Yevamot 96

Kapitel 96

א ר' אליעזר אומר אביה אביה ממש אמה אמה ממש ר"ע אומר אביה ואמה זו עבודת כוכבים וכן הוא אומר (ירמיהו ב, כז) אומרים לעץ אבי אתה וגו'
1 R. Elie͑zer sagt, unter ‘Vater’ sei ihr wirklicher Vater und unter ‘Mutter’ ihre wirkliche Mutter zu verstehen. R. A͑qiba sagt, unter ‘Vater’ und ‘Mutter’ sei der Götzendienst zu verstehen, wie es heißt: <i>die zum Holze sprechen: du bist mein Vater &amp;c</i>.
ב ירח ימים ירח שלשים יום ר"ש בן אלעזר אומר תשעים יום ירח שלשים ימים שלשים ואחר כן שלשים
2 <i>Einen Monat von Tagen.</i> Dreißig Tage. R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, neunzig Tage; <i>einen Monat</i>: dreißig, <i>von Tagen:</i> dreißig, <i>und nachher,</i> dreißig.
ג מתקיף לה רבינא אימא ירח שלשים ימים שלשים ואחר כן כי הני קשיא
3 Rabina wandte ein: Vielleicht: <i>einen Monat:</i> dreißig, <i>von Tagen:</i> dreißig, <i>und nachher,</i> ebenso viel!? – Ein Einwand.
ד ת"ר מקיימין עבדים שאינם מלין דברי רבי ישמעאל רבי עקיבא אומר אין מקיימין אמר ליה ר' ישמעאל הרי הוא אומר (שמות כג, יב) וינפש בן אמתך א"ל בלוקח עבד בין השמשות ולא הספיק למולו הכתוב מדבר
4 Die Rabbanan lehrten: Man darf unbeschnittene Sklaven halten – so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, man dürfe solche nicht halten. R. Jišma͑él sprach zu ihm: Es heißt ja: <i>und sich erhole der Sohn deiner Magd</i>!? Dieser erwiderte: Die Schrift spricht von einem Sklaven, den man bei Sonnenuntergang gekauft hat, und ihn zu beschneiden die Zeit nicht mehr reichte. –
ה דכ"ע מיהת וינפש בן אמתך בעבד ערל כתיב מאי משמע דתניא וינפש בן אמתך בעבד ערל הכתוב מדבר אתה אומר בעבד ערל או אינו אלא בעבד מהול כשהוא אומר (דברים ה, יג) למען ינוח עבדך ואמתך כמוך הרי עבד מהול אמור הא מה אני מקיים וינפש בן אמתך בעבד ערל
5 Alle stimmen überein, daß [die Worte:] <i>und sich erhole der Sohn deiner Magd,</i> sich auf einen unbeschnittenen Sklaven beziehen; woher dies? – Es wird gelehrt: <i>Und sich erhole der Sohn deiner Magd;</i> die Schrift spricht von einem unbeschnittenen Sklaven. Du sagst, von einem unbeschnittenen Sklaven, vielleicht ist dem nicht so, sondern von einem beschnittenen Sklaven? Es heißt bereits: <i>damit ruhe dein Sklave und deine Magd gleich dir,</i> und dies gilt vom beschnittenen Sklaven, somit beziehe man [die Worte:] <i>und sich erhole der Sohn deiner Magd,</i> auf einen unbeschnittenen Sklaven.
ו והגר זה גר תושב אתה אומר זה גר תושב או אינו אלא גר צדק כשהוא אומר וגרך אשר בשעריך הרי גר צדק אמור הא מה אני מקיים והגר זה גר תושב
6 <i>Und der Fremdling,</i> das ist der Beisaßproselyt. Du sagst, der Beisaßproselyt, vielleicht ist dem nicht so, sondern der wirkliche Proselyt? – Es heißt bereits: <i>und der Fremde in deinen Toren,</i> und dies gilt vom wirklichen Proselyten, somit beziehe man [die Worte:] <i>und der Fremdling,</i> auf den Beisaßproselyten.
ז אמר רבי יהושע בן לוי הלוקח עבד מן העובד כוכבים ולא רצה למול מגלגל עמו עד י"ב חדש לא מל חוזר ומוכרו לעובדי כוכבים
7 R. Jehešua͑ b. Levi sagte: Wenn jemand einen Sklaven von einem Nichtjuden gekauft hat und er sich nicht beschneiden läßt, so befasse er sich mit ihm zwölf Monate, und wenn er sich bis dahin nicht beschneiden ließ, verkaufe er ihn weiter an einen Nichtjuden.
ח אמרוה רבנן קמיה דרב פפא כמאן דלא כר' עקיבא דאי ר"ע האמר אין מקיימין אמר להו רב פפא אפילו תימא ר' עקיבא הני מילי היכא דלא פסקא למילתיה אבל היכא דפסקא למילתיה פסקא
8 Die Jünger sprachen zu R. Papa: Also nicht nach R. A͑qiba, denn R. A͑qiba sagt, man dürfe ihn nicht halten. R. Papa erwiderte ihnen: Man kann sagen, auch nach R. A͑qiba, denn dies gilt nur da, wo dies nicht feststeht, wenn dies aber feststeht, steht es ja fest.
ט אמר רב כהנא אמריתא לשמעתא קמיה דרב זביד מנהרדעא אמר לי אי הכי כי אמר ליה ר"ע בלוקח עבד בין השמשות לישני ליה הא חדא מתרי טעמי קאמר
9 R. Kahana sagte: Als ich diese Lehre R. Zebid aus Nehardea͑ vortrug, sprach er zu mir: Weshalb erwiderte demnach R. A͑qiba: wenn man einen Sklaven bei Sonnenuntergang gekauft hat, sollte er doch dies erwidert haben!? – Er erwiderte eine von zwei Antworten.
