Sotah 9

Kapitel 9

א אפילו עושה צדקה בסתר דכתיב (משלי כא, יד) מתן בסתר יכפה אף וגו' לא ינקה מדינה של גיהנם
1 er bleibt, selbst wenn er heimlich Wohltätigkeit, wovon es heißt: <i>eine heimliche Gabe besänftigt den Zorn &amp;c</i>., vom Gerichte des Fegefeuers nicht verschont.
ב אזהרה לגסי הרוח מנין אמר רבא אמר זעירי (ירמיהו יג, טו) שמעו והאזינו אל תגבהו רב נחמן בר יצחק אמר מהכא (דברים ח, יד) ורם לבבך ושכחת וכתיב (דברים ח, יא) השמר לך פן תשכח את ה' אלהיך
2 Wo ist das Verbot des Hochmutes zu finden? Raba erwiderte im Namen Zee͑ris: <i>Höret und merkt auf, seid nicht hochmütig</i>. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Hieraus: <i>und dein Herz hochmütig wird und du vergißt</i>, und daneben heißt es: <i>achte darauf, daß du nicht vergißt den Herrn, deinen Gott</i>.
ג וכדרבי אבין אמר רבי אילעא דאמר רבי אבין אמר רבי אילעא כל מקום שנאמר השמר פן ואל אינו אלא בלא תעשה
3 Dies nach R. Abin im Namen R. Ilea͑s, denn R. Abin sagte im Namen R. Ilea͑s, daß überall, wo es <i>achte, daß nicht</i> und <i>nicht</i> heißt, ein Verbot ausgedrückt sei.
ד דרש רב עוירא זמנין אמר לה משמיה דרב אסי וזמנין אמר לה משמיה דרב אמי כל אדם שיש בו גסות הרוח לסוף מתמעט שנאמר (איוב כד, כד) רומו מעט ושמא תאמר ישנו בעולם ת"ל ואיננו
4 R. E͑zra trug vor, manchmal im Namen R. Asis und manchmal im Namen R. Amis: Jeder Mensch, dem Hochmut innewohnt, wird am Ende herabgesetzt, denn es heißt: <i>hoch sind sie, ein wenig</i>. Vielleicht glaubst du, er bleibe auf der Welt, so heißt es: <i>und er ist nicht mehr</i>.
ה ואם חוזר בו נאסף בזמנו כאברהם אבינו שנאמר (איוב כד, כד) והומכו ככל יקפצון כאברהם יצחק ויעקב דכתיב בהו (בראשית כד, א) בכל (בראשית כז, לג) מכל (בראשית לג, יא) כל ואם לאו (איוב כד, כד) וכראש שבולת ימלו
5 Wenn er umkehrt, so wird er hochbetagt hingerafft, gleich unserem Vater Abraham, denn es heißt: <i>gebeugt, wie alle eingerafft</i>, wie Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob, bei denen es <i>mit allem, von allem</i> und <i>alles</i> heißt. Wenn aber nicht: <i>wie die Ährenspitze abgeschnitten</i>. —
ו מאי וכראש שבולת רב הונא ורב חסדא חד אמר כי סאסא דשיבלתא וחד אמר כשיבולת עצמה בשלמא למאן דאמר כי סאסא דשיבלתא היינו דכתיב וכראש שבולת אלא למאן דאמר כי שובלתא עצמה מאי וכראש שבולת אמר רב אסי וכן תנא דבי רבי ישמעאל משל לאדם שנכנס לתוך שדהו גבוהה גבוהה הוא מלקט
6 Was heißt Ährenspitze? R. Hona und R. Ḥisda [erklärten es]; einer erklärt, die Fasern der Ähre, und einer erklärt, die Ähre selbst. — Erklärlich ist es nach demjenigen, der die Fasern der Ähre erklärt, daß es heißt: <i>wie die Ährenspitze</i>, wieso aber heißt es <i>Ährenspitze</i> nach demjenigen, der die Ähre selbst erklärt!? R. Asi erwiderte, und ebenso wurde in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: Wie wenn jemand in sein Feld kommt und nach und nach das Höherragende abliest.
