Yevamot 104

Kapitel 104

א ולאשה בעלמא אין גט מפני שאין בידו לגרשה בעי רמי בר חמא ליבמתו מהו כיון דאגידא ביה כארוסתו דמיא או דלמא כיון דלא עבד בה מאמר לא תיקו
1 und wenn für eine fremde Frau, sei der Scheidebrief ungültig, weil es nicht in seiner Hand lag, sich von ihr scheiden zu lassen. Folgendes aber fragte R. Rami b. Ḥama: Wie verhält es sich bei seiner Schwägerin: gleicht sie, da sie an ihn gebunden ist, der Verlobten, oder nicht, da er an sie die Eheformel noch nicht gerichtet hat? – Dies bleibt unentschieden.
ב בעי רב חנניה כתב גט לזיקתו ולא למאמרו למאמרו ולא לזיקתו מהו מאמר עילוי זיקה קא רמי והוה ליה כמגרש חצי אשה והמגרש חצי אשה לא עשה ולא כלום או דלמא האי לחודיה קאי והאי לחודיה קאי
2 R. Ḥananja fragte: Wie ist es, wenn er ihr einen Scheidebrief auf die Gebundenheit und nicht auf die Eheformel, oder auf die Eheformel und nicht auf die Gebundenheit geschrieben hat: schließt die Eheformel sich der Gebundenheit an, somit ist es ebenso, als würde man sich von der Hälfte seiner Frau scheiden lassen, und wenn man sich von der Hälfte seiner Frau scheiden läßt, so ist es nichts, oder aber besteht jede für sich besonders? –
ג ותפשוט ליה מדרבא דאמר רבא נתן גט למאמרו הותרה צרתה לרבא פשיטא ליה לרב חנניה מיבעיא ליה מאי תיקו:
3 Dies ist ja aus einer Lehre Rabas zu entscheiden, denn Raba sagte, daß, wenn er ihr einen Scheidebrief auf die Eheformel gegeben hat, die Nebenbuhlerin erlaubt sei!? – Raba war es entschieden, R. Ḥananja aber war es fraglich. – Wie ist es damit? – Dies bleibt unentschieden.
ד חלץ ועשה מאמר: אמר רב יהודה אמר רב זו דברי ר' עקיבא דאמר אין קדושין תופסין בחייבי לאוין אבל חכ"א יש אחר חליצה כלום
4 H<small>AT ER AN IHR DIE</small> Ḥ<small>ALIÇA VOLLZOGEN UND DARAUF AN SIE DIE</small> E<small>HEFORMEL GERICHTET.</small> R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Das sind die Worte R. A͑qibas, welcher sagt, die Antrauung der mit einem Verbote belegten sei ungültig, die Weisen aber sagen, nach der Ḥaliça bleibe etwas zurück. –
ה ומי מצית מוקמת לה כרבי עקיבא והא קתני רישא נתן גט ועשה מאמר צריכה גט וחליצה ואי רבי עקיבא כיון דיהב לה גט מי מהני בה מאמר
5 Wieso kannst du dies R. A͑qiba addizieren, im Anfangsatze lehrt er, daß, wenn er ihr einen Scheidebrief gegeben und an ihr die Ḥaliça vollzogen hat, sie eines Scheidebriefes und der Ḥaliça benötige, und nach R. A͑qiba ist ja, wenn er ihr einen Scheidebrief gegeben hat, die Eheformel unwirksam!?
ו והתניא רבי עקיבא אומר מנין לנותן גט ליבמתו שנאסרה עליו עולמית שנאמר (דברים כד, ד) לא יוכל בעלה הראשון אשר שלחה אחר שילוח
6 Es wird nämlich gelehrt: R. A͑qiba sagte: Woher, daß, wenn jemand seiner Schwägerin einen Scheidebrief gegeben hat, sie ihm für immer verboten ist? Es heißt: <i>ihr Ehemann darf nicht mehr, nachdem er sie fortgeschickt hat;</i> schon nach dem Fortschicken.
ז אמר רב אשי גט יבמין מדרבנן וקרא אסמכתא בעלמא
7 R. Aši erwiderte: Der Scheidebrief bei der Schwager ehe ist rabbanitisch, und der Schriftvers ist nichts weiter als eine Anlehnung.
ח תניא נמי הכי אמר רבי אין הדברים הללו אמורים אלא לדברי ר' עקיבא שהיה עושה חלוצה כערוה אבל חכמים אומרים יש אחר חליצה כלום ואני אומר אימתי בזמן שקדשה לשום אישות אבל קדשה לשום יבמות אין אחר חליצה כלום
8 Ebenso wird auch gelehrt: Rabbi sagte: Diese Worte gelten nur nach R. A͑qiba, der die Ḥaluça der Inzestuösen gleichstellt, die Weisen aber sagen, nach der Ḥaliça bleibe etwas zurück. Ich sage: nur dann, wenn er sie sich zur gewöhnlichen Heirat angetraut hat, wenn aber zur Schwagerehe, so besteht nach der Ḥaliça nichts mehr.
ט תניא אידך החולץ ליבמתו וחזר וקדשה רבי אומר אם קדשה לשום אישות צריכה הימנו גט לשום יבמות אין צריכה הימנו גט וחכמים אומרים בין שקדשה לשום אישות בין שקדשה לשום יבמות צריכה הימנו גט
9 Ein Anderes lehrt: Wenn jemand an seiner Schwägerin die Ḥaliça vollzogen und sie sich darauf angetraut hat, so benötigt sie, wie Rabbi sagt, wenn er sie sich zur gewöhnlichen Heirat angetraut hat, von ihm eines Scheidebriefes, und wenn zur Schwagerehe, keines Scheidebriefes; die Weisen sagen, ob zur gewöhnlichen Heirat oder zur Schwagerehe, sie benötigt von ihm eines Scheidebriefes.
י אמר רב יוסף מ"ט דרבי עשאוה כעודר בנכסי הגר וכסבור שלו הן דלא קני
10 R. Joseph sprach: Folgendes ist der Grund Rabbis: dies ist ebenso, als würde jemand am Grundstücke eines Proselyten herumgraben, im Glauben, es sei seines, der es dadurch nicht erwirbt.
יא א"ל אביי מי דמי התם לא קא מכוין למיקני הכא קא מכוין למיקני הא לא דמיא אלא לעודר בנכסי גר זה וכסבור של גר אחר הוא דקני
11 Abajje sprach zu ihm: Es ist ja nicht gleich; in diesem Falle beabsichtigte er die Aneignung nicht, in jenem aber beabsichtigte er die Aneignung. Dies ist vielmehr mit dem Falle zu vergleichen, wenn jemand am Grundstücke eines Proselyten herumgräbt, im Glauben, es sei eines anderen Proselyten, der es dadurch erwirbt.
יב אלא אמר אביי הכא במאי עסקינן כגון דאמר לה התקדשי לי במאמר יבמין רבי סבר מאמר עילוי זיקה קא רמי ואתאי חליצה אפקעתה לזיקה ורבנן סברי האי לחודיה קאי והאי לחודיה קאי מעיקרא אילו אמר לה התקדשי לי במאמר יבמין מי לא מהני השתא נמי מהני
12 Vielmehr, erklärte Abajje, wird hier von dem Falle gesprochen, wenn er zu ihr gesagt hat: sei mir durch die Eheformel der Schwagerehe angetraut. Rabbi ist der Ansicht, die Eheformel schließe sich der Gebundenheit an, und die Ḥaliça hob die Gebundenheit auf. Die Rabbanan aber sind der Ansicht, die eine bestehe für sich und die andere bestehe für sich. Wie es wirksam ist, wenn er zuerst zu ihr sagt: sei mir durch die Eheformel der Schwagerehe angetraut, ebenso ist es auch jetzt wirksam.
יג רבא אמר אי דאמר לה במאמר יבמין כולי עלמא לא פליגי דמהניא והכא במאי עסקינן כגון דאמר לה התקדשי לי בזיקת יבמין רבי סבר
13 Raba sagte: Wenn er zu ihr gesagt hat: durch die Eheformel der Schwagerehe, stimmen alle überein, daß es wirksam ist, hier aber wird von dem Falle gesprochen, wenn er zu ihr gesagt hat: sei mir angetraut durch die Gebundenheit der Schwagerehe. Rabbi ist der Ansicht,