י שלח רבין משמיה דרבי אילעאי וכל רבותי אמרו לי משמו איזהו עבד ערל שמותר לקיימו זה שלקחו רבו על מנת שלא למולו אמרוה רבנן קמיה דרב פפא כמאן דלא כרבי עקיבא דאי ר"ע האמר אין מקיימין אמר להו רב פפא אפילו תימא רבי עקיבא ה"מ היכא דלא אתני בהדיה אבל היכא דאתני אתני
10 Rabin ließ mitteilen: R. Ilea͑ sagte, und ebenso sagten all meine Lehrer in seinem Namen: Ein unbeschnittener Sklave, den man halten darf, ist derjenige, den sein Herr gekauft hat in der Absicht, ihn nicht zu beschneiden. Die Jünger sprachen vor R. Papa: Also nicht nach R. A͑qiba, denn R. A͑qiba sagt, man dürfe ihn nicht halten. R. Papa erwiderte ihnen: Man kann sagen, auch nach R. A͑qiba, denn dies gilt nur von dem Falle, wenn er dies nicht mit ihm vereinbart hat, wenn er dies aber mit ihm vereinbart hat, hat er es ja vereinbart.
יא אמר רב כהנא אמריתא לשמעתא קמיה דרב זביד מנהרדעא וא"ל אי הכי כי קאמר ליה רבי עקיבא בלוקח עבד בין השמשות ולא הספיק למולו לישני ליה הא
11 R. Kahana sagte: Als ich dies R. Zebid aus Nehardea͑ vortrug, sprach er zu mir: Weshalb erwiderte demnach R. A͑qiba: wenn man einen Sklaven bei Sonnenuntergang gekauft hat, und ihn zu beschneiden die Zeit nicht mehr reichte, sollte er doch dies erwidert haben!? –
יב וליטעמיך לישני ליה הך אלא חד מתרי ותלת טעמי קאמר
12 Auch nach deiner Auffassung sollte er doch jenes erwidert haben!? Vielmehr erwiderte er eine von zwei oder drei Antworten.
יג יתיב רבי חנינא בר פפי ורבי אמי ור' יצחק נפחא אקילעא דרבי יצחק נפחא ויתבי וקאמרי עיר אחת היתה בארץ ישראל ולא רצו עבדיה למול וגלגלו עמהם עד שנים עשר חדש וחזרו ומכרום לעובדי כוכבים
13 R. Ḥanina b. Papi, R. Ami und R. Jiçḥaq der Schmied saßen an der Tür R. Jiçḥaq des Schmiedes und erzählten: Im Jisraéllande war eine Stadt, da die Sklaven sich nicht beschneiden lassen wollten; man befaßte sich mit ihnen zwölf Monate und verkaufte sie weiter an Nichtjuden.
יד כמאן כי האי תנא דתניא הלוקח עבד מן העובד כוכבים ולא רצה למול מגלגל עמו עד שנים עשר חדש לא מל חוזר ומוכרו לעובדי כוכבים ר' שמעון בן אלעזר אומר אין משהין אותו בארץ ישראל מפני הפסד טהרות ובעיר הסמוכה לספר אין משהין אותו כל עיקר שמא ישמע דבר וילך ויאמר לחברו עובד כוכבים
14 Dies nach dem Autor der folgenden Lehre: Wenn jemand einen Sklaven von einem Nichtjuden gekauft hat und er sich nicht beschneiden läßt, so befasse er sich mit ihm zwölf Monate, und wenn er sich bis dahin nicht beschneiden ließ, verkaufe er ihn weiter an einen Nichtjuden. R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, im Jisraéllande halte man ihn nicht, wegen der Unbrauchbarmachung der reinen Speisen. In einer Stadt nahe der Grenze halte man ihn überhaupt nicht, weil er etwas hören und es seinen nichtjüdischen Genossen weiter erzählen könnte.
טו תניא רבי חנניא בנו של רבן גמליאל אומר מפני מה גרים בזמן הזה מעונין ויסורין באין עליהן מפני שלא קיימו שבע מצות בני נח רבי יוסי אומר גר שנתגייר כקטן שנולד דמי אלא מפני מה מעונין לפי שאין בקיאין בדקדוקי מצות כישראל אבא חנן אומר משום ר' אלעזר לפי שאין עושין מאהבה אלא מיראה
15 Es wird gelehrt: R. Ḥananja, der Sohn R. Gamliéls, sagte: Die Proselyten in der Jetztzeit werden deshalb unterdrückt und von Leiden heimgesucht, weil sie die sieben Gebote der Noachiden nicht gehalten haben. R. Jose sagt, ein Proselyt, der sich bekehrt, gleiche einem neugeborenen Kinde, und nur deshalb werden sie unterdrückt, weil sie in den Einzelheiten der Gebote nicht gleich den Jisraéliten kundig sind. Abba Ḥanan erklärte im Namen R. Elea͑zars: Weil sie es nicht aus Liebe, sondern aus Furcht tun.
טז אחרים אומרים מפני ששהו עצמם להכנס תחת כנפי השכינה אמר ר' אבהו ואיתימא ר' חנינא מאי קראה (רות ב, יב) ישלם ה' פעלך ותהי משכורתך שלמה מעם ה' אלהי ישראל אשר באת לחסות וגומר:
16 Manche sagen: Weil sie gesäumt haben, unter die Fittige der Göttlichkeit zu kommen. R. Abahu, nach anderen R. Ḥanina, sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: <i>vergelte dir der Herr deine Tat, und dein Lohn sei vollkommen vom Herrn, dem Gott Jisraéls etc. dich zu bergen du gekommen bist</i>.