Shabbat 60

Kapitel 60

א כל יומא דשבתא הוה יתיב וגריס כולי יומא ההוא יומא דבעי למינח נפשיה קם מלאך המות קמיה ולא יכיל ליה דלא הוה פסק פומיה מגירסא אמר מאי אעביד ליה הוה ליה בוסתנא אחורי ביתיה אתא מלאך המות סליק ובחיש באילני נפק למיחזי הוה סליק בדרגא איפחית דרגא מתותיה אישתיק ונח נפשיה
1 Hierauf saß nun David jeden Šabbath und studierte den ganzen Tag. An dem Tage, da seine Seele zur Ruhe einkehren sollte, trat der Todesengel vor ihn hin, vermochte aber nichts gegen ihn, da sein Mund vom Studieren nicht abließ. Da sprach er: Was mache ich nun mit ihm!? Hierauf ging der Todesengel in den Garten, der sich hinter seiner Wohnung befand, stieg auf die Bäume und schüttelte sie. Als [David] hinausging, um nachzusehen, brach die Treppe, auf der er sich befand, unter ihm zusammen; nun hielt er inne, und seine Seele kehrte zur Ruhe ein.
ב שלח שלמה לבי מדרשא אבא מת ומוטל בחמה וכלבים של בית אבא רעבים מה אעשה שלחו ליה חתוך נבלה והנח לפני הכלבים ואביך הנח עליו ככר או תינוק וטלטלו ולא יפה אמר שלמה (קהלת ט, ד) כי לכלב חי הוא טוב מן האריה המת ולענין שאילה דשאילנא קדמיכון נר קרויה נר ונשמתו של אדם קרויה נר מוטב תכבה נר של בשר ודם מפני נרו של הקב"ה:
2 Da ließ Šelomo im Lehrhause fragen: Der Vater ist tot und liegt vor der Sonne, auch sind die Hunde in meinem väterlichen Hause hungrig; was soll ich tun? Man ließ ihm sagen: Zerschneide ein Aas und lege es vor die Hunde, und auf den Leichnam deines Vaters lege einen Laib Brot oder ein Kind, so darfst du ihn fortbewegen. Hat Šelomo nicht recht, wenn er sagt: <i>besser ein lebendiger Hund als ein toter Löwe</i>? Und inbetreff der Frage, die unter euch erhoben worden ist: die Lampe heißt Leuchte und die Seele des Menschen heißt ebenfalls Leuchte; lieber erlösche die Leuchte des [Menschen aus] Fleisch und Blut, als die Leuchte des Heiligen, gepriesen sei er.
ג אמר רב יהודה בריה דרב שמואל בר שילת משמיה דרב בקשו חכמים לגנוז ספר קהלת מפני שדבריו סותרין זה את זה ומפני מה לא גנזוהו מפני שתחילתו דברי תורה וסופו דברי תורה תחילתו דברי תורה דכתיב (קהלת א, ג) מה יתרון לאדם בכל עמלו שיעמול תחת השמש ואמרי דבי ר' ינאי תחת השמש הוא דאין לו קודם שמש יש לו סופו דברי תורה דכתיב (קהלת יב, יג) סוף דבר הכל נשמע את האלהים ירא ואת מצותיו שמור כי זה כל האדם מאי כי זה כל האדם אמר רבי (אליעזר) כל העולם כולו לא נברא אלא בשביל זה ר' אבא בר כהנא אמר שקול זה כנגד כל העולם כולו שמעון בן עזאי אומר ואמרי לה שמעון בן זומא אומר לא נברא כל העולם כולו אלא לצוות לזה
3 R. Jehuda, Sohn des R. Šemuél b. Šilath, sagte im Namen Rabhs: Die Weisen wollten das Buch Qoheleth verstecken, weil seine Worte einander widersprechen, und sie haben es nur deshalb nicht versteckt, weil es mit Worten der Tora beginnt und mit Worten der Tora endet. Es beginnt mit Worten der Tora, denn es heißt: <i>was für Gewinn hat der Mensch bei all seiner Mühe, womit er sich müht unter der Sonne</i>, hierzu sagten sie in der Schule R. Jannajs: Unter der Sonne keinen, wohl aber vor der Sonne. Es schließt mit Worten der Tora, denn es heißt: <i>das Endwort des Ganzen laßt uns hören: fürchte Gott und halte seine Gebote, denn dies ist der ganze Mensch</i>. Was bedeutet: <i>denn dies ist der ganze Mensch</i>? R. Elea͑zar erwiderte: Die ganze Welt ist nur seinetwegen erschaffen worden. R. Abba b. Kahana sagte: Dieser wiegt die ganze Welt auf. Šimo͑n b. A͑zaj, manche sagen, Šimo͑n b. Zoma sagte: Die ganze Welt wurde nur dazu erschaffen, um sich diesem anzuschließen.
