Yevamot 115

Kapitel 115

א לרבי מאיר דאמר קדושין פסלי חופה נמי פסלה לר' אלעזר ור' שמעון דאמרי קדושין לא פסלי חופה נמי לא פסלה
1 Nach R. Meír, welcher sagt, die Antrauung mache untauglich, macht auch der Baldachin untauglich, und nach R. Elea͑zar und R. Šimo͑n, welche sagen, die Trauung mache nicht untauglich, macht auch der Baldachin nicht untauglich. –
ב וממאי דלמא עד כאן לא קאמר ר"מ התם אלא בקדושין דקני לה אבל חופה דלא קנה לה לא
2 Wieso denn, vielleicht ist R. Meír dieser Ansicht nur hinsichtlich der Antrauung, durch die eine Aneignung erfolgt, nicht aber hinsichtlich des Baldachins, durch den keine Aneignung erfolgt.
ג א"נ עד כאן לא קאמרי רבי אלעזר ורבי שמעון התם אלא בקדושין דלא קריבי לביאה אבל חופה דקריבא לביאה הכי נמי דפסלה
3 Oder auch: vielleicht sind R. Elea͑zar und R. Šimo͑n dieser Ansicht nur hinsichtlich der Antrauung, die nicht unmittelbar der Beiwohnung vorangeht, durch den Baldachin aber, der unmittelbar der Beiwohnung vorangeht, wird sie ungeeignet!? –
ד אלא אי איכא למימר בפלוגתא דהני תנאי דתניא נישאו זו וזו כשרות ופסולות או שנכנסו לחופה ולא נבעלו אוכלות משלו ואוכלות בתרומה
4 Vielmehr, wenn darüber ein Streit besteht, so ist es der der folgenden Tannaím: Es wird nämlich gelehrt: Hat [ein Priester] diese oder jene, die Taugliche oder die Untaugliche geheiratet, oder sind sie unter den Baldachin gekommen und nicht beschlafen worden, so erhalten sie Unterhalt von ihm und sind Hebe zu essen berechtigt.
ה נכנסו מכלל דנישאו נישאו ממש
5 ‘Gekommen’, demnach wäre ‘geheiratet’ wörtlich zu verstehen!?
ו אלא לאו כגון שנכנסו לחופה ולא נבעלו וקתני אוכלות משלו ואוכלות בתרומה
6 Wahrscheinlich doch, wenn sie unter den Baldachin gekommen und nicht beschlafen worden sind, und er lehrt, daß sie Unterhalt von ihm erhalten und Hebe zu essen berechtigt sind.
ז רבי ישמעאל בנו של ר' יוחנן בן ברוקה אומר כל שביאתה מאכילתה חופתה מאכילתה וכל שאין ביאתה מאכילתה אין חופתה מאכילתה
7 R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, sagt, wenn die Beiwohnung sie zu essen berechtigt, berechtige sie auch der Baldachin zu essen, und wenn die Beiwohnung sie zu essen nicht berechtigt, berechtige sie auch der Baldachin nicht zu essen. –
ח ממאי דלמא רבי ישמעאל בנו של רבי יוחנן בן ברוקה כר' מאיר סבירא ליה דאמר קדושין לא אכלה
8 Wieso denn, vielleicht ist R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, der Ansicht R. Meírs, welcher sagt, die Antrauung berechtige sie nicht zu essen!? –
ט האי כל שאין ביאתה מאכילתה אין חופתה מאכילתה כל שאין ביאתה מאכילתה אין כספה מאכילתה מיבעי ליה דלמא איידי דאמר ת"ק חופה אמר איהו נמי חופה
9 Wieso heißt es demnach: wenn die Beiwohnung sie nicht zu essen berechtigt, berechtige sie der Baldachin nicht zu essen, es sollte doch heißen: wenn die Beiwohnung sie nicht zu essen berechtigt, berechtige sie auch das [Antrauungs]geld nicht zu essen!? – Vielleicht spricht er, da der erste Autor vom Baldachin spricht, deshalb ebenfalls vom Baldachin.
י אמר רב עמרם הא מילתא אמר לן רב ששת ואנהרינהו לעיינין ממתניתין יש חופה לפסולות ותנא תונא אמן שלא שטיתי ארוסה ונשואה שומרת יבם וכנוסה
10 R. A͑mram sagte: Folgendes sagte uns R. Šešeth und er erleuchtete uns die Augen aus einer Mišna: Bei den Untauglichen ist der Baldachin wirksam, und der Autor lehrt dasselbe: Amen, daß ich nicht als Verlobte, als Verheiratete, als Anwärterin der Schwagerehe und als Heimgeführte angeschweift bin.
יא האי ארוסה היכי דמי אילימא דקני לה כשהיא ארוסה וקא משקה לה כשהיא ארוסה ארוסה בת משתיא היא והא תנן ארוסה ושומרת יבם לא שותות ולא נוטלות כתובה
11 Was ist hier unter Verlobte zu verstehen: wollte man sagen, wenn er sie als Verlobte verwarnt hat, und er sie als Verlobte trinken läßt, so hat ja die Verlobte [das Fluchwasser] nicht zu trinken, denn wir haben gelernt: die Verlobte und die Anwärterin der Schwagerehe trinken nicht und erhalten nicht die Morgengabe.
יב אלא דקני לה כשהיא ארוסה ואיסתתרה וקמשקה לה כשהיא נשואה מי בדקי לה מיא והתניא (במדבר ה, לא) ונקה האיש מעון בזמן שהאיש מנוקה מעון המים בודקין את אשתו אין האיש מנוקה מעון אין המים בודקין את אשתו
12 Und wollte man sagen, wenn er sie als Verlobte verwarnt und sie sich [mit jenem] verborgen hat, und er sie als Verheiratete trinken läßt, so prüft sie ja das Wasser nicht!? Es wird nämlich gelehrt: <i>Und der Mann sei frei von Schuld;</i> ist der Mann frei von Schuld, so prüft das Wasser seine Frau, ist der Mann nicht frei von Schuld, so prüft das Wasser seine Frau nicht.
יג אלא דקני לה כשהיא ארוסה ואיסתתרה ונכנסה לחופה ולא נבעלה ושמע מינה יש חופה לפסולות
13 Doch wohl, wenn er sie als Verlobte verwarnt und sie sich verborgen hat, und darauf unter den Baldachin gekommen und nicht beschlafen worden ist. Hieraus ist somit zu entnehmen, daß der Baldachin bei den Untauglichen wirksam sei.
יד אמר רבא ותסברא דהא מתרצתא היא והא כי אתא רבי אחא בר חנינא מדרומא אתא ואייתי מתניתא בידיה (במדבר ה, כ) מבלעדי אישך מי שקדמה שכיבת בעל לבועל ולא שקדמה שכיבת בועל לבעל
14 Raba sprach: Du glaubst wohl, daß diese Lehre korrekt ist. Als R. Aḥa b. Ḥanina aus dem Süden kam, brachte er folgende Lehre mit: <i>Außer deinem Manne,</i> nur wenn die Beiwohnung des Ehemannes der des Ehebrechers vorangegangen ist, nicht aber wenn die Beiwohnung des Ehebrechers der des Ehemannes vorangegangen ist.
טו אמר רמי בר חמא משכחת לה כגון שבא עליה ארוסה בבית אביה
15 Rami b. Ḥama erwiderte: Dies kann in dem Falle vorkommen, wenn er ihr als Verlobte im Hause ihres Vaters beigewohnt hat. –
טז דכוותה גבי שומרת יבם שבא עליה יבם בבית חמיה
16 Dem entsprechend bei der Anwärterin der Schwagerehe, wenn er ihr im Hause des Schwiegervaters beigewohnt hat;