Yevamot 144

Kapitel 144

א אין נימולין אלא ביום שלא בזמנו נימולין ביום ובלילה מאי לאו בהא קמיפלגי דמר סבר משוך דאורייתא ומר סבר משוך דרבנן
1 nur am Tage erfolgen, nicht zur festgesetzten Zeit, sowohl am Tage als auch nachts. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: einer ist der Ansicht, [die Beschneidung] des Epispasten sei aus der Tora, und einer ist der Ansicht, die des Epispasten sei rabbanitisch. –
ב ותסברא קטן שעבר זמנו מי איכא למ"ד דרבנן
2 Glaubst du: gibt es denn jemand, der der Ansicht wäre, die eines Kindes, dessen [Beschneidungs]frist vorüber ist, sei rabbanitisch!?
ג אלא דכולי עלמא משוך דרבנן וקטן שעבר זמנו דאורייתא והכא בהא קמיפלגי מר סבר דרשינן וביום ומר סבר לא דרשינן וביום
3 Vielmehr sind alle der Ansicht, [die Beschneidung] des Epispasten sei rabbanitisch, und die eines Kindes, dessen [Beschneidungs]frist vorüber ist, aus der Tora, und ihr Streit besteht hier in folgendem: einer ist der Ansicht, man deute [die Verbindung] <i>und am Tage</i>, und einer ist der Ansicht, man deute sie nicht.
ד כי הא דיתיב רבי יוחנן וקדריש נותר בזמנו אינו נשרף אלא ביום שלא בזמנו נשרף בין ביום בין בלילה
4 So saß einst R. Joḥanan und trug vor: Zurückgebliebenes ist zur festgesetzten Zeit nur am Tage und außerhalb der festgesetzten Zeit sowohl am Tage als auch nachts zu verbrennen.
ה ואיתיביה רבי אלעזר לרבי יוחנן אין לי אלא נימול לשמיני שאין נימול אלא ביום מנין לרבות לתשעה לעשרה לאחד עשר לשנים עשר (מנין) תלמוד לומר וביום
5 R. Elea͑zar wandte dann gegen R. Joḥanan ein: Ich weiß allerdings von der Beschneidung am achten [Tage], daß sie nur am Tage zu erfolgen hat, woher, daß auch die am neunten, am zehnten, am elften und am zwölften erfolgende einbegriffen ist? Es heißt <i>und am Tage</i>.
ו ואפילו למאן דלא דריש וא'ו וא"ו וה"י דריש אישתיק
6 Und auch derjenige, der das Vav nicht deutet, deutet das Vav und He wohl!? Dieser schwieg.
ז בתר דנפק א"ל רבי יוחנן לר"ל ראיתי לבן פדת שיושב ודורש כמשה מפי הגבורה א"ל ר"ל דידיה היא מתניתא היא היכא תנא ליה בתורת כהנים נפק תנייה בתלתא יומי וסברה בתלתא ירחי
7 Als jener fortgegangen war, sagte R. Joḥanan zu Reš Laqiš: Ich sah den Sohn Pedaths dasitzen und vortragen, wie Moše aus dem Munde der Allmacht. Dieser erwiderte: Es ist nicht seines, sondern eine Barajtha. – Wo wird dies gelehrt? – Im Priestergesetze. Hierauf lernte er es in drei Tagen und erfaßte es in drei Monaten.
ח אמר רבי אלעזר ערל שהזה הזאתו כשרה מידי דהוה אטבול יום שאע"פ שאסור בתרומה כשר בפרה
8 R. Elea͑zar sagte: Wenn ein Unbeschnittener besprengt hat, so ist die Besprengung gültig, wie dies auch beim am selben Tage Untergetauchten der Fall ist: obgleich ihm die Hebe verboten ist, ist er zur [Herrichtung der roten] Kuh zulässig. –
ט מה לטבול יום שכן מותר במעשר אטו אנן לאכילה קאמרינן אנן לנגיעה קאמרינן ומה טבול יום שאסור בנגיעה דתרומה מותר בפרה ערל שמותר בנגיעה אינו דין שמותר בפרה
9 Wohl gilt dies vom am selben Tage Untergetauchten, dem auch der Zehnt erlaubt ist!? – Sprechen wir denn vom Essen, wir sprechen ja von der Berührung: wenn der am selben Tage Untergetauchte, dem die Berührung von Hebe verboten ist, bei der [roten] Kuh zulässig ist, um wieviel mehr ist der Unbeschnittene, dem die Berührung erlaubt ist, bei der [roten] Kuh zulässig.
י תניא נמי הכי ערל שהזה הזאתו כשרה ומעשה היה והכשירו חכמים הזאתו
10 Desgleichen wird gelehrt: Wenn ein Unbeschnittener besprengt hat, so ist die Besprengung gültig. Einst ereignete sich ein solcher Fall, und die Weisen erklärten seine Besprengung als gültig.
