Yevamot 103

Kapitel 103

א האי גט אחר גט הוא אמר רב יהודה הכי קאמר גט אחר הגט ומאמר אחר מאמר כדאמרן יבם אחד ויבמה אחת כיצד התרתן עשה מאמר ביבמתו ונתן לה גט צריכה הימנו חליצה:
1 Ist dies etwa ein Scheidebrief nach einem Scheidebriefe!? R. Jehuda erwiderte: Er meint es wie folgt der Scheidebrief nach einem Scheidebriefe und die Eheformel nach der Eheformel, wie wir erklärt haben. Wie erfolgt die Lösung bei einem Schwager und einer Schwägerin? Hat jemand an seine Schwägerin die Eheformel gerichtet und ihr einen Scheidebrief gegeben, so benötigt sie von ihm der Ḥaliça.
ב עשה מאמר ובעל הרי זו כמצותה: לימא מסייע ליה לרב הונא דאמר רב הונא מצות יבמה מקדש ואח"כ בועל אימא אף זה כמצותה
2 H<small>AT ER AN SIE DIE</small> E<small>HEFORMEL GERICHTET UND IHR BEIGEWOHNT, SO ENTSPRICHT DIES DER</small> V<small>ORSCHRIFT.</small> Dies wäre eine Stütze für R. Hona, denn R. Hona sagte: Das Gebot der Schwagerehe erfordere, daß er sie sich antraue und ihr darauf beiwohne. – Lies: so entspricht auch dies der Vorschrift. –
ג פשיטא סד"א כיון דאמר מר העושה מאמר ביבמתו פרחה הימנו זיקת יבמין וחלה עליו זיקת ארוסין ונשואין אימא לאו מצוה קעביד קמ"ל
3 Selbstverständlich!? – Der Meister sagte, wenn jemand an seine Schwägerin die Eheformel gerichtet hat, so schwinde von ihm die Gebundenheit der Schwagerschaft, und die Gebundenheit der Antrauung und der Heirat ruhe auf ihm, somit könnte man glauben, er übe kein Gebot aus, so lehrt er uns.
ד גופא אמר רב הונא מצות יבמין מקדש ואחר כך בועל ואם בעל ועשה מאמר קנה אם בעל ועשה מאמר פשיטא דהא קניה בביאה אלא אימא אם בעל בלא מאמר קנה
4 Der Text. R. Hona sagte: Das Gebot der Schwagerehe erfordert, daß er sie sich antraue und ihr darauf beiwohne; hat er ihr beigewohnt und nachher an sie die Eheformel gerichtet, so ist sie ihm angeeignet. Wenn beigewohnt und nachher an sie die Eheformel gerichtet, ist es ja selbstverständlich, sie ist ihm ja durch die Beiwohnung angeeignet!? – Lies vielmehr: hat er ihr ohne Eheformel beigewohnt, so ist sie ihm angeeignet. –
ה והתניא לוקה מכת מרדות מדרבנן
5 Es wird ja gelehrt, daß er dieserhalb Geißelhiebe erhalte!? – Widerspenstigkeitsgeißelung, rabbanitisch.
ו דרב מנגיד מאן דמקדש בביאה ומאן דמקדש בשוקא ומאן דמקדש בלא שדוכי
6 Rabh ließ nämlich geißeln wegen der Antrauung durch Beiwohnung, wegen der Antrauung auf offener Straße, wegen der Antrauung ohne Werbung,
ז ומאן דמבטל גיטא ומאן דמסר מודעא אגיטא
7 wegen der Annullierung eines Scheidebriefes und wegen der Erklärung über einen Scheidebrief.
ח ומאן דפקיר שליחא דרבנן ומאן דשהי שמתא דרבנן עליה תלתין יומין ולא אתי לבי דינא ותבע לשמתיה
8 Ferner auch den, der einem Gerichtsboten Widerstand leistet, der den Bann der Gelehrten dreißig Tage auf sich sitzen läßt und nicht aufs Gericht kommt und [um Aufhebung] des Bannspruches bittet,
ט ועל חתנא דדאיר בבי חמוהי דדאיר אין דחליף לא והא ההוא דחליף אבבא דבי חמוהי ונגדיה רב ששת ההוא מידם הוה דיים מחמתיה
9 und einen Bräutigam, der im Hause der Schwiegereltern wohnt. – Nur dann, wenn er wohnt, nicht aber, wenn er vorübergeht; aber R. Šešeth ließ ja einen geißeln, weil er an der Tür seiner Schwiegereltern vorüber ging!? – Mit jenem hatte man seine Schwiegermutter verdächtigt.
י נהרדעי אמרי בכולהו לא מנגיד רב אלא למקדש בביאה ובלא שדוכי ואיכא דאמרי אפילו בשדוכי נמי משום פריצותא
10 Die Nehardee͑nser sagten: Von all diesen ließ Rabh geißeln nur wegen der Antrauung durch Beiwohnung und ohne Werbung. Manche sagen, auch wenn mit Werbung, wegen der Schamlosigkeit.
יא ת"ר כיצד מאמר נתן לה כסף או שוה כסף ובשטר כיצד בשטר כיצד כדאמרן כתב לה על הנייר או על החרס אע"פ שאין בו שוה פרוטה הרי את מקודשת לי אמר אביי ה"ק שטר כתובת יבמין כיצד
11 Die Rabbanan lehrten: Wieso durch die Antrauungsformel? Wenn er ihr ein Geldstück oder eine Wertsache gibt. Wieso durch Urkunde? – ‘Wieso durch Urkunde’, wie wir gesagthaben: wenn er ihr auf Papier oder auf eine Scherbe, auch wenn sie keine Peruṭa wert sind, geschrieben hat: sei mir angetraut! Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: wie lautet die Urkunde über die Morgengabe bei der Schwagerehe?
יב כתב לה אנא פלוני בר פלוני קבילית ית פלונית יבמתי עלי לזון ולפרנסה כראוי ובלבד שתהא כתובתה על נכסי בעלה הראשון ואי לית לה מראשון תקינו לה רבנן משני כדי שלא תהא קלה בעיניו להוציאה
12 Er schreibe: Ich N., Sohn des N., nehme auf mich, meine Schwägerin N. nach Gebühr zu ernähren und zu unterhalten. Ihre Morgengabe aber belastet die Güter ihres ersten Mannes. Erhält sie sie nicht vom ersten, so haben die Rabbanan sie ihr vom zweiten zugesprochen, damit sie ihm nicht leicht zu entfernen sei.
יג בעא מיניה אביי מרבה נתן לה גט ואמר הרי את מגורשת הימני ואי את מותרת לכל אדם מהו גט יבמה דרבנן הוא גט דמהני באשת איש מהני ביבמה גט דלא מהני באשת איש לא מהני ביבמה או דלמא אתי לאחלופי בגיטא
13 Abajje fragte Rabba: Wie ist es, wenn er ihr einen Scheidebrief gegeben und zu ihr gesagt hat: Sei von mir geschieden, aber nicht jedermann erlaubt? Ist, da [die Wirksamkeit] des Scheidebriefes bei der Schwägerin rabbanitisch ist, nur ein Scheidebrief, der bei einem Eheweibe wirksam ist, auch bei der Schwägerin wirksam, und ein Scheidebrief, der bei einem Eheweibe unwirksam ist, auch bei der Schwägerin unwirksam,
יד [א"ל חיישינן דלמא אתי לאחלופי בגיטא] מתקיף לה רבה בר חנן אלא מעתה יהיב לה ניירא בעלמא ה"נ דפסלה א"ל התם לא פסיל בכהונה הכא קפסיל בכהונה
14 oder aber ist eine Verwechselung mit einem [giltigen] Scheidebriefe zu berücksichtigen? Rabba b. Ḥanan wandte ein: Demnach macht er sie ungeeignet, wenn er ihr ein Stück Papier gibt!? Dieser erwiderte: Solches macht sie nicht untauglich für Priester, jener aber macht sie untauglich für Priester.
טו דתניא (ויקרא כא, ז) ואשה גרושה מאישה לא יקחו אפילו לא נתגרשה אלא מאישה לא יקחו והיינו ריח הגט שפוסל בכהונה
15 Es wird nämlich gelehrt: <i>Und eine von ihrem Manne geschiedene Frau sollen sie nicht nehmen,</i> selbst wenn sie nur von ihrem Manne geschieden ist, dürfen sie sie nicht nehmen. Deshalb heißt es, auch nur der Geruch eines Scheidebriefes mache untauglich für Priester.
טז אמר רמי בר חמא הרי אמרו אמר אחד ללבלר כתוב גט לארוסתי לכשאכנסנה אגרשנה הרי זה גט מפני שבידו לגרשה
16 Rami b. Ḥama sagte: Sie lehrten, wenn jemand zum Schreiber gesagt hat, daß er einen Scheidebrief für seine Verlobte schreibe, denn sobald er sie geheiratet hat, werde er sich von ihr scheiden lassen, sei der Scheidebrief gültig, weil es in seiner Hand lag, sich von ihr scheiden zu lassen,