Yevamot 35

Kapitel 35

א הוה אמינא מחיים אבל לאחר מיתה פקעה לה זיקה קמ"ל דזיקה בכדי לא פקעה לימא מסייע ליה יבמתו שמתה מותר באחותה באחותה אין באמה לא
1 Vielmehr, würde er so gesagt haben, so könnte man glauben, nur bei Lebzeiten, nach dem Tode aber schwinde die Gebundenheit, so lehrt er uns, daß die Gebundenheit von selbst nicht schwinde. Ihm wäre eine Stütze zu erbringen. Ist die Schwägerin gestorben, so ist ihm ihre Schwester erlaubt. Nur die Schwester, die Mutter aber nicht. —
ב ה"ה דאפי' באמה ואיידי דתנא רישא אשתו שמתה מותר באחותה דוקא באחותה אבל באמה לא דהויא לה איסורא דאורייתא תנא נמי סיפא מותר באחותה
2 Dasselbe gilt auch von der Mutter, da er aber im Anfangsatze lehrt, daß, wenn seine Frau gestorben ist, ihm ihre Schwerster erlaubt sei, nur die Schwester und nicht die Mutter, die ihm nach der Tora inzestuös ist, so lehrt er auch im Schlußsatze, daß die Schwester ihm erlaubt ist.
ג מתיב רב הונא בר חייא עשה בה מאמר ומת שניה חולצת ולא מתייבמת טעמא דעבד בה מאמר הא לא עבד בה מאמר שניה נמי יבומי מייבמה ואי אמרת יש זיקה הויא לה צרת אשת אחיו שלא היה בעולמו בזיקה
3 R. Hona b. Ḥija wandte ein: Wenn er nur die Eheformel an sie gerichtet hat und gestorben ist, so ist an der zweiten die Ḥaliça und nicht die Schwagerehe zu vollziehen. Nur wenn er an sie die Eheformel gerichtet hat, wenn aber nicht, so kann an der zweiten auch die Schwagerehe vollzogen werden. Wenn du nun sagst, es bestehe eine Gebundenheit, so ist sie ja durch die Gebundenheit die Nebenbuhlerin der Frau seines nicht gleichzeitig mit ihm gelebt habenden Bruders!?
ד אמר רבה הוא הדין דאע"ג דלא עבד בה מאמר שניה מחלץ חלצה יבומי לא מייבמה
4 Rabba erwiderte: Auch wenn er an sie die Eheformel nicht gerichtet hat, ist an der zweiten nur die Ḥaliça und nicht die Schwagerehe zu vollziehen,
ה והא דקתני מאמר לאפוקי מב"ש דאמרי מאמר קונה קנין גמור קמ"ל
5 nur lehrt er deshalb den Fall, wenn er an sie die Eheformel gerichtet hat, um die Ansicht der Schule Šammajs auszuschließen; diese lehrt, die Eheformel erwirke eine vollständige Aneignung, so lehrt er uns.
ו איתיביה אביי שני אחין בעולם אחד ומת אחד מהן בלא ולד ועמד השני הזה לעשות מאמר ביבמתו ולא הספיק לעשות בה מאמר עד שנולד לו אח ומת הראשונה יוצאה משום אשת אחיו שלא היה בעולמו ושניה או חולצת או מתייבמת ואי אמרת יש זיקה הויא לה צרת אשת אחיו שלא היה בעולמו בזיקה
6 Abajje wandte gegen ihn ein: Wenn von zwei zu gleicher Zeit gelebt habenden Brüdern einer kinderlos gestorben ist und der andere im Begriffe war, an die Schwägerin die Eheformel zu richten, aber bevor er zur Ausführung gelangte, noch ein Bruder geboren worden und er selber gestorben ist, so ist die erste frei als Frau seines nicht gleichzeitig mit ihm gelebt habenden Bruders, und an der anderen ist die Ḥaliça oder die Schwagerehe zu vollziehen. Wenn du nun sagst, es bestehe eine Gebundenheit, so ist sie ja durch die Gebundenheit die Nebenbuhlerin der Frau seines nicht gleichzeitig mit ihm gelebt habenden Bruders!? —
ז הא מני ר"מ היא דאמר אין זיקה ומי סבירא ליה לרבי מאיר אין זיקה והתנן ארבעה אחים שנים מהן נשואים שתי אחיות ומתו הנשואין האחיות הרי אלו חולצות ולא מתייבמות
7 Hier ist die Ansicht R. Meírs vertreten, welcher sagt, es bestehe keine Gebundenheit. — Ist R. Meír denn der Ansicht, es bestehe keine Gebundenheit, wir haben ja gelernt: Wenn von vier Brüdern zwei mit zwei Schwestern verheiratet waren und gestorben sind, so ist an ihnen die Ḥaliça und nicht die Schwagerehe zu vollziehen.
ח ואי ס"ד סבר ר"מ אין זיקה הני מתרי בתי קאתיין האי לייבם חדא והאי לייבם חדא
8 Wenn man nun sagt, R. Meír sei der Ansicht, es bestehe keine Gebundenheit, so kommen sie ja aus zwei Familien, und einer sollte die Schwagerehe an der einen und der andere an der anderen vollziehen!? —
ט לעולם אין זיקה משום דקסבר אסור לבטל מצות יבמין דדלמא אדמייבם חד מיית אידך וקא בטלת מצות יבמין
9 Tatsächlich besteht keine Gebundenheit, nur ist er der Ansicht, es sei verboten, das Gesetz von der Schwagerehe zu vereiteln. Es könnte, wenn einer die Schwagerehe vollzieht, der andere sterben, sodann das Gesetz von der Schwagerehe vereitelt werden. —
י ואי אין זיקה תיבטל דהא ר"ג אמר אין זיקה ומותר לבטל מצות יבמין
10 Wenn keine Gebundenheit besteht, mag es ja vereitelt werden: R. Gamliél ist ja der Ansicht, es bestehe keine Gebundenheit, und [nach ihm] darf das Gesetz von der Schwagerehe vereitelt werden!?
יא דתנן ר"ג אומר אם מאנה מאנה ואם לא מאנה תמתין עד שתגדיל ותצא הלזו משום אחות אשה
11 Wir haben nämlich gelernt: R. Gamliél sagte: Hat jene die Weigerung erklärt, so ist es recht, hat sie nicht die Weigerung erklärt, so warte sie, bis jene großjährig wird, sodann ist sie als Schwester seiner Frau frei.
יב אמר ליה דרבן גמליאל אדרבי מאיר קרמית לא הכי קאמרינן ר"מ חייש אפי' לספיקא ר"ג אפילו לודאי לא חייש דלמא מאן דלא חייש אפי' לודאי לא חייש ומאן דחייש אפי' לספיקא חייש
12 Dieser erwiderte: Du weisest auf einen Widerspruch zwischen R. Gamliél und R. Meír hin!? — Nein, ich meine es wie folgt: R. Meír berücksichtigt sogar die zweifelhafte [Vereitelung], R. Gamliél aber nicht einmal die entschiedene. — Wer dies nicht berücksichtigt, berücksichtigt vielleicht auch die entschiedene [Vereitelung] nicht, und wer dies berücksichtigt, berücksichtigt auch die zweifelhafte.
יג א"ל אביי לרב יוסף הא דרב יהודה דשמואל היא דתנן
13 Abajje sprach zu R. Joseph: Die Lehre R. Jehudas ist von Šemuél. Wir haben nämlich gelernt: