Yevamot 91

Kapitel 91

א עובד כוכבים גופא לא קני ליה מאי דקני ליה הוא דמקני ליה לישראל וכיון דקדם וטבל לשם בן חורין אפקעיה לשעבודיה
1 Der Nichtjude hatte ihn nicht erworben, und er kann dem Jisraéliten nur das zueignen, was ihm selber gehört; da jener aber ihm zuvorgekommen und zwecks Freiwerdung untergetaucht ist, so ist seine Hörigkeit aufgehoben.
ב כדרבא דאמר רבא הקדש חמץ ושחרור מפקיעין מידי שעבוד
2 Dies nach Raba, denn Raba sagte: Heiligung, Säuerung und Freilassung heben das Anrecht auf.
ג מתיב רב חסדא מעשה בבלוריא הגיורת שקדמו עבדיה וטבלו לפניה ובא מעשה לפני חכמים ואמרו קנו עצמן בני חורין לפניה אין לאחריה לא
3 R. Ḥisda wandte ein: Bei Vater ja der Proselytin ereignete es sich, daß ihre Sklaven früher als sie untertauchten, und als die Sache vor die Weisen kam, entschieden sie, sie haben ihre Freiheit erworben. Nur weil vorher, nicht aber wenn nachher!?
ד אמר רבא לפניה בין בסתם בין במפורש לאחריה במפורש אין בסתם לא
4 Raba erwiderte: Wenn vorher, ob ohne Zweckangabe oder mit Zweckangabe, wenn nachher, nur mit Zweckangabe, nicht aber ohne Zweckangabe.
ה אמר רב אויא לא שנו אלא בלוקח מן העובד כוכבים אבל עובד כוכבים גופיה קני
5 R. Šaja sagte: Dies nur, wenn man [einen Sklaven] von einem Nichtjuden kauft, wenn aber den Nichtjuden selber, so hat man ihn erworben,
ו דכתיב (ויקרא כה, מה) וגם מבני התושבים הגרים עמכם מהם תקנו אתם קונים מהם ולא הם קונים מכם ולא הם קונים זה מזה
6 denn es heißt: <i>und auch von den Kindern der Beisassen, die bei euch wohnen, aus ihnen könnt ihr kaufen;</i> ihr könnt aus ihnen kaufen, nicht aber können sie aus euch kaufen, noch können sie aus einander kaufen.
ז ולא הם קונים מכם למאי אילימא למעשה ידיו אטו עובד כוכבים לא קני ליה לישראל למעשה ידיו והכתיב (ויקרא כה, מז) או לעקר משפחת גר ואמר מר משפחת גר זה העובד כוכבים אלא לאו לגופיה וקאמר רחמנא אתם קונין מהם אפילו גופיה
7 Inwiefern können sie aus euch nicht kaufen: wenn die Händearbeit, wieso erwirbt ein Nichtjude keinen Jisraeliten, es heißt ja: <i>dem Abkömmling aus dem Fremdlingsgeschlechte,</i> und der Meister sagte: unter <i>Fremdlingsgeschlecht</i> sei ein Nichtjude zu verstehen; doch wohl die Person selbst, und der Allbarmherzige sagt: <i>ihr könnt aus ihnen kaufen,</i> selbst die Person.
ח פריך רב אחא אימא בכספא ובטבילה קשיא
8 R. Aḥa wandte ein: Vielleicht durch Geld und Untertauchen!? – Ein Einwand.
ט אמר שמואל וצריך לתקפו במים
9 Šemuél sagte: Man halte ihn im Wasser fest.
י כי האי דמנימין עבדיה דרב אשי בעא לאטבולי מסריה ניהלייהו לרבינא ולרב אחא ברי' דרבא אמר להו חזו דמינייכו קבעית ליה רמו ליה ארויסא בצואריה ארפו ליה וצמצמו ליה
10 So übergab einst R. Aši seinen Sklaven Minjamin, der untertauchen wollte, Rabina und R. Aha, dem Sohne Rabas, und sprach zu ihnen: Paßt auf, von euch verlange ich ihn. Da legten sie ihm eine Kette um den Hals, die sie lose hielten und festzogen.
יא ארפו ליה כי היכי דלא להוי חציצה צמצמו ליה כי היכי דלא לקדים ולימא להו לשם בן חורין אני טובל בהדי דדלי רישיה ממיא אנחו ליה זולטא דטינא ארישיה ואמרו ליה זיל אמטי לבי מרך
11 Lose hielten, damit keine Trennung entstehe, und festzogen, damit er nicht zuvorkomme und sage, er tauche zwecks Freiwerdung unter. Als er den Kopf aus dem Wasser hob, legten sie ihm ein Gefäß mit Lehm auf den Kopf und sprachen zu ihm: Geh, bring es deinem Herrn.
יב א"ל רב פפא לרבא חזי מר הני דבי פפא בר אבא דיהבי זוזי לאינשי לכרגייהו ומשעבדי בהו כי נפקי צריכי גיטא דחירותא או לא
12 R. Papa sprach zu Raba: Der Meister hat wohl beobachtet, daß die Angehörigen des Hauses des Papa b. Abba Geldbeträge auf die Kopfsteuer anderer Leute anzahlen und diese zur Sklavenarbeit anhalten. Benötigen diese, wenn sie fortgehen, eines Freibriefes oder nicht?
יג א"ל איכו שכיבי לא אמרי לכו הא מילתא הכי א"ר ששת מוהרקייהו דהני בטפסא דמלכא מנח ומלכא אמר מאן דלא יהיב כרגא משתעבד למאן דיהיב כרגא
13 Dieser erwiderte: Wenn ich jetzt tot wäre, würde ich euch dies nicht gesagt haben; folgendes sagte R. Šešeth: die Hörigkeits-Urkunden von diesen liegen im Schreine des Königs, und der König bestimmte, wer keine Kopfsteuer zahlt, sei dem dienstbar, der für ihn Kopfsteuer zahlt.
יד ר' חייא בר אבא איקלע לגבלא חזא בנות ישראל דמעברן מגרים שמלו ולא טבלו וחזא חמרא דישראל דמזגי עובדי כוכבים ושתו ישראל וחזא תורמוסין דשלקי עובדי כוכבים ואכלי ישראל ולא אמר להו ולא מידי
14 R. Ḥija b. Abba kam einst nach Gabla und beobachtete, daß da jüdische Töchter von beschnittenen und nicht untergetauchten Nichtjuden geschwängert wurden. Ferner beobachtete er, daß da Nichtjuden Wein verschnitten und Jisraéliten ihn tranken. Ferner beobachtete er, daß da Nichtjuden Lupinen kochten und Jisraéliten sie aßen. Er sagte ihnen aber nichts.
טו אתא לקמיה דר' יוחנן א"ל צא והכרז על בניהם שהם ממזרים ועל יינם משום יין נסך ועל תורמוסן משום בישולי עובדי כוכבים לפי שאינן בני תורה
15 Als er hierauf zu R. Joḥanan kam, sprach dieser zu ihm: Geh und mache bekannt, daß ihre Kinder Hurenkinder sind, daß ihr Wein Libationswein ist, und daß ihre Lupinen als von Nichtjuden gekocht [verboten] sind, weil sie im Gesetze unkundig sind.
טז על בניהן שהם ממזרים ר' יוחנן לטעמיה דאמר ר' חייא בר אבא אמר ר' יוחנן לעולם אין גר עד שימול ויטבול וכיון דלא טביל עובד כוכבים הוא ואמר רבה בר בר חנה א"ר יוחנן עובד כוכבים ועבד הבא על בת ישראל הולד ממזר
16 Daß ihre Kinder Hurenkinder sind. R. Joḥanan vertritt hierbei seine Ansicht, denn R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans, er gelte nur dann als Proselyt, wenn er beschnitten worden und untergetaucht ist; wenn er aber nicht untergetaucht ist, gilt er als Nichtjude. Ferner sagte Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans, daß, wenn ein Nichtjude oder ein Sklave einer Jisraélitin beigewohnt hat, das Kind ein Hurenkind ist.
יז ועל יינם משום יין נסך משום לך לך אמרין נזירא סחור סחור לכרמא לא תקרב
17 Daß ihr Wein Libationswein ist. Man sagt nämlich: Weiter, weiter, Naziräer; herum, herum, nähere dich nicht dem Weinberge.
יח ועל תורמוסן משום בשולי עובדי כוכבים לפי שאינן בני תורה הא בני תורה שרי והאמר רב שמואל בר רב יצחק משמי' דרב כל הנאכל כמות שהוא חי אין בו משום בשולי עובדי כוכבים והא תורמוס אינו נאכל כמות שהוא חי ויש בו משום בשולי עובדי כוכבים
18 Daß ihre Lupinen als von Nichtjuden gekocht [verboten] sind, weil sie im Gesetze unkundig sind. Demnach wären sie erlaubt, wenn sie im Gesetze kundig wären, und [dem widersprechend] sagte ja R. Šemuél b. R. Jiçḥaq im Namen Rabhs, was roh gegessen wird, sei nicht als von Nichtjuden Gekochtes verboten, wonach die Lupine, die nicht roh gegessen wird, als von Nichtjuden Gekochtes [verboten] ist!? –
יט ר' יוחנן כאידך לישנא סבירא ליה דאמר רב שמואל בר רב יצחק משמי' דרב כל שאין עולה על שולחן מלכים לאכול בו את הפת אין בו משום בשולי עובדי כוכבים וטעמא דאינן בני תורה הא בני תורה שרי
19 R. Joḥanan hält es mit der anderen Fassung des R. Šemuél b. R. Jiçḥaq im Namen Rabhs: was nicht auf die königliche Tafel als Zukost zum Brote kommt, ist nicht als von Nichtjuden Gekochtes [verboten]. Und nur aus dem Grunde, weil sie im Gesetze unkundig waren, Gesetzeskundigen aber ist es erlaubt.
כ ת"ר גר שמל ולא טבל ר"א אומר הרי זה גר שכן מצינו באבותינו שמלו ולא טבלו טבל ולא מל ר' יהושע אומר הרי זה גר שכן מצינו באמהות שטבלו ולא מלו וחכמים אומרים טבל ולא מל מל ולא טבל אין גר עד שימול ויטבול
20 Die Rabbanan lehrten: Ein Proselyt, der beschnitten worden und nicht untergetaucht ist, gilt, wie R. Elie͑zer sagt, als Proselyt, denn dies finden wir bei unseren Vorfahren, sie waren beschnitten und nicht untergetaucht. Ist er untergetaucht und nicht beschnitten worden, so gilt er, wie R. Jehošua͑ sagt, als Proselyt, denn dies finden wir bei unseren Stammüttern, sie waren untergetaucht und nicht beschnitten worden. Die Weisen sagen, wenn er untergetaucht und nicht beschnitten worden oder beschnitten worden und nicht untergetaucht ist, gelte er nicht als Proselyt; nur wenn er beschnitten worden und untergetaucht ist.
כא ורבי יהושע נמי נילף מאבות ור"א נמי נילף מאמהות וכי תימא אין דנין אפשר משאי אפשר
21 Sollte auch R. Jehošua͑ von der Vorfahren, und ebenso auch R. Elie͑zer von den Stammüttern folgern!? Wolltest du erwidern, er folgere nicht hinsichtlich des Möglichen vom Unmöglichen,
כב והתניא ר"א אומר מנין לפסח דורות שאין בא אלא מן החולין נאמר פסח במצרים ונאמר פסח בדורות מה פסח האמור במצרים אין בא אלא מן החולין אף פסח האמור לדורות אין בא אלא מן החולין
22 so wird ja gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Woher, daß das Pesaḥopfer der späteren Generationen nur von Profanem darzubringen ist? In Miçrajim ist das Pesaḥopfer geboten worden und für die späteren Generationen ist das Pesaḥopfer geboten worden, wie das in Miçrajim gebotene Pesaḥopfer von Profanem dargebracht wurde, ebenso ist das für die späteren Generationen gebotene Pesaḥopfer von Profanem darzubringen.
כג א"ל ר' עקיבא וכי דנין אפשר משאי אפשר א"ל אע"פ שאי אפשר ראיה גדולה היא ונלמד הימנה
23 R. A͑qiba sprach zu ihm: Ist denn hinsichtlich des Möglichen vom Unmöglichen zu folgern!? Jener erwiderte: Obgleich es nicht möglich war, dennoch ist dies ein bedeutender Beweis, und man folgere hiervon. –
כד אלא
24 Vielmehr,