ז (ישעיהו נז, טו) ואת דכא ושפל רוח רב הונא ורב חסדא חד אמר אתי דכא וחד אמר אני את דכא
7 <i>Dem Niedrigen und dem, der demütigen Geistes ist</i>. R. Hona und R. Ḥisda [erklärten es]; einer erklärte, bei mir ist der Niedrige, und einer erklärte, ich bin beim Niedrigen.
ח ומסתברא כמ"ד אני את דכא שהרי הקב"ה הניח כל הרים וגבעות והשרה שכינתו על הר סיני ולא גבה הר סיני למעלה
8 Einleuchtender aber ist die Ansicht desjenigen, der ich bin beim Niedrigen erklärt, denn der Heilige, gepriesen sei er, überging alle Berge und Hügel und ließ seine Göttlichkeit auf dem Berge Sinaj ruhen, nicht aber hob er den Berg Sinaj in die Höhe.
ט א"ר יוסף לעולם ילמד אדם מדעת קונו שהרי הקב"ה הניח כל הרים וגבעות והשרה שכינתו על הר סיני (והניח כל אילנות טובות והשרה שכינתו בסנה)
9 R. Joseph sagte: Stets lerne der Mensch von der Handlungsweise seines Schöpfers; der Heilige, gepriesen sei er, überging alle Berge und Hügel und ließ seine Göttlichkeit auf dem Berge Sinaj ruhen. Ferner überging er alle schönen Bäume und ließ seine Göttlichkeit im Dornbusche ruhen.
י א"ר אלעזר כל אדם שיש בו גסות הרוח ראוי לגדעו כאשירה כתיב הכא (ישעיהו י, לג) ורמי הקומה גדועים וכתיב התם (דברים ז, ה) ואשיריהם תגדעון
10 R. Elea͑zar sagte: Jeder Mensch, dem Hochmut innewohnt, verdient, daß man ihn wie einen Götzenbaum niederhaue. Von jenem heißt es: <i>die Hochragenden niedergehauen</i>, und von diesem heißt es: <i>ihre Götzenbäume sollt ihr niederhauen</i>.
יא וא"ר אלעזר כל אדם שיש בו גסות הרוח אין עפרו ננער שנא' (ישעיהו כו, יט) הקיצו ורננו שכני עפר שכבי בעפר לא נאמר אלא שכני עפר מי שנעשה שכן לעפר בחייו
11 Ferner sagte R. Elea͑zar: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so wird sein Staub nicht aufgewirbelt, denn es heißt: <i>erwachet und jauchzet, ihr Staubruhenden</i>; es heißt nicht: die ihr im Staube liegt, sondern <i>Staubruhende</i> [šokhne], die sich bei Lebzeiten dem Staube benachbart [šakhen] haben.
יב ואמר ר' אלעזר כל אדם שיש בו גסות הרוח שכינה מיללת עליו שנאמר (תהלים קלח, ו) וגבוה ממרחק יידע
12 Fernei sagte R. Elea͑zar: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so klagt die Göttlichkeit über ihn, denn es heißt: <i>er erkennt</i> <i>den Stolzen aus der Ferne</i>.
יג דרש רב עוירא ואיתימא רבי אלעזר בא וראה שלא כמדת הקב"ה מדת בשר ודם מדת בשר ודם גבוה רואה את הגבוה ואין גבוה רואה את השפל אבל מדת הקב"ה אינו כן הוא גבוה ורואה את השפל שנא' (תהלים קלח, ו) כי רם ה' ושפל יראה
13 R. E͑zra, nach anderen R. Elea͑zar trug vor: Komm und sieh, wie verschieden die Handlungsweise des Heiligen, gepriesen sei er, von der Handlungsweise eines [Menschen aus] Fleisch und Blut ist. Die Handlungsweise eines [Menschen aus] Fleisch und Blut ist, daß der Hohe den Hohen beachtet, nicht aber beachtet der Hohe den Niedrigen, anders aber ist die Handlungsweise des Heiligen, gepriesen sei er, er ist hoch und beachtet den Niedrigen, denn es heißt: <i>denn erhaben ist der Herr und sieht auf den Niedrigen</i>.
