Shevuot 51

Kapitel 51

א חדא מינייהו רב פפא אמרה:
1 eines von diesen sagte R. Papa.
ב ר' ישמעאל אומר אינו חייב אלא על העתיד לבא: ת"ר (ויקרא ה, ד) להרע או להיטיב אין לי אלא דברים שיש בהן הרעה והטבה שאין בהן הרעה והטבה מנין תלמוד לומר (ויקרא ה, ד) או נפש כי תשבע לבטא בשפתים
2 R. J<small>IŠMA͑ÉL SAGT, MAN SEI NUR WEGEN DES PROMISSORISCHEN</small> [S<small>CIIWURES</small>] <small>SCHULDIG</small>. Die Rabbanan lehrten: <i>Böses oder Gutes zu tun,</i> ich weiß dies also nur von Dingen, die zum Bösen oder Guten erfolgen, woher dies von Dingen, die nicht zum Bösen oder Guten erfolgen? Es heißt: <i>oder wenn jemand schwört, etwas mit den Lippen ausspricht.</i>
ג אין לי אלא להבא לשעבר מנין תלמוד לומר (ויקרא ה, ד) לכל אשר יבטא האדם בשבועה דברי רבי עקיבא רבי ישמעאל אומר להרע או להיטיב להבא
3 Ich weiß dies nur vom promissorischen [Schwure], woher dies vom assertorischen? Es heißt: <i>alles</i>, <i>was der Mensch ausspricht mit einem Schwure</i> – so R. A͑qiba. R. Jišma͑él erklärte: <i>Böses oder Gutes zu tun,</i> promissorisch.
ד אמר לו רבי עקיבא אם כן אין לי אלא דברים שיש בהן הטבה והרעה דברים שאין בהן הרעה והטבה מנין אמר לו מרבוי הכתוב אמר לו אם ריבה הכתוב לכך ריבה הכתוב לכך
4 R. A͑qiba sprach zu ihm: Demnach weiß ich dies nur von Dingen, die zum Guten oder Bösen erfolgen, woher dies von Dingen, die nicht zum Guten oder Bösen erfolgen? Dieser erwiderte: Von der Einbegreifung des Schriftverses. Jener entgegnete: Wenn die Schrift das eine einbegreift, so begreift sie auch das andere ein.
ה שפיר קא"ל רבי עקיבא לר' ישמעאל
5 R. A͑qiba hat ja R. Jišma͑él treffend entgegnet!?
ו א"ר יוחנן ר' ישמעאל ששימש את רבי נחוניא בן הקנה שהיה דורש את כל התורה כולה בכלל ופרט איהו נמי דורש בכלל ופרט רבי עקיבא ששימש את נחום איש גם זו שהיה דורש את כל התורה כולה בריבה ומיעט איהו נמי דורש ריבה ומיעט
6 R. Job an an erwiderte: R. Jišma͑él bediente R. Nehunja b. Haqana, der in der ganzen Tora [die Regel von der] Generalisierung und Spezialisierung anwendet, daher wendet er hierbei ebenfalls [die Regel] von der Generalisierung und Spezialisierung an; R. A͑qiba bediente Naḥum aus Gamzu, der in der ganzen Tora [die Regel von der] Einschließung und Ausschließung an wendet, daher wendet er hierbei ebenfalls [die Regel von der] Einschließung und Ausschließung an. –
ז מאי ר' עקיבא דדריש ריבויי ומיעוטי דתניא או נפש כי תשבע ריבה להרע או להיטיב מיעט לכל אשר יבטא האדם חזר וריבה ריבה ומיעט וריבה ריבה הכל
7 Was ist dies für eine Auslegung, bei der R. A͑qiba [die Regel von der] Einschließung und Ausschließung an wendet? – Es wird gelehrt: <i>Oder wenn jemand schwört</i>, einschließend; <i>Böses oder Gutes zu tun</i>, ausschließend; <i>alles, was der Mensch ausspricht,</i> wiederum einschließend.
ח מאי ריבה ריבה כל מילי ומאי מיעט מיעט דבר מצוה
8 Dies ist also eine Einschließung, Ausschließung und Einschließung, somit hat er alles eingeschlossen; eingeschlossen sind alle Dinge, ausgeschlossen sind gesetzliche Vorschriften.