יא מיתיבי טומטום שקידש קידושו פסול מפני שהוא ספק ערל וערל פסול לקדש ואנדרוגינוס שקידש קידושו כשר רבי יהודה אומר אף אנדרוגינוס שקידש קדושיו פסולים מפני שספק אשה ואשה פסולה מלקדש קתני מיהא ערל וספק ערל פסול מלקדש
11 Man wandte ein: Wenn ein Geschlechtsloser [das Entsündigungswasser] geweiht hat, so ist die Weihung ungültig, weil er ein zweifelhaft Unbeschnittener, und ein Unbeschnittener für die Weihung unzulässig ist. Wenn ein Zwitter geweiht hat, so ist die Weihung gültig. R. Jehuda sagt, auch wenn ein Zwitter geweiht hat, sei die Weihung ungültig, weil er ein zweifelhaftes Weib ist, und ein Weib für die Weihung unzulässig ist. Hier lehrt er, ein Unbeschnittener und ein zweifelhaft Unbeschnittener sei für die Weihung unzulässig!?
יב אמר רב יוסף האי תנא תנא דבי רבי עקיבא הוא דמרבי ליה לערל כטמא דתניא ר"ע אומר (ויקרא כב, ד) איש איש לרבות הערל
12 R. Joseph erwiderte: Dieser Autor ist der Autor der Schule R. A͑qibas, der den Unbeschnittenen gleich dem Unreinen einbegreift. Es wird nämlich gelehrt: R. A͑qiba sagte: <i>Jeder Mann</i>, dies schließt den Unbeschnittenen ein.
יג אמר רבא הוה יתיבנא קמיה דרב יוסף וקשיא לי לא לישתמיט תנא וליתני הערל והטמא ולימא ר' עקיבא היא
13 Raba sagte: Ich saß vor R. Joseph und erhob folgenden Einwand: Sollte doch der Autor nicht zu lehren unterlassen: der Unbeschnittene und der Unreine, und man würde sagen, dies gelte nach R. A͑qiba!? –
יד ולא והא קתני הערל והטמא פטורים מן הראייה התם משום דמאיס
14 Etwa nicht, er lehrt ja: der Unbeschnittene und der Unreine sind vom Erscheinen frei!? – Hierbei, weil er widerwärtig ist.
טו ואזדו לטעמייהו דתניא הכל כשרים לקדש חוץ מחרש שוטה וקטן רבי יהודה מכשיר בקטן ופוסל באשה ובאנדרוגינוס
15 Sie vertreten hierbei ihre Ansichten, denn es wird gelehrt: Jeder ist zur Weihung zulässig, ausgenommen ein Tauber, ein Blöder und ein Minderjähriger; nach R. Jehuda ist ein Minderjähriger zulässig, eine Frau und ein Zwitter unzulässig. –
טז מאי טעמא דרבנן דכתיב (במדבר יט, יז) ולקחו לטמא מעפר שריפת החטאת הנך דפסלי באסיפה פסולין בקידוש הנך דכשרין באסיפה כשרים בקידוש
16 Was ist der Grund der Rabbanan? – Es heißt: <i>und man nehme für den Unreinen von der Asche des verbrannten Sündopfers</i>; die zum Sammeln [der Asche] unzulässig sind, sind zur Weihung unzulässig, und die zum Sammeln zulässig sind, sind zur Weihung zulässig. –
יז ורבי יהודה אמר לך א"כ נימא קרא ולקח מאי ולקחו דאפי' הנך דפסולין התם כשרים הכא
17 Und R. Jehuda!? – Er kann dir erwidern: wenn dem so wäre, müßte es <i>er</i> <i>nehme</i> heißen, es heißt aber <i>man nehme</i>; auch solche, die da unzulässig sind, sind hierbei zulässig. –
יח אי הכי אשה נמי ונתן ולא ונתנה ורבנן אי כתיב ולקח ונתן הוה אמינא שקיל חד ויהיב חד כתב רחמנא ולקחו
18 Demnach auch eine Frau!? – Es heißt: <i>er gieße</i>, nicht aber darf sie gießen. – Und die Rabbanan!? – Hieße es <i>er nehme</i> und <i>er gieße</i>, so könnte man glauben, einer nehme [die Asche] und derselbe gieße auch [das Wasser],
יט ואי כתב רחמנא ולקחו ונתנו ה"א דשקלי תרי ויהבי תרי כתב רחמנא ולקחו ונתן דאפי' שקלי תרי ויהיב חד
19 daher schrieb der Allbarmherzige, <i>man nehme</i> und <i>er gieße</i>, es dürfen auch zwei nehmen und einer <i>gießen</i>.