Taanit 35

Kapitel 35

א אלא לאסור יום שלפניו ה"נ לא נצרכה אלא לאסור יום שלאחריו כמאן כרבי יוסי דאמר בין לפניו בין לאחריו אסור אי הכי בעשרים ותשעה נמי מאי איריא דהוי יומא דמקמי יומא דמיתוקם תמידא תיפוק ליה דה"ל יומא דבתר עשרין ותמניא ביה
1 daß es auch am vorhergehenden Tage verboten ist, ebenso ist es auch hierbei nötig, daß es auch am folgenden Tage verboten ist. – Also nach R. Jose, welcher sagt, es sei [am Tage] vorher und nachher verboten. Wozu braucht demnach beim neunundzwanzigsten [Adar] begründet zu werden, weil er dem Tage vorangeht, an dem das beständige Opfer eingeführt wurde, es sollte ja der Umstand ausreichen, daß er dem achtundzwanzigsten folgt!?
ב דתניא בעשרים ותמני' ביה אתת בשורתא טבתא ליהודאי דלא יעידון מן אורייתא שפעם אחת נגזרה גזירה על ישראל שלא יעסקו בתורה ושלא ימולו את בניהם ושיחללו שבתות מה עשה יהודה בן שמוע וחביריו הלכו ונטלו עצה ממטרוניתא אחת שכל גדולי רומי מצויין אצלה
2 Es wird nämlich gelehrt: Am achtundzwanzigsten [Adar] erhielten die Juden eine gute Botschaft, daß sie sich der Tora nicht zu entziehen brauchen. Die ruchlose Regierung hatte nämlich Religionsverfolgung über Jisraél verhängt, sich mit der Tora nicht zu befassen, ihre Söhne nicht zu beschneiden und den Šabbath zu entweihen. Was taten Jehuda b. Šamua͑ und seine Genossen? Sie gingen und holten sich Rat von einer Matrone, bei der die Vornehmen Roms zu verkehren pflegten,
ג אמרה להם עמדו והפגינו בלילה הלכו והפגינו בלילה אמרו אי שמים לא אחים אנחנו לא בני אב אחד אנחנו לא בני אם אחת אנחנו מה נשתנינו מכל אומה ולשון שאתם גוזרין עלינו גזירות רעות ובטלום ואותו היום עשאוהו יו"ט
3 und diese sprach zu ihnen: Macht euch auf und lärmt nachts. Darauf gingen sie und lärmten nachts, indem sie riefen: O Himmel, sind wir nicht eure Brüder, sind wir nicht Kinder eines Vaters, sind wir nicht Kinder einer Mutter; womit sind wir anders als alle übrigen Nationen und Sprachstämme, daß ihr über uns solch schwere Verordnungen verhängt!? Da hoben sie [die Verfolgung] auf, und diesen Tag machte man zum Feste.
ד אמר אביי לא נצרכה אלא לחדש מעובר
4 Abajje erwiderte: Dies ist für den Fall nötig, wenn [der Adar] Schaltmonat ist.
ה רב אשי אמר אפילו תימא לחדש חסר כל שלאחריו בתענית אסור בהספד מותר וזה הואיל ומוטל בין שני ימים טובים עשאוהו כיו"ט עצמו ואפילו בהספד נמי אסור
5 R. Aši erwiderte: Du kannst auch sagen, wenn der Monat unvollzählig ist, denn an einem diesen folgenden [Tage] ist nur das Fasten verboten und die Trauer erlaubt, diesen aber haben sie, da er zwischen zwei Feiertagen liegt, den Feiertagen selbst gleichgestellt, und an diesem ist auch die Trauer verboten.
