Taanit 34

Kapitel 34

א כרבי מכלל דרבנן אסרי מ"ט מהרה יבנה בית המקדש ובעינן כהן הראוי לעבודה וליכא הכא אפשר דמספר ועייל
1 Nach Rabbi. Demnach verbieten es die Rabbanan!? – Aus dem Grunde, weil gar schnell der Tempel erbaut werden kann, und man einen dienstfähigen Priester sucht, ohne einen zu finden, hierbei aber kann er sich das Haar schneiden lassen und [zum Dienste] eintreten. –
ב אי הכי שתוי יין נמי אפשר דגני פורתא ועייל כדרמי בר אבא דאמר רמי בר אבא דרך מיל ושינה כל שהוא מפיגין את היין לאו מי איתמר עלה אמר רב נחמן אמר רבה בר אבוה לא שנו אלא כששתה שיעור רביעית אבל שתה יותר מרביעית כל שכן שדרך מטרידתו ושינה משכרתו
2 Demnach kann ja auch der Wein trunkene ein wenig schlafen und [zum Dienste] eintreten!? Dies nach Rami b. Abba, denn Rami b. Abba sagte, ein Mil des Weges oder ein wenig Schlaf treiben den Wein aus. – Hierüber ist ja gelehrt worden: R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha, dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn man das Quantum eines Viertellog getrunken hat, wenn man aber mehr als ein Viertellog getrunken hat, so steigere der Weg um so mehr die Müdigkeit und der Schlaf den Rausch.
ג רב אשי אמר שתויי יין דמחלי עבודה גזרו בהו רבנן פרועי ראש דלא מחלי עבודה לא גזרו בהו רבנן
3 R. Aši erwiderte: Die Weintrunkenheit entweiht den Dienst, daher haben die Rabbanan dabei eine Maßregel getroffen, der Haarwuchs entweiht den Dienst nicht, daher haben die Rabbanan dabei keine Maßregel getroffen.
ד מיתיבי ואלו שהן במיתה שתויי יין ופרועי ראש בשלמא שתויי יין בהדיא כתיב בהו (ויקרא י, ט) יין ושכר אל תשת אלא פרועי ראש מנלן
4 Man wandte ein: Folgende [Priester] verfallen dem Tode: die Wein getrunken haben, und die den Haarwuchs herabhängen lassen. Allerdings, die Wein getrunken haben, da es von ihnen ausdrücklich heißt: <i>Wein und Rauschtrank sollst du nicht trinken</i>, woher dies aber von denen, die ihren Haarwuchs herabhängen lassen!?
ה דכתיב (יחזקאל מד, כ) וראשם לא יגלחו ופרע לא ישלחו וכתיב בתריה ויין לא ישתו כל כהן בבאם אל החצר הפנימית ואיתקוש פרועי ראש לשתויי יין מה שתויי יין במיתה אף פרועי ראש במיתה
5 Es heißt: <i>ihr Haupt sollen sie nicht scheren, aber auch ihren Haarwuchs nicht herabhängen lassen</i>, und darauf folgt: <i>und Wein sollen die Priester nicht trinken, wenn sie den inneren Hof betreten</i>; der Haarwuchs wird mit der Weintrunkenheit verglichen: wie der Weintrunkene dem Tode verfällt, ebenso verfällt auch der dem Tode, der den Haarwuchs herabhängen läßt.
ו ומינה אי מה שתויי יין דמחלי עבודה אף פרועי ראש דמחלי עבודה (לא כי איתקוש למיתה הוא דאיתקוש אבל לאחולי עבודה לא איתקוש)
6 Hieraus zu entnehmen: wie der Weintrunkene, weil er den Dienst entweiht, ebenso der den Haarwuchs herabhängen läßt, weil er den Dienst entweiht!? [Nein, sie gleichen einander nur hinsichtlich des Todes, hinsichtlich der Dienstentweihung aber gleichen sie einander nicht.]
ז א"ל רבינא לרב אשי הא מקמי דאתא יחזקאל מאן אמרה א"ל וליטעמיך הא דאמר רב חסדא דבר זה מתורת משה לא למדנו ומדברי קבלה למדנו (יחזקאל מד, ט) כל בן נכר ערל לב וערל בשר לא יבוא אל מקדשי (לשרתני) הא מקמי דאתא יחזקאל מאן אמרה
7 Rabina sprach zu R. Aši: Wer sagte dies, bevor Jeḥezqél kam? Dieser erwiderte: Wie willst du nach deiner Auffassung das erklären, was R. Ḥisda gesagt hat, daß wir dies nämlich nicht aus der Tora Mošes lernen, sondern aus den Propheten, denn es heißt: <i>kein Fremdling, der unbeschnittenen Herzens und unbeschnittenen Fleisches ist, soll in mein Heiligtum eintreten</i>; wer sagte dies nun bevor Jeḥezqél kam!?