יד אמר רב חסדא ואיתימא מר עוקבא כל אדם שיש בו גסות הרוח אמר הקב"ה אין אני והוא יכולין לדור בעולם שנא' (תהלים קא, ה) מלשני בסתר רעהו אותו אצמית גבה עינים ורחב לבב אותו לא אוכל אל תקרי אותו אלא אתו לא אוכל איכא דמתני לה אמספרי לשון הרע שנא' מלשני בסתר רעהו אותו אצמית
14 R. Ḥisda, nach anderen Mar U͑qaba, sagte: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so spricht der Heilige, gepriesen sei er: Ich und er können nicht zusammen auf der Welt wohnen. Es heißt: <i>wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den vernichte ich, wer stolzen Blickes und aufgeblasenen Sinnes ist, den mag ich nicht</i>, und man lese nicht: <i>den mag ich nicht</i>, sondern: mit demmag ich nicht. Manche beziehen dies auf die Verleumder, denn es heißt: <i> wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den vernichte ich</i>.
טו א"ר אלכסנדרי כל אדם שיש בו גסות הרוח אפילו רוח קימעא עוכרתו שנאמר (ישעיהו נז, כ) והרשעים כים נגרש ומה ים שיש בו כמה רביעיות רוח קימעא עוכרתו אדם שאין בו אלא רביעית אחת עאכ"ו
15 R. Alexandri sagte: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so trübt ihn sogar der geringste Wind, denn es heißt:<i>die Gottlosen sind wie das aufgewühlte Meer</i>. Wenn das Meer, das viele Viertel[log] enthält, von einem kleinen Wind getrübt wird, um wieviel mehr ein Mensch, der nur ein Viertel[log] hat.
טז א"ר חייא בר אשי אמר רב ת"ח צריך שיהא בו אחד משמונה בשמינית א"ר הונא בריה דרב יהושע ומעטרא ליה כי סאסא לשבולתא אמר רבא בשמתא דאית ביה ובשמתא דלית ביה
16 R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Ein Schriftgelehrter muß davon ein Achtel eines Achtels haben. R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sagte: Das ziert ihn, wie die Fasern die Ähre. Raba sagte: Im Banne sei, wer ihn hat, und im Banne sei, wer davon nichts hat.
יז א"ר נחמן בר יצחק לא מינה ולא מקצתה מי זוטר דכתיב ביה (משלי טז, ה) תועבת ה' כל גבה לב
17 R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Nichts davon und auch nicht einen Teil davon. Nicht gering ist das, was geschrieben steht: <i>ein Gräuel ist dem Herrn ein stolzes Herz</i>.
יח אמר חזקיה אין תפלתו של אדם נשמעת אא"כ משים לבו כבשר שנא' (ישעיהו סו, כג) והיה מדי חדש בחדשו [וגו'] יבא כל בשר להשתחוות וגו'
18 R. Ḥizqija sagte: Das Gebet eines Menschen wird nur dann erhört, wenn er sein Herz zu Fleisch macht, denn es heißt: <i>und je von Neumond zu Neumond &amp;c</i>. <i>wird alles Fleisch kommen, um sich niederzuwerfen &amp;c</i>.
יט א"ר זירא בשר כתיב ביה (ויקרא יג, יח) ונרפא אדם לא כתיב ביה ונרפא
19 R. Zera sagte: Vom Fleische heißt es <i>und heilt</i>, vom Menschen aber heißt es nicht <i>und heilt</i>.
כ א"ר יוחנן אד"ם א"פר ד"ם מ"רה בש"ר ב"ושה ס"רוחה ר"מה איכא דאמרי שאול דכתיב בשין
20 R. Joḥanan sagte: Mensch [bedeutet] Staub, Blut, Galle, Fleisch [bedeutet] Scham, Gestank, Gewürm. Manche sagen: Unterwelt, denn es wird mit einem Sin geschrieben.
כא א"ר אשי כל אדם שיש בו גסות הרוח לסוף נפחת שנאמר
21 R. Aši sagte: Jeder Mensch, dem Hochmut innewohnt, wird am Ende entwürdigt, denn es heißt: