Taanit 47

Kapitel 47

א יומא חד שמעיה דקא גריס אמר שמואל השולה דג מן הים בשבת כיון שיבש בו כסלע חייב א"ל ולימא מר ובין סנפיריו אמר ליה ולא סבר לה מר דההיא רבי יוסי בן רבי אבין אמרה אמר ליה אנא ניהו
1 Eines Tages hörte er ihn lehren: Šemuél sagte: Wer [am Šabbath] einen Fisch aus dem Meere zieht, ist schuldig, sobald an ihm die Größe eines Sela͑ trocken wird. Da sprach er zu ihm: Möge doch der Meister ergänzen: zwischen den Flossen. Jener entgegnete: Weiß denn der Meister nicht, daß R.Jose b. Abin es gesagt hat!? Dieser erwiderte: Ich bin es.
ב א"ל ולאו קמיה דר' יוסי דמן יוקרת הוה שכיח מר א"ל (הין) א"ל ומ"ט שבקיה מר ואתא הכא אמר ליה גברא דעל בריה ועל ברתיה לא חס עלי דידי היכי חייס
2 Hierauf fragte jener: Pflegte der Meister nicht [die Lehrvorträge des] R. Jose aus Joqereth zu besuchen? Dieser erwiderte: Jawohl. Jener fragte: Weshalb verließ ihn der Meister und kommt nun hierher? Dieser erwiderte: Ein Mann, der seinen Sohn und seine Tochter nicht schonte, wie sollte er mich schonen?
ג בריה מאי היא יומא חד הוו אגרי ליה אגירי בדברא נגה להו ולא אייתי להו ריפתא אמרו ליה לבריה כפינן הוו יתבי תותי תאינתא אמר תאנה תאנה הוציאי פירותיך ויאכלו פועלי אבא אפיקו ואכלו
3 Welches Bewenden hat es mit seinem Sohne? – Eines Tages hatte er Tagelöhner auf dem Felde, und als es spät wurde, ohne daß er ihnen zu essen brachte, sprachen sie zu seinem Sohne: Wir haben Hunger. Da sie gerade unter einem Feigenbaume saßen, rief er aus: O Feigenbaum, bringe doch deine Früchte hervor, damit die Arbeiter meines Vaters zu essen haben! Da brachte er welche hervor und sie aßen.
ד אדהכי והכי אתא אבוה אמר להו לא תינקטו בדעתייכו דהאי דנגהנא אמצוה טרחנא ועד השתא הוא דסגאי אמרו ליה רחמנא לישבעך כי היכי דאשבען ברך אמר להו מהיכא אמרו הכי והכי הוה מעשה אמר לו בני אתה הטרחת את קונך להוציא תאנה פירותיה שלא בזמנה יאסף שלא בזמנו
4 Hierauf kam der Vater und sprach zu ihnen: Nehmet mir die Verzögerung nicht übel; ich habe mich verspätet, weil ich mich mit einer gottgefälligen Handlung befaßte und bis jetzt aufgehalten wurde. Diese erwiderten: Möge der Allbarmherzige dich sättigen, wie dein Sohn uns gesättigt hat. Als er sie fragte, wieso denn, erzählten sie ihm das ganze Ereignis. Da sprach er zu ihm: Mein Sohn, du hast deinen Schöpfer belästigt, daß der Feigenbaum seine Früchte vor der Zeit hervorbringe, so verscheide auch du vor der Zeit! –
ה ברתיה מאי היא הויא ליה ברתא בעלת יופי יומא חד חזיא לההוא גברא דהויא כריא בהוצא וקא חזי לה אמר לו מאי האי אמר ליה רבי אם ללוקחה לא זכיתי לראותה לא אזכה אמר לה בתי קא מצערת להו לברייתא שובי לעפריך ואל יכשלו ביך בני אדם
5 Welches Bewenden hat es mit seiner Tochter? – Er hatte eine Tochter von großer Schönheit. Als er einst bemerkte, wie jemand den Zaun durchbrach und [durch die Spalte] guckte, fragte er ihn: Was soll dies? Dieser erwiderte: Meister, wenn es mir nicht beschieden ist, sie zu bekommen, sollte es mir auch nicht beschieden sein, sie zu sehen!? Da sprach er: Meine Tochter, du quälst die Menschen, kehre zurück zu deinem Staube, damit die Menschen durch dich nicht straucheln.
ו הויא ליה ההוא חמרא כדהוו אגרי לה כל יומא לאורתא הוו משדרי לה אגרה אגבה ואתיא לבי מרה ואי טפו לה או בצרי לה לא אתיא יומא חד אינשו זוגא דסנדלי עלה ולא אזלה עד דשקלונהו מינה והדר אזלה
6 Er hatte auch einen Esel, der während des ganzen Tages vermietet wurde. Abends legte man ihm das Mietgeld auf den Rücken, und er ging heim zu seinem Herrn; wenn es aber zu viel oder zu wenig war, ging er nicht fort. Eines Tages wurden auf seinem Rücken ein paar Sandalen vergessen, und er ging nicht eher fort, als bis man es herunternahm. (Erst dann ging er fort.)
