Yevamot 78

Kapitel 78

א אית דאמרי בביאה כולי עלמא לא פליגי דביאת קטן עדיפא כי פליגי בחליצת קטן
1 Manche sagen: Hinsichtlich der Beiwohnung stimmen alle überein, daß die Beiwohnung des Kleineren zu bevorzugen sei, sie streiten nur über die Ḥaliça des Kleineren,
ב והכי איתמר חליצת קטן וחליצת גדול פליגי בה ר' יוחנן ור' יהושע בן לוי חד אמר חליצת גדול עדיפא וחד אמר כי הדדי נינהו
2 und die Lehre lautet wie folgt: Über die Ḥaliça des Kleineren und die Ḥaliça des Größeren streiten R. Joḥanan und R. Jehošua͑ b. Levi; einer sagt, die Ḥaliça des Größeren sei zu bevorzugen, und einer sagt, sie gleichen einander.
ג מאן דאמר חליצת גדול עדיפא דהא מצוה בגדול ואידך כי אמרינן מצוה בגדול לענין יבום אבל לענין חליצה כהדדי נינהו
3 Einer sagt, die Ḥaliça des Größeren sei zu bevorzugen, denn das Gebot liegt dem Ältesten ob, und einer sagt, nur vom Gebote der Schwagerehe sagen wir, es liege dem Ältesten ob, hinsichtlich der Ḥaliça aber gleichen sie einander. –
ד תנן לא רצו חוזרין אצל גדול מאי לאו לא רצו לייבם אלא לחלוץ וקתני חוזרין אצל גדול וש"מ חליצת גדול עדיפא
4 Wir haben gelernt: Wollen auch diese nicht, so wende man sich zurück an den Ältesten. Doch wohl, wenn sie nicht die Schwagerehe, sondern die Ḥaliça vollziehen wollen, und er lehrt, daß man sich zurück an den Ältesten wende. Schließe hieraus, daß die Ḥaliça des Größeren zu bevorzugen ist!? –
ה לא לא רצו לא לחלוץ ולא לייבם דכוותיה גבי גדול לא רצה לא לחלוץ ולא לייבם אלא אמאי חוזרין אצל גדול למכפייה לכפייהו לדידהו כיון דמצוה עליה דידיה רמיא לדידיה כייפינן
5 Nein, sie wollen nicht, wenn sie weder die Ḥaliça noch die Schwagerehe vollziehen wollen. – Desgleichen beim Ältesten, wenn er weder die Ḥaliça noch die Schwagerehe vollziehen will; weshalb wende man sich zurück an ihn, um ihn zu zwingen, zwinge man doch jene!? – Da das Gebot ihm obliegt, zwinge man ihn. –
ו ת"ש תלה בגדול עד שיבא ממדינת הים אין שומעין לו ואי ס"ד חליצת גדול עדיפא אמאי אין שומעין לו נינטר דלמא אתי וחליץ
6 Komm und höre: Verweist er auf einen älteren [Bruder], bis er aus dem Überseelande heimkehrt, so höre man nicht auf ihn. Weshalb höre man nicht auf ihn, wenn du sagst, die Ḥaliça des Größeren sei zu bevorzugen, man sollte doch warten, vielleicht kommt er und vollzieht die Schwagerehe!? –
ז ולטעמיך בקטן עד שיגדיל אין שומעין לו אמאי נינטר דלמא גדיל ומייבם (אי נמי אתי איהו ומייבמה) אלא כל שהויי מצוה לא שהינן
7 Weshalb höre man nicht auf ihn, auch nach deiner Ansicht, wenn er auf einen Minderjährigen [verweist], bis er großjährig ist, man sollte doch warten, vielleicht vollzieht dieser, wenn er großjährig ist, die Schwagerehe!? [Oder vielleicht vollzieht er selber die Schwagerehe]!? Vielmehr schiebe man ein Gebot nicht hinaus.
ח תנן התם מצות יבום קודמת למצות חליצה בראשונה שהיו מתכוונין לשם מצוה עכשיו שאין מתכוונין לשם מצוה אמרו מצות חליצה קודמת למצות יבום
8 Dort haben wir gelernt: Das Gebot der Schwagerehe geht dem Gebote der Ḥaliça vor. Dies galt früher, wo man die Ausübung des Gebotes bezweckte, jetzt aber, wo man nicht die Ausübung des Gebotes bezweckt, sagten sie, geht das Gebot der Ḥaliça dem Gebote der Schwagerehe vor.