ד ומאי דבריו סותרין זה את זה כתיב (קהלת ז, ג) טוב כעס משחוק וכתיב (קהלת ב, ב) לשחוק אמרתי מהלל כתיב (קהלת ח, טו) ושבחתי אני את השמחה וכתיב (קהלת ב, ב) ולשמחה מה זה עושה לא קשיא טוב כעס משחוק טוב כעס שכועס הקב"ה על הצדיקים בעוה"ז משחוק שמשחק הקב"ה על הרשעים בעולם הזה ולשחוק אמרתי מהלל זה שחוק שמשחק הקב"ה עם הצדיקים בעולם הבא
4 Wieso widersprechen seine Worte einander? – Es heißt: <i>besser Zorn als Lachen</i>, dagegen heißt es: <i>zum Lachen sprach ich: gepriesen</i>. Es heißt: <i>ich pries die Freude</i>, dagegen heißt es: <i>und zur Freude: was schafft sie</i>. Das sind keine Widersprüche; <i>besser Zorn als Lachen</i>: besser ist der Zorn des Heiligen, gepriesen sei er, über die Gerechten auf dieser Welt, als das Lachen, das er den Frevlern auf dieser Welt zuwendet. <i>Zum Lachen sprach ich: gepriesen</i>, das ist das Lachen, das der Heilige, gepriesen sei er, den Gerechten in der zukünftigen Welt zuwendet.
ה ושבחתי אני את השמחה שמחה של מצוה ולשמחה מה זה עושה זו שמחה שאינה של מצוה ללמדך שאין שכינה שורה לא מתוך עצבות ולא מתוך עצלות ולא מתוך שחוק ולא מתוך קלות ראש ולא מתוך שיחה ולא מתוך דברים בטלים אלא מתוך דבר שמחה של מצוה שנאמר (מלכים ב ג, טו) ועתה קחו לי מנגן והיה כנגן המנגן ותהי עליו יד ה' אמר רב יהודה וכן לדבר הלכה אמר רבא וכן לחלום טוב
5 <i>Ich pries die Freude</i>, das ist die Freude anläßlich einer gottgefälligen Handlung. <i>Und zur Freude: was schafft sie</i>, das ist die Freude nicht anläßlich einer gottgefälligen Handlung. Dies lehrt dich, daß die Göttlichkeit auf einem weder bei Traurigkeit noch bei Trägheit, noch bei Lachen, noch bei Leichtfertigkeit, noch bei Geschwätz, noch bei müßigem Geplauder ruht, sondern bei freudiger Stimmung anläßlich einer gottgefälligen Handlung, wie es heißt: <i>jetzt aber holt mir einen Saitenspieler! Jedesmal, wenn der Saitenspieler spielte, kam über ihn der Geist Gottes</i>. R. Jehuda sagte: Dies gilt auch von der Halakha. Raba sagte: Dies gilt auch von einem guten Traume. –
ו איני והאמר רב גידל אמר רב כל תלמיד חכם שיושב לפני רבו ואין שפתותיו נוטפות מר תכוינה שנאמר (שיר השירים ה, יג) שפתותיו שושנים נוטפות מור עובר אל תקרי מור עובר אלא מר עובר אל תקרי שושנים אלא ששונים לא קשיא הא ברבה והא בתלמיד ואיבעית אימא הא והא ברבה ולא קשיא הא מקמי דלפתח הא לבתר דפתח כי הא דרבה מקמי דפתח להו לרבנן אמר מילתא דבדיחותא ובדחי רבנן לסוף יתיב באימתא ופתח בשמעתא
6 Dem ist ja aber nicht so, R. Gidel sagte ja im Namen Rabhs, daß, wenn ein Schüler vor seinem Lehrer sitzt und seine Lippen nicht [vor Ehrfurcht] Bitternis triefen, sie verbrüht werden mögen!? Es heißt: <i>seine Lippen, wie die Lilien, fließende Myrrhe träufelnd</i>, und man lese nicht <i>mor o͑ber</i> [fließende Myrrhe], sondern <i>mar o͑ber</i> [fließende Bitternis], auch lese man nicht <i>šošanim</i> [Lilien], sondern <i>šešonim</i> [die studieren]. – Das ist kein Widerspruch; das eine für den Lehrer, das andere für den Schüler. Wenn du aber willst, sage ich: das eine wie das andere für den Lehrer, dennoch ist hier kein Widerspruch; das eine, bevor er begonnen hat, das andere, nachdem er begonnen hat. So pflegte auch Raba, bevor er vor den Schülern [den Vortrag] begann, etwas Scherzhaftes zu sagen, und die Schüler wurden heiter, dann saß er ehrfürchtig und begann mit der Lehre.
ז ואף ספר משלי בקשו לגנוז שהיו דבריו סותרין זה את זה ומפני מה לא גנזוהו אמרי ספר קהלת לאו עיינינן ואשכחינן טעמא הכא נמי ליעיינן ומאי דבריו סותרים זה את זה כתיב (משלי כו, ד) אל תען כסיל כאולתו וכתיב (משלי כו, ה) ענה כסיל כאולתו לא קשיא הא בדברי תורה הא במילי דעלמא
7 Und auch das Buch der Sprüche wollten sie verstecken, weil seine Worte ebenfalls einander widersprechen. – Warum haben sie es nicht versteckt? – Sie sagten: haben wir etwa nicht über das Buch Qoheleth nachgedacht und seine Lösung gefunden. Wir wollen auch über dieses nachdenken. – Wieso widersprechen seine Worte einander? – Es heißt: <i>antworte dem Toren nicht nach seiner Narrheit</i>, dagegen heißt es: <i>antworte dem Toren nach seiner Narrheit</i>. – Das ist aber kein Widerspruch; das eine gilt von Worten der Tora, das andere gilt von weltlichen Dingen.
