Yevamot 211

Kapitel 211

א תנו רבנן חליצה מוטעת כשרה אי זו היא חליצה מוטעת אמר ר"ל כל שאומרים לו חלוץ ובכך אתה כונסה
1 Die Rabbanan lehrten: Die irrtümliche Ḥaliça ist gültig. Welche heißt eine irrtümliche Ḥaliça? Raš Laqiš erwiderte: Wenn man zu ihm gesagt hat: vollziehe an ihr die Ḥaliça, dadurch heiratest du sie.
ב אמר ליה רבי יוחנן אני שונה בין שנתכוון הוא ולא נתכוונה היא בין שנתכוונה היא ולא נתכוון הוא חליצתה פסולה עד שיתכוונו שניהם כאחד ואת אמרת חליצתה כשירה
2 R. Joḥanan sprach zu ihm: Ich habe eine Lehre, wenn er es beabsichtigt hat und nicht sie, oder sie es beabsichtigt hat und nicht er, sei die Ḥaliça ungültig, nur wenn beide es beabsichtigt haben, und du sagst, die Ḥaliça sei gültig!?
ג אלא כל שאומרים לו חלוץ לה ע"מ שתתן לך מאתים זוז תניא נמי הכי חליצה מוטעת כשירה אי זו היא חליצה מוטעת כל שאומרים חלוץ לה על מנת שתתן לך מאתים זוז
3 Vielmehr, wenn man zu ihm gesagt hat: vollziehe an ihr die Ḥaliça unter der Bedingung, daß sie dir zweihundert Zuz gebe. Ebenso wird gelehrt: Die irrtümliche Ḥaliça ist gültig. Welche heißt eine irrtümliche Ḥaliça? Wenn man zu ihm gesagt hat: vollziehe an ihr die Ḥaliça unter der Bedingung, daß sie dir zweihundert Zuz gebe.
ד ומעשה באשה אחת שנפלה לפני יבם שאין הגון לה ואמרו לו חלוץ לה על מנת שתתן לך מאתים זוז ובא מעשה לפני רבי חייא והכשירה
4 Einst ereignete es sich mit einer Frau, die einem für sie unwürdigen Schwager zufiel, daß man zu ihm sagte: vollziehe an ihr die Ḥaliça unter der Bedingung, daß sie dir zweihundert Zuz gebe. Als die Sache vor R. Ḥija kam, erklärte er sie für gültig.
ה ההוא דאתא לקמיה דרבי חייא בר אבא אמר לה בתי עמודי אמרה ליה אימא ישיבתה זו היא עמידתה אמר לה ידעת ליה אמרה ליה אין ממונא הוא דחזא לה וקבעי למיכליה מינה
5 Einst kam [eine Schwägerin] vor R. Ḥija b. Abba. Er sprach zu ihr: Meine Tochter, steh auf. Da sprach ihre Mutter zu ihm: Ihr Sitzen ist ihr Bestand. Da fragte er sie: Kennst du ihn? Diese erwiderte: Jawohl; er sah bei ihr Geld und will es verzehren.
ו אמר לה לא ניחא לך אמרה ליה לא אמר ליה חלוץ לה ובכך אתה כונסה לבתר דחלץ לה אמר ליה השתא מינך אפסלא לה חלוץ לה חליצה מעלייתא כי היכי דתישתרי לעלמא
6 Hierauf fragte er jene: Willst du ihn nicht? Jene erwiderte: Nein. Da sprach er [zum Schwager]: Vollziehe an ihr die Ḥaliça, dadurch heiratest du sie. Nachdem dieser an ihr die Ḥaliça vollzogen hatte, sprach er zu ihm: Jetzt ist sie für dich untauglich, vollziehe nun an ihr eine [nach der Tora] gültige Ḥaliça, damit sie Fremden erlaubt werde.
ז בת חמוה דרב פפא נפלה לפני יבם שאין הגון לה אתא לקמיה דאביי אמר ליה חלוץ לה ובכך אתה כונסה אמר ליה רב פפא לא סבר לה מר להא דאמר רבי יוחנן ואלא היכי אימא ליה
7 Eine Tochter des Schwiegervaters R. Papas fiel einem für sie unwürdigen Schwager zu, und als er vor Abajje kam, sagte dieser zu ihm: Vollziehe an ihr die Ḥaliça, dadurch heiratest du sie. Jener sprach zu ihm: Hält denn der Meister nichts von der Lehre R. Joḥanans!? – Was denn soll ich ihm sagen?
ח אמר ליה חלוץ לה ע"מ שתתן לך מאתים זוז לבתר דחלץ לה אמר לה זיל הב ליה אמר ליה משטה אני בך עבדה ליה
8 Jener erwiderte: [Sage ihm,] er solle an ihr die Ḥaliça vollziehen unter der Bedingung, daß sie ihm zweihundert Zuz gebe. Nachdem er an ihr die Ḥaliça vollzogen hatte, verlangte er von ihr, daß sie sie ihm gebe. Da sprach jener: Sie hat ihn angeführt.
ט מי לא תניא הרי שהיה בורח מבית האסורין והיתה מעברא לפניו ואמר ליה טול דינר והעבירני אין לו אלא שכרו
9 Es wird auch gelehrt: Wenn jemand aus einem Gefängnisse flüchtet und an eine Fähre herankommt, und [zum Fährmann] sagt; setze mich hinüber, du erhältst dafür einen Denar, so hat dieser nur seinen Lohn zu beanspruchen.
י אלמא אמר ליה משטה אני בך הכא נמי משטה אני בך
10 Er kann demnach sagen, er habe ihn nur angeführt, ebenso kann diese sagen, sie habe ihn nur angeführt.
יא אמר ליה אבוך היכא א"ל במתא אימך היכא א"ל במתא יהיב בהו עיניה ושכיבן:
11 Hierauf fragte ihn dieser: Wo ist dein Vater? – In der Stadt. – Wo ist deine Mutter? – In der Stadt. Da richtete er auf sie seine Augen, und sie starben.
יב ת"ר חליצה מוטעת כשרה גט מוטעה פסול חליצה מעושית פסולה גט מעושה כשר היכי דמי אי דאמר רוצה אני אפי' חליצה נמי ואי לא אמר רוצה אני גט נמי לא
12 Die Rabbanan lehrten: Die irrtümliche Ḥaliça ist gültig, die irrtümliche Scheidung ist ungültig; die erzwungene Ḥaliça ist ungültig, die erzwungene Scheidung ist gültig. – In welchem Falle: sagte er, er wolle, so sollte auch die Ḥaliça [gültig] sein, und sagte er nicht, er wolle, so sollte es auch die Scheidung nicht sein!? –
יג הכי קאמר חליצה מוטעת לעולם כשר וגט מוטעה לעולם פסול חליצה מעושית וגט מעושה זימנין כשר וזימנין פסול הא דאמר רוצה אני הא דלא אמר רוצה אני
13 Er meint es wie folgt: [die irrtümliche Ḥaliça ist immer gültig, die irrtümliche Scheidung ist immer ungültig,] die erzwungene Ḥaliça und die erzwungene Scheidung sind zuweilen gültig und zuweilen ungültig; das eine, wenn er sagt, er wolle, und das andere, wenn, er nicht sagt, er wolle.
יד דתניא (ויקרא כב, יח) יקריב אותו מלמד שכופין אותו יכול בעל כרחו ת"ל לרצונו הא כיצד כופין אותו עד שיאמר רוצה אני וכן אתה מוצא בגיטי נשים כופין אותו עד שיאמר רוצה אני
14 Desgleichen wird gelehrt: <i>Soll er es darbringen</i>, dies lehrt, daß man ihn dazu zwinge; man könnte glauben, durch Gewalt, so heißt es: <i>nach seinem Wunsche</i> auf welche Weise? Man nötige ihn, bis er sagt, er wolle es. Dies findest du auch bei der Scheidung von Frauen: man nötige ihn, bis er sagt, er wolle es.
טו אמר רבא אמר רב סחורה אמר רב הונא חולצין אע"פ שאין מכירין ממאנין אע"פ שאין מכירין
15 Raba sagte im Namen R. Seḥoras im Namen R. Honas: Man vollziehe ihnen die Ḥaliça, auch wenn man sie nicht kennt; man vollziehe ihnen die Weigerungserklärung, auch wenn man sie nicht kennt.
טז לפיכך אין כותבין גט חליצה אלא אם כן מכירין ואין כותבין גט מיאון אלא אם כן מכירין דחיישינן לבית דין טועין
16 Daher schreibe man eine Urkunde über die Ḥaliça nur dann, wenn man sie kennt, ebenso schreibe man eine Urkunde über die Weigerung nur dann, wenn man sie kennt, weil eine Irreführung des Gerichtes zu befürchten ist.
יז ורבא דידיה אומר אין חולצין אלא אם כן מכירין ואין ממאנין אא"כ מכירין לפיכך כותבין גט חליצה אף על פי שאין מכירין וכותבין גט מיאון אף על פי שאין מכירין ולא חיישינן לבית דין טועין:
17 In seinem eigenen Namen sagte Raba: Man vollziehe ihnen die Ḥaliça nur dann, wenn man sie kennt, und man vollziehe ihnen die Weigerungserklärung nur dann, wenn man sie kennt; daher schreibe man eine Urkunde über die Ḥaliça, auch wenn man sie nicht kennt, ebenso schreibe man eine Urkunde über die Weigerungserklärung, auch wenn man sie nicht kennt, da eine Irreführung des Gerichtes nicht zu befürchten ist.