Shevuot 68

Kapitel 68

א ועדים רואין אותו מבחוץ מאי
1 und die Zeugen dies draußen gesehenhaben?
ב א"ל רב המנונא והלה מה טוען אי אמר לא היו דברים מעולם הוחזק כפרן אי אמר אין שקלי ודידי שקלי כי אתו עדים מאי הוי א"ל המנונא את עול תא
2 R. Jehuda erwiderte ihm: Was sagt [der Beklagte:] sagt er, es sei nicht wahr, so ist er ja als Lügner überführt, und sagt er, es sei wahr, er habe aber seines erhalten, so nützt ja auch [die Aussage] der Zeugen nicht. Da sprach er zu ihm: Hamnuna, du komm, tritt ein.
ג ההוא דא"ל לחבריה מנה מניתי לך בצד עמוד זה א"ל לא עברתי בצד עמוד זה אתו תרי סהדי אסהידו ביה דהשתין מים בצד עמוד זה אמר ר"ל הוחזק כפרן
3 Einst sagte jemand zu seinem Nächsten: Ich habe dir eine Mine an jener Säule aufgezählt. Dieser erwiderte: An jener Säule kam ich nie vorüber. Hierauf kamen zwei Zeugen und bekundeten, daß er an jener Säule geharnt habe. Da entschied Reš Laqiš: Er ist als Lügner überführt.
ד מתקיף לה ר"נ האי דינא פרסאה הוא מי קאמר מעולם בעסק זה קא"ל
4 R. Naḥman wandte ein: Dies ist ja ein persisches Urteil; sagte er denn: niemals, er meinte ja nur: in dieser Angelegenheit.
ה איכא דאמרי ההוא דא"ל לחבריה מנה מניתי לך בצד עמוד זה א"ל לא עברתי בצד עמוד זה מעולם נפקו ביה סהדי דהשתין מים בצד עמוד זה אמר ר"נ הוחזק כפרן
5 Manche lesen: Einst sprach jemand zu seinem Nächsten: Ich habe dir eine Mine an jener Säule aufgezählt. Dieser erwiderte: An jener Säule kam ich nie vorüber. Hierauf traten Zeugen auf, daß er an jener Säule geharnt habe. Da entschied R. Naḥman: Er ist als Lügner überführt.
ו א"ל רבא לר"נ כל מילתא דלא רמיא עליה דאיניש עביד לה ולאו אדעתיה:
6 Raba erwiderte R. Naḥman: Was einem nicht obliegt, merkt man sich nicht, wenn man es tut.
ז ר"ש אומר חייב כאן וחייב בפקדון כו':
7 «R. Šimo͑n erklärte: Man ist wegen [des Zeugniseides] schuldig und man ist wegen des Depositeneides schuldig &c.»
ח מחכו עלה במערבא מאי חוכא
8 Im Westen lachten sie darüber. – Was ist da zu lachen? –
ט דקתני מה לפקדון שכן לא עשה בו מושבע כנשבע מזיד כשוגג
9 Er lehrt: wohl beim Depositeneide, bei dem das Beschworenwerden dem Schwören und die Vorsätzlichkeit der Unvorsätzlichkeit nicht gleicht.
י מכדי מושבע מפי עצמו בעדות לר"ש מנא ליה דגמר מפקדון פקדון נמי מושבע מפי אחרים נגמר מעדות
10 Merke, R. Šimo͑n entnimmt ja das Schwören beim Zeugniseide vom Depositeneide, ebenso sollte er doch das Beschworenwerden beim Depositeneide vom Zeugniseideentnehmen. –
יא ומאי חוכא דלמא ר"ש בק"ו מייתי לה מפי אחרים חייב מפי עצמו לא כל שכן
11 Was ist da zu lachen, vielleicht folgert es R. Šimo͑n [durch einen Schluß] vom Leichterenauf das Schwerere, wenn man wegen des Beschworenwerdens schuldig ist, um wieviel mehr wegen des Schwörens!? –
יב אלא חוכא אמזיד כשוגג דקתני מה לפקדון שכן לא עשה בו מושבע כנשבע מזיד כשוגג
12 Vielmehr, das Lachen geschah über [die Vergleichung der] Vorsätzlichkeit mit der Unvorsätzlichkeit; er lehrt: wohl beim Depositeneide, bei dem das Beschworenwerden dem Schwören und die Vorsätzlichkeit der Unvorsätzlichkeit nicht gleicht.
יג מכדי מזיד גבי עדות מנא ליה דלא כתיב ביה ונעלם ה"נ לא כתיב ביה ונעלם
13 Merke, die Vorsätzlichkeit beim Zeugniseide wird ja daraus gefolgert, weil es bei diesem nicht <i>entfällt</i> heißt, und auch bei jenemheißt es ja nicht <i>entfällt</i>.
יד אמר להו רב הונא ומאי חוכא דלמא מזיד דלאו כשוגג בפקדון ממעילה ר"ש גמר לה
14 R. Ḥaga erwiderte: Was ist da zu lachen, vielleicht folgert R. Šimo͑n von der Veruntreuung, daß beim Depositeneide die Vorsätzlichkeit der Unvorsätzlichkeit nicht gleiche.
טו והיינו חוכא אדגמר לה ממעילה נגמר לה מעדות
15 Das Lachen geschah vielmehr deshalb: weshalb folgert er es von der Veruntreuung, sollte er es doch vom Zeugniseide folgern!? –
טז מסתברא ממעילה הוה ליה למילף שכן מעילה ממעילה
16 Es ist einleuchtender, es von der Veruntreuung zu folgern, denn [bei beiden wird das Wort] <i>veruntreuen</i> gebraucht. –
יז אדרבה מעדות הוה ליה למילף שכן תחטא מתחטא
17 Im Gegenteil, es ist ja vom Zeugniseide zu folgern, denn bei beiden wird [das Wort] <i>vergehen</i> gebraucht!? –
יח מסתברא ממעילה הוה ליה למילף שכן מעילה בכל נהנה בקבוע חומש ואשם
18 Es ist einleuchtender, es von der Veruntreuung zu folgern, denn [bei beiden heißt es] <i>veruntreuen</i>, gilt es bei jedem, haben sieeinen Vorteil, wird ein bestimmtesOpfer dargebracht, ist das Fünftel zu zahlen und wird ein Schuldopfer dargebracht. –
יט אדרבה מעדות ה"ל למילף שכן חטא הדיוט בשבועה תבעיה וכפריה ואואין הנך נפישין
19 Im Gegenteil, es ist ja vom Zeugniseide zu folgern, denn [bei beiden wird das Wort] <i>vergehen</i> gebraucht, betrifft es einen Gemeinen, handelt es sich um einen Schwur, gibt es ein Fordern und Leugnen, und wird wiederholt [das Wort] <i>oder</i> gebraucht!? – Jene [Übereinstimmungen] sind mehr. –
כ אלא מאי חוכא
20 Weshalb demnach das Lachen!?
כא כי אתא רב פפא ורב הונא בריה דרב יהושע מבי רב אמרי היינו חוכא מכדי ר"ש ג"ש גמיר למה ליה דפריך מה לפקדון שכן לא עשה בו מושבע כנשבע מזיד כשוגג
21 Als R. Papa und R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, aus dem Lehrhause kamen, erklärten sie, das Lachen geschah deshalb: merke, R. Šimo͑n folgert es ja [durch einen Schluß] aus einer Wortanalogie, wieso sagt er nun: wohl beim Depositeneide, bei dem das Beschworenwerden dem Schwören und die Vorsätzlichkeit der Unvorsätzlichkeit nicht gleicht. –
כב ומאי חוכא דלמא כי פריך מקמי דתיקום ליה ג"ש בתר דקמא ליה ג"ש לא פריך
22 Weshalb das Lachen, vielleicht fragte er dies nur bevor er die Wortanalogie kannte, nicht aber nachdem er die Wortanalogie kannte!?
כג ולא והאמר להו רבא בר איתי לרבנן מאן תנא שבועת הפקדון לא ניתן זדונה לכפרה ר"ש היא
23 Etwa nicht, Raba b. Itaj sagte ja zu den Jüngern, der Autor, welcher lehrt, bei Vorsätzlichkeit hinsichtlich des Depositeneides gebe es keine Sühne, sei R. Šimo͑n. –
כד דלמא מזיד כשוגג פריך דגמר לה ממעילה דהנך נפישין אבל מושבע כנשבע לא פריך
24 Vielleicht sagte er es nur von [der Vergleichung der] Vorsätzlichkeit mit der Unvorsätzlichkeit, weil er es von der Veruntreuungfolgert, denn [die Vergleichungen] mit dieser sind mehr, nicht aber von der Vergleichung des Beschworenwerdens mit dem Schwören.
כה ותהדר עדות ותגמר לה מפקדון מזיד דלאו כשוגג מה פקדון שוגג אין מזיד לא אף עדות שוגג אין מזיד לא כי היכי דיליף פקדון ממעילה
25 Sollte er nun vom Depositeneide folgern, daß auch beim Zeugniseide die Vorsätzlichkeit der Unvorsätzlichkeit nicht gleiche: wie es beim Depositeneide nur bei Unvorsätzlichkeit gilt, nicht aber bei Vorsätzlichkeit, ebenso gilt es beim Zeugniseide· nur bei Unvorsätzlichkeit, nicht aber bei Vorsätzlichkeit, wie er auch hinsichtlich des Depositeneides von der Veruntreuung folgert!? –