ז אלעזר איש בירתא כד הוו חזו ליה גבאי צדקה הוו טשו מיניה דכל מאי דהוה גביה יהיב להו יומא חד הוה סליק לשוקא למיזבן נדוניא לברתיה חזיוהו גבאי צדקה טשו מיניה
7 Wenn die Spendensammler Elea͑zar aus Birath sahen, versteckten sie sich, weil er ihnen alles hergab, was er bei sich hatte. Eines Tages ging er auf den Markt, um Brautausstattung für seine Tochter zu kaufen, und als die Spendensammler ihn bemerkten, versteckten sie sich vor ihm;
ח אזל ורהט בתרייהו אמר להו אשבעתיכו במאי עסקיתו אמרו ליה ביתום ויתומה אמר להן העבודה שהן קודמין לבתי שקל כל דהוה בהדיה ויהב להו פש ליה חד זוזא זבן ליה חיטי ואסיק שדייה באכלבא
8 er aber eilte ihnen nach und sprach: Ich beschwöre euch: womit befaßt ihr euch? Diese erwiderten: Mit [der Ausstattung] eines Waisenpaares. Da sprach er zu ihnen: Beim Kult, diese sind bevorzugter als meine Tochter. Hierauf gab er ihnen alles her, was er bei sich hatte. Ein Zuz aber blieb ihm zurück, und für diesen kaufte er Weizen, den er in die Vorratskammer tat.
ט אתא דביתהו אמרה לה לברתיה מאי אייתי אבוך אמרה לה כל מה דאייתי באכלבא שדיתיה אתיא למיפתח בבא דאכלבא חזת אכלבא דמליא חיטי וקא נפקא בצינורא דדשא ולא מיפתח בבא מחיטי אזלא ברתיה לבי מדרשא אמרה ליה בא וראה מה עשה לך אוהבך אמר לה העבודה הרי הן הקדש עליך ואין לך בהן אלא כאחד מעניי ישראל
9 Als seine Frau kam, fragte sie die Tochter: Was brachte dir der Vater? Diese erwiderte: Alles, was er brachte, tat er in die Vorratskammer. Da ging sie die Tür der Vorratskammer öffnen und fand die ganze Kammer voll Weizen, der in die Türpfanne gedrungen war, sodaß man [vor Weizen] die Tür nicht öffnen konnte. Hierauf ging die Tochter ins Lehrhaus und sprach zu ihm: Komm und sieh, was dein Freund dir beschert hat! Er aber erwiderte ihr: Beim Kult, es soll dir als Geheiligtes gelten; du sollst daran nicht mehr haben, als jeder andere Arme in Jisraél.
י ר' יהודה נשיאה גזר תעניתא בעי רחמי ולא אתא מיטרא אמר כמה איכא משמואל הרמתי ליהודה בן גמליאל אוי לו לדור שכן נתקע אוי לו למי שעלתה בימיו כך חלש דעתיה ואתא מיטרא
10 R. Jehuda der Fürst verfügte einst ein Fasten; er flehte um Erbarmen, doch kam kein Regen. Da sprach er: Welchen Unterschied gibt es doch zwischen Šemuél aus Rama und Jehuda, dem Sohne Gamliéls! Wehe dem Zeitalter, das so gesunken ist, und wehe dem, in dessen Tagen sich solches ereignet. Er grämte sich darüber, und Regen kam.
יא דבי נשיאה גזר תעניתא ולא אודעינהו לרבי יוחנן ולריש לקיש לצפרא אודעינהו אמר ליה ריש לקיש לרבי יוחנן הא לא קבילנא עלן מאורתא אמר ליה אנן בתרייהו גררינן
11 Einst verfügten sie beim Fürsten ein Fasten, ohne es R. Joḥanan und Reš Laqiš mitgeteilt zu haben, und erst am folgenden Morgen teilte man es ihnen mit. Da sprach Reš Laqiš zu R. Joḥanan: Wir haben es ja nicht am vorhergehenden Abend auf uns genommen! Dieser erwiderte: Wir schließen uns ihnen an.
יב דבי נשיאה גזר תעניתא ולא אתא מיטרא תנא להו אושעיא זעירא דמן חברייא (במדבר טו, כד) והיה אם מעיני העדה נעשתה לשגגה
12 Einst verfügten sie beim Fürsten ein Fasten, aber es kam kein Regen. Da trug ihnen Ošaja, der jüngste im Kollegium, vor: <i>Und wenn dies vor den Augen der Gemeinde versehentlich geschah</i>;
יג משל לכלה שהיא בבית אביה כל זמן שעיניה יפות אין כל גופה צריכה בדיקה עיניה טרוטות כל גופה צריכה בדיקה
13 dies gleicht der Braut im Hause ihres Vaters: sind ihre Augen schön, so braucht ihr übriger Körper nicht untersucht zu werden, sind aber ihre Augen trübe, so muß ihr ganzer Körper untersucht werden.