ט ור' ישמעאל דריש כלל ופרט או נפש כי תשבע לבטא בשפתים כלל להרע או להיטיב פרט לכל אשר יבטא האדם חזר וכלל כלל ופרט וכלל אי אתה דן אלא כעין הפרט מה הפרט מפורש להבא אף כל להבא
9 R. Jišma͑él wendet hierbei [die Regel von der] Generalisierung und Spezialisierung an: <i>Oder wenn jemand schwört, und mit den Lippen ausspricht,</i> generell; <i>Böses oder Gutes zu tun,</i> speziell; <i>alles</i>, <i>was der Mensch ausspricht,</i> wiederum generell. Dies ist also eine Generalisierung, Spezialisierung und Generalisierung, wobei du dich nach dem Speziellen zu richten hast: wie das Speziellgenannte promissorisch ist, ebenso auch alle anderen Fälle, nur wenn promissorisch;
י אהני כללא לאתויי אפי' דברים שאין בהן הרעה והטבה להבא אהני פרטא למעוטי אפילו דברים שיש בהן הרעה והטבה לשעבר
10 die Generalisierung schließt also auch solche Fälle ein, die nicht zum Bösen oder zum Guten erfolgen, jedoch promissorisch, und die Spezialisierung schließt assertorische Fälle aus, selbst wenn sie zum Bösen oder zum Guten erfolgen. –
יא איפוך אנא
11 Vielleicht umgekehrt!?
יב א"ר יצחק דומיא דלהרע או להיטיב מי שאיסורו משום (במדבר ל, ג) בל יחל דברו יצאתה זו שאין איסורו משום בל יחל דברו אלא משום בל תשקרו
12 R. Jiçḥaq erwiderte: Gleich Fällen, die zum Bösen oder zum Guten erfolgen, nur wenn dabei statthaben kann das Verbot:<i>er soll sein Wort nicht brechen,</i> ausgenommen ist der Fall, bei dem nicht statthaben kann das Verbot: <i>er soll sein Wort nicht brechen,</i> sondern nur:<i>ihr sollt nicht lügen.</i>
יג רב יצחק בר אבין אמר אמר קרא או נפש כי תשבע לבטא בשפתים מי שהשבועה קודמת לביטוי ולא שהביטוי קודמת לשבועה יצא זה אכלתי ולא אכלתי שהמעשה קודם לשבועה
13 R. Jiçḥaq b. Abin erklärte: Die Schrift sagt: <i>oder wenn jemand schwört, etwas mit den Lippen ausspricht,</i> nur wenn der Schwur der Handlung vorangeht, ausgenommen ist [der Schwur:] ich habe gegessen, oder: ich habe nicht gegessen, wobei die Handlung dem Schwure vorangeht.
יד ת"ר (ויקרא ה, ד) האדם בשבועה פרט לאנוס ונעלם פרט למזיד
14 Die Rabbanan lehrten:<i>Der Mensch</i>, <i>mit einem Schwure,</i> ausgenommen ein Zwangsfall; <i>und entfällt,</i> ausgenommen die Vorsätzlichkeit; <i>ihm,</i> wenn ihm der Schwur entfallen ist.
טו ממנו שנתעלמה ממנו שבועה יכול שנתעלמה ממנו חפץ ת"ל בשבועה ונעלם על העלם שבועה הוא חייב ואינו חייב על העלם חפץ:
15 Man könnte glauben, auch wenn ihm die Sache entfallen ist, so heißt es: <i>mit einem Schwur</i>, <i>und es entfällt,</i> er ist nur bei Entfallen des Schwures schuldig, nicht aber ist er bei Entfallen der Sache schuldig.
טז אמר מר האדם בשבועה פרט לאנוס היכי דמי
16 Der Meister sagte: <i>Mit einem Schwure,</i> ausgenommen ein Zwangsfall.
יז כדרב כהנא ורב אסי כי הוו קיימי מקמי דרב מר אמר שבועתא דהכי אמר רב ומר אמר שבועתא דהכי אמר רב כי אתו לקמיה דרב אמר כחד מינייהו אמר ליה אידך ואנא בשיקרא אישתבעי
17 Wie beispielsweise bei R. Hona und R. Asi; als sie von Rabh fortgingen, sagte der eine: ich schwöre, daß Rabh so gesagt hat, und der andere sagte: ich schwöre, daß Rabh so gesagt hat. Als sie später zu ihm kamen, sagte er wie der eine von ihnen. Da sprach der andere zu ihm: Ich habe also falsch geschworen?
יח אמר ליה לבך אנסך
18 Da erwiderte er ihm: Dein Sinn hat dich irre geführt.
יט ונעלם ממנו שנתעלם ממנו שבועה יכול שנתעלם ממנו חפץ תלמוד לומר בשבועה ונעלם ממנו על העלם שבועה הוא חייב ואינו חייב על העלם חפץ:
19 <i>«Und es ihm entfällt,</i> wenn ihm der Schwur entfallen ist. Man könnte glauben, auch wenn ihm die Sache entfallen ist, so heißt es: <i>mit einem Schwure</i>, <i>und es ihm entfällt,</i> er ist nur bei Entfallen des Schwures schuldig, nicht aber ist er bei Entfallen der Sache schuldig.»
כ מחכו עלי' במערבא בשלמא שבועה משכחת לה בלא חפץ כגון דאמר שבועה שלא אוכל פת חטין וכסבור שאוכל קאמר דשבועתיה אינשי חפצא דכיר אלא חפץ בלא שבועה ה"ד
20 Im Westen lachten sie darüber. Allerdings kann [das Entfallen] des Schwures und nicht der Sache Vorkommen, wenn beispielsweise jemand gesagt hatte: ein Schwur, daß ich kein Weizenbrot essen werde, und später glaubt, er habe gesagt: daß ich essen werde; er hat also seinen Schwur vergessen, erinnert sich aber der Sache.
כא כגון דאמר שבועה שלא אוכל פת חטין וכסבור של שעורים קאמר דשבועתיה דכיר ליה חפצא אינשי כיון דחפצא אינשי להו היינו העלם שבועה
21 [Das Entfallen] der Sache und nicht des Schwures kann ja aber nur in dem Falle Vorkommen, wenn jemand beispielsweise gesagt hatte: ein Schwur, daß ich kein Weizenbrot essen werde, und später glaubt, er habe gesagt: Gerstenbrot; er erinnert sich also des Schwures, hat aber die Sache vergessen; wenn er die Sache vergessen hat, so heißt dies ja ebenfalls Entfallen des Schwures!?
כב אלא אמר רבי אלעזר דא ודא אחת היא
22 Vielmehr, sagte R. Elea͑zar, sind das eine und das andere dasselbe.
כג מתקיף לה רב יוסף אלמא חפץ בלא שבועה לא משכחת לה והא משכחת לה כגון דאמר שבועה שלא אוכל פת חטין והושיט ידו לסל ליטול פת שעורין ועלתה בידו של חטין וכסבור שעורים היא ואכלה דשבועתיה דכיר ליה חפצא הוא דלא ידע ליה
23 R. Joseph wandte ein: Kann etwa das Entfallen der Sache und nicht des Schwures nicht Vorkommen, dies kann ja in dem Falle Vorkommen, wenn jemand gesagt hatte: ein Schwur, daß ich kein Weizenbrot essen werde, und als er die Hand in den Korb gesteckt hat, um nach Gerstenbrot zu langen, ihm Weizenbrot in die Hand gekommen ist, und er, im Glauben, es sei Gerstenbrot, es gegessen hat; er kannte also seinen Schwur, nicht aber die Sache!?
כד אמר ליה אביי כלום מחייבת ליה קרבן אלא אמאי דתפיס בידיה העלם שבועה הוא
24 Abajje erwiderte ihm: Du kannst ihn ja zu einem Opfer verpflichten nur wegen dessen, was er in der Hand hält, somit ist dies ein Entfallen des Schwures.
כה לישנא אחרינא אמר ליה אביי לרב יוסף סוף סוף קרבן דקא מייתי עלה דהאי פת מיהת העלם שבועה הוא
25 Eine andere Lesart: Abajje sprach zu R. Joseph: Er bringt ja das Opfer nur wegen des [von ihm gegessenen] Brotes, somit ist dies ein Entfallen des Schwures. –
כו ורב יוסף אמר לך כיון דכי ידע ליה דחטין הוא פריש מיניה העלם חפץ הוא
26 Und R. Joseph!? – Er kann dir erwidern: da er, wenn er gewußt hätte, daß es Weizenbrot ist, sich davon zurückgezogen haben würde, so heißt dies ein Entfallen der Sache.
כז בעא מיניה רבא מרב נחמן העלם זה וזה בידו מהו אמר ליה הרי העלם שבועה בידו וחייב אדרבה הרי העלם חפץ בידו ופטור
27 Raba fragte R. Naḥman: Wie ist es, wenn ihm das eine und das andere entfallen ist? – Dieser erwiderte: Ihm ist der Schwur entfallen, somit ist er schuldig. – Im Gegenteil, ihm ist die Sache entfallen, somit sollte er frei sein!?
כח אמר רב אשי חזינן אי מחמת שבועה קא פריש הרי העלם שבועה בידו וחייב אי מחמת חפץ קא פריש הרי העלם חפץ בידו ופטור
28 R. Aši erwiderte: Wir sehen nun; zieht er sich wegen des Schwures zurück, so liegt hier Entfallen des Schwures vor, sodann ist er schuldig, und zieht er sich wegen der Sache zurück, so liegt hier Entfallen der Sache vor, sodann ist er frei.
כט א"ל רבינא לרב אשי כלום פריש משבועה אלא משום חפץ כלום פריש מחפץ אלא משום שבועה אלא לא שנא
29 Rabina entgegnete R. Aši: Er zieht sich ja wegen des Schwures nur wegen der Sache, und wegen der Sache nur wegen des Schwures zurück!? – Vielmehr gibt es hierbei keinen Unterschied.
ל בעא מיניה רבא מרב נחמן
30 Raba fragte R. Naḥman: