Shevuot 71

Kapitel 71

א ומנין לעשות (אלה שאין עמה שבועה כאלה שיש עמה שבועה) ושבועה שאין עמה אלה כשבועה שיש עמה אלה תלמוד לומר (ויקרא ה, א) ושמעה קול אלה ושמעה אלה ושמעה קול
1 woher nun, daß eine Verwünschung ohne Schwur einer Verwünschung mit Schwur, und ein Schwur ohne Verwünschung einem Schwure mit Verwünschung gleicht? Es heißt: <i>und die Stimme einer Verwünschung hört</i>, wenn er eine Verwünschung hört, oder wenn er eine Stimmehört.
ב אמר רבי אבהו מנין לאלה שהיא שבועה שנאמר (יחזקאל יז, יג) ויבא אתו באלה וגו' וכתיב (דברי הימים ב לו, יג) וגם במלך נבוכדנצר מרד אשר השביעו באלהים
2 R. Abahu sagte: Woher, daß unter Verwünschung ein Schwur zu verstehen ist? Es heißt:<i>und er verpflichtete ihn durch Verwünschung &amp;c</i>.; und es heißt:<i>und auch vom König Nebukhadneçar ward er abtrünnig, der ihn doch bei Gott beschworen hat</i>.
ג תנא ארור בו נידוי בו קללה בו שבועה
3 Es wird gelehrt: Fluch heißt: ein Bann auf ihn, ein Schimpf auf ihn und ein Schwur auf ihn.
ד בו נידוי דכתיב (שופטים ה, כג) אורו מרוז אמר מלאך ה' אורו ארור יושביה ואמר עולא בארבע מאה שיפורי שמתיה ברק למרוז
4 Ein Bann, denn es heißt:<i>fluchet Meroz, sprach der Engel des Herrn, fluchet ihren Bewohnern;</i> hierzu sagte U͑la, Baraq habe den Meroz mit vierhundert Posaunenstößen exkommuniziert.
ה בו קללה דכתיב (דברים כז, יג) ואלה יעמדו על הקללה וכתיב (דברים כז, טו) ארור האיש אשר יעשה פסל וגו'
5 Ein Schimpf, denn es heißt:<i>und diese sollen dastehen ob dem Schimpfe</i>, und darauf heißt es: <i>verflucht sei, wer anfertigt ein Bild &amp;c</i>.
ו בו שבועה דכתיב (יהושע ו, כו) וישבע יהושע בעת ההיא לאמר ארור האיש לפני ה' וגו' ודלמא תרתי עבד להו אשבעינהו ולייטינהו
6 Ein Schwur, denn es heißt:<i>zu jener Zeit sprach Jehošua͑ folgenden Schwur aus: Verflucht vor dem Herrn sei der Mann &amp;c</i>. – Vielleicht tat er beides, er sprach einen Schwur und einen Fluch aus!? –
ז אלא מהכא (שמואל א יד, כד) ואיש ישראל נגש ביום ההוא ויואל שאול את העם לאמר ארור האיש אשר יאכל וגו' וכתיב (שמואל א יד, כז) ויהונתן לא שמע בהשביע אביו את העם ודלמא הכא נמי תרתי עבד להו אשבעינהו ולייטינהו
7 Dies ist vielmehr aus folgendem zu entnehmen:<i>und die Männer von Jisraél drängten sich an jenem Tage, da beschwor Šaúl das Volk durch folgende Verwünschung: Verflucht sei der Mann, der etwas ißt &amp;c</i>. und darauf heißt es: <i>Jonathan aber hatte nicht mitangehört, wie sein Vater das Volk beschworen hatte</i>. – Vielleicht tat er hier ebenfalls beides, er sprach einen Schwur und einen Fluch aus!? –
ח מי כתיב וארור השתא דאתית להכי התם נמי לא כתיב וארור
8 Es heißt ja nicht: und verflucht. – Jetzt nun, wo du auf diese Erklärung gekommen bist, ist auch bei jenem [Einwande] zu erwidern: es heißt ja nicht: und verflucht.
ט אמר רבי יוסי ברבי חנינא אמן בו שבועה בו קבלת דברים בו האמנת דברים
9 R. Jose h. R. Ḥanina sagte: Amen heißt: in diesem ist ein Schwur, in diesem ist eine Verpflichtung der Sache und in diesem ist eine Zustimmung der Sache.
י בו שבועה דכתיב (במדבר ה, כב) ואמרה האשה אמן אמן
10 In diesem ist ein Schwur, denn es heißt:<i>so soll das Weib sagen: Amen, Amen</i>.
יא בו קבלת דברים דכתיב (דברים כז, כו) ארור אשר לא יקים את דברי התורה הזאת לעשות אותם ואמר כל העם אמן
11 In diesem ist eine Verpflichtung der Sache, denn es heißt:<i>verflucht ist, wer die Worte dieses Gesetzes nicht aufrecht erhält, sie auszuüben; und das ganze Volk spreche: Amen</i>.