יד אתו עבדיה ורמו ליה סודרא בצואריה וקא מצערו ליה אמרו (ליה) בני מאתיה שבקיה דהא נמי מצער לן כיון דחזינן דכל מיליה לשום שמים לא אמרי ליה מידי ושבקינן ליה אתון נמי שבקוהו
14 Da kamen die Diener, warfen ihm ein Tuch um den Hals und quälten ihn. Hierauf sprachen die Einwohner der Stadt zu ihnen: Lasset ihn; er hat uns auch gekränkt, dennoch lassen wir ihn zuruh und tun ihm nichts, weil wir sehen, daß all sein Tun um des Himmels willen geschieht; lasset auch ihr von ihm ab.
טו רבי גזר תעניתא ולא אתא מיטרא נחית קמיה אילפא ואמרי לה רבי אילפי אמר משיב הרוח ונשא זיקא מוריד הגשם ואתא מיטרא אמר ליה מאי עובדך אמר ליה דיירנא בקוסטא דחיקא דלית ביה חמרא לקידושא ואבדלתא טרחנא ואתינא חמרא לקידושא ואבדלתא ומפיקנא להו ידי חובתייהו
15 Einst verfügte Rabbi ein Fasten, aber es kam kein Regen. Da trat Ilpha, und wie manche sagen, Ilphi, vor [die Lade], und als er sprach: ‘Er läßt den Wind wehen’, da erhob sich ein Wind, ‘Er läßt den Regen niederfallen’, kam Regen. Jener fragte ihn: Was ist deine Beschäftigung? Dieser erwiderte: Ich wohne in einer armseligen Ortschaft, wo kein Wein für den Weihsegen und den Unterscheidungssegen zu haben ist; ich aber bemühe mich, Wein für den Weihsegen und den Unterscheidungssegen zu besorgen, und entledige die Leute ihrer Pflicht.
טז רב איקלע לההוא אתרא גזר תעניתא ולא אתא מיטרא נחית קמיה שליחא דצבורא אמר משיב הרוח ונשב זיקא אמר מוריד הגשם ואתא מיטרא אמר ליה מאי עובדך אמר ליה מיקרי דרדקי אנא ומקרינא לבני עניי כבני עתירי וכל דלא אפשר ליה לא שקלינא מיניה מידי ואית לי פירא דכוורי וכל מאן דפשע משחדינא ליה מינייהו ומסדרינן ליה ומפייסינן ליה עד דאתי וקרי
16 Einst kam Rabh in eine Ortschaft und verfügte ein Fasten, aber es kam kein Regen. Da trat der Gemeindevertreter vor [die Lade] und als er sprach: ‘Er läßt den Wind wehen’, erhob sich ein Wind, ’Er läßt den Regen niederfallen’, kam Regen. Jener fragte: Was ist deine Beschäftigung? Dieser erwiderte: Ich bin Kinderlehrer und unterrichte die Armen wie die Reichen; von dem aber, der nicht bezahlen kann, verlange ich nichts. Ferner habe ich einen Behälter mit Fischen, und wenn ein Knabe widerspenstig ist, so schenke ich ihm von diesen, oder schicke ihm welche und üherrede ihn, bis er zum Unterrichte kommt.
יז רב נחמן גזר תעניתא בעא רחמי ולא אתא מיטרא אמר שקלוה לנחמן חבוטו מן גודא לארעא חלש דעתיה ואתא מיטרא
17 Einst verfügte R. Naḥman ein Fasten; er flehte um Erbarmen, aber es kam kein Regen. Da sprach er: Schleudert den Naḥman von der Wand auf die Erde. Er war sehr niedergeschlagen, und darauf kam Regen.
יח רבה גזר תעניתא בעי רחמי ולא אתא מיטרא אמרו ליה והא רב יהודה כי הוה גזר תעניתא אתא מיטרא אמר להו מאי אעביד אי משום תנויי אנן עדיפינן מינייהו דבשני דרב יהודה כל תנויי
18 Einst verfügte Rabba ein Fasten; er flehte um Erbarmen, aber es kam kein Regen. Da sprachen sie zu ihm: Wenn R. Jehuda ein Fasten verfügte, kam sofort Regen! Dieser erwiderte: Was kann ich machen: sollte es auf das Gesetzesstudium ankommen, so sind wir ja weiter als jene, denn in den Jahren R. Jehudas beschränkte sich nämlich das ganze Studium