ו אמר מר מתמניא ביה ועד סוף מועדא איתותב חגא דשבועיא דלא למיספד למה לי למימר מתמניא ביה לימא מתשעה ביה ותמניא גופיה אסור דה"ל יומא דאיתוקם ביה תמידא
6 Der Meister sagte: Vom achten desselben bis zum Schlusse des Festes ist, weil dann das Wochenfest festgesetzt wurde, die Trauer verboten. Wozu heißt es ‘vom achten’, er sollte doch ‘vom neunten’ lehren, da es am achten ohnehin verboten ist, weil er zu den Tagen gehört, in denen das beständige Opfer eingeführt wurde!? –
ז כיון דאילו מקלע (ליה) מילתא ובטליניה לשבעה תמניא גופיה אסור דה"ל יומא קמא דאיתותב ביה חגא דשבועיא
7 Sollte es geschehen, daß die Feier der sieben Tage aufgehoben wird, so ist es am achten noch immer verboten, weil er der erste der Tage ist, an denen das Wochenfest festgesetzt wurde. –
ח השתא דאתית להכי עשרים ותשעה נמי כיון דאילו מיקלע מילתא ובטליניה לעשרים ותמניא עשרין ותשעה גופיה אסור דה"ל יומא דמקמי יומא דאיתוקם תמידא
8 Jetzt nun, wo du darauf gekommen bist, kannst du dies auch auf den neunundzwanzigsten [Adar] beziehen: sollte es geschehen, daß die Feier des achtundzwanzigsten aufgehoben wird, so ist es am neunundzwanzigsten noch immer verboten, weil er dem Tage vorangeht, an dem das beständige Opfer eingeführt wurde.
ט איתמר ר' חייא בר אסי אמר רב הלכה כר' יוסי ושמואל אמר הלכה כר' מאיר
9 Es wurde gelehrt: R. Ḥija b. Asi sagte im Namen Rabhs, die Halakha sei wie R. Jose; Šemuél sagte, die Halakha sei wie R. Meír. –
י ומי אמר שמואל הכי והתניא רשב"ג אומר ומה תלמוד לומר בהון בהון שתי פעמים לומר לך שהן אסורין לפניהן ולאחריהן מותרין ואמר שמואל הלכה כרבן שמעון בן גמליאל
10 Kann Šemuél dies denn gesagt haben, es wird ja gelehrt: R. Šimo͑n b.Gamliél sagte: Wozu heißt es zweimal ‘an denen’? Um dir zu sagen, daß es nur an diesen verboten ist, [am Tage] vorher und [am Tage] nachher aber ist es erlaubt. Hierzu sagte Šemuél, die Halakha sei wie R. Šimo͑n b. Gamliél!? –
יא מעיקרא סבר כיון דליכא תנא דמיקל כרבי מאיר אמר הלכה כרבי מאיר כיון דשמעיה לרבן שמעון דמיקל טפי אמר הלכה כרבן שמעון בן גמליאל
11 Anfangs glaubte er, es gebe keinen Autor, der so erleichternd wie R. Meír ist, daher sagte er, die Halakha sei wie R. Meír, nachdem er aber hörte, R. Šimo͑n sei noch erleichternder, sagte er, die Halakha sei wie R. Šimo͑n b. Gamliél.
יב וכן אמר באלי אמר רבי חייא בר אבא א"ר יוחנן הלכה כרבי יוסי א"ל רבי חייא לבאלי אסברא לך כי אמר ר' יוחנן הלכה כרבי יוסי אדלא להתענאה
12 Desgleichen sagte Bali im Namen des R. Ḥija b. Abba im Namen R. Joḥanans, die Halakha sei wie R. Jose: R. Ḥija sprach zu Bali: Ich will es dir erklären: was R. Joḥanan sagte, die Halakha sei wie R. Jose, bezieht sich nur auf das Verbot des Fastens. –
יג ומי אמר רבי יוחנן הכי והאמר ר' יוחנן הלכה כסתם משנה ותנן אע"פ שאמרו מקדימין ולא מאחרין
13 Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben, er sagte ja, die Halakha sei wie die anonyme Mišna, und wir haben gelernt: Obgleich sie gesagt haben, man lese sie früher und nicht später,