Yevamot 226

Kapitel 226

א אי לאו דעתא צילותא ולעולם חדא דעתא הוא או דלמא פשיטא ליה דדעתיה קלישתא ולאו דעתא צילותא הוא והכא היינו טעמא כיון דעתים חלים ועתים שוטה
1 oder aber ist es ihm entschieden, daß sein Verständnis schwach und nicht geklärt ist, aber aus dem Grunde, weil er zuweilen normal und zuweilen blöde ist? –
ב למאי נפקא מינה להוציא אשתו בגט אי אמרת חדא דעתא הוא כקדושין כך גירושין
2 In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Ob er seine Frau durch einen Scheidebrief entfernen kann; wenn du sagst, sein Verständnis schwanke nicht, so gleicht die Scheidung der Antrauung,
ג ואי אמרת עתים חלים ועתים שוטה קדושי מצי מקדש גרושי לא מצי מגרש מאי תיקו:
3 und wenn du sagst, er sei zuweilen normal und zuweilen blöde, so kann er wohl die Antrauung vollziehen, nicht aber die Scheidung. Wie ist es? – Dies bleibt unentschieden.
ד נשתטית וכו': א"ר יצחק דבר תורה שוטה מתגרשת מידי דהוה אפקחת בעל כרחה ומה טעם אמרו אינה מגורשת שלא ינהגו בה מנהג הפקר
4 I<small>ST SIE BLÖDSINNIG GEWORDEN</small> &amp;<small>C</small>. R. Jiçḥaq sagte: Nach der Tora kann eine Blödsinnige geschieden werden, gleich einer Vollsinnigen gegen ihren Willen, und nur deshalb sagten sie, sie könne nicht geschieden werden, damit man sie nicht als preisgegeben behandle. –
ה היכי דמי אילימא דיודעת לשמור גיטה ויודעת לשמור עצמה מי נהגי בה מנהג הפקר אלא דאין יודעת לשמור לא גיטה ולא עצמה
5 In welchem Falle: versteht sie ihren Scheidebrief zu verwahren und sich selbst zu behüten, wieso sollte man sie als preisgegeben behandeln, und versteht sie nicht, ihren Scheidebrief und sich selbst zu verwahren,
ו דבר תורה שוטה מתגרשת והא אמר דבי רבי ינאי (דברים כד, א) ונתן בידה מי שיש לה יד לגרש עצמה יצתה זו שאין לה יד לגרש עצמה
6 wieso kann sie nach der Tora geschieden werden, in der Schule R. Jannajs sagten sie ja: <i>er gebe ihr in die Hand</i>, die eine Hand hat, ihre Scheidung in Empfang zu nehmen, ausgenommen diese, die keine Hand hat, ihre Scheidung in Empfang zu nehmen.
ז ותנא דבי רבי ישמעאל (דברים כד, א) ושלחה מביתו מי שמשלחה ואינה חוזרת יצתה זו שמשלחה וחוזרת
7 Ferner lehrten sie in der Schule R. Jišmaéls: <i>Er schicke sie aus seinem Hause</i>, die, wenn man sie fortschickt, nicht zurückkehrt, ausgenommen diese, die, wenn man sie fortschickt, zurückkehrt!? –
ח לא צריכא דיודעת לשמור גיטה ואינה יודעת לשמור עצמה דבר תורה שוטה מתגרשת דהא יודעת לשמור גיטה ואמור רבנן לא ליפקא שלא ינהגו בה מנהג הפקר
8 In dem Falle, wenn sie ihren Scheidebrief zu verwahren versteht, nicht aber sich selbst. Nach der Tora kann sie geschieden werden, da sie ihren Scheidebrief zu verwahren versteht, nur sagten die Rabbanan, sie sei nicht zu entfernen, damit man sie nicht als preisgegeben behandle.
ט אמר אביי דיקא נמי דקתני גבי דידה נשתטית לא יוציא וגבי דידיה לא יוציא עולמית מאי שנא הכא דקתני עולמית ומאי שנא התם דלא קתני עולמית אלא שמע מינה הא דאורייתא הא דרבנן:
9 Abajje sagte: Dies ist auch zu beweisen, denn von ihr lehrt er: ist sie blödsinnig geworden, so kann er sie nicht entfernen, von ihm aber: so kann er sie nimmer entfernen; weshalb heißt es von ihm ‘nimmer’ und von ihr nicht? Wohl deshalb, wenn er, nach der Tora, wenn sie, rabbanitisch.