ח אלא גמרא גמיר לה ואתא יחזקאל ואסמכה אקרא הכא נמי גמרא גמיר לה ואתא יחזקאל ואסמכה אקרא (כי גמירי הלכה למיתה לאחולי עבודה לא גמירי):
8 Vielmehr mußt du sagen, es war eine überlieferte Lehre, und Jeḥezqél kam und schrieb sie nieder, ebenso war auch dies eine überlieferte Lehre, und Jeḥezqél kam und schrieb sie nieder. Die überlieferte Halakha bezog sich nur auf den Tod, nicht aber bezog sie sich auf die Dienstentweihung.
ט כל הכתוב במגילת תענית דלא למיספד לפניו אסור לאחריו מותר: תנו רבנן אלין יומיא דלא להתענאה בהון ומקצתהון דלא למיספד בהון מריש ירחא דניסן ועד תמניא ביה איתוקם תמידא דלא למיספד בהון מתמניא ביה עד סוף מועדא איתותב חגא דשבועיא דלא למיספד בהון
9 W<small>ENN ES IN DER</small> F<small>ASTENROLLE HEISST, MAN DÜRFE</small> [<small>AN EINEM</small> T<small>AGE</small>] <small>KEINE</small> T<small>RAUER VERANSTALTEN, SO IST ES</small> [<small>AM</small> T<small>AGE</small>] <small>VORHER VERBOTEN UND NACHHER ERLAUBT</small>. Die Rabbanan lehrten: Folgende Tage sind es, an denen das Fasten verboten ist, und manche, an denen [auch] die Trauer verboten ist. Vom Neumondstage des Nisan bis zum achten desselben darf, weil dann das beständige Opfer eingeführt wurde, nicht gefastet werden: vom achten desselben bis zum Schlusse des Festes ist, weil dann das Wochenfest festgesetzt wurde, die Trauer verboten.
י אמר מר מריש ירחא דניסן עד תמניא ביה איתוקם תמידא דלא למיספד למה לי מריש ירחא לימא מתרי בניסן ור"ח גופיה יו"ט הוא ואסור אמר רב לא נצרכה אלא לאסור יום שלפניו
10 Der Meister sagte: Vom Neumondstage des Nisan bis zum achten desselben darf, weil dann das beständige Opfer eingeführt wurde, nicht gefastet werden. Wozu heißt es ‘vom Neujahrstage’, er sollte doch ‘vom zweiten’ lehren, da der Neumond an sich ein Festtag und an diesem [das Fasten] verboten ist!? Rabh erwiderte: Dies ist deshalb nötig, daß es auch am vorangehenden Tage verboten ist. –
יא ושלפניו נמי תיפוק ליה דהוה ליה יום שלפני ראש חדש ר"ח דאורייתא הוא ודאוריית' לא בעי חיזוק
11 Auch am vorangehenden Tage ist es ja ohnehin verboten, da er dem Neumondstage vorangeht!? – Der Neumond ist ein Gebot der Tora, und Gebote der Tora brauchen keiner Verschärfung.
יב דתניא הימים האלה הכתובין במגילת תענית לפניהם ולאחריהם אסורין שבתות וימים טובים הן אסורין לפניהן ולאחריהן מותרין ומה הפרש בין זה לזה הללו דברי תורה ודברי תורה אין צריכין חיזוק הללו דברי סופרים ודברי סופרים צריכין חיזוק
12 Es wird nämlich gelehrt: Bei den in der Fastenrolle genannten Tagen ist es auch [am Tage] vorher und [am Tage] nachher verboten, an Šabbathen und Festtagen aber ist es nur an diesen selbst verboten, nicht aber vorher und nachher. Welchen Unterschied gibt es zwischen diesen und jenen? Diese sind ein Gebot der Tora, und Gebote der Tora brauchen keiner Verschärfung, jene sind Anordnungen der Schriftkundigen und Anordnungen der Schriftkundigen brauchen einer Verschärfung.
יג אמר מר מתמניא ביה עד סוף מועדא איתותב חגא דשבועיא דלא למיספד למה לי עד סוף מועד לימא עד המועד ומועד גופיה יום טוב הוא ואסור אמר רב פפא כדאמר רב לא נצרכא
13 Der Meister sagte: Vom achten desselben bis zum Schlusse des Festes ist, weil dann das Wochenfest festgesetzt wurde, die Trauer verboten. Wozu heißt es ‘bis zum Schlusse des Festes’, er sollte doch ‘bis zum Feste’ lehren, da das Fest ohnehin Feiertag und an diesem [das Fasten] verboten ist!? R. Papa erwiderte: Wie Rabh oben erklärte, es sei deshalb nötig,