ח כי הא דההוא דאתא לקמיה דרבי אמר ליה אשתך אשתי ובניך בני אמר ליה רצונך שתשתה כוס של יין שתה ופקע ההוא דאתא לקמיה דרבי חייא אמר ליה אמך אשתי ואתה בני אמר ליה רצונך שתשתה כוס של יין שתה ופקע אמר רבי חייא אהניא ליה צלותיה לרבי דלא לשווייה בני ממזירי דרבי כי הוה מצלי אמר יהי רצון מלפניך ה' אלהינו שתצילני היום מעזי. פנים ומעזות פנים
8 So trat jemand einst vor Rabbi und sprach zu ihm: Deine Frau ist die meinige und deine Kinder sind die meinigen. Dieser sprach: Beliebt es dir, ein Glas Wein zu trinken? Er trank und barst. Einst trat jemand vor R. Ḥija und sprach zu ihm: Deine Mutter war meine Frau, und du bist mein Sohn. Dieser sprach: Beliebt es dir, ein Glas Wein zu trinken? Er trank und barst. Da sprach R. Ḥija: Dem Rabbi nützte sein Gebet, daß man ihn nicht zum Hurenkind gemacht hat. Rabbi pflegte nämlich beim Gebete folgendes zu sprechen: Möge es dein Wille sein, o Herr, unser Gott, daß du mich heute vor Frechlingen und vor Frechheit schützest. –
ט בדברי תורה מאי היא כי הא דיתיב רבן גמליאל וקא דריש עתידה אשה שתלד בכל יום שנאמר (ירמיהו לא, ח) הרה ויולדת יחדיו ליגלג עליו אותו תלמיד אמר אין כל חדש תחת השמש א"ל בא ואראך דוגמתן בעוה"ז נפק אחוי ליה תרנגולת
9 In welcher Weise bei Worten der Tora? – Wie in folgendem Falle. Einst saß R. Gamliél und trug vor: Dereinst wird eine Frau alltäglich gebären, denn es heißt: <i>Schwangere und Gebärende zusammen</i>. Da spottete ein gewisser Schüler über ihn, indem er sprach: <i>Es gibt nichts Neues unter der Sonne</i>. Jener erwiderte: Komm, ich will dir dergleichen auch auf dieser Welt zeigen. Da ging er hinaus und zeigte ihm eine Henne.
י ותו יתיב רבן גמליאל וקא דריש עתידים אילנות שמוציאין פירות בכל יום שנאמר (יחזקאל יז, כג) ונשא ענף ועשה פרי מה ענף בכל יום אף פרי בכל יום ליגלג עליו אותו תלמיד אמר והכתיב אין כל חדש תחת השמש א"ל בא ואראך דוגמתם בעולם הזה נפק אחוי ליה צלף
10 Abermals saß einst R. Gamliél und trug vor: Dereinst werden die Bäume täglich Früchte hervorbringen, denn es heißt: <i>er wird Zweige treiben und Frucht bringen</i>, wie Zweige täglich, so auch Frucht täglich. Da spottete ein gewisser Schüler über ihn, indem er sprach: <i>Es gibt nichts Neues unter der Sonne</i>. Jener erwiderte: Komm, ich will dir dergleichen auch auf dieser Welt zeigen. Da ging er hinaus und zeigte ihm einen Kapernstrauch.
יא ותו יתיב רבן גמליאל וקא דריש עתידה ארץ ישראל שתוציא גלוסקאות וכלי מילת שנאמר (תהלים עב, טז) יהי פסת בר בארץ ליגלג עליו אותו תלמיד ואמר אין כל חדש תחת השמש אמר ליה בא ואראך דוגמתן בעולם הזה נפק אחוי ליה כמיהין ופטריות ואכלי מילת נברא בר קורא:
11 Abermals saß R. Gamliél und trug vor: Dereinst wird das Jisraélland Brote und wollene Gewänder [fertig] hervorbringen, denn es heißt: <i>es wird Überfluß von Korn im Lande sein</i>. Da spottete ein gewisser Schüler über ihn, indem er sprach: <i>Es gibt nichts Neues unter der Sonne</i>. Jener erwiderte: Komm, ich will dir dergleichen auch auf dieser Welt zeigen. Da ging er hinaus und zeigte ihm Schwämme und Pilze, und bezüglich der wollenen Gewänder zeigte er ihm den Bast der jungen Palme.
יב . ת"ר לעולם יהא אדם ענוותן כהלל ואל יהא קפדן כשמאי מעשה בשני בני אדם
12 Die Rabbanan lehrten: Stets sei der Mensch sanft wie Hillel und nicht reizbar wie Šammaj. Einst gingen zwei Männer