י א"ר יוחנן בן נורי וכו': איבעיא להו רבי יוחנן בן נורי איש פשיטא ליה ואשה קמיבעיא ליה או דלמא אשה פשיטא ליה ואיש קמיבעיא ליה
10 R. J<small>OHANAN B</small>. N<small>URI SPRACH</small> &amp;<small>C</small>. Sie fragten: War es R. Joḥanan b. Nuri hinsichtlich des Mannes entschieden, und seine Frage bezog sich auf die Frau, oder war es ihm hinsichtlich der Frau entschieden, und seine Frage bezog sich auf den Mann? –
יא ת"ש מדקאמרו ליה אינו דומה האיש המגרש לאשה המתגרשת שהאשה יוצאת לרצונה ושלא לרצונה והאיש אינו מוציא אלא לרצונו ש"מ איש קמיבעיא ליה אדרבה מדקא"ל אף זו כיוצא בה ש"מ אשה קמיבעיא ליה
11 Komm und höre: Sie erwiderten ihm: der Mann, der die Scheidung ausbringt, gleicht nicht der Frau, die geschieden wird; die Frau wird entfernt mit ihrem Willen und gegen ihren Willen, der Mann aber entfernt sie nur mit seinem Willen. Schließe hieraus, daß es ihm hinsichtlich des Mannes fraglich war. – Im Gegenteil, sie erwiderten: jene gleiche dieser, demnach war es ihm ja hinsichtlich der Frau fraglich.
יב אלא ' ר' יוחנן בן נורי לדבריהם קאמר להו לדידי כי היכי דאיש לא מצי מגרש אשה נמי לא מיגרשא אלא לדידכו מאי שנא אשה ומאי שנא איש אמרו ליה אינו דומה האיש המגרש לאשה המתגרשת:
12 Vielmehr sprach R. Joḥanan b. Nuri zu ihnen nach ihrer Ansicht: nach meiner Ansicht kann, wie der Mann nicht scheiden kann, die Frau nicht geschieden werden; welchen Unterschied aber gibt es nach euerer Ansicht zwischen der Frau und dem Manne? Sie erwiderten ihm: Der Mann, der die Scheidung ausbringt, gleicht nicht der Frau, die geschieden wird.
יג העיד רבי יוחנן וכו': אמר רבא מעדותו של רבי יוחנן בן גודגדא אמר לעדים ראו גט זה שאני נותן ואמר לה כנסי שטר חוב זה הרי זו מגורשת
13 R. J<small>OḤANAN</small> &amp;<small>C. BEKUNDETE</small> &amp;<small>C</small>. Raba sagte: Aus der Bekundung des R. Joḥanan b. Gudgada [geht hervor], daß, wenn jemand zu Zeugen gesagt hat: seht diesen Scheidebrief, den ich ihr geben will, und darauf zu ihr gesagt hat: nimm diesen Schuldschein, sie geschieden ist.
יד מי לא אמר רבי יוחנן בן גודגדא לא בעינן דעתה הכא נמי לא בעינן דעתה פשיטא
14 R. Joḥanan b. Gudgada sagte, ihr Wissen sei nicht nötig, ebenso ist hierbei ihr Wissen nicht nötig. – Selbstverständlich!? –
טו מהו דתימא מדא"ל כנסי שטר חוב זה בטולי בטליה קמ"ל אי איתא דבטליה לעדים הוה קאמר להו ומדלא אמר לעדים לא בטליה ולא מידי והאי דקאמר הכי מחמת כיסופא הוא דקאמר להו
15 Man könnte glauben, da er zu ihr gesagt hat: nimm diesen Schuldschein, habe er ihn als nichtig erklärt, so lehrt er uns, daß, wenn er ihn als nichtig erklären wollte, er es zu den Zeugen gesagt haben würde; da er es nicht zu den Zeugen sagte, so hat er ihn nicht als nichtig erklärt, und ihr sagte er es nur deshalb, weil es ihm genannt war.
טז רב יצחק בר ביסנא אירכסו ליה מפתחי דבי מדרשא ברשות הרבים בשבתא אתא לקמיה דרבי פדת אמר ליה זיל
16 Einst verlor R. Jiçḥaq b. Bisna am Šabbath auf öffentlichem Gebiete die Schlüssel des Lehrhauses, und als er zu R. Pedath kam, sprach dieser zu ihm: Geh,