ט אמר רב אין כופין כי אתו לקמיה דרב אמר להו אי בעית חלוץ אי בעית ייבם בדידך תלא רחמנא (דברים כה, ז) ואם לא יחפוץ האיש הא אם חפץ אי בעי חליץ אי בעי ייבם
9 Rabh sagte: Man zwinge nicht. Wenn sie vor Rabh kamen, sprach er: willst du, vollziehe die Ḥaliça, und willst du, vollziehe die Schwagerehe, der Allbarmherzige hat es dir freigestellt. [Es heißt:] <i>wenn der Mann nicht will,</i> wenn er aber will, vollziehe er nach Belieben die Ḥaliça oder die Schwagerehe.
י ואף רב יהודה סבר אין כופין מדאתקין רב יהודה בגיטא דחליצה איך פלונית בת פלוני אקרבת ית פלוני יבמה קדמנא לבי דינא ואשתמודעינהו דאחוה דמיתנא מאבא ניהו ואמרי ליה אי צבית ליבם יבם ואי לא איטלע לה רגליך דימינא
10 Und auch R. Jehuda ist der Ansicht, man zwinge ihn nicht, denn R. Jehuda ordnete an, in der Ḥaliçaurkunde [folgendes zu schreiben: Wir bekunden,] daß N., Tochter des N., ihren Schwager N. vor uns aufs Gericht kommen ließ, und wir uns überzeugt haben, daß er der Bruder des Verstorbenen väterlicherseits ist. Wir sprachen zu ihm: Willst du die Schwagerehe vollziehen, so vollziehe sie, wenn aber nicht, so reiche ihr deinen rechten Fuß.
יא ואיטלע לה רגלא דימינא ושרת סיניה מעל רגלוהי וירקת באנפוהי רוקא דמתחזיא לבי דינא על ארעא
11 Er reichte ihr dann den rechten Fuß, und sie löste ihm den Schuh vom Fuße und spuckte ihm vor das Gesicht, und das Gericht sah den Speichel auf der Erde.
יב ורבי חייא בר אויא מסיים בה משמיה דרב יהודה ואקרינהו מה דכתיב בספר אורייתא דמשה
12 R. Ḥija b. Ivja setzte noch im Namen R. Jehudas hinzu: Wir lasen ihm vor, was [darüber] in der Tora Mošes geschrieben steht.
יג אשתמודעינהו פליגי בה רב אחא ורבינא חד אמר בעדים וחד אמר אפילו קרוב אפילו אשה והלכתא גלויי מילתא בעלמא הוא ואפילו קרוב ואפילו אשה:
13 ‘Überzeugt’, hierüber streiten R. Aḥa und Rabina; einer sagt, durch Zeugen, und einer sagt, selbst durch einen Verwandten oder eine Frau. Die Halakha ist, dies ist nichts weiter als eine Kundgebung, und auch ein Verwandter oder eine Frau [ist zulässig].
יד בראשונה שהיו מתכוונין לשם מצוה מצות יבום קודמת למצות חליצה ועכשיו שאין מתכוונין לשם מצוה אמרו מצות חליצה קודמת למצות יבום
14 «Früher, wo man die Ausübung des Gebotes bezweckte, ging das Gebot der Schwagerehe dem Gebote der Ḥaliça vor, jetzt aber, wo man nicht die Ausübung des Gebotes bezweckt, sagten sie, geht das Gebot der Ḥaliça dem Gebote der Schwagerehe vor.»