יב בו האמנת דברים דכתיב (ירמיהו כח, ה) ויאמר ירמיה [הנביא] (אל חנניהו) אמן כן יעשה ה' יקם ה' את דבריך
12 In diesem ist eine Zustimmung der Sache, denn es heißt:<i>da sprach der Prophet Jirmejaḥu (zu Ḥananjahu:) Amen, der Herr tue also, der Herr lasse deine Worte in Erfüllung gehen</i>.
יג אמר רבי אלעזר לאו שבועה הן שבועה בשלמא לאו שבועה דכתיב (בראשית ט, טו) ולא יהיה עוד המים למבול וכתיב (ישעיהו נד, ט) כי מי נח זאת לי אשר נשבעתי אלא הן שבועה מנא לן סברא הוא מדלאו שבועה הן נמי שבועה
13 R. Elea͑zar sagte: ‘Nein’ ist ein Schwur und ‘ja’ ist ein Schwur. – Allerdings ist ‘nein’ ein Schwur, denn es heißt:<i>die Gewässer sollen nicht wieder zu einer Flut werden</i>, und es heißt:<i>wie seit den Tagen</i><i>Noaḥs gilt dies mir, wo ich geschworen habe;</i> woher aber, daß ‘ja’ ein Schwur ist. – Dies ist einleuchtend; wenn ‘nein’ ein Schwur ist, so ist auch ‘ja’ ein Schwur.
יד אמר רבא והוא דאמר לאו לאו תרי זימני והוא דאמר הן הן תרי זימני דכתיב (בראשית ט, יא) ולא יכרת כל בשר עוד ממי המבול ולא יהיה עוד המים למבול ומדלאו תרי זימני הן נמי תרי זימני:
14 Raba sagte: Dies jedoch nur dann, wenn man zweimal ‘nein’ gesagt hat, beziehungsweise zweimal ‘ja’ gesagt hat, denn es heißt:<i>hinfort soll kein Geschöpf mehr hinweggetilgt werden durch das Wasser der Flut</i>, und: <i>die Gewässer sollen nicht mehr zu einer Flut werden</i>; und wenn das ‘nein’ zweimal wiederholt werden muß, so muß auch das ‘ja’ zweimal wiederholt werden.
טו המקלל בכולן חייב דברי ר"מ וחכמים פוטרין:
15 W<small>ER BEI DIESEN ALLEN FLUCHT, IST, WIE</small> R. M<small>EÍR SAGT, SCHULDIG UND NACH DEN</small> W<small>EISEN FREI</small>.
טז תנו רבנן (ויקרא כד, טו) איש [איש] כי יקלל אלהיו ונשא חטאו מה ת"ל והלא כבר נאמר (ויקרא כד, טז) ונקב שם ה' מות יומת יכול לא יהא חייב אלא על שם המיוחד בלבד מנין לרבות את הכינויין תלמוד לומר איש איש כי יקלל אלהיו וגו' מכל מקום דברי רבי מאיר וחכמים אומרים על שם מיוחד במיתה ועל הכינויין באזהרה:
16 Die Rabbanan lehrten:<i>jeder Mann, der seinem Gott flucht, der soll seine Sünde tragen;</i> was lehrt dies, es heißt ja bereits:<i>Wer den Namen Gottes lästert, soll getötet werden</i>? Man könnte glauben, man sei nur wegen des einzigen Gottesnamens strafbar, woher nun, daß auch alle Attribute einbegriffen sind? Es heißt: <i>jeder Mann, der seinem Gott flucht &amp;c</i>. in jedem Falle – so R. Meír. Die Weisen sagen, auf den einzigen Gottesnamen ist die Todesstrafe gesetzt, auf die Attribute nur ein Verbot.
יז והמקלל אביו ואמו וכו': מאן חכמים
17 W<small>ER</small> V<small>ATER UND</small> M<small>UTTER FLUCHT</small> &amp;<small>C</small>. Wer sind die Weisen? –
יח רבי מנחם בר יוסי דתניא רבי מנחם בר יוסי אומר (ויקרא כד, טז) בנקבו שם יומת מה ת"ל שם לימד על המקלל אביו ואמו שאינו חייב עד שיקללם בשם:
18 Es ist R. Menaḥem b. R. Jose, denn es wird gelehrt: R. Menaḥem b. R. Jose sagte:<i>Wenn er den Gottesnamen lästert, soll er getötet werden;</i> was bedeutet hier [das Wort] <i>Gottesnamen</i>? Dies lehrt, wer Vater und Mutter flucht, sei nur dann schuldig, wenn er ihnen beim Gottesnamen flucht.
יט והמקלל עצמו וחבירו כו': אמר רבי ינאי ודברי הכל
19 W<small>ER SICH SELBST ODER SEINEM</small> N<small>ÄCHSTEN FLUCHT</small> &amp;<small>C</small>. R. Jannaj sagte: Alle stimmen überein hinsichtlich des Falles,
כ עצמו דכתיב (דברים ד, ט) רק השמר לך ושמור נפשך מאד כדרבי אבין אמר רבי אילעא דאמר כל מקום שנאמר השמר פן ואל אינו אלא לא תעשה וחבירו דכתיב (ויקרא יט, יד) לא תקלל חרש:
20 wenn sich selbst, denn es heißt:<i>nur achte auf dich und hüte deine Seele</i>, und R. Abin sagte im Namen R. Ilea͑s, daß überall, wo es <i>achte, daß nicht</i> und <i>nicht</i> heißt, ein Verbot ausgedrückt sei. Seinem Nächsten, denn es heißt:<i>du sollst keinem Tauben fluchen</i>.
כא יכך ה' אלהים וכן יככה אלהים זו היא אלה הכתובה בתורה: יתיב רב כהנא קמיה דרב יהודה ויתיב וקאמר הא מתניתין כדתנן א"ל כנה
21 ‘G<small>OTT SCHLAGE DICH</small>,’ <small>ODER:</small> ‘<small>EBENSO SCHLAGE</small> G<small>OTT AUCH DICH</small>,’ <small>DAS IST DIE</small> E<small>IDVERWÜNSCHUNG, DIE IN DER</small> T<small>ORA GESCHRIEBEN IST</small>. R. Kahana saß vor R. Jehuda und trug diese Mišna in ihrem Wortlaute vor; da sprach dieser: Umschreibe.
כב יתיב ההוא מרבנן קמיה דרב כהנא ויתיב וקאמר (תהלים נב, ז) גם אל יתצך לנצח יחתך ויסחך מאהל ושרשך מארץ חיים סלה א"ל כנה
22 Einst saß ein Jünger vor R. Kahana und trug vor:<i>So wird dich Gott auch für immer zertrümmern, dich wegraffen und aus dem Zelte reißen und dich entwurzeln aus dem Lande des Lebens. Sela</i>. Da sprach er zu ihm: Umschreibe. –
כג תרתי למה לי מהו דתימא ה"מ מתניתין אבל בקראי אימא לא מכנינן קמ"ל:
23 Wozu sind beide [Erzählungen] nötig? – Man könnte glauben, dies gelte nur von einer Mišna, Schriftverse aber umschreibe man nicht, so lehrt er uns.
כד אל יכך ויברכך וייטיב לך רבי מאיר מחייב וחכמים פוטרין:
24 [S<small>AGTE ER</small>:] <small>ER SCHLAGE DICH NICHT, ODER: ER SEGNE DICH, ODER: ER LASSE ES DIR GUT GEHEN, SO SIND SIE NACH</small> R. M<small>EÍR SCHULDIG UND NACH DEN</small> W<small>EISEN FREI</small>.
כה והא לית ליה לר"מ מכלל לאו אתה שומע הן איפוך
25 R. Meír ist ja aber nicht der Ansicht, daß man aus dem ‘nein’ das ‘ja’entnehme!? – Wende es um.
כו כי אתא רבי יצחק תנא כדתנן אמר רב יוסף השתא דאנן תנן הכי וכי אתא רבי יצחק תני הכי ש"מ דוקא תנן
26 Als R. Jiçḥaq kam, lehrte er es, so wie wir es gelernt haben. R. Joseph sprach: Da wir es nun so lehren, und als R. Jiçḥaq kam, er es anders lehrte, so ist wohl zu entnehmen, daß man [die Lesart] genau nehme,
כז אלא קשיא כי לית ליה בממונא אבל באיסורא אית ליה
27 somit bleibt ja der Widerspruch bestehen!? – Nur bei Geldsachen ist er nicht dieser Ansicht, wohl aber ist er dieser Ansicht bei kanonischen Angelegenheiten. –
כח הרי סוטה דאיסורא הוא
28 Bei der Ehebruchsverdächtigten handelt es sich ja ebenfalls um eine kanonische Angelegenheit,
כט ואמר ר' תנחום בר חכינאי (במדבר ה, יט) הנקי כתיב טעמא דכתיב הנקי הא לאו הכי מכלל לאו אתה שומע הן לא אמרינן
29 dennoch erklärte R. Tanḥum b. Ḥakhinaj: weil es <i>ersticken</i>heißt; sonst aber würde er aus dem ‘nein’ das ‘ja’ entnehmen!? –