Taanit 48

Kapitel 48

א בנזיקין הוה ואנן קא מתנינן בשיתא סדרין וכי הוה מטי רב יהודה בעוקצין האשה שכובשת ירק בקדירה ואמרי לה זיתים שכבשן בטרפיהן טהורין אמר הויי' דרב ושמואל קא חזינא הכא
1 auf [die Sektion von den] Schäden, während wir alle sechs Sektionen studieren. Wenn nämlich R. Jehuda [im Traktate] Uqçin [zum Passus] «Eine Frau, die Kräuter in einen Topf eingelegt hat», wie manche sagen, [zum Passus] «Oliven, die man mit ihren Blättern eingelegt hat, sind rein», herankam, rief er: Die Disputationen von Rabh und Šemuél finden wir hier!
ב ואנן קא מתנינן בעוקצין תליסר מתיבתא ואילו רב יהודה כי הוה שליף חד מסאנא אתי מיטרא ואנן קא צווחינן כולי יומא וליכא דאשגח בן אי משום עובדא אי איכא דחזא מידי לימא אבל מה יעשו גדולי הדור שאין דורן דומה יפה
2 Wir aber lernen Uqçin in dreizehn Vorlesungen. Und dennoch, sobald R. Jehuda einen Schuh abzog, kam Regen, wir aber schreien den ganzen Tag, und niemand achtet auf uns. Und sollte es auf die Werke ankommen, so möge doch derjenige, der etwas [Unrechtes] bemerkt hat, kommen und sagen! Was aber vermögen die Großen des Zeitalters zu tun, wenn das Zeitalter selbst nicht gut angeschrieben ist!?
ג רב יהודה חזא הנהו בי תרי דהוו קא פרצי בריפתא אמר שמע מינה איכא שבעא בעלמא יהיב עיניה הוה כפנא אמרו ליה רבנן לרב כהנא בריה דרב נחוניא שמעיה מר דשכיח קמיה ניעשייה דליפוק בפתחא דסמוך לשוקא עשייה ונפק לשוקא חזא כנופיא
3 Einst sah R. Jehuda, wie zwei Leute Mißbrauch mit Brot trieben. Da sprach er: Es scheint, daß Sättigkeit in der Welt herrscht. Da richtete er sein Auge, und Hunger trat ein. Hierauf sprachen die Rabbanan zu R. Kahana, dem Sohne des R. Neḥunja: Der Diener des Meisters, der oft bei ihm ist, veranlasse ihn, durch die Pforte zu gehen, die zum Markte führt. Jener tat dies, und als er auf den Markt kam und eine Menschenansammlung sah, fragte er, was da los sei.
ד אמר להו מאי האי אמרו ליה אכוספא דתמרי קיימי דקא מזדבן אמר שמע מינה כפנא בעלמא אמר ליה לשמעיה שלוף לי מסאניי שלף ליה חד מסאנא ואתא מיטרא כי מטא למישלף אחרינא אתא אליהו ואמר ליה אמר הקדוש ברוך הוא אי שלפת אחרינא מחריבנא לעלמא
4 Man erwiderte ihm: Die Leute stehen um Datteltrester an, die feilgeboten werden. Da rief er: Es scheint, daß eine Hungersnot in der Welt herrscht. Da sprach er zu seinem Diener: Ziehe mir meine Schuhe ab. Als er ihm einen Schuh abzog, kam Regen, und als er ihm den zweiten abziehen wollte, kam Elijahu und sprach zu ihm: Der Heilige, gepriesen sei er, sagte, wenn du den zweiten abziehst, werde er die Welt zerstören.
ה אמר רב מרי ברה דבת שמואל אנא הוה קאימנא אגודא דנהר פפא חזאי למלאכי דאידמו למלחי דקא מייתי חלא ומלונהו לארבי והוה קמחא דסמידא אתו כולי עלמא למיזבן אמר להו מהא לא תיזבנון דמעשה נסים הוא למחר אתיין ארבי דחיטי דפרזינא
5 R. Mari, Sohn der Tochter Šemuéls, erzählte: Ich stand dann am Ufer des Flusses Papa und sah Engel, die wie Schiffer erschienen, Schiffe mit Sand füllen, der in feines Mehl verwandelt wurde. Als die Leute da hingingen und kaufen wollten, sprach ich zu ihnen: Kaufet nicht davon, denn es ist durch ein Wunder entstanden. Am folgenden Tage kamen Schiffe mit Weizen aus Parzina.
ו רבא איקלע להגרוניא גזר תעניתא ולא אתא מיטרא אמר להו ביתו כולי עלמא בתעניתייכו למחר אמר להו מי איכא דחזא חילמא לימא אמר להו ר' אלעזר מהגרוניא לדידי אקריון בחלמי שלם טב לרב טב מריבון טב דמטוביה מטיב לעמיה אמר שמע מינה עת רצון היא מבעי רחמי בעי רחמי ואתי מיטרא
6 Einst kam Raba nach Hagronja und verfügte da ein Fasten; es kam aber kein Regen. Hierauf ordnete er an, daß alle im Fasten übernachten sollen. Am folgenden Tage sprach er: Ist jemand, der einen Traum hatte, so erzähle er ihn mir. Da sprach R. Elea͑zar aus Hagronja: Mich ließ man im Traume lesen: Schönen Gruß dem guten Meister, vom guten Herrn, der von seiner Güte seinem Volke gütigst angedeihen läßt. Da sprach er: Es scheint, daß die Stunde zum Gebete günstig ist. Darauf flehte er um Erbarmen, und Regen kam.
ז ההוא גברא דאיחייב נגדא בבי דינא דרבא משום דבעל כותית נגדיה רבא ומית אשתמע מילתא בי שבור מלכא בעא לצעורי לרבא אמרה ליה איפרא הורמיז אימיה דשבור מלכא לברה לא ליהוי לך עסק דברים בהדי יהודאי דכל מאן דבעיין ממרייהו יהיב להו
7 Einst wurde jemand beim Gerichte Rabas zur Prügelstrafe verurteilt, weil er einer Nichtjüdin beiwohnte. Raba ließ ihn prügeln und er starb, Als die Sache beim Könige Sapor bekannt wurde, und er Raba verfolgen wollte, sprach Iphra Hormez, die Mutter des Königs, zu ihrem Sohne: Unterlasse Händel mit den Juden, denn ihr Herr gewährt ihnen alles, was sie von ihm verlangen.
ח אמר לה מאי היא בעין רחמי ואתי מיטרא אמר לה ההוא משום דזימנא דמיטרא הוא אלא לבעו רחמי האידנא בתקופת תמוז וליתי מיטרא שלחה ליה לרבא כוין דעתך ובעי רחמי דליתי מיטרא בעי רחמי ולא אתי מיטרא
8 Er fragte sie: Was zum Beispiel? – Sie flehen um Erbarmen, und Regen kommt. Er entgegnete: Dies nur deshalb, weil es gerade die Regenzeit ist; mögen sie doch jetzt, in der Jahreszeit des Tammuz, um Regen bitten. Darauf ließ sie Raba sagen: Stimme dich andächtig und flehe um Regen. Er flehte, aber es kam kein Regen.
ט אמר לפניו רבונו של עולם (תהלים מז, ב) אלהים באזנינו שמענו אבותינו ספרו לנו פועל פעלת בימיהם בימי קדם ואנו בעינינו לא ראינו אתא מיטרא עד דשפוך מרזבי דצפורי לדיגלת אתא אבוה איתחזי ליה בחלמיה ואמר ליה מי איכא דמיטרח קמי שמיא כולי האי אמר ליה שני דוכתיך שני דוכתיה למחר אשכחיה דמרשם פורייה בסכיני
9 Da sprach er: Herr der Welt! <i>Gott</i>, <i>mit unseren Ohren haben wir gehört, unsere Väter haben uns erzählt</i>: <i>ein großes Werk hast du in ihren Tagen ausgeführt, in den Tagen der Vorzeit; wir aber sahen es nicht mit unseren Augen</i>. Hierauf kam ein solcher Regen, daß die Kanäle von Sepphoris sich in den Tigris ergossen. Da erschien ihm sein Vater im Traume und sprach zu ihm: Wer wird den Himmel so sehr belästigen!? Wechsle dein Lager. Er tat dies. Am folgenden Tage fand er in seinem Bette Spuren von Messerstichen.
י רב פפא גזר תעניתא ולא אתא מיטרא חלש ליביה שרף פינכא דדייסא ובעי רחמי ולא אתא מיטרא אמר ליה רב נחמן בר אושפזתי אי שריף מר פינכא אחריתי דדייסא אתי מיטרא איכסיף וחלש דעתיה ואתא מיטרא
10 R. Papa verfügte ein Fasten, aber es kam kein Regen. Da er sehr schwach war, löffelte er eine Schüssel Graupen aus und flehte wiederum; aber es kam kein Regen. Da sprach R. Naḥman b.Ušpazati zu ihm: Wenn der Meister noch eine zweite Schüssel Graupen auslöffelt, kommt Regen. Da wurde er sehr niedergeschlagen, und Regen kam.
יא ר' חנינא בן דוסא הוה קא אזיל באורחא אתא מיטרא אמר לפניו רבונו של עולם כל העולם כולו בנחת וחנינא בצער פסק מיטרא כי מטא לביתיה אמר לפניו רבונו של עולם כל העולם כולו בצער וחנינא בנחת אתא מיטרא
11 R. Ḥanina b. Dosa befand sich auf dem Wege, und es kam ein Regen. Da sprach er: Herr der Welt, die ganze Welt in Behagen und Ḥanina in Not! Da hörte der Regen auf. Als er nach Hause kam, sprach er: Herr der Welt, die ganze Welt in Not und Ḥanina in Behagen! Da kam Regen.
יב אמר רב יוסף מאי אהניא ליה צלותא דכהן גדול לגבי רבי חנינא בן דוסא דתנן היה מתפלל תפלה קצרה בבית החיצון מאי מצלי רבין בר אדא ורבא בר אדא דאמרי תרוייהו משמיה דרב יהודה יהי רצון מלפניך ה' אלהינו שתהא השנה הזו גשומה ושחונה שחונה מעלייתא היא אדרבה גריעותא היא
12 R. Joseph sprach: Was nützte nun bei R. Ḥanina b.Dosa das Gebet des Hochpriesters!? Wir haben nämlich gelernt: Im äußeren Räume verrichtete er ein kurzes Gebet. – Was betete er? Rabina b.Ada und Raba b.Ada sagten beide im Namen R. Jehudas: ‘Möge es dein Wille sein, o Herr, unser Gott, daß es in diesem Jahre Regen und Hitze gebe’. – Ist denn die Hitze vorteilhaft, sie ist ja im Gegenteil nachteilig!? –
יג אלא אם שחונה תהא גשומה וטלולה ואל יכנס לפניך תפלת עוברי דרכים רב אחא בריה דרבא מסיים משמיה דרב יהודה לא יעדי עביד שולטן מדבית יהודה ואל יהו עמך ישראל צריכין להתפרנס זה מזה ולא לעם אחר
13 Vielmehr, sollte es in diesem Jahre Hitze geben, so möge es auch Regen und Tau geben. ‘Achte nicht auf das Gebet der Reisenden’. R. Aḥa, der Sohn Rabas, ergänzte noch im Namen R. Jehudas: ‘Möge doch kein Herrscher aus dem Hause Jehudas aufhören. Und möge dein Volk Jisraél bei der Ernährung nicht einer auf den anderen angewiesen sein, auch nicht auf ein fremdes Volk.
יד אמר רב יהודה אמר רב בכל יום ויום בת קול יוצאת ואומרת כל העולם כולו ניזון בשביל חנינא בני וחנינא בני דיו בקב חרובים מע"ש לע"ש הוה רגילא דביתהו למיחמא תנורא כל מעלי דשבתא ושדייא אקטרתא
14 R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: An jedem Tage ertönt eine Hallstimme und spricht: Die ganze Welt wird wegen meines Sohnes Ḥanina ernährt, und mein Sohn Ḥanina begnügt sich mit einem Kab Johannisbrot von Šabbathvorabend zu Šabbathvorabend. An jedem Vorabend des Šabbaths pflegte seine Frau den Ofen zu heizen und etwas Rauchendes hineinzuwerfen,