טו אמר רמי בר חמא א"ר יצחק חזרו לומר מצות יבום קודמת למצות חליצה א"ל רב נחמן בר יצחק אכשור דרי
15 Rami b. Ḥama sagte im Namen R. Jiçḥaqs: Sie traten zurück und sagten, das Gebot der Schwagerehe gehe dem Gebote der Ḥaliça vor. R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach zu ihm: Sind etwa die Generationen tugendhafter geworden!? –
טז מעיקרא סברי לה כאבא שאול ולבסוף סברי לה כרבנן
16 Früher waren sie der Ansicht des Abba Šaúl, später aber bekannten sie sich zur Ansicht der Rabbanan.
יז דתניא אבא שאול אומר הכונס את יבמתו לשם נוי ולשום אישות ולשום דבר אחר כאילו פוגע בערוה וקרוב אני בעיני להיות הולד ממזר וחכמים אומרים (דברים כה, ה) יבמה יבא עליה מכל מקום
17 Es wird nämlich gelehrt: Abba Šaúl sagte: Wenn jemand seine Schwägerin wegen ihrer Schönheit, wegen des geschlechtlichen Umganges oder aus einem anderen Grunde nimmt, so ist es ebenso, als würde er auf eine Inzestuöse stoßen, und mir scheint es sogar, daß das Kind ein Hurenkind ist. Die Weisen aber sagen: <i>ihr Schwager komme zu ihr,</i> in jedem Falle.
יח מאן תנא להא דתנו רבנן יבמה יבא עליה מצוה שבתחלה היתה עליו בכלל היתר נאסרה וחזרה והותרה יכול תחזור להתירה הראשון ת"ל יבמה יבא עליה מצוה
18 Wer ist der Autor der folgenden Lehre der Rabbanan: <i>Ihr Schwager komme zu ihr</i>, es ist ein Gebot. Ursprünglich war sie ihm erlaubt, sodann wurde sie ihm verboten und wiederum erlaubt; man könnte nun glauben, sie kehre in den früheren Zustand des Erlaubtseins zurück, so heißt es: <i>ihr Schwager komme zu ihr,</i> es ist ein Gebot.
יט מאן תנא אמר רבי יצחק בר אבדימי אבא שאול היא וה"ק יבמה יבא עליה מצוה שבתחלה היתה עליו בכלל היתר רצה לשם נוי כונסה רצה לשום אישות כונסה
19 Wer ist der Autor? R. Jiçḥaq b. Evdämi erwiderte: Es ist Abba Šaúl, und er meint es wie folgt: <i>Ihr Schwager komme zu ihr,</i> es ist ein Gebot. Ursprünglich war sie ihm erlaubt, wenn er wollte, konnte er sie wegen ihrer Schönheit nehmen, und wenn er wollte, wegen des geschlechtlichen Umganges,
כ נאסרה חזרה והותרה יכול תחזור להתירה הראשון ת"ל יבמה יבא עליה למצוה
20 sodann wurde sie ihm verboten und wiederum erlaubt; man könnte nun glauben, sie kehre in den früheren Zustand des Erlaubtseins zurück, so heißt es: <i>ihr Schwager komme zu ihr,</i> nur des Gebotes wegen.
כא רבא אמר אפי' תימא רבנן והכי קאמר יבמה יבא עליה מצוה שבתחלה היתה בכלל היתר רצה כונסה רצה אינו כונסה
21 Raba erklärte: Du kannst auch sagen, die Weisen, denn er meint es wie folgt: <i>Ihr Schwager komme zu ihr,</i> es ist ein Gebot. Ursprünglich war sie ihm erlaubt, wenn er wollte, konnte er sie nehmen, und wenn er wollte, dies unterlassen,
כב נאסרה חזרה והותרה יכול תחזור להתירה הראשון רצה כונסה רצה אינו כונסה רצה אינו כונסה
22 sodann wurde sie ihm verboten und wiederum erlaubt; man könnte nun glauben, sie kehre in den früheren Zustand des Erlaubtseins zurück, und er dürfe, wenn er will, sie nehmen, und wenn er will, sie nicht nehmen. –
כג הא אגידה ביה בכדי תיפוק אלא אימא רצה כונסה רצה חולץ לה ת"ל יבמה יבא עליה מצוה
23 [Wenn er will, sie nicht nehmen], sie ist ja an ihn gebunden, wie sollte sie ohne weiteres frei sein!? – Lies vielmehr: wenn er will, sie nehmen, und wenn er will, an ihr die Ḥaliça vollziehen. So heißt es: <i>ihr Schwager komme zu ihr,</i> es ist ein Gebot. –
כד אימא רישא (ויקרא ו, ט) מצות תאכל במקום קדוש מצוה
24 Wie ist demnach der Anfangsatz zu erklären: <i>Ungesäuert soll es gegessen werden, an einem heiligen Orte,</i> es ist ein Gebot.