Yevamot 218

Kapitel 218

א ואמר רבי אבהו אתיא רדיפה רדיפה כתיב הכא (תהלים לד, טו) בקש שלום ורדפהו וכתיב התם (משלי כא, כא) רודף צדקה וחסד ימצא חיים צדקה וכבוד: בהפרת נדרים כרבי נתן דתניא רבי נתן אומר הנודר כאילו בנה במה והמקיימו כאילו הקריב עליה קרבן
1 Hierzu sagte R. Abahu: Man folgere es durch [das Wort] <i>jagen;</i> hierbei heißt es: <i>suche den Frieden und jage ihm nach</i>, und dort heißt es: <i>wer nach Wohltat und Liebe jagt, wird Leben, Wohltat und Ehre finden</i>. Die Auflösung von Gelübden. Dies nach R. Nathan, denn es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Tut jemand ein Gelübde, so ist es ebenso, als würde er eine Opferhöhe errichten, und erfüllt er es, so ist es ebenso, als würde er darauf ein Opfer darbringen.
ב ויתרחק משלשה דברים מן המיאונין דלמא גדלה ומיחרטא בה מן הפקדונות בבר מתא דבייתיה כי בייתיה דמי מן הערבון בערבי שלציון
2 Man halte sich fern von drei Dingen. Von Weigerungserklärungen. Sie könnte, wenn sie großjährig ist, es bereuen. Von Depositenannahmen. Von einem Mitbürger, der sein Haus wie sein eigenes betrachtet. Von Bürgschaften. Von den šelaçjonischen Bürgschaften.
ג דא"ר יצחק מאי דכתיב (משלי יא, טו) רע ירוע כי ערב זר רעה אחר רעה תבא למקבלי גרים ולערבי שלציון ולתוקע עצמו לדבר הלכה מקבלי גרים כר' חלבו דאמר ר' חלבו קשים גרים לישראל כספחת בעור
3 R. Jiçḥaq sagte nämlich: Es heißt: <i>schlecht, ganz schlecht ergeht es dem, der sich für einen Fremden verbürgt</i>; Unglück auf Unglück kommt über die, die Proselyten aufnehmen, die šelaçjonische Bürgschaft übernehmen, und der sich an die Lehre herandrängt. Die Proselyten aufnehmen, nach R. Ḥelbo, denn R. Ḥelbo sagte, Proselyten seien für die Jisraéliten wie ein Ausschlag unangenehm.
ד ערבי שלציון דעבדי שלוף דוץ תוקע עצמו לדבר הלכה דתניא רבי יוסי אומר כל האומר אין לו תורה אין לו תורה פשיטא אלא כל האומר אין לו אלא תורה אין לו אלא תורה
4 Die šelaçjonische Bürgschaft, von der es heißt: ausziehen und stoßen. Der sich an die Lehre herandrängt, denn es wird gelehrt: R. Jose sagte: Wenn jemand sagt, er habe keine Tora, so hat er nichts von der Tora. –
ה הא נמי פשיטא אלא דאפילו תורה אין לו מאי טעמא אמר רב פפא אמר קרא (דברים ה, א) ולמדתם ועשיתם כל שישנו בעשיה ישנו בלמידה כל שאינו בעשיה אינו בלמידה
5 Selbstverständlich!? – Vielmehr, wenn jemand sagt, er habe nur die Tora, so erhält er [Lohn] nur für die Tora. – Auch dies ist ja selbstverständlich!? – Vielmehr, er erhält auch nichts für die Tora. – Aus welchem Grunde? R. Papa erwiderte: Die Schrift sagt:<i>daß ihr lernt und danach handelt;</i> wer danach handelt, lerne auch, wer nicht danach handelt, lerne auch nicht.
ו ואיבעית אימא לעולם כדאמריתו מעיקרא כל האומר אין לו אלא תורה אין לו אלא תורה לא צריכא דקא מגמר לאחריני ואזלי ועבדי מהו דתימא אית ליה אגרא לדידיה קמ"ל
6 Wenn du willst, sage ich: tatsächlich, wie wir zuerst gesagt haben: wenn jemand sagt, er habe nur die Tora, so erhält er [Lohn] nur für die Tora. Dies ist wegen des Falles nötig, wenn er andere lehrt, die danach handeln; man könnte glauben, er erhalte dieserhalb einen Lohn, so lehrt er uns.
ז ואיבעית אימא תוקע עצמו לדבר הלכה בדיינא דאתי דינא לקמיה וגמר הלכה ומדמי מילתא למילתא ואית ליה רבה ולא אזיל משאיל
7 Wenn du aber willst, sage ich: [der Passus,] der sich an die Lehre herandrängt, bezieht sich auf einen Richter, der bei einer Rechtsfrage, die vor ihn kommt, eine Sache mit einer Sache vergleicht, und nicht zu seinem Lehrer geht und ihn fragt.
ח דאמר רבי שמואל בר נחמני אמר רבי יונתן לעולם יראה דיין עצמו כאילו חרב מונחת לו בין יריכותיו וגיהנם פתוחה לו מתחתיו שנאמר (שיר השירים ג, ז) הנה מטתו שלשלמה ששים גבורים סביב לה מגבורי ישראל וגו' מפחד בלילות מפחד של גיהנם שדומה ללילה:
8 R. Šemuél b. Naḥmani sagte nämlich im Namen R. Jonathans: Der Richter stelle sich stets vor, als liege ihm ein Schwert zwischen den Hüften und sei die Hölle unter ihm offen, denn es heißt: <i>siehe, das ist das Bett Šelomos, sechzig Helden von den Helden Jisraéls umringen dasselbe &amp;c. wegen nächtlichen Grauens</i>; wegen des Grauens vor der Hölle, die der Nacht gleicht.
ט ר"ג אומר אם מיאנה וכו': בעא מיניה רבי אלעזר מרב מאי טעמא דר"ג משום דקסבר קידושי קטנה מיתלא תלו וכי גדלה גדלי בהדה אע"ג דלא בעל
9 R. G<small>AMLIÉL SAGT, HAT SIE DIE</small> W<small>EIGERUNG ERKLÄRT</small> &amp;<small>C</small>. – R. Elea͑zar fragte Rabh: Was ist der Grund R. Gamliéls: weil er der Ansicht ist, die Antrauung einer Minderjährigen befinde sich in der Schwebe, und mit ihrem Heranwachsen wachse auch diese, somit auch dann, wenn er ihr nicht beigewohnt hat,
י או דלמא משום דקסבר המקדש אחות יבמה נפטרה יבמה והלכה לה אי בעל אין אי לא בעל לא
10 oder weil er der Ansicht ist, sobald er sich die Schwester der Schwägerin antraut, werde die Schwägerin entbunden, somit nur dann, wenn er ihr beigewohnt hat, nicht aber, wenn er ihr nicht beigewohnt hat?
יא אמר ליה היינו טעמא דר"ג משום דקסבר המקדש אחות יבמה נפטרה יבמה והלכה לה אי בעל אין אי לא בעל לא
11 Dieser erwiderte: Folgendes ist der Grund R. Gamliéls: weil er der Ansicht ist, sobald er sich die Schwester der Schwägerin antraut, werde die Schwägerin entbunden, somit nur dann, wenn er ihr beigewohnt hat, nicht aber, wenn er ihr nicht beigewohnt hat.
יב אמר רב ששת אמינא כי ניים ושכיב רב אמר להא שמעתא דתניא המקדש את הקטנה קידושיה תלויין מאי תלויין לאו כי גדלה גדלי בהדה ואע"ג דלא בעל
12 R. Šešeth sprach: Ich glaube, Rabh sagte diese Lehre schlummernd und schlafend. Es wird gelehrt: Wenn jemand sich eine Minderjährige angetraut hat, so befindet sich die Antrauung in der Schwebe, und unter Schwebe ist wohl zu verstehen, mit ihrem Heranwachsen wachse auch diese; also auch dann, wenn er ihr nicht beigewohnt hat.
יג אמר ליה רבין בריה דרב נחמן הא מילתא דקטנה מיתלא תליא וקיימא אי בעל אין אי לא בעל לא דאמרה הוא עדיף מינאי ואנא עדיפנא מיניה
13 Rabin, Sohn des R. Naḥman, sprach zu ihm: Der Zustand der Minderjährigen befindet sich in der Schwebe, denn wenn er ihr beiwohnt, ist [die Antrauung] gültig, sonst aber nicht. Sie kann [bis dahin] sagen: er ist mir überlegen und ich bin ihm überlegen. –
יד וסבר רב אי בעל אין אי לא בעל לא והא איתמר קטנה שלא מיאנה והגדילה ועמדה ונשאת רב אמר אינה צריכה גט משני ושמואל אמר צריכה גט משני
14 Ist Rabh denn der Ansicht, nur wenn er ihr beigewohnt hat, sonst aber nicht, es wurde ja gelehrt, daß, wenn eine Minderjährige die Weigerung nicht erklärt, und nachdem sie herangewachsen ist, sich [mit einem anderen] verheiratet hat, sie, wie Rabh sagt, eines Scheidebriefes vom anderen nicht benötige, und wie Šemuél sagt, eines Scheidebriefes vom anderen benötige.