלמא למ"ד לא בעי הכרזה היינו דאמר רב יהודה אמר רב סתם רועה פסול אלא למ"ד בעי הכרזה מאי סתם רועה פסול
14 Einleuchtend ist nach demjenigen, der sagt, er benötige nicht der Bekanntmachung, die Lehre R. Jehudas im Namen Rabhs, daß nämlich der unbescholtene Hirt unzulässig sei, wieso aber ist der unbescholtene Hirt unzulässig nach demjenigen, welcher sagt, er benötige der Bekanntmachung!? –
טו דבסתמא מכרזינן עליה
15 Man mache ihn bekannt, auch wenn er unbescholten ist.
טז ההיא מתנה דהוו חתימי עלה תרין גזלנין סבר רב פפא בר שמואל לאכשורה דהא לא אכרזינן עלייהו
16 Einst wurde eine Schenkungsurkunde vorgelegt, auf der zwei Räuber [als Zeugen] unterzeichnet waren. R. Papa b. Šemuél wollte [die Urkunde] als gültig erklären, da [die Zeugen] nicht bei Gericht bekannt gemacht worden waren,
יז אמר ליה רבא נהי דבעינן הכרזה בגזלן דרבנן בגזלן דאורייתא מי בעינן הכרזה:
17 da sprach Raba zu ihm: Zugegeben, daß das Bekanntmachen erforderlich ist bei einem, der nur rabbanitisch als Räuber gilt, aber ist es etwa erforderlich bei einem, der nach der Tora als Räuber gilt!?
יח סימן דב"ר ועריו"ת גנ"ב:
18 
יט אמר רב נחמן אוכלי דבר אחר פסולין לעדות
19 R. Naḥman sagte: Wer von jener Sache ißt, ist als Zeuge unzulässig;
כ הני מילי בפרהסיא אבל בצינעה לא ובפרהסיא נמי לא אמרן אלא דאפשר ליה לאיתזוני בצינעה וקא מבזי נפשיה בפרהסיא אבל לא אפשר ליה חיותיה הוא
20 dies jedoch nur dann, wenn er es öffentlich tut, nicht aber, wenn heimlich; und auch wenn öffentlich, nur dann, wenn er es heimlich tun kann und sich öffentlich der Schande preisgibt, ist es ihm aber anders nicht möglich, so ist dies ja sein Lebensunterhalt.
כא אמר רב נחמן החשוד על העריות כשר לעדות אמר רב ששת עני מרי ארבעין בכתפיה וכשר
21 R. Naḥman sagte: Wer der Unzucht verdächtig ist, ist als Zeuge zulässig. R. Šešeth sprach: Sage doch, Meister, die vierzig auf seiner Schulter, und er ist zulässig!?
כב אמר רבא ומודה רב נחמן לענין עדות אשה שהוא פסול אמר רבינא ואיתימא רב פפא לא אמרן אלא לאפוקה אבל לעיולה לית לן בה
22 Raba sagte: R. Naḥman pflichtet jedoch bei, daß er in Ehesachen unzulässig ist. Rabina, nach anderen R. Papa, sagte: Nicht, um sie als ledig zu erklären, wohl aber um sie als verheiratet zu erklären. –
כג פשיטא מהו דתימא הא עדיפא ליה דכתיב (משלי ט, יז) מים גנובים ימתקו וגו' קמ"ל דכמה דקיימא הכי שכיחא ליה
23 Dies ist ja selbstverständlich!? – Man könnte glauben. dies sei ihm lieber, denn es heißt: <i>gestohlenes Wasser ist süß</i> <i>&amp;c.</i>, so lehrt er es uns. So steht sie nämlich leichter zu seiner Verfügung.
כד ואמר רב נחמן גנב ניסן וגנב תשרי לא שמיה גנב
24 Ferner sagte R. Naḥman: Wer im Nisan oder im Tišri stiehlt, gilt nicht als Dieb;
כה הני מילי באריסא ודבר מועט ובדבר שנגמרה מלאכתו
25 dies gilt jedoch nur von einem Quotenpächter, wenn es eine Kleinigkeit ist, und wenn es die Reife erlangt hat.
כו איכריה דרב זביד חד גנב קבא דשערי ופסליה וחד גנב קיבורא דאהיני ופסליה
26 Ein Feldarbeiter des R. Zebid stahl einst einen Kab Gerste, und er erklärte ihn als unzulässig; ein anderer stahl einen Dattelkamm, und er erklärte ihn ebenfalls als unzulässig.
כז הנהו קבוראי דקבור נפשא ביום טוב ראשון של עצרת שמתינהו רב פפא ופסלינהו לעדות ואכשרינהו רב הונא בריה דרב יהושע
27 Einst bestatteten Totengräber jemand am ersten Tage des Wochenfestes; da exkommunizierte sie R. Papa und erklärte sie als unzulässig für die Zeugenaussage. Hierauf erklärte sie R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, als zulässig.
כח אמר ליה רב פפא והא רשעים נינהו סברי מצוה קא עבדי
28 R. Papa sprach zu ihm: Sie sind ja Frevler!? – Sie glauben damit ein gottgefälliges Werk auszuüben. –
כט והא קא משמתינא להו סברי כפרה קא עבדי לן רבנן:
29 Man exkommunizierte sie ja dieserhalb!? – Sie glauben, die Rabbanan haben ihnen dadurch Sühne verschafft.
ל איתמר
30 Es wurde gelehrt: