Sanhedrin 67

Kapitel 67

א מאי טעמא דר' יוסי בר יהודה דאמר קרא (במדבר לה, ל) עד אחד לא יענה בנפש למות למות הוא דאינו עונה אבל לזכות עונה ורבנן אמר ריש לקיש משום דמיחזי כנוגע בעדותו
1 Was ist der Grund des R. Jose b. Jehuda? – Die Schrift sagt: <i>ein einziger Zeuge soll gegen jemand nichts vorbringen, um ihn hinzurichten</i>, um ihn hinzurichten kann er nichts vorbringen, wohl aber kann er zu seinen Gunsten vorbringen. – Und die Rabbanan!? Reš Laqiš erwiderte: Weil es den Anschein der Befangenheit hat. –
ב ורבנן האי למות מאי דרשי ביה מוקמי ליה באחד מן התלמידים כדתניא אמר אחד מן העדים יש לי ללמד עליו זכות מניין שאין שומעין לו ת"ל עד אחד לא יענה מניין לאחד מן התלמידים שאמר יש לי ללמד עליו חובה מניין שאין שומעין לו ת"ל אחד לא יענה בנפש למות:
2 Wofür verwenden die Rabbanan [die Worte] <i>um ihn hinzurichten</i>!? – Sie beziehen sie auf einen von den Schülern. Es wird nämlich gelehrt: Woher, daß, wenn einer von den Zeugen sagt, er habe etwas zu seinen Gunsten vorzubringen, man ihn nicht anhöre? Es heißt: <i>ein einziger Zeuge soll nichts vorbringen.</i> Woher, daß, wenn einer von den Schülern sagt, er habe etwas zu seinen Ungunsten vorzubringen, man ihn nicht anhöre? Es heißt: <i>ein einziger soll gegen jemand nichts vorbringen, um ihn hinzurichten.</i>
ג דיני נפשות המלמד כו': אמר רב לא שנו אלא בשעת משא ומתן אבל בשעת גמר דין מלמד זכות חוזר ומלמד חובה
3 B<small>EI</small> T<small>ODESSTRAFSACHEN</small> &amp;<small>C</small>. Rabh sagte: Dies nur während der Verhandlung, bei Beendigung der Verhandlung aber kann, wer für Freisprechung war, zurücktreten und für Schuldigsprechung sein.
ד מיתיבי למחרת משכימין ובאין המזכה אומר אני המזכה ומזכה אני במקומי המחייב אומר אני המחייב ומחייב אני במקומי המלמד חובה מלמד זכות אבל המלמד זכות אינו יכול לחזור וללמד חובה
4 Man wandte ein: Am folgenden Morgen treten sie frühzeitig zusammen; wer für Freisprechung war, spricht: ich war für Freisprechung und bleibe dabei, und wer für Schuldigsprechung war, spricht: ich war für Schuldigsprechung und bleibe dabei. Wer für Schuldigsprechung war, kann dann für Freisprechung sein, wer aber für Freisprechung war, kann nicht zurücktreten und für Schuldigsprechung sein.
ה והא למחרת גמר דין הוא וליטעמיך למחרת משא ומתן מי ליכא כי קתני בשעת משא ומתן
5 Am folgenden Tage erfolgt ja die Urteilsfällung!? – Erfolgt denn nach deiner Ansicht am folgenden Tage keine Verhandlung? Dies bezieht sich auf die Zeit der Verhandlung. –
ו ת"ש דנין אלו כנגד אלו עד שיראה אחד מן המחייבין דברי המזכין ואם איתא ליתני נמי איפכא תנא אזכות קא מהדר אחובה לא קא מהדר
6 Komm und höre: Es plaidieren die einen gegen die anderen, bis einem der Schuldigsprechenden die Worte der Freisprechenden einleuchten. Wenn nun dem so wäre, so sollte er doch auch den entgegengesetzten Fall lehren!? – Der Autor bemüht sich um die Fälle der Freisprechung, nicht aber um die Fälle der Schuldigsprechung. –
ז ת"ש דאמר ר' יוסי בר חנינא אחד מן התלמידים שזיכה ומת רואין אותו כאילו חי ועומד במקומו ואמאי נימא אילו הוה קיים הדר ביה השתא מיהא לא הדר ביה
7 Komm und höre: R. Jose b. Ḥanina sagte: Wenn einer von den Schülern für Freisprechung war und gestorben ist, so betrachte man ihn [bei der Abstimmung] als lebend auf seinem Platze stehend. Weshalb nun, man sollte ja sagen, wenn er lebte, könnte er zurücktreten!? – Er ist aber nicht zurückgetreten. –
ח והא שלחו מתם לדברי ר' יוסי בר חנינא מוצא מכלל רבינו אין מוצא איתמר
8 Sie sandten ja aber von dort, daß die Worte des R. Jose b. Ḥanina die Ansicht unseres Meisters ausschließen!? – Es heißt: nicht ausschließen. –
ט תא שמע שני סופרי הדיינין עומדין לפניהן אחד מן הימין ואחד מן השמאל וכותבין דברי המזכין ודברי המחייבין
9 Komm und höre: Zwei Gerichtsschreiber standen vor ihnen, einer rechts und einer links, und schrieben die Worte der Freisprechenden und der Schuldigsprechenden nieder.
י בשלמא דברי המחייבין למחר חזו טעמא אחרינא ובעו למעבד הלנת דין אלא דברי המזכין מאי טעמא לאו משום דאי חזו טעמא אחרינא לחובה לא משגחינן בהו
10 Allerdings die Worte der Schuldigsprechenden, denn sie könnten am folgenden Tage anderer Ansicht sein, sodann würde eine Übernachtung des Urteils erforderlich sein, weshalb aber die Worte der Freisprechenden? Doch wohl deshalb, damit man, wenn sie ihre Ansicht ändern und für Schuldigsprechung stimmen, sie nicht beachte!? –
יא לא כדי שלא יאמרו שנים טעם אחד משני מקראות כדבעא מיניה רבי אסי מרבי יוחנן אמרו שנים טעם אחד משני מקראות מהו אמר ליה אין מונין להן אלא אחד
11 Nein, damit nicht zwei eine Begründung aus zwei Schriftversen vorbringen. So fragte einst R. Asi den R. Joḥanan, wie es denn sei, wenn zwei eine Begründung aus zwei Schriftversen vorbringen, und dieser erwiderte ihm, man zähle dies als eine [Stimme]. –
יב מנהני מילי אמר אביי דאמר קרא (תהלים סב, יב) אחת דבר אלהים שתים זו שמעתי כי עז לאלהים מקרא אחד יוצא לכמה טעמים ואין טעם אחד יוצא מכמה מקראות דבי ר' ישמעאל תנא (ירמיהו כג, כט) וכפטיש יפוצץ סלע מה פטיש זה מתחלק לכמה ניצוצות אף מקרא אחד יוצא לכמה טעמים
12 Woher dies? Abajje erwiderte: Die Schrift sagt: <i>eines hat Gott geredet, zwei habe ich vernommen, denn die Macht ist bei Gott;</i> ein Schriftvers hat verschiedene Deutungen, nicht aber ist eine Deutung aus verschiedenen Schriftversen zu entnehmen. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: <i>Und wie ein Hammer Felsen zersplittert,</i> wie der [Stein durch den] Hammer in viele Splitter zerteilt wird, ebenso zerfällt ein Schriftvers in viele Deutungen. –
יג היכי דמי טעם אחד משני מקראות אמר רב זביד כדתנן מזבח מקדש את הראוי לו
13 Was heißt: eine Begründung aus zwei Schriftversen? R. Zebid erwiderte: Wie wir gelernt haben: Der Altar heiligt alles, was für ihn geeignet ist;
יד רבי יהושע אומר כל הראוי לאשים אם עלה לא ירד שנאמר (ויקרא ו, ב) העולה על מוקדה מה עולה שהיא ראויה לאשים אם עלתה לא תרד אף כל שהוא ראוי לאשים אם עלה לא ירד
14 R. Jehošua͑ sagt, was für das Altarfeuer geeignet ist; ist es hinaufgekommen, so werde es nicht mehr herabgenommen, denn es heißt: <i>das Brandopfer auf seiner Brandstätte;</i> wie das Brandopfer, das für das Altarfeuer geeignet ist, wenn es hinaufgekommen ist, nicht mehr herabgenommen wird, ebenso wird auch alles andere, was für das Altarfeuer geeignet ist, wenn es hinaufgekommen ist, nicht mehr herabgenommen.
טו רבן גמליאל אומר כל הראוי למזבח אם עלה לא ירד שנאמר היא העולה על מוקדה על המזבח מה עולה שהיא ראויה לגבי מזבח אם עלתה לא תרד אף כל שהוא ראוי למזבח אם עלה לא ירד
15 R. Gamliél sagt, was für den Altar geeignet ist; ist es hinaufgekommen, so werde es nicht mehr herabgenommen, denn es heißt: <i>das ist das Brandopfer auf seiner Brandstätte auf dem Altar,</i> wie das Brandopfer, das für den Altar geeignet ist, wenn es hinaufgekommen ist, nicht mehr herabgenommen wird, ebenso wird auch alles andere, was für den Altar geeignet ist, wenn es hinaufgekommen ist, nicht mehr herabgenommen.
טז ותרוייהו מאי קמרבו פסולין מר מייתי לה ממוקדה ומר מייתי לה ממזבח
16 Beide schließen untauglich gewordene Opfer ein, nur folgert es einer aus [dem Worte] <i>Brandstätte</i> und einer aus [dem Worte] <i>Altar</i>. –
יז והא התם מיפלג פליגי דקתני סיפא אין בין דברי רבן גמליאל לדברי ר' יהושע אלא הדם והנסכים שר"ג אומר לא ירדו ור' יהושע אומר ירדו
17 Da streiten sie ja aber, denn im Schlußsatze lehrt er: Ein Unterschied zwischen der Ansicht R. Gamliéls und der Ansicht R. Jehošua͑s besteht nur hinsichtlich des Blutes und des Gußopfers; nach R. Gamliél werden sie nicht herabgenommen, und nach R. Jehošua͑ werden sie herabgenommen!?
יח אלא אמר רב פפא כדתניא ר' יוסי הגלילי אומר מתוך שנאמר
18 Vielmehr, erklärte R. Papa, wie in folgender Lehre: R. Jose der Galiläer sagte: